Das Podcast Jubiläum: Frauke Delius im Gespräch


Adventskalendar

„Der RaceBets Pferderennen-Podcast ist ein Geschenk!“

Frauke Delius

Wie ist bei Dir die Leidenschaft für den Rennsport entstanden? Gab es einen familiären Hintergrund?

Frauke Delius: Kein bisschen. Meine Familie weiß bis heute nicht, was ich da so genau mache. Ich bin als Sportjournalistin auf der Neuen Bult zum Galopprennsport gekommen. Erst als Studentin, wo ich mir als freie Mitarbeiterin bei einer Zeitung Geld verdient habe. Danach war ich freie Mitarbeiterin beim Hörfunk auf der Suche nach Geschichten und später dann Redakteurin in der bimedialen Sportredaktion des NDR. Da war ich auch für die Planungen der Sendungen mit verantwortlich. Gerade während des Fußball-Sommerlochs rückte da der Rennsport auch mal in den Fokus. Wenn eine Sportart in einer Redaktion Fürsprecher hat, dann lässt sich da auch was machen. Das ist ein wichtiger Aspekt. Der Galopprennsport muss sich interessierte Journalisten heranziehen!

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„Es war wie in einem Haifischbecken“

Kannst Du Dich noch an Deine ersten Tätigkeiten im Rennsport erinnern?

Frauke Delius: Oh ja. Von nichts eine Ahnung. Und damals war es ohne Internet nicht ganz einfach, an Informationen heranzukommen. Denn: Was ist eine Sportwelt oder das „Gelbe Blatt“? Das kannte ich damals auch als Sportjournalistin nicht. Und das ist mehr als 30 Jahre her. Trotz des Noch-Booms, den es damals gab, war der Galopprennsport auch da schon was für die Aficionados. Meine Retter in der Not waren der Pressesprecher des Hannoverschen Rennvereins, Hans Hartmann und seine Frau Marlies. Die konnte man auch den größten Mist fragen und die haben einem dann weitergeholfen. Kaffee und Kuchen gab es auch immer.

Einmal die ganze Welt des Rennsports. Frauke Delius mit Yasmin Almenräder und Nika S. Daveron (Foto: Nika S. Daveron)

In anderen Presseräumen war es anfangs allerdings eher wie in einem Haifischbecken. Und dann noch als Frau!!!! Da saßen dann die alten Hasen und ließen einen auch gerne mal auflaufen. Doch das kannte ich schon aus der Fußball-Bundesliga. Deshalb habe ich mich gleich an die großen Sachen ran getraut: Eine Stunde live im NDR-Hörfunk mit Heinz Jentzsch und Bruno Schütz. Die waren klasse und ich bin jetzt noch froh, die alten Cracks alle noch persönlich kennengelernt zu haben. Irgendwann bin ich in Bad Harzburg gelandet, große Sondersendungen aus der „Alten Schmiede“, und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Der Weg führte mich in den Westen. Ich habe die vorletzte TV-Wahl zum „Galopper des Jahres“ noch für den WDR zusammen mit Addi Furler gemacht, danach ging das aus familiären Gründen bei mir nicht mehr. Da sind wir wieder bei dem Thema, wie wichtig es ist, interessierte Journalisten in den Redaktionen zu kennen.

„Ich mag die Welt der Gestüte und Trainingsställe“

Frauke Delius bei der Arbeit im Gestüt Röttgen (Foto: Morwen Fotografie)

Was macht die Faszination des Turfs für Dich ganz persönlich aus?

Frauke Delius: Das ist eine Summe von vielen Dingen. Ich mag besonders die Welt der Gestüte und der Trainingsställe. Die Interviews mit den Aktiven, da sind wir ja gerade mit dem RaceBets Pferderennen-Podcast ziemlich viel rumgekommen in den letzten beiden Jahren. Und der Stallgeruch mit der Nähe zu den Pferden und den intensiven Gesprächen, das macht Spaß, zumal man überall nett empfangen worden ist. Kein Vergleich mit anderen Profisportarten wie Fußball o.ä. Deshalb hatte ich auch Sisfahan auf dem Derby-Wettschein – und das schon vor seiner Listenplatzierung in Düsseldorf. Der ist mir im Stall von Henk Grewe einfach ins Auge gefallen. Der Galopprennsport ist ungemein vielfältig und komplex und jeder hat seine eigene Sichtweise: Die Aktiven, die Jockeys und Trainer – die „Zahlenden“, die Züchter und Besitzer – die Veranstalter von den Rennvereinen – die Wetter und Wettanbieter. Die Mischung macht’s. Als Journalistin sollte man da weniger Fan als kritischer Beobachter sein.

Was waren die schönsten Erlebnisse in all der Zeit?

Frauke Delius: Mein erstes Derby. Das war 1995 All My Dreams mit Kevin Woodburn im Sattel und Harro Remmert. Im Nachhinein vielleicht nicht da tollste Derby, aber das erste Mal, dass mich ein Rennen so richtig gepackt hat. Die fühlbare Spannung vor dem Rennen. Der Hamburg-Roar. Die Begeisterung der Zuschauer. Die jubelnden Menschen nach dem Rennen. Aber auch die enttäuschten Hoffnungen. Wenn man jetzt die Derbysieger in den Pedigrees wiederfindet, dann schließt sich der Kreis. Das Derby ist das Maß aller Dinge, das wichtigste Rennen des Jahres. Und deshalb wünsche ich mir, dass es irgendwann auch mal wieder die Bedeutung zurückbekommt, die es mal hatte. Jetzt könnte ich schon wieder was über Medienarbeit schreiben, aber lassen wir das an dieser Stelle.

„Alles, was mit „W“ anfängt“


Mit Stall Winterhudes Derbyhoffnung Shining Rules, mit Frauke, Tochter Helen und Peter (Foto: Privat)

Welche Pferde haben Dich am meisten begeistert und wer sind Deine vierbeinigen Favoriten aktuell?

Frauke Delius: Alles, was mit „W“ anfängt. Ich hatte damals das große Glück, die wunderbare Wurftaube nah kennenzulernen – und mit ihr die Besitzer Ruth und Reinhard Delius vom Gestüt Ravensberg und die alten traditionellen Werte.  Davor hatte man von der berühmten Waldrun-Linie 20 Jahre lang nichts gehört und dann kam die leuchtende Fuchsstute und brachte alles wieder zurück – ein Wunder, das bis heute anhält, man denke da nur an den Derbysieger Waldpark und den Arc-Sieger Waldgeist. Wurftaube hatte auf dem Gestüt Ravensberg noch ein sehr schönes Leben als Rentnerin, ich habe sie dort noch kurz vor ihrem Tod 2019 gesehen. Aktuell sind das die Adlerflüge, natürlich mit Torquator Tasso an der Spitze.

Was waren oder sind Deine eigenen Pferde, mit denen Du besonders viel erlebt hast?

Frauke Delius:  Ich war mit meinem eigenen Geld nur an einem einzigen Rennpferd beteiligt. Damals noch sehr naiv, heute weiß ich, es war eines von diesen Pferden, „mit dem wir uns noch ein paar Rennen schnappen“. Vorausgesetzt: Es geht gut. Bei diesem Pferd ging’s nicht so gut. Einmal bin ich extra nach Dortmund gefahren, um „mein“ Pferd zweimal allein um die Bahn laufen zu sehen, danach wurde es natürlich Nichtstarter. Ein Rennen hat es gewonnen, leider ohne mich. Ich habe schnell gelernt, dass man nicht nachrechnen darf. Beim Stall Winterhude war ich zumindest ideell engagiert und habe auch die schönen Seiten des Besitzerseins kennengelernt. Jede Menge Spaß, besonders in Bad Harzburg, aber auch nach zwei Derbystarts in Hamburg. Merke: Auch als Letzter kann man feiern.

„Gute Typen und jede Menge Geschichten“

Was sind die Gründe dafür, dass Du Dich unverändert in diesem Metier engagierst?

Frauke Delius: Das frage ich mich manchmal auch. Spaß beiseite. Es gibt ein paar wenige doofe, aber vor allem eine Menge ziemlich guter Typen in diesem Sport. Aber: Es gibt immer noch jede Menge Geschichten, die erzählt werden wollen. Und Daten, die einen Sinn ergeben. Deshalb engagiere ich mich für Turf-Times, den wöchentlichen Newsletter, der die ganze Welt des Galopprennsport darstellt und das kostenlos. Dazu gibt es noch das Webportal mit allen Renndaten aus Deutschland und allen Stories und News. Ich denke, dass das für den Galopprennsport ein echter Mehrwert ist. Zumal wir auch auf Social Media stark sind und neue Zielgruppen abholen.

Und ja: Dann ist da natürlich noch der RaceBets Pferderennen-Podcast. Ein großartiges Format! Und ein ebensolches Team mit viel Herzblut und Kompetenz. Die stellen sich hier alle ja selber vor. Es macht einfach Spaß, immer wieder neue Themen zu finden, tolle Gespräche zu führen, auch kritisch nachzufragen, und natürlich die Sieger auszugraben. Wir sind da oft auf der Höhe der Gurte, um in der Galoppersprache zu bleiben, und im Ziel mit einer Nase vorne … Jetzt sind wir schon bei der 100. Ausgabe und es ist noch lange nicht Schluss.

Leider hat man das Gefühl hat, dass im Rennsport gerne Erbhöfe gepflegt werden. Aber das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt. Deshalb denke ich: Konkurrenz belebt das Geschäft. Je mehr über den Rennsport berichtet wird, desto besser. Immer wieder wird gesagt: Wir müssen unsere Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Und was passiert? Vor zwei Jahren wurde uns hier im RaceBets-Blog vom damaligen Geschäftsführer ein mediales Feuerwerk versprochen und was ist daraus geworden? Ein Knallfrosch. Nur mit Parolen kommt man da nicht weiter. Pressearbeit ist eben auch harte Arbeit. Und braucht auch Profis. Das sollte akzeptiert und anerkannt werden.

Immer nah dran: Frauke Delius mit Fohlen im Gestüt Schlenderhan (Foto: Nika S. Daveron)
Immer nah dran: Frauke Delius mit Fohlen im Gestüt Schlenderhan (Foto: Nika S. Daveron)

Welche Rennbahnen im In- und Ausland würdest Du gerne in der Zukunft besuchen?

Frauke Delius: Da gibt es noch eine Menge. Im Inland fehlen noch ein paar kleinere Bahnen, im Ausland noch so viele: Cheltenham, Royal Ascot, Melbourne … 

Bei welchem Ereignis wärst Du gerne dabei gewesen, konntest leider nicht vor Ort sein?

Frauke Delius: Beim Arc 2021 mit Torquator Tasso und beim Derby 2011 mit Waldpark – beide Male habe ich nur Zuhause vor dem Fernseher erleben können und beide Male müssen meine Nachbarn gedacht haben, dass ich nicht ganz dicht bin, so laut ist es dann doch geworden.

Wenn Du Rennsport-Persönlichkeiten an einem Abend treffen könntest – wo würde das Meeting stattfinden und mit wem?

Frauke Delius: Das ist keine einfache Frage. Einen hatte ich jetzt gerade im Podcast, die anderen stehen auf meiner Liste, weil ich denke, dass es nur mit Knowhow, Geld und politischem Einfluss funktionieren wird, den Galopprennsport zu retten. Also: Gerhard Schöningh, Gregor Baum, Dr. Reinhard Göhner, Dr. Till Grewe, Winfried Engelbrecht-Bresges plus meine beiden Podcast-Mitstreiterinnen Catrin Nack und Nika S. Daveron für die Frauenpower und die ganz anderen Ideen, die es meines Erachtens auf den höheren Verbandsebenen viel zu wenig gibt. Das könnte eine muntere Runde werden. Wo ist egal.

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