Insider-Talk mit Marie Lindinger: „Schwimmen ist auch für Pferde sehr wichtig“

Insider-Talk mit Marie Lindinger
Marie Lindinger, Foto: Wiebke Brem
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Marie Lindinger ist im Trabrennsport jedem ein Begriff, aber auch immer mehr Galopperfreunde kennen die Münchenerin inzwischen, denn sie leitet ein Pferde-Therapiezentrum in Aschheim.

Exklusiv auf dem RaceBets-Blog berichtet sie im Insider-Talk über ihre Einrichtung.

Marie Lindinger
Marie Lindinger, Foto: Wiebke Brem

Sie betreiben ein Pferde-Therapiezentrum in Aschheim bei München. Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe? Wie sind Sie Tierärztin geworden?

Marie Lindinger: Bereits in meiner Kindheit bin ich geritten, war in meiner Jugend, wie viele Mädchen, sehr Pferdebegeistert, und dann kam ich etwas später mit Themen wie Homöopathie und anderen alternativen Heilverfahren in Berührung.

In dieser Zeit reifte mein Gedanke, Veterinärmedizin zu studieren und anschließend die alternativen Behandlungsmethoden zu integrieren, so dass ein ganzheitlicher Ansatz entsteht. Dies ist die Idee hinter dem Pferdetherapiezentrum. Die Kombination aus klassischer Tiermedizin und alternativen Methoden soll individuell zum Wohle der Pferde eingesetzt werden.

Pferde-Therapiezentrum Aschheim
Pferde-Therapiezentrum Aschheim, Foto: Wiebke Brem

Sie legen großen Wert darauf, dass Pferde bei Ihnen Schwimmen. Was sind die Gründe?

Lindinger: Wir alle wissen, dass Schwimmen für den menschlichen Körper ein idealer Sport ist, da er den Rücken entlastet und sehr viele Einzelmuskeln belastet.  Bei Pferden ist das nicht anders. Gerade bei Sportpferden, egal ob aus dem Renn- oder Reitsport, ist die Entlastung des Rückens, einem besonders beanspruchten Teil des Pferdekörpers, sehr wichtig.

Außerdem werden beim Schwimmen Muskeln beim Pferd belastet, die beim Laufen nicht benötigt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Schwimmen sehr schonend für Gelenke und Sehnen ist, so dass es in der Rehabilitation nach Verletzungen am Bewegungsapparat ideal eingesetzt werden kann.

Louis
Louis, Foto: Wiebke Brem

Was sind die weiteren Vorzüge Ihrer Einrichtung und unterscheidet sie von anderen Zentren?

Lindinger: Neben dem Pool, den es in Deutschland so nicht noch einmal gibt, werden im Pferdetherapiezentrum verschiedene Therapieansätze kombiniert. Eine große Rolle spielt NeuroStim, mit dem die Muskeln des Pferdes bearbeitet werden. Zum Einsatz kommt Equitron, ein Therapiesystem, auf Basis von elektromagnetischen Impulsen. Außerdem arbeiten wir mit Lichttherapie und mit Metavital einem Diagnose- und Behandlungssystem. Wir verfügen über eine Inhalier-Boxe zur Behandlung von Atemwegsproblemen. 

Mehrere Therapeutinnen, kümmern sich täglich um die Patienten, sodass für jedes Pferd die individuelle und ideale Therapie nicht nur geplant sondern auch umgesetzt werden kann. Außerdem und das ist genauso wichtig wie die vielen Instrumente und Hilfsmittel verfügen wir über viel Platz, so dass die Pferde ausgedehnte Koppelgänge genießen können. Grasbahn, Sandbahn und Trainingsbahn sind vor allem für die Traber ideal, ein Reitplatz steht ebenfalls zur Verfügung und zwei große Führmaschinen, womit für ausreichende Bewegung gesorgt ist.

Aschheim
Aschheim, Foto: Wiebke Brem

Behandeln Sie in erster Linie akute Fälle oder auch Pferde nach der Rennkarriere?

Lindinger: Wir haben uns im Therapiezentrum in erster Linie auf die Rehablitiation verlegt, also auf den Teil der Behandlung, die das Pferd wieder an den Leistungssport heranführt, es wieder fit für den Renn- oder Reitbetrieb macht. Außerdem liegt ein großer Schwerpunkt auf dem Bereich der Diagnose.

Hier arbeite ich eng mit Dr. Silvana Grass zusammen, die alle 14 Tage einen Abstecher nach Aschheim macht. Hier werden dann ein bis zwei Tage lang Diagnosen mittels Ultraschall und Röntgen gestellt. Nur mit einer richtigen Diagnose ist es möglich, die richtige Behandlung zu finden, und deshalb muss man diese Zeit auch aufwenden, um die Problembereiche der Pferde zu finden.

Für uns ist es besonders wichtig, dass es beim Pferd erst gar nicht zur Verletzung kommt, sondern bereits vor einer solchen präventiv gegengesteuert wird. Das ist nicht leicht und gelingt natürlich nicht immer, aber wir haben viele Fälle wo wir im Vorfeld entsprechende Therapieformen empfohlen und durchgeführt haben und in der Folge sind die Pferde so gut wie verletzungsfrei über ihre Karriere gekommen.

Pferde-Therapiezentrum Aschheim
Pferde-Therapiezentrum Aschheim, Foto: Wiebke Brem

Wer sind Ihre Kunden?

Lindinger: In erster Linie behandeln wir Pferde aus dem Trab- und Galopprennsport. Dazu aber auch viele Reitpferde gleich ob Dressur- oder Springsport und sehr viele Hobbypferde. Was beim Rennpferd funktioniert, funktioniert erst Recht bei den Freizeitpferden, deren Belastungen doch etwas geringer sind. Und wir freuen uns über jedes Pferd das zu uns kommt.

Welche Klientel aus dem Galopper-Bereich haben Sie?

Lindinger: Die Münchner Trainer waren fast alle schon bei uns. Derzeit haben wir Pferde aus der Schweiz bei uns und, auch Carina Fey hat Jungleboogie wieder nach München geschickt.

Louis
Louis, Foto: Wiebke Brem

Was haben Sie mit ihm für eine Behandlung vorgesehen?

Lindinger: Er kommt in erster Linie zur Erholung zu uns und darf viel Schwimmen, was ihm sehr viel Spaß bereitet. Im vergangenen Jahr war er bereits bei uns in Aschheim, lief danach sehr erfolgreich und so waren die Besitzer, der Schweizer Stall Allegra der bei uns viele Pferde behandeln lässt auch jetzt bereit ihren Star in unsere Obhut zu geben.

Sie waren früher erfolgreiche Amateur-Trabrennfahrerin. Wie war Ihre Erfolgsbilanz? Schlägt Ihr Herz mehr für den Galopp oder Trab?

Lindinger: Ich fahre immer noch Rennen, nur habe ich nicht mehr ganz soviel Zeit wie früher für mein Hobby. Ein Weltrekordjahr wird es von mir sicher nicht mehr geben. Derzeit stehe ich bei 696 Siegen bei rund 3.000 Fahrten und ich denke der ein oder andere Erfolg wird sicherlich noch hinzukommen. Priorität hat bei mir der Trabrennsport, auch wenn ich mit Key to Magic bei Jutta Mayer einen tollen Galopper mein Eigen nenne, der erst kürzlich bei seinem ersten Frankreich-Einsatz gleich den Ehrenplatz belegen konnte. Der Galopprennsport fasziniert mich und die Pferde gefallen mir unheimlich gut, aber die Traber sind mir einfach noch ein kleines Stück näher.

Marie Lindinger
Marie Lindinger

Ist Ihre Familie auch im Rennsport involviert?`

Lindinger: Mein Vater ist seit vielen Jahrzehnten Traberbesitzer und Eigner des Stalles Wieserhof. Er verfolgt den Sport mit größter Faszination und hat immer ein gutes Dutzend aktiver Pferde. Meine Mutter fährt ab und zu Rennen und teilt die Begeisterung meines Vaters, so dass in München eigentlich kein Renntag ohne meine Eltern über die Bühne geht. Außerdem haben wir einen Hengst mit dem wir einige Traber gezüchtet haben. Corleone ist der Vater von Donna Granata und Provenzano, die in den beiden letzten Jahren zusammen etwas mehr als 20 Rennen gewonnen haben und viel Freude bereiten. 

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Lindinger: In meiner Freizeit reite ich gerne im Gelände spazieren. Ich gehe gerne ins Kino und in Konzerte oder lasse einfach zusammen mit meinem Lebensgefährten die Seele baumeln. Da zwischen Therapie, Rennen und Fortbildung nicht mehr viel Freizeit übrig bleibt, ist diese Zeit sehr kostbar für mich. 

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