Galopp+Insider Kai Schirmann (Leiter der Jockeyschule): „Wir arbeiten mit Experten aus der ganzen Welt“

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196 Rennen hat er selbst im Rennsattel gewonnen. Der Ex-Jockey Kai Schirmann (51) weiß also, wovon er spricht. Er ist der Leiter der Kölner Jockey-Schule. Seit elf Jahren gibt es die Ausbildungsstätte der jungen Reiter inzwischen in der Domstadt, hier werden die Starkes von morgen auf ihren Job vorbereitet. Schirmann ist dafür verantwortlich, dass hier das richtige Know-How vermittelt wird für die Zukunft der angehenden Jockeys.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets Blog spricht Kai Schirmann über die Jockey-Schule und die Situation auf dem Nachwuchs-Sektor.

Kai Schirmann im Portrait am 13.02.2016 beim Züchtertreff im Gestüt Röttgen.

„Wir haben in der Jockeyschule drei bis vier Lehrgänge im Jahr. Es läuft so ab, dass erst die Auszubildenden vier Lots reiten. Danach wird in der Foto-Analyse genau über die Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen. Natürlich ist auch die Theorie, und hier die Rennordnung, ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Und es wird erklärt, wie man sich als Reiter richtig versichert. Das Training auf dem elektrischen Pferd und das Thema Ernährung runden das Ganze ab. Wir haben in Köln zwei mechanische und zwei elektrische Pferde.

Ich arbeite mit vielen Experten zusammen. Da wir Kontakt zu den internationalen Jockeyschulen haben, gibt es Tipps aus aller Welt und von Jockeys aus den verschiedensten Ländern. Auch die Zusammenarbeit mit den Trainern läuft bestens. Sehr viele unterstützen uns, und mit Peter Schiergen sind wir sehr eng verbunden.

Leider wird die aktuelle Nachwuchssituation immer schlechter. Es gibt kaum noch junge Leute, die diesen Beruf erlernen möchten oder aber die perfekte Größe und das ideale Gewicht für einen Jockey haben.

Fast alle, die in der Statistik vorne sind, haben die 40 schon überschritten. Das ist leider Fakt. Um junge Leute für den Jockey-Beruf zu begeistern, müsste man auf Messen, in die Schulen gehen, und diese Leute direkt ansprechen. Aber bedauerlicherweise haben wir das Geld dafür nicht, da die Jockeyschule ein Verein ist und keine festen Einnahmen hat.

Eine Idee ist natürlich, junge Reiter aus dem Ausland zu holen. Wir machen das bereits, aber das ist leider nicht so einfach. Wer in Deutschland eine Ausbildung macht, der muss auch die Sprache beherrschen. Mit der Landwirtschaftskammer ist abgestimmt, dass eine Person, die aus dem Ausland zu uns kommt, ein Jahr Zeit hat, um Deutsch zu lernen. Danach sollte er in der Berufsschule den Unterrichtsstoff verstehen können.

Wir haben einige gute Nachwuchsreiter, für mich ist schwer zu sagen, wer aktuell das größte Talent ist. Ich besuche im Jahr rund 30 Veranstaltungen, dazu gehören die zehn HH Sheikha Fatima Bint Mubarak Ladies Rennen und auch zehn Apprentice-Rennen, die in der ganzen Welt stattfinden und deren Kosten komplett von Abu Dhabi getragen werden, wie Hotel, Flüge und alles, was dazugehört. Das wird komplett bezahlt und kostet die deutsche Jockeyschule keinen Cent. Ich selbst bin immer mit dabei, da HH Sheikha Fatima und HH Zayid Al Nahyan dieses so wünschen und mich dafür engagiert haben.

Boris Becker und Kai Schirmann am 26.05.2017 in Baden-Baden.

Wir haben sehr guten Kontakt zu anderen Schulen in der ganzen Welt, in der vergangenen Woche habe ich mich auf den Weg nach Chantilly in die französische Jockeyschule gemacht. Hier habe ich innerhalb von drei Tagen die Azubis geprüft, das sind 27 Azubis am Tag. Das mache ich jetzt schon seit mehr als sechs Jahren, und man ist sehr zufrieden mit meiner Arbeit.

Eine tolle Initiative ist der Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung. Ein großer Dank gilt Herrn Dr. Günter Paul. Er ist ein so großer Spender und unterstützt all die jungen Leute sehr. Zwei Rennen sind bereits gelaufen, zwei weitere folgen in Baden-Baden.

Mein Wunsch für 2017 ist, dass wir einige gute Nachwuchsreiter dazubekommen, die nicht nur das Gewicht schaffen, sondern auch leicht genug sind, um den Beruf für eine lange Zeit ausüben zu können. In meiner Freizeit habe ich immer mit meiner Vespa, Baujahr 1984, zu tun. Und dann fotografiere ich sehr gerne.“

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