In 6 Schritten vom Renn- zum Reitpferd


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Vom Renn- zum Reitpferd: Die ersten Wochen

Vor gut 6 Wochen zog der 4-jährige Wallach Saoirse’s Gift aus dem Rennstall Fuhrmann nach Luhmühlen. Das Dorf in Niedersachsen hat in der Vielseitigkeit eine ähnliche Stellung, wie Newmarket im Rennsport. Hier wird Saoirse’s Gift (inzwischen hat er den Stallnamen „Shadow“) in den nächsten Monaten und Jahren zum Reitpferd ausgebildet. Als Rennpferd war Shadow höchst untalentiert. Als Reitpferd bekam er bereits Lob von hochkarätigen Turnierreitern und langjährigen Turnier-Richtern.

Saoirse's Gift heißt inzwischen Shadow
Saoirse’s Gift heißt inzwischen Shadow

Die ersten Wochen laufen für alle meine Pferde recht ähnlich:

Schritt 1: Die Herde

Die Integration in die große, gemischte Herde verlief völlig unspektakulär. Die Haltungsbedingungen ähneln denen, die er vom Rennstall gewöhnt war. Shadow ist in der Herde ein freundlicher und ruhiger Vertreter, der mitflitzt, aber jedem ärger aus dem Weg geht.

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Schritt 2: Handarbeit

Unser erstes Kennenlernen erfolgte am Boden: An der Hand drehten wir erstmal eine Runde über den Hof und später durchs Gelände. Wie fast alle Rennpferde, so ist auch Shadow am Boden sehr gut erzogen. Doch schon aus Versicherungsgründen verlasse ich den Hof nur mit Steiggebiss.

Schritt 3: Longe

Im Reitsport haben wir eher selten Führmaschinen, statt dessen wird im Roundpen oder an der Longe gearbeitet. Viele Rennpferde sind Trab und gar Canter auf solch engen Linien nicht gewohnt. Gruppe-Rennpferd Sibelius ging anfangs nach knapp 1 Runde Canter die Kraft aus. Der schlacksige Shadow ist guten Mutes losgecantert und kurzerhand umgefallen. Ganz unspektakulär. Einfach, weil er in der Kurve seine Füße nicht sortieren konnte. Gott sei Dank hat er sich auf dem weichen Hallenboden nicht verletzt. Danach hat er mehrere Wochen nur getrabt, ehe er einen 2. balancierteren Versuch startete.

Aus gegebenem Anlass longiere ich Ex-Galopper anfangs nur selten und kurz. Und vor allem: Ohne Ausbinder o.ä.! Die Lektionen werden erst mit der Zeit gesteigert.

Shadow, ein irisch gezogener Wallach aus dem Rennstall Fuhrmann

Schritt 4: Ausreiten

Ausreiten ist für Galopper heimisches Territorium; darum war es wenig überraschend, dass Shadow draußen völlig unkompliziert war. Wenig überraschend war aber auch, dass das bodentechnisch verwöhnte Rennpferd anfangs über fast jeden Ast stolperte und an der Hangbahn schnell ins Schnaufen kam.

Schritt 5: Dressur

„Reite das Pferd vorwärts und richte es gerade“, lautet Lektion 1 bei der Ausbildung von Reitpferden. Beim Ex-Galopper kann man hinter diesen Punkt einen Haken setzen: Gerade und vorwärts ist bestens bekannt. Als erstes wird ein Ex-Galopper mit äußerem Zügel und Schenkel vertraut gemacht (= Lenkung). Später kommen dann der innere Zügel und Schenkel für Stellung und Biegung dazu.

Trotz 4 Jahren und 25 Lebensstarts erscheint Shadow noch höchst unreif. Man darf gespannt sein, wo sich der Schimmel ausgereift hin entwickelt.
Trotz 4 Jahren und 25 Lebensstarts erscheint Shadow noch höchst unreif. Man darf gespannt sein, wo sich der Schimmel ausgereift hin entwickelt.

Schritt 6: Die ersten Stange und Sprünge

Auf der Rennbahn lernen Vollblüter von ihrem Vordermann: Darum nutze ich auch bei den ersten Gelände-Trainings gerne ein Führpferd. Shadows hopste seinem Vordermann geschickt und mutig hinterher; selbst über den ersten Graben. Dass auf der Geländestrecke viele Pferde alleine und durcheinander galoppieren, fans er hingegen verwirrend. Stets waren die Ohren fragend bei mir und er suchte stets das Lot, dem er sich anschließen sollte.

Bei den ersten Stangen-Sprüngen gehen die Meinungen der Trainer auseinander. Manche meinen, dass ein Vollblüter am Sprung ein besonders hohes Grundtempo braucht. Ich persönlich reite mit solchen Pferden besonders ruhig, weil sie lernen sollen, aus der Kraft und in die Höhe zu springen.

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