Der wahre Galopp+Insider: Guido Göbel verpasst kein „gutes Ding“!


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Galopprennsport und Fußball – das sind die beiden großen Leidenschaften von Guido Göbel. Der seit vielen Jahren eine tragende Säule der Sport-Welt-Redaktion in Köln bildende 49-jährige kennt nicht nur jedes Pferd in Deutschland, aber auch die meisten in Frankreich und etlichen anderen Ländern, er verfolgt auch so gut wie jedes Rennen – mit einer Passion, die seinesgleichen sucht. Als Wettexperte, dessen Tipps ebenso kompetent wie hochgeschätzt sind, wagt er natürlich auch selbst gerne so manche Wette in seinen beiden bevorzugten Sportarten.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet Guido Göbel, der ein wahrer Galopp-Insider ist, über sein Leben mit dem Turf.

Guido Göbel im Portrait am 09.10.2011 Renntag in Baden-Baden.

„Zum Rennsport bin ich durch meinen Vater gekommen, der mich von klein auf zur Rennbahn mitgenommen hat, so wie er in seiner Jugend schon von einem Onkel mitgenommen wurde. Galopprennen haben mich sofort ungemein fasziniert, und es war immer toll, nicht nur bei den Rennen in Köln zu sein, wo ich aufgewachsen bin, sondern auch die anderen Bahnen in Westdeutschland oder auch die Meetings in Baden-Baden oder Hamburg zu besuchen.

Meine Begeisterung war als kleiner Junge so groß, dass ich mich schnell viel intensiver mit den Rennen befasste als mein Vater. Meine Schwester, die beim Deutschen Sportverlag damals in der Funkstelle arbeitete (von dort wurden die deutschen und französischen Rennen in die Buchmachergeschäfte übertragen), brachte mir immer Rennprogramme mit, und ich spielte dann mit einem Würfel und einer Filzrennbahn, die ich von einem Gesellschaftsspiel namens „Jockey“ hatte, das es damals gab, die Rennen nach, und führte sogar eine eigene Statistik, welcher Jockey die meisten Rennen gewann.

Als ich das Gymnasium beendet hatte, auf dem in meiner Parallelklasse einige Zeit übrigens Andreas Schütz war, und auch meinen Zivildienst abgeleistet hatte, der damals noch zwei Jahre dauerte, begann ich erst einmal ein Anglistik- und Germanistikstudium, das ich aber schnell abbrach, weil ich kein Bafög bekam, daher kaum Geld hatte, und es mir an der Uni überhaupt nicht gefiel. Okay, zugegeben, ich hielt mich auch mehr in Buchmacherläden als in Hörsälen auf, aber es war einfach nichts für mich.

Guido Göbel interviewt Filip Minarik am 03.05.2015 Renntag in Frankfurt.

Es folgten ein paar Jahre bei der Postbank, aber auch das war eigentlich nicht so meine Welt, und auch ziemlich öde. Das einzig Gute waren dort die Arbeitszeiten, denn ich hatte eigentlich immer schon kurz nach Mittag frei und konnte mich so noch den Rennen widmen. Irgendwann, als dort rationalisiert wurde und man eine Abfindung bekam, wenn man kündigte, habe ich mich dort verabschiedet, obwohl ich noch gar nicht wusste, was ich machen sollte.

Es war die Zeit, als der Rennsport durch die Telewette auf n-tv regelmäßig im Fernsehen vertreten war, und für die Kunden der Telewette gab es die Zeitung „Top Tip“, die vom Derby-Verlag produziert wurde. Daniel Delius war der „Macher“ dieser Zeitung, die anfangs nur einmal die Woche erschien, und sich zunächst auch nur auf die Vorschau der Rennen konzentrierte, die in der Telewetten-Sendung gezeigt wurden.

Nach und nach wurde die Zeitung aber immer umfangreicher, und so suchten sie jemanden, der auch Rennvorschauen schreiben konnte. Meine Schwester kannte jemanden, der dort im Layout arbeitete, und daraufhin stellte ich mich dort vor. Mit zittrigen Knien, denn Daniel Delius kannte ich ja bis dahin nur aus dem Fernsehen, und ich hatte natürlich Ehrfurcht vor ihm. Mein Einstellungstest war, eine Vorschau für die Rennen in Frankfurt zu schreiben, aber ohne Einsicht irgendwelcher Formen, nur anhand der Starterfelder. Das habe ich wohl einigermaßen hinbekommen, denn ich durfte bei Top Tip als freier Mitarbeiter anfangen, zunächst an ein oder zwei Tagen in der Woche.

Guido Göbel und Peter Scheid am 03.04.2016 Renntag in Mülheim an der Ruhr.

Mit der Zeit wurde die „Top Tip“ aber immer umfangreicher, und durchaus auch zur Konkurrenz für die Sport-Welt, zwei Zeitungen waren ohnehin zuviel für den kleinen Galopprennsport-Markt. Irgendwann bekam ich dann ein Angebot der „Sport-Welt“, dort ein Volontariat zu beginnen, doch da es mir bei „Top-Tip“ sehr gefiel, fragte ich nach, ob ich das nicht auch dort machen könnte. Gesagt getan, und so hatte ich eine feste Anstellung. Als ich auf einem Volontärs-Lehrgang in der Journalisten-Schule „Haus Busch“ in Hagen war, war das echt witzig, denn da musste man sich vor einer Gruppe vorstellen. Und nachdem sich die anderen Teilnehmer als Volontäre von „Frankfurter Allgemeine“, „Bild“, etc. vorstellten, outete ich mich als Angestellter der „Top Tip“. Die fanden das aber alle super.

Als der alte Deutsche Sportverlag Kurt Stoof in die Insolvenz ging, fusionierten „Top Tip“ und Sport-Welt, und so kam ich dann doch noch zur „Sport-Welt“, in der Daniel Delius Chefredakteur wurde. Bis heute arbeite ich dort als Redakteur, und es macht mir wirklich sehr viel Freude, denn was gibt es Schöneres, als sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben?

Neben meiner Tätigkeit bei der Sport-Welt habe ich auch schon andere Aufgaben innerhalb des Rennsports wahrgenommen. Bei RaceBets habe ich zum Beispiel damals die französischen Rennen für den Audio-Stream kommentiert. Das Gleiche habe ich auch einmal für das Buchmacherfernsehen gemacht. In Krefeld und Mannheim habe ich auch schon Rennen kommentiert, und in Frankfurt moderiert, als dort zum letzten Mal der Frühjahrs-Preis des Bankhauses Metzler gelaufen wurde. Das macht eigentlich sehr viel Spaß. Über Ulli Potofski kam ich zudem an den Job als Co-Kommentator für die Galopprennen bei „Eurosport“. Auch das ist eine spannende, tolle Sache, leider hat der Sender in diesem Jahr keine Galopprennen mehr live gezeigt.

Amaro siegt unter P.J. Werning am 06.07.2008 in Krefeld.

Seit dem Jahr 2002 bin ich ununterbrochen auch Mitbesitzer von Pferden mit mindestens immer 25 Prozent. Es war einer der tollsten Momente im Galopprennsport für mich, als mein erstes Pferd Amaro 2004 in Magdeburg sein erstes Rennen gewann. Ich war bei so gut wie jedem seiner Rennen dabei, leider war dabei auch der traurigste Moment im Rennsport, als er sich in Hoppegarten bei seinem 75. Start das Bein brach. Ich kann nur jedem empfehlen, sich, sofern es seine Möglichkeiten zulassen, sich an einem Pferd zu beteiligen, denn das ist eine aufregende Sache. Für mich persönlich kann ich aber sagen, dass es weniger als 25 Prozent nicht sein sollten, denn man möchte ja auch mitbestimmen, und sonst macht es keinen Spaß.

Wenn ich verreise, was ich eigentlich viel zu selten mache, was nicht nur an meiner Angst liegt, ein „gutes Ding“ zu verpassen, sondern vielmehr daran, dass ich nur äußerst ungern in ein Flugzeug steige, dann hat das eigentlich immer mit Pferderennen zu tun. Ich bin großer Fan des National Hunt Sports, war schon mehrfach beim Cheltenham Festival, beim Grand National Meeting in Aintree, und auch beim Punchestown Festival in Irland. Da ich Frankreich, und auch die dortigen Rennen sehr mag, war ich auch schon häufiger dort, ich würde mir oft mehr Zeit wünschen, um auch mal öfter dorthin zu fahren, gerade auf die kleinen Bahnen, die man nicht so kennt, und von denen ich erst auf einigen war.

Neben dem Rennsport ist Fußball immer meine große Leidenschaft gewesen, in der Jugend habe ich auch selbst ganz passabel gekickt, aber zu mehr hat es bei den Senioren dann leider nicht gereicht. Inzwischen ist aus dem Fußball aber etwas ganz Grauenhaftes geworden, dafür hat die UEFA mit der Einführung der Champions League gesorgt. Auch die Investoren aus Asien und die vielen Berater haben den Fußball versaut, es macht wirklich kaum noch Spaß. Leider habe ich in der letzten Zeit viel zu wenig Sport getrieben, was meiner Figur sicher nicht gut tut. Das zu ändern, ist eines meiner Ziele, ich hoffe, dass ich mich bald einmal dazu aufraffen kann.

Traurig finde ich, dass es dem deutschen Galopprennsport nicht so gut geht, vor allem, da manche Probleme hausgemacht sind. Es gibt sicher mehrere Gründe dafür, aber wenn man nach Frankreich sieht oder auch nach England, auch wenn in beiden Ländern sicher auch nicht alles Gold ist, was glänzt, kann man wirklich neidisch werden.“

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