Insider-Talk mit Peter Huber: „Ohne Pferd bin ich nie auf der Rennbahn“

Insider-Talk mit Peter Huber

Adventskalendar

Auch in Deutschland sind er und seine Pferde gern gesehene Gäste – Peter Huber ist seit vielen Jahren erfolgreicher Eigner von Galoppern aus Österreich. Doch wie hat bei ihm alles angefangen? Und wie sind seine Hoffnungen für die Zukunft? Exklusiv im RaceBets-Blog erzählt er seine Geschichte.

Vor 60 Jahren entstand die Leidenschaft für Pferde

„Bezüglich der wahrscheinlichen Entstehung meiner Leidenschaft für Pferde muss ich mühsam weit, rund 60 Jahre, zurückschauen: In der Nähe meines Elternhauses liegt Wasserburg. Ein abgelegener Ort mit ein paar Bauernhäusern, in seinem Mittelpunkt das Seilern`sche Wasserschloß aus der Barockzeit. Für mich als Kleinkind schon ein Ort, wo die Welt in Ordnung schien, mit den Stuten und Fohlen auf den  weitreichenden Koppeln des gräflichen Gestütes als Anziehungspunkt.

Möglicherweise wäre ich damals schon lieber bei den Pferden geblieben, aber mein Vater war Lehrer und Skifahrer und demgemäß die Skirennpiste mein erster Sportplatz. In der Unterstufe meiner Gymnasialzeit begann ich mit Schulkollegen Musik zu machen und mit dem nebenher laufenden Schlagzeugunterricht am Konservatorium Wien hatten wir bald eine auftrittsreife (heute würde  ich sagen „bedingt auftrittsreife“) 6-Mann-Band, und spielten jeden Freitag, Samstag und Sonntag Tanzmusik in einem Lokal.

Die heutigen Rennen bei RaceBets

Wir waren damals zwischen 15 und 16 Jahre alt und jeder von uns bekam nach dem Sonntags-5-Uhr Tee 600 Schilling ausbezahlt, zu meinem wöchentlichen Taschengeld von 5 Schilling. Von 600 haben wir am Montag 500 Schilling beim Musikhändler abgegeben und Musikinstrumente bester Qualität abbezahlt. Bei 9 Schilling für ein belegtes Brot und Getränk konnten wir die restlichen 100 Schilling kaum ausgeben, ein kleiner Kaffee kostete 2,50.

Dieses, mein selbstständiges Agieren war möglich, weil sich mein Vater beziehungsmäßig neu orientierte und meine Mutter mit meinen 6 jüngeren Geschwistern ausreichend beschäftigt war.

Peter Huber
Peter Huber am 04.09.2021 in Baden-Baden

Nach zwei Jahren hatte ich von der Tanzmusik genug und mit dem Anteil an der Tonanlage kaufte ich mir ein Pferd. Ich dachte, ein Vollblut, aber es war ein Traber-Vollblut. Ich pachtete eine Wiese, natürlich in meinem geliebten Wasserburg, baute einen Stall und kam drauf, dass mich das Herumreiten im Wald nicht interessierte.

Im Zuge meiner Bekanntschaft mit dem damaligen Gestütsmeister Heinz Lazarini, der ist heute über 80 Jahre alt und hoch geschätzter Freund, von dem ich viel gelernt habe. Sozusagen den Sport, wie ihn die Engländer erfunden haben.

Die nächsten Jahre begann ich während des Weiterstudiums an der Hochschule für Musik ein 15 Jahre dauerndes Engagement am Stadttheater St. Pölten. Mit dem Wissen aus Fachliteratur aus aller Welt fand ich mit der fünfjährigen LINDRICK LASS die Gründerstute, auf die alle meine Pferde zurückgehen. In der Genetik vorhandene Frühreife und Grundschnelligkeit schien mir wichtig. Gegen die Großen einen Derbysieger zu züchten, war nie mein Plan.

Meadow Pride der große Stolz

Fleur du Pre mit Maxim Pecheur und Besitzertrainer Peter Huber nach dem Sieg
Fleur du Pre mit Maxim Pecheur und Besitzertrainer Peter Huber nach dem Sieg, Galopprennbahn Leipzig-Scheibenholz, Foto: Galoppfoto

Diese kleine hübsche Wiese war namentlich mein Gestüt TINY MEADOW, das fünfte Fohlen vom Seilern`schen NOBILIS aus der LINDRICK LASS die Stute MEADOW`S PRIDE, namentlich der Stolz von Tiny Meadow. Meadow`s Pride gewann spielend alle Zweijährigen-Rennen und dreijährig den internationalen Großen Preis von Österreich und – obwohl eine Fliegerin – auch den österreichischen Stutenpreis über 2.000m in Rekordzeit.

MEADOW`S PRIDE gilt als höchsteingestufte dreijährige Stute Österreichs aller Zeiten, mit einem GAG von 96 Kilo und einer Gewinnsumme von 600.000 Schilling. Sie brachte 13 Fohlen und ich musste sie nach 10 Jahren im Ruhestand im Alter von 34 Jahren voriges Jahr einschläfern lassen. Dabei kam sie am Beginn ihrer Zuchtlaufbahn nach zweijährigem Aufenthalt im Haras de Victot nach Bedeckungen durch Script Ohio und Saint Andrews leer nach Hause. Bei mir brachte sie dann 10 Fohlen in Folge zur Welt.

Da war ich schon in das Gestüt Wasserburg des ehemaligen Grafen umgezogen. Neben Theater und Musikschule betrieb ich mit Freunden Tiny Meadow in größerem Umfang ungefähr 15 Jahre lang mit meinem Deckhengst RESON LAFFITTE, der mit oft nur 1 bis 3 Fohlen pro Jahr Championate erringen konnte.

Die wichtigen Zweijährigen-Prüfungen, wie das Esterhazy-Memorial gewannen meine Pferde 5mal, den Österreichischen Stutenpreis 3mal. X-mal waren die Geschwister im Austria-Preis Erster und Zweiter. Alleine der Hengst MORNING DANCE, Zweijährigen-Sieger in Italien, gewann den Austria-Preis 5, oder was weiß ich noch wie oft, Mal. Das kann ich nur aus dem Gedächtnis erzählen, aufgeschrieben habe ich nie etwas. Wofür denn auch?

Gerne denke ich auch an den Sommer 1989 zurück, an einen Renntag in der Freudenau mit dem Preis des Jockey Club. Meine Meadow`s Pride, von mir als Einzelkind aufgezogen und bis zum März des Zweijährigen-Alters zu Hause trainiert, gegen die in Irland aufgezogenen Pferde von Alexander Pereira, bekannt als Rennpferdebesitzer und als Vorzeige-Manager zwischen Konzerthaus Wien, Züricher und Mailänder Oper. Engagiert für seine Stuten Matutina und Kameliendame waren die Starjockeys Dettori und Philipperon.

Und dann bezwingt Meadow`s Pride alle. Nur mit den Händen geritten vom Stalljockey, der eigentlich die Drittplatzierte reiten wollte. Und bei der Siegerehrung der kleine, depperte Theaterschlagzeuger mit Leiberl und Holzschlapfen. Ich habe mich zu dieser Zeit jeden Abend im Orchestergraben drei Stunden lang durch Oper oder Musical gequält, im schwarzen Anzug mit silberner Krawatte, schwarzen Socken und Schuhen. Und da hätte ich beim Hobby mit meinen geliebten Pferden bei 30 Grad im Schatten im Frack Achsel- und Fußschweiß riskieren sollen? Wäre ich wie „Conchita Wurst“ wie ein zerrupfter Paradiesvogel aufgetreten, wäre ich vielleicht berühmt geworden.

Magritte du Champ wird von Hana Jurankova und Besitzer Peter Huber nach dem Sieg mit Wasser versorgt
Magritte du Champ wird von Hana Jurankova und Besitzer Peter Huber nach dem Sieg mit Wasser versorgt, Foto: Galoppfoto

Dann noch der Renntag zu meinem 50. Geburtstag am 1. November. Monate vorher hatte ich Harald Schneider schon gesagt: „Zum Novemberrenntag komme ich nicht mehr. Immer ein Sauwetter und meist ist alles schiefgegangen. Aber heuer ist eine Ausnahme und da will ich zwei Sieger vom Geläuf abholen“.

Und wirklich. Beide Pferde haben damals gewonnen, mit Filip Minarik im Sattel, der am selben Tag noch für Figge zwei weitere Rennen gewinnen konnte. Daraufhin hat Minarik mit der Chance auf das Jockey-Championat sein Auslandsengagement verschoben, und er hat es wirklich noch geschafft. Und besonders freut mich, dass Filip seinen schweren Sturz so schnell und gut überwunden hat.

Zurück zu meiner Galopper-Geschichte. Das alles passierte außerhalb des Zugriffes durch das Finanzamt, das galt als Liebhaberei, wo ohnehin nichts zu holen war, was eine richtige Einschätzung ist. Der Gewinnumsatz betrug in den besten Jahren bis zu 600.000 Schilling (in den 80er Jahren), ich konnte zu den besten Hengsten nach Deutschland und Frankreich fahren, als erster und einziger Österreicher überhaupt.

An dieser Stelle muss ich unbedingt meine erfolgreiche, jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Gestüt Etzean hervorheben, ebenso die freundschaftliche und fachliche Qualität der dortigen Familie Kredel und den hochgeschätzten Gestütsgründer Heinz Weil, der für mich das verkörperte, was ich einen Sir nenne.

Natürlich habe ich in der langen Zeit mit mehreren Trainern zusammengearbeitet, ich weiß was diese leisten und ich habe mit allen unglaubliche Erfolge erleben dürfen. Hervorheben möchte ich meine Trainer in Wien Stefan Bigus und Gerald Geisler, aber auch meine Trainer in Deutschland Micky und Wolfgang Figge. Die Zusammenarbeiten funktionierten immer sehr lange, und wenn ich sie einmal beendet habe, geschah dies immer im freundschaftlichen Einvernehmen und immer im Bewusstsein des Dankes für Geleistetes. Daher ist auch heute noch immer und überall gerne Zeit für ein Kaffee-Tratscherl.

Die Zusammenarbeit mit meinem jetzigen Trainer und Freund Markus Geisler ist sicherlich meine letzte Station. Die Trainingsmöglichkeiten in der Freudenau und in dem neu gegründeten Gestüt der Familie Sageder sind einzigartig. Vor allem die neue Hackschnitzelbahn, die sich kurvig den Wald hinauf schlängelt, ermöglicht wetterunabhängig konsequentes Trainieren der jungen Pferde, ohne Sehnen und Fesselköpfe übergebührlich zu belasten. Und alle Mitarbeiter sind mit Hirn und Leidenschaft dabei.

Meadow Dew mit Trainer Peter Huber nach dem Sieg
Meadow Dew mit Trainer Peter Huber nach dem Sieg, Foto: Galoppfoto

Ohne Pferd bin ich nie auf einer Rennbahn, fürs nur deppert schauen und in der Hitze herumstehen habe ich keine Zeit, sondern zu viele auch andere Interessen. Wenn ich auch als Musiklehrer in Pension bin, spiele ich immer noch in der einen oder anderen Jazzrock-Gruppe Schlagzeug, außerdem leidenschaftlich Tennis. Und sowieso bin ich gerne in meinem Gestüt zu Hause.

Genauso, wie mir das sinnlose Pfeifen der Zuschauer am Fußballplatz bei jedem Eckball auf die Nerven geht, finde ich unpassend, wenn die Zuschauermenge die Pferde beim erstmaligen Vorbeilaufen vor den Tribünen anfeuert, und das auch noch tun soll. Zu meiner Zeit wäre das keinem Rennplatzbesucher eingefallen. Dafür muss man die heutigen Großrennveranstaltungsbesucher extra bitten, das reiterlos gewordene Pferd nicht anzufeuern. Vielleicht nur eine Kleinigkeit.

Schade ist auch um die Rennen für die Zweijährigen auf der Geraden Bahn, angefangen von 800m bis zum Ende der Gegebenheit. Vielleicht noch ein kleiner Vergleich: Mit 1.300 Schilling in der Tasche bin ich früher mit meiner Familie eine Woche lang das Loire-Tal, die Schlösser besichtigend, entlang gefahren, um schlussendlich meine tragende Stute aus dem Haras de Victot heimzuholen. Heute kann ich mit der in Euro umgerechneten Summe gerade einmal mit Frau und Sohn essen gehen.

Und in der Freudenau gab es jede Woche ein Hauptrennen um 100.000 Schilling für den Sieger, plus 30% Züchter- und oft auch Inländerprämien, alles ohne Terror durch das Finanzamt.

Und heute: Ich fahre mit dem Magritte Du Champ nach Krefeld. Ich zahle für Transporter und Treibstoff, Prozente für Trainer und Jockey und Sonstiges. Für die Deutsche Bankrott GmbH 25% Steuer, was ich unserem ehemaligen, zu 8 Jahren nicht rechtskräftig verurteilten, Finanzminister Heinz Grasser zu verdanken habe. (Die Idee mit dem Gegensteuerabkommen aus sportlichen Gewinnen ist dem nach dem ersten 500.000 Dollar-Tennisturnier eingefallen).

„Magritte du Champ ist ein Sonderfall“

Magritte du Champ mit Besitzer Peter Huber
Magritte du Champ mit Besitzer Peter Huber, Foto: Galoppfoto

Und der Magritte du Champ ist ein Sonderfall. Man sagt, die Rennen werden zu 90% im Kopf gewonnen, was ich unterschreibe. Und wir wissen bis heute nicht, warum der Champ seine Trainingsleistungen im Rennen oft nicht umsetzt. Erstmals mit Blinkers aufgeboten, als letzten Versuch schon, gewann der Wallach erstmals in Deutschland im toten Rennen. Danach, wie immer bei meinen Siegern und Platzierten der letzten Jahre, Dopingprobe und diesmal Erklärung, warum keine zu erwartende Formverbesserung angekündigt wurde.

Die Leute dort und in der Rennleitung waren aber alle sehr freundlich und haben sich eigentlich mit mir über den Sieg gefreut. Wahrscheinlich wollten sie bezüglich der Vorgaben von Oben nichts falsch machen. Fazit: Von den gewonnenen 1400 Euro netto bleiben mir, zu Hause angekommen, vielleicht 300 Euro, und da habe den Hunderter extra für Jockey, 50 Euro für die  ständige Reiterin und ein Frühstück für den Stall gar nicht berücksichtigt. Also ein Null-Summenspiel.

Wegen der Dopingprobe ist bis heute noch kein Geld auf meinem Konto. Die Dopingprobe war, wie alle anderen der letzten 45 Jahre negativ. Und da bin ich schon beim nächsten, vielleicht letzten Punkt: Der letzte Renntag mit meinem Sieg mit der Hana und meinem Pferd in Baden Baden war der absolute Wahnsinn. Als herzerfrischend hervorzuheben sind die sympathisch leidenschaftlich geführten Interviews vom Thorsten und die Analysen vom Daniel.

Wie auch generell die Zusammenarbeit mit den Fachleuten im Dachverband immer angenehm funktioniert hat. Heute weiß ich nicht mehr, was ist das Direktorium und was ist Deutscher Galopp.

Manche werden sich vielleicht fragen, warum ich ein Pferd verkaufen will, vor einem Sieg in Baden-Baden. Weil bei diesen Rennpreisen und meinen 1.600 Euro Pension im Monat mein Zucht-und Rennbetrieb einfach nicht mehr möglich ist. Ich habe schon mehrmals anklingen lassen, dass ich nicht einsehe, warum ich mit bald selber 66 Jahren meine nächstes Jahr 20 Jahre alte Dashing Blade-Stute, die heuer ein Stutfohlen von Jimmy Two Times führt, noch einmal decken muss, damit ich für meine deutsch gezogenen Pferde auch in Zukunft Züchterprämien erhalte, was zumindest diese Steuer abfedert. Notgedrungenermaßen wird das bald nur mehr der Reichen-Galopp sein.

Trainer Peter Huber mit Frau im Portrait
Trainer Peter Huber mit Frau im Portrait, Foto: Galoppfoto

Natürlich konnte ich auch immer auf die Unterstützung in meiner Familie zählen, habe auch immer danach getrachtet, dass meine Lieben ob der Pferde nicht zu kurz kommen, was sicher passiert ist, aber nicht dramatisch. Eine Weitergabe meiner Leidenschaft an meinen Sohn habe ich hintan gehalten, auch wenn er hin und wieder einmal im Sattel gesessen ist. Meiner Ansicht gemäß: Ein Wahnsinniger in der Familie reicht.

Unser Sohn Patrick betreibt auch mehrere Sportarten, ist Wissenschaftler und betreibt einen Mountainbike-Abfahrtenpark in Wien. In seinem Beruf als Wissenschaftler hat er mit 33 Jahren zum ersten Mal 1.600 Euro netto verdient.

„In der allerbesten Zeit gelebt“

Ich hatte das Glück, in der allerbesten Zeit leben zu dürfen. Nicht einmal ein Bruchteil von dem, was ich erleben durfte mit den Pferden und der Musik, ist für heutige Generationen möglich. Das ist schade und traurig. Aber mein Vater hat in meine Richtung immer gemeint: Du hast noch nie was gearbeitet. Denn: Alles was Du machst is a Hobby! Und mit dem Vorwurf kann ich immer noch leben.“

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