Galopp+Insider Anke Dahlhaus: „Von einer Rehoming-Anlage für ehemalige Rennpferde träumte ich schon lange“


Adventskalendar

Wenn ein Rennpferd seine Laufbahn beendet und nicht gerade das Zeug zum Deckhengst oder Zuchtstute hat, dann verschwindet es oft aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit. Dabei ist es ganz besonders wichtig, dass ein ehemaliger vierbeiniger Leistungssportler anschließend nicht nur in gute Hände kommt, sondern auch entsprechend auf eine neue Rolle als Freizeitpferd vorbereitet wird. Anke Dahlhaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, ehemalige Rennpferde auf ihre neue Rolle hinzuarbeiten.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet sie, wie sie ihren Traum mit Liberty’s Home in die Tat umsetzte.

Anke Dahlhaus auf Call for Liberty, dem Namensgeber für die Rehoming Anlage Liberty’s Home.

„Meine Leidenschaft für Pferde begann klassisch auf irgendeinem armen Pony, das unmotiviert auf einer Kirmes seine Runden schlich. Gott sei Dank ist man mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass das Tierquälerei ist und abgeschafft wurde.

Schnell war jedoch klar: Ich möchte richtig reiten können und alles über Pferde erfahren, was man nur lernen kann. Gesagt, getan. Ich bekam im Alter von zehn Jahren voller Stolz meine erste Zehnerkarte und den lang ersehnten Reitunterricht zu meinem Geburtstag. Von nun an gab es kein Halten mehr, und ich verbrachte jede freie Minute im Stall und hatte eines der begehrten Pflegeponys in meiner Obhut. So lernte ich bereits früh, Verantwortung für das mir überlassene Pferd zu übernehmen. Dies beinhaltete natürlich ebenfalls, dass ich alles über Pferde an sich lernte: Verhalten, Haltung, Fütterung, Erkrankungen.

Eines Tages bezog der Englische Vollblüter Laurel eine Box in unserem Reitstall. Unser Stallbetreiber trainierte ihn selbst, und die Wintermonate verblieb er zur Erholung im Reitstall. Mein Trainer vertraute mir die Pflege des hübschen Fuchs-Hengstes an. Ich durfte ihn ebenfalls reiten und ihn zu den Rennen begleiten. Anfang der 80er Jahre wurde also der Grundstein für meine Liebe zu dieser Rasse und dem Rennsport gelegt. Und der Devise „Einmal Blüter, immer Blüter“ bin ich bis heute treu geblieben.

Gruppesieger Eric im Urlaub auf Anke Dahlhaus‘ Anlage in Weeze.

Es vergingen viele Jahre, bis ich endlich in den Genuss eines eigenen Pferdes kam. Die Frage nach der Rasse stellte sich dabei natürlich nicht. Und so besaß ich zwölf Jahre lang den wunderbaren Ex-Galopper Courieux, den ich selbst vom Rennpferd zum Freizeitpferd umgeschult habe. Leider musste ich ihn aufgrund einer unheilbaren Infektion im Bein im Alter von 22 Jahren einschläfern lassen.

Meine Leidenschaft für die Galopper und den Rennsport hielt danach aber weiter an, so dass ich mir wieder einen neuen vierbeinigen Vollblut-Partner wünschte. So zog Call for Liberty bei mir ein, der nun seit fünf Jahren bei mir lebt und mir ein treuer Freund geworden ist. Mit ihm ergaben sich auf unterschiedlichste Wege Kontakte zu Trainern und Besitzern. Ich half einige Jahre im Rennstall aus, betreute Rennpferde sowohl im Rennstall als auch auf Reisen und vermittelte währenddessen auch noch unzählige Ex-Rennpferde in den Freizeitbereich. Bei vielen stand ich während der Umschulung mit Rat und Tat zur Seite. Dabei kristallisierten sich immer wieder die gleichen Probleme raus, und ich stellte mir die Frage: Wie soll jemand ein Ex-Rennpferd zum Freizeitpferd umschulen, wenn er den Alltag und das Vorleben seines Pferdes gar nicht kennt? Eines war klar: Nicht jeder, der sich für einen Blüter von der Bahn als Reitpferd interessiert, kann in die Welt des Galopprennsports eintauchen, um zu verstehen, warum dieses oder jenes mit dem neuen Pferd nicht funktionieren kann. Also gab es in meinen Augen nur einen einzigen Weg, diese Probleme von vornherein gar nicht erst entstehen zu lassen. Indem man das Pferd von der Bahn von erfahrenen Händen umschult, bevor es in den Freizeitbereich verkauft wird. Damit erspart man sowohl Pferd als auch Neubesitzer viel Leid.

Sicht auf Liberty’s Home von der Nierser Seite.

So wuchs in mir immer mehr der Wunsch, das Umschulen und Vermitteln der ehemaligen Rennpferde auf einem eigenen Hof professionell anzubieten. Die Bedingungen, unter denen einige ehemalige Rennpferde aus dem Galopprennsport in den Freizeitbereich ausscheiden, sind nicht gerade optimal. Nicht selten werden sie egal an wen verkauft, nur damit sie schnell vom Hof sind. Dabei muss sich der Neukäufer auf die Aussage „der ist brav“ verlassen. Problem dabei: Leute, die im Rennsport arbeiten, haben eine völlig andere Vorstellung von „der ist brav“, als der allgemeine Freizeitreiter.
Einige Vermittlungen direkt aus dem Rennstall gelingen natürlich, doch dieser Anteil ist verschwindend gering, wenn man bedenkt, wie viele Pferde jedes Jahr die Bahnen verlassen, sobald die Jährlinge ihre Boxen in den Rennställen beziehen.

Ende letzten Jahres ergab sich für meine Familie und mich die einmalige Chance, ein wunderschönes Anwesen in Weeze zu pachten. Mit 25.000 qm Land, 20 Innen- und Außenboxen (Ausbau weiterer Boxen möglich) und einer kleinen Reithalle bietet die komplett eingezäunte Anlage alles, wovon Zwei- und Vierbeiner träumen. Jetzt war erstmal guter Rat teuer, und die Köpfe rauchten Tag und Nacht, ob man sich auf das Wagnis Umzug von Düsseldorf City aufs Land und das Führen einer Anlage in diesem Ausmaß einlassen sollte. Zwei sehr gute Freundinnen aus dem Rennsport waren von Anfang an eingeweiht und von meinem Konzept sofort begeistert, weil das schöne Grundstück zudem auch noch die Möglichkeit bot, Rennpferde vorübergehend zur Rekonvaleszenz oder einfach nur mal zur mentalen Pause aufzunehmen. Sie motivierten mich, meine Pläne in die Tat umzusetzen und sagten mir ihre Unterstützung zu.

Überblick über Liberty’s Home.

Und so pachteten wir die Anlage und zogen mit Mann und Maus nach Weeze. Mit Liberty’s Home (www.libertyshome.com) hat sich also nach vielen Jahren mein Traum erfüllt, die Bedingungen für ausscheidende Rennpferde professionell zu verbessern. Zurzeit ist es gesamt gesehen zwar noch der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin, der Anfang ist gemacht. Rehoming Anlagen sind in anderen Ländern längst keine Seltenheit mehr. Sie werden dort zum Teil sogar vom Verband unterstützt. Es wäre wirklich mehr als wünschenswert, wenn im Rennsport alle an einem Strang ziehen würden, so dass sich die Bedingungen für alle Ex-Galopper, die verkauft werden sollen, erheblich verbessern. Zudem wird damit gleichzeitig auch noch etwas Positives für das Bild des Rennsports in der Öffentlichkeit getan.

Erika Mäder mit ihren ehemaligen Schützlingen Hoseo und Ramblin Shadow.

Ach ja, vielleicht interessiert Euch noch, wer die zwei guten Freundinnen sind? Es sind Besitzerin und Züchterin Gabriele Gaul und Trainerin Erika Mäder, bei denen ich mich hiermit ganz öffentlich noch einmal für alles, was sie für die Entstehung von Liberty’s Home getan haben und auch noch weiterhin tun, bedanken möchte. Zwei gute Seelen im Rennsport, denen es stets in erster Linie um das Wohl der Pferde geht.“

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