Klug gegen Wöhler oder ein starker Engländer im Hauptstadt-Marathon?

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Markus Klug gegen Andreas Wöhler – diese Konstellation zieht sich durch die Top-Rennen im deutschen Galopprennsport in diesen Wochen und wird sicherlich auch im weiteren Verlauf der Saison das Motto sein, so auch am Sonntag auf dem Hauptstadt-Hippodrom in Hoppegarten. Die beiden derzeit führenden Ställe Deutschlands, der Champion gegen den Chef des größten Quartiers. Beide können in den Gruppe-Rennen aus dem Vollen schöpfen und beide agieren in bestechender Form. Markus Klug gewann noch am vergangenen Sonntag in Köln mit dem 82. Gerling-Preis (Dschingis Secret) das erste Rennen der German Racing Champions League-Serie 2017. Am Montag zuvor hatte Kollege Wöhler mit Warring States das Bavarian Classic und damit eine wichtige Derby-Vorprüfung in seinen Stall geholt. Diesmal haben es die beiden auf den großen „Galopp-Marathon“ von Berlin abgesehen, das 46. Comer Group International Oleander-Rennen.

Mit einem Preisgeld von 70.000 Euro handelt es sich um das bedeutendste Langstrecken-Event über 3.200 Meter bei uns. Nach einer sehr willkommenen Status-Aufwertung handelt es sich nun um eine Gruppe II-Prüfung. Wer hier gewinnen will, der muss eine sprichwörtliche Pferdelunge, also Ausdauer en masse, mitbringen. Das ist manchmal entscheidender als die Klasse, denn es gab immer wieder Überraschungen, wie ein Blick auf die Siegerliste beweist.

Ab dem Jahr 2012 haben mit einer Ausnahme ausschließlich Wöhler-Pferde hier gewonnen – 2016 der Riesenaußenseiter Wasir (170:10), sowie in den Jahren 2012 bis 2014 stets Altano.  Unterbrechen konnte diese Serie nur Markus Klug im Jahr 2015 – mit Stall Reckendorfs Ephraim, der wie Wasir vor zwölf Monaten jede Rechnung auf den Kopf stellte. Jockey Eugen Frank verstand es damals mit diesem an der Spitze die Konkurrenz regelrecht einzuschläfern und eigentlich deutlich höher eingeschätzte Gegner nach diesem taktischen Manöver hinter sich zu lassen.

Diesmal setzt Klug vor allem auf Near England (Adrie de Vries), eine Stute, die 2016 als Siegerin des klassischen St. Leger in Dortmund zur Steher-Königin aufstieg. Aber auch Bebe Cherie (Martin Seidl) hat ihr Marathon-Format schon unterstrichen und kann zumindest in die Platzierung laufen.

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Andreas Wöhler ist ebenfalls mit einem Duo im Oleander-Rennen 2017 vertreten, wobei sicherlich Red Cardinal (Eduardo Pedroza) das gemeinte Pferd ist. Australian Bloodstock als Besitzer ist ein Erfolgsgarant, nicht erst seit den Zeiten eines Protectionist, der 2016 hier im Großen Preis von Berlin die Hauptstadt eroberte. Auch Delectation, die Gewinnerin des Schwarzgold-Rennens in Köln ist ein aktuelles Beispiel, welche Cracks diesen blauen Dress tragen. Red Cardinal selbst ist ein fünfjähriger Wallach, der Eduardo Pedroza im Sattel haben wird.

Man kennt den Montjeu-Sohn noch nicht so lange bei uns, denn nach einigen Starts in seiner früheren Heimat England stellte er sich erst einmal in Deutschland vor – und blieb dabei als Zweiter im Preis von Europa in Köln u.a. vor Kasalla, die am Sonntag Dritte im Gerling-Preis war. Aber auch auf 2.700 Metern war er schon gruppeplatziert (in den Geoffrey Freer Stakes) und sollte auch auf 500 Meter längerer Strecke ein starker Faktor sein, zumal man vielleicht noch im November in den Melbourne Cup (ebenfalls über 3.200 m) gehen möchte, was 2016 aufgrund des zu niedrigen Ratings nicht klappte.

Die andere Wöhler-Hoffnung Rock of Romance (mit dem Belgier Stephen Hellyn) ist dagegen ein alter Bekannter im Oleander-Rennen – 2014 war er Zweiter und im Vorjahr Vierter hier. Allerdings hatte er kürzlich in einem neuen Listenrennen in Hoppegarten keine ernsthafte Chance und blieb u.a. hinter dem Polen Caccini (Tomas Lukasek), einem einstigen Seriensieger aus Polen, dem Ex-Engländer Seismos (Iannis Poullis) und Iraklion (Michael Cadeddu), alles ausgewiesenen Steher-Assen. Sie alle kommen mit Sicherheit wieder für einen vorderen Platz in Frage, aber ob sie Wöhler oder Klug gefährlich werden können, muss man sehen.

Ganz anders ist die Ausgangsposition in diesem internationalen Top-Aufgebot für den Engländer Nearly Caught (Adam Kirby). Seine Form u.a. aus dem Prix du Cadran (Gr. I), dem Steher-Contest am Arc-Tag 2016, war grandios und machte ihn sogar zum Favoriten im RaceBets-Wettmarkt.

Auch die Gruppesiegerin Son Macia (Daniele Porcu) und San Salvador (Alexander Pietsch), beide für den so erfolgreichen Neutrainer Andreas Suborics, der aufstrebende Münchener Gast Be Famous (mit dem Franzosen Mickael Berto), der mit Sarah Steinberg, ebenfalls von einer Newcomerin betreut wird, oder unser bester Halbblüter Apoleon aus dem „Ostsee-Stall“ von Anna Schleusner-Fruhriep wollen hier mitmischen. Es wäre nicht das erste Mal, wenn ein Underdog hier den arrivierten Ställen einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Daher sollten Sie auch den ein oder anderen Außenseiter in ihre Wetten einbeziehen.

Lesen Sie dazu auch unseren Galopp-Insider-Text im RaceBets Blog mit Annika Fust, der Trainerin des Überraschungs-Pferdes Mighty Mouse (Zum Artikel).

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