Galopp+Insider Carmen Bocskai: „Wir hoffen auf einen Sieg in Iffezheim“

Road to Cheltenham

Der Name Bocskai ist jedem Galoppsport-Fan ein Begriff. Georg Bocskai war einer der besten Jockeys, die es in Deutschland je gegeben hat. 1.736 Rennen gewann der vor allem beim legendären 21-fachen Champion Heinz Jentzsch beschäftigte Klassereiter in seiner großartigen Karriere. Aber auch seine Ehefrau Carmen hat sich mit tollen Erfolgen einen Namen im Turf gemacht – als Trainerin von Rennpferden. Etliche Jahre mit bemerkenswerten Siegen aus der Schweiz, nunmehr in Iffezheim, wo sie im Laufe der Saison 2015 die Nachfolge des viel zu früh verstorbenen Trainers Werner Hefter übernahm. Natürlich wird Carmen Bocskai, die das Jahr 2017 schon in starker Form begonnen hat, auch beim Frühjahrs-Meeting (24.-28.5.) auf der Heimatbahn mit einigen Startern vertreten sein.

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Exklusiv im Galopp+Insider von RaceBets gibt Carmen Bocskai einen Einblick in ihre Laufbahn, ihre Arbeit und die Hoffnungen für das Meeting.

„Das Interesse für den Rennsport kam schon früh. Meine Eltern hatten in Frankfurt/ Main in ihrem Restaurant einen Mitarbeiter, der regelmäßig zu den Rennen in Niederrad gegangen ist. Da ich schon als Kind nach Pferden verrückt war, hat mein Vater einen Familienausflug dorthin gemacht. Am Schluss wurde aus dem Ausflug eine Besitzergemeinschaft mit einem Pferd bei Trainer Heinz Hesse, und ich habe begonnen dort zu reiten.

Nach dem Abitur habe ich eine Lehre als Hotelfachfrau gemacht. Danach bin ich nach Nordrhein-Westfalen umgezogen und war zusammen mit Georg jeweils tätig an den Ställen, an denen er als Stalljockey angestellt war, bei Uwe Ostmann, Erika Mäder, Mario Hofer, Peter Remmert und Andreas Löwe. Ich habe meinen Beruf abgebrochen und war nur noch im Rennsport aktiv – als Amateurrennreiterin, habe dann die Gesellenprüfung zum Pferdewirt und später den Meisterabschluss mit Trainerlizenz abgelegt.

Carmen Bocskai im Portrait

Kennengelernt haben sich Georg und ich an unserem jetzigen Stall beim Frühjahrs-Meeting Baden Baden im Jahr 1993 bei Werner Hefter, also jetzt genau vor 24 Jahren! Wie die Zeit vergeht… Geheiratet haben wir 1995.

Eigentlich wollten wir das Restaurant meiner Eltern auf Mallorca übernehmen (auch mein Lehrberuf), weil die Jockey-Karriere von Georg nur noch schleppend lief. Aber die Liebe zu den Pferden und der Reiz am Rennsport haben uns nicht losgelassen. Wir haben einen Ausweg gesucht und mit einem Schweizer Besitzer, den wir zufällig auf Mallorca kennengelernt haben, folgte die Rückkehr zum Rennsport. Das war einfach Schicksal.

In Dielsdorf in der Schweiz habe ich als Trainerin von 2004 bis 2007 gearbeitet, es folgte Avenches von 2008 bis zum August 2015. Im September 2015 erfolgte der Wechsel nach Iffezheim.

Mit dem Anfang in der Schweiz war ich zufrieden, denn wir hatten schöne Siegen dort, wie zum Beispiel zweimal im Großen Preis von St. Moritz und diversen Schweizer Klassikern. Seit dem Umzug nach Avenches gingen wir vermehrt in Frankreich an den Start.  Höhepunkte waren ein Listen-Sieg in Frankreich, zwei Quinté+-Erfolge in Deauville, zwei Treffer in italienischen Listenrennen, der Erfolg im Österreichischen Derby, sowie diverse Platzierungen in Gruppe-Rennen. Derzeit stehe ich bei einer Siegzahl von insgesamt 298, davon 294 Flach- und 4 Hindernisrennen. Eines der schönsten Erlebnisse war sicher der Sieg im Schnee-Grand Prix von St. Moritz mit Winterwind, geritten von meinem Mann Georg.

Carmen und Georg Bocskai mit Song Writer nach dem Sieg im Preis der Geldermann Privatsektkellerei am 24.05.05 in Baden-Baden.

Durch die vermehrten Starts in Frankreich wurde der Aufwand in der Schweiz immer größer. In Avenches gibt es keinen Profi-Transporteur. Alle Transporte mussten selbst durchgeführt werden. Wir sind in sieben Jahren mehr als 500.000 Kilometer gefahren. Am Schluss war das doch zuviel. Jetzt sind es noch rund 40.000 Kilometer im Jahr.

Die anderen Gründe für den Wechsel nach Deutschland waren insgesamt vielfältig. Der Rennsport in der Schweiz wird immer kleiner, also auch der Besitzerstamm. Junge Pferde wurden kaum noch gekauft. Auf Auktionen waren wir selten im Einsatz. An- und Verkauf ab der Schweiz ist sehr schwierig, weil sie nicht der EU angehört und spezielle Auflagen erfüllt werden müssen.

Privat haben wir wieder mehr Lebensqualität in Iffezheim/ Baden Baden. Zudem wohnt die Familie von Georg in Iffezheim.

Ein großer Vorteil sind natürlich die kurzen Wege nach Frankreich. Ganz wichtig ist auch, dass die Zukunft der Meetingsbahn hier gesichert ist, es handelt sich jetzt um die zweitgrößte deutsche Trainingszentrale. Für die Frankreich-Starts entscheidend sind die Gewinnmöglichkeiten. Wir haben viele französisch gezogene Pferde mit Besitzerprämienberechtigung. Unsere Gewinnsumme nur in Frankreich von 160.000 Euro in 2011, über 260.000 Euro in 2014 wurde jedes Jahr kontinuierlich gesteigert, bis zu 340.000 Euro im Jahr 2016. Dieses Jahr stehen wir da bereits bei über 170.000 Euro.

Alle fairen Rennbahnen sind meine favorisierten Kurse. In Deutschland Baden-Baden. Unsere größten Hoffnungen tragen Curver, Saphirius, Jed Water, Tikiouine, Macello und Folie de Louise. Das sind alles Pferde, die in Frankreich die Quinté -Handicaps bestreiten. Ziel ist ganz klar, wieder das eine oder andere Rennen dieser Art zu gewinnen und mit Stuten vielleicht auch Black Type zu holen.

Jed Water siegt unter Adrie de Vries am 21.10.2016 Renntag in Baden-Baden.

Gründe für den Erfolg sind die Zusammenarbeit mit Georg, Teamwork am Stall und das Management, das in erster Linie den Pferden gerecht werden soll. Der Vorteil ist, dass ich Französisch spreche und wir uns gut in das französische Rennsystem eingearbeitet haben und auch sehr gute Kontakte besitzen.

Georg reitet täglich und kann seine Erfahrung voll einbringen. Ich reite auch aus Leidenschaft, mal mehr mal weniger, je nach Tagesprogramm. Besonders wichtige Kräfte am Stall sind Markus Münzel als Futtermeister und Franck Lotzer als Reisefuttermeister, das sind Mitarbeiter mit Leib und Seele. Man kann sich zu hundert Prozent auf sie verlassen.

Bei den Jockeys verpflichtet ich in Frankreich gerne Mickael Forest, ein junger und noch hungriger Mann. Ansonsten wird von Fall zu Fall entschieden. Je nach Pferd oder auch Wunsch des Besitzers.

Zu unseren Hoffnungen für das Frühjahrs-Meeting: Sasuka hat einen sehr guten Jahreseinstand gegeben, wir haben einen guten Reiter an Bord, sie sollte sich gut verkaufen. Piccadilly ist eine zuverlässige Stute, die in Mülheim nur knapp geschlagen war. Good King und Shoko Boy müssen im Handicap gegen ältere Pferde Farbe bekennen. Sie gewannen auf kleinen Bahnen in Frankreich leicht.
Curver muss siebeneinhalb Kilo Aufgewicht im Handicap kompensieren. Das ist nicht so leicht. 2200 Meter sind etwas kurz für ihn, aber er ist ein gutes Pferd. Macello war nach der Kastration noch nicht auf hundert Prozent beim ersten Jahresstart. Er braucht guten Boden und kann die Marke. Wir hoffen natürlich auf einen Sieg beim Meeting. Die Chancen sind da.

Sasuka am 21.10.2016 Renntag in Baden-Baden.

Die Rennbahn präsentiert sich deutlich besser als im letzten Jahr. Mit dem neuen, ambitionierten Verwalter, Herrn Sievert, haben wir einen fähigen Mann, der seine Arbeit leidenschaftlich angeht. Da er aber erst seit März 2017 im Amt ist, muss man Ihm die nötige Zeit zugestehen, um die Bahnqualität noch zu verbessern. Im Trainingszentrum merkt man bereits Verbesserungen. Die Arbeits-Grasbahn ist gut und auch die Sandbahn nach der Sanierung 2016 in einem gutem Zustand. Sowohl Frau Hofmeister als auch Herr Sievert haben ein offenes Ohr für die Trainer.

Wichtig ist mir, gesund zu bleiben und die Form zu halten. Ich habe das große Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Daher sind mein Hobby die eigenen Pferde. Freunde im Sport haben wir wieder mehr, seit wir in Iffezheim sind. Avenches war da sehr anonym und anders.“

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