Ein Tag in Baden-Baden

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Auf ins Land der alten Leute – so hieß es  immer, wenn es bei uns im Stall nach Baden-Baden ging. Denn außerhalb der Meetings kommt man schon mal auf die Idee, dass dort außer Kur nicht viel los ist. Beim Meeting aber erwacht Iffezheim auch außerhalb der einzigen Dönerbude im Ort und dann ist da richtig was los.

Ein Tag in Baden-Baden fängt früh an. Eklig früh. So gegen zwei Uhr nachts. Denn ein Hänger mit Pferden fährt jetzt auch nicht so schnell, außerdem muss das Taxi noch diverse andere Kunden einsammeln. In meinem Fall: Auf nach Köln, dann nach Schlenderhan.

Da sitzen wir dann also, wie Spargel im Schraubglas, stieren auf unsere Pferde und versuchen noch ne Runde zu pennen. Hat man einen dabei, der die Abreise verzögert, bekommt er böse Blicke. Es ist nämlich kalt hinten im Hänger. Jedenfalls mitten in der Nacht. Und jedes Pferd, das nicht auf den Hänger geht bedeutet Verzögerung.

Sind dann alle da, ist es ein wunderbarer Dämmerschlaf der Betreuer. Bis einer schnarcht. Der wird dann im kollektiv gesteinigt. Leider nur in Gedanken, denn er darf ungestört bis Iffezheim durchschnarchen.
In Iffezheim selber ist es dann aber irgendwie ein Kulturschock. Das Boxendorf ist groß, da wuseln Leute herum, da übernachten Leute, überall ist was los. Und so viel Bahn! Und so viel Gelände für eine Rennbahn. Da ist man ja ganz neidisch, wenn man auf der Heimatbahn ständig um jeden Zentimeter Platz kämpfen muss.

Man parkt also das Pferd ein, meist neben dem zweiten, denn so ein Meeting mit nur einem Pferd ist ja langweilig. Und macht sich auf die Suche nach dem Kollegen und dem Trainer, die ja beide irgendwo hier sein sollen. Damals, ach damals, glorreiche Zeiten vor dem Smartphone … da war nix mit mal eben WhatsApp! War das Guthaben leer musste man noch ganz klassisch suchen.

Die Rennbahn ist aber so groß, dass Suchen doch eher schwierig ist und außerdem man irgendwann bei der Dönerbude außerhalb landet. Hat halt so köstlich gerochen und die haben so schön früh auf! Also gibt es Frühstücksdöner.
Trainer schneit kurz rein und gibt mir Geld. Aber nicht für Unsinn ausgeben. Hat der mal geguckt, was man hier kaufen kann? Essen. Das war’s. Wetten könnt ich auch noch. Aber nicht auf unsere zwei Frikadellen. Ganz sicher nicht.

Zeigt sich auch schnell warum. Die erste verliert auf der Zielgeraden das Eisen (und es ward nimmermehr gesehen), die zweite ist schon wieder viel zu aufgebrezelt im Kopf. Okay, sie ist nicht die einzige in dem Zweijährigenrennen, die etwas kopflos wirkt, denn eine der Damen möchte die Rails mal etwas genauer untersuchen und rennt rein. Während unsere Zweijährige sich davor so erschreckt, dass sie einen Schlenker macht, der gefühlt so groß ist wie Österreich. Aber immerhin wird sie trotzdem noch Zweite, die Railsknutscherin kommt nicht mehr an sie ran.

Dafür habe ich aber großes Theater vor dem Siegerpaddock: Da tragen zu viele Damen Hut. Das findet meine Irre ja nie gut, denn Hüte sind böse und unberechenbar. So was kennt sie aus Neuss nicht. Und auch aus Düsseldorf nicht. Baden-Baden ist ein Kulturschock für sie. So viele Leute, so viele Hüte! Die ist ja eh schon so nah am Wasser gebaut und will auf den Arm. Ich möchte sie aber nicht auf den Arm nehmen (weil schwer) und ehrlich gesagt auch meine Füße behalten, an denen sie ständig knapp vorbei tänzelt. Während Trainer fröhlich grinst. Warum ich nicht auch grinse? Ist doch mein Pferd. “Ich grins dann nachher. Jetzt eher innerlich!” Ja, okay … grinse doch ein bisschen. Ist irgendwie ja schon sehr schön da in Baden-Baden. Und die Irre kann man ausblenden, wenn die einem nicht gerade ins Ohr wiehert.

Außerdem bin ich langsam müde, da seit 2 Uhr wach. Und nach Haus muss ich auch noch. Müssen ja Pferde austauschen. Geplant sind 12 Uhr nachts Ankunft. Weniger geplant ist, dass kein Mensch weiß, wo die Anfahrt zum damals noch neuen Trainingsquartier von Schlenderhan ist, also lotse ich halb blind und übermüdet. Weil deren Begleiter pennt und den Regenwald abholzt. Ich rolle so gegen halb vier auf den heimatlichen Hof. “Wo warst denn du so lange?”
Ja, Mensch … wir haben noch nen Abstecher in die Disco gemacht … als wäre ich selbst gefahren und irgendwie daran Schuld!

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