Insider-Talk mit Marc Rühl: „Es dreht sich alles um die Pferde“

Marc Rühl
Marc Rühl am 05.07.2018 in Hamburg.
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Marc Rühl ist einer der prominentesten Pferdefotografen.

Exklusiv im Insider-Talk berichtet er über seinen spannenden Beruf.

Wie ist Ihr Interesse an den Rennpferden entstanden, und wie haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Marc Rühl: Pferde interessieren mich bereits seit frühester Kindheit, mit 9 Jahren bekam ich mein erstes Reitpferd. Mit 14 Jahren habe ich für einen Bekannten einen zweijährigen Vollblüter eingeritten, als Dank dafür nahm er mich mit nach Köln auf die Rennbahn, damals wurde ich infiziert!!! Als 15-Jähriger absolvierte ich mein Schulpraktikum im Gestüt Röttgen, und mit 16 Jahren hatte ich das große Glück, gemeinsam mit meinem Vater mein erstes Fohlen zu züchten. Von der Geburt bis zur Aufzucht habe ich bereits damals alles selbst gemacht und wegen der Pferde auf viele Dinge verzichtet. Den Wunsch, Pferdefotograf zu werden, hegte ich bereits mit 9 Jahren und wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann will ich das auch umsetzen. Seit über 30 Jahren bin ich nun als Pferdefotograf tätig und ich kann mir keinen schöneren Beruf für mich vorstellen.

Pferdeverstand hilft

Welche Eigenschaften muss man für den Beruf Rennsportfotograf mitbringen? Wie bereiten Sie sich auf einen Renntag vor? Wieviele Fotos machen Sie an einem Renntag?

Marc Rühl: Ich bevorzuge als Berufsbezeichnung „Pferdefotograf“. Man sollte, um auf der Rennbahn als Fotograf tätig zu sein, optimalerweise etwas Pferdeverstand haben. Zumindest sollte man wissen, dass es sich um Fluchttiere handelt und sich dementsprechend verhalten. Leider wissen das viele nicht…

Marc Rühl
Marc Rühl

Tatsächlich bereite ich mich nicht besonders auf einen Renntag vor. Während der Arbeit selbst bin ich sehr konzentriert und fokussiere mich auf die Pferde. Die Anzahl der Fotos pro Renntag zähle ich nicht. Früher, als noch analog fotografiert wurde, musste man darauf achten, um der Kosten willen nicht zu viele Fotos zu machen. Im digitalen Zeitalter ist das vorbei. Trotzdem „ballere“ ich nicht wie ein Wilder in der Gegend herum. Natürlich variiert die Anzahl der Bilder auch von Renntag zu Renntag in Abhängigkeit des sportlichen Wertes, so gibt es natürlich vom Gruppesieger mehr Fotos.

Berufliches Highlight in Japan

Auf welchen Rennbahnen und in welchen Ländern sind Sie im Einsatz? Was waren Ihre persönlichen Highlights bisher? Welche Ereignisse möchten Sie nicht vermissen? Wo möchten Sie gerne einmal fotografieren?

Marc Rühl: In Deutschland bin ich mit meinem Team auf allen großen Rennbahnen vertreten. Das Arc-Wochenende in Paris steht auch immer auf dem Programm. Mein berufliches Highlight ist, dass ich das große Glück habe, seit einigen Jahren die Deckhengste für Darley in Europa und Japan zu fotografieren. Das ist schon eine sehr große Ehre für mich und das möchte ich wirklich nicht missen. Dank Corona gestalten sich die Auslandseinsätze in diesem Jahr allerdings sehr schwierig, und ich hoffe sehr, dass diese Einsätze bald wieder möglich sind. Sehr gerne würde ich in Australien oder Amerika fotografieren. Wir werden sehen…

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Japam Darley
Japam Darley

Frühaufstehen lohnt sich

Wie kam es zu Ihrem Einsatz in Japan? Was haben Sie dort fotografiert?

Marc Rühl: Darley hat mich beauftragt, die dort stationierten Hengste zu portraitieren. Ein tolles Land, tolle Menschen und tolle Pferde. Alles wird dort perfekt vorbereitet, und wenn der Fotograf Sonntagmorgens um 5 Uhr einen Hengst im Sonnenaufgang fotografieren möchte, dann ist das kein Problem! Mein nächster Einsatz in Japan wäre eigentlich im September diesen Jahres, aber Corona macht mir da wohl auch einen Strich durch die Rechnung. Im vergangenen Jahr war eines meiner Motive der bunte Talismanic, Godolphins Breeders‘ Cup-Sieger von 2017. Der Hengst ist ein sehr freundlicher Typ, unkompliziert im Umgang. Ganz anders der sehr dominante Pyro oder der sensible Fine Needle. Jeder für sich sind alle Deckhengste beeindruckend, jeder stellt den Fotografen vor andere Herausforderungen, sei es ihr Charakter, die Farbe oder bestimmte Abneigungen. Hier ist der Pferdeverstand wie immer unabdinglich, denn auf jeden muss ich individuell eingehen.

Marc Rühl
Marc Rühl

Worauf legen Sie bei Deckhengst-/Gestütsbildern besonderen Wert? Wer sind Ihre wichtigsten Kunden?

Marc Rühl: Das Wichtigste ist, dass der Deckhengst oder das Gestüt auf die beste Art und Weise durch meine Fotos präsentiert wird. Ein Deckhengst muss ausdrucksvoll und stolz wirken. Die Fotos müssen leben, und der Betrachter sollte sich augenblicklich in den Hengst oder das Gestüt verlieben. In Deutschland bin ich seit sehr langer Zeit u.a. für die Gestüte Ebbesloh, Fährhof, Röttgen, Ittlingen und Ammerland tätig, und mit Darley habe ich natürlich auf internationaler Ebene den besten Kunden, den ich mir wünschen konnte. Letztendlich bin ich aber auf alle meine Kunden sehr stolz und dankbar.

Nur Angst vor Datenverlust

Wovor haben Sie am meisten Respekt/Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Marc Rühl: Datenverlust! Um uns davor zu schützen, sichern wir alle Daten lieber doppelt und dreifach ab. Ansonsten bin ich ziemlich angstfrei 😉

Sogar eine klassische Siegerin gezüchtet

Sie züchten sehr erfolgreich eigene Pferde. Wer sind die Hoffnungsträger aktuell? Was waren die bisher tollsten Erfolge?

Marc Rühl: Meine Frau und ich hegen, wie wohl alle Züchter, in alle unsere „Kinder“ große Hoffnungen. Aktuell haben wir mit Nepalo, einem rechten Bruder von Nepal, und mit Geronimo Soldier zwei Zweijährige bei Yasmin Almenräder stehen. Der Soldier Hollow-Sohn Geronimo Soldier wurde als Spielgefährte für Nepalo vom Gestüt Fährhof erworben und wird wohl bereits dieses Jahr an den Ablauf kommen. Sein Kumpel Nepalo wird wahrscheinlich erst dreijährig laufen. Unser größter Zuchterfolg war mit Nepal die Siegerin in den italienischen Oaks. Aber auch auf unseren sechsfachen Sieger Shoshoni, Sieger u.a. im Grand Prix Aufgalopp, und Halinara sind wir sehr stolz.

Marc Rühl
Marc Rühl im Portrait am 08.04.2018 in Düsseldorf.

Tolles Team mit viel Herzblut

Wie sieht ein normaler Arbeitstag auf der Rennbahn aus? Welche Aufgaben übernimmt Ihre Ehefrau? Wie stark ist Ihr Team?

Marc Rühl: Spätestens eine Stunde vor dem ersten Rennen bin ich auf der jeweiligen Rennbahn. Die von mir/uns fotografierten Rennen gehen sehr schnell online. Meistens sind die Siegerfotos vom ersten Rennen bereits vor dem zweiten Rennen auf unser Website marcruehl.com online zu finden. An großen Renntagen bearbeitet meine Frau die von mir und meinem Team erstellten Fotos auf der Bahn und stellt diese zeitnah online. Zu meinem Team zählen neben mir und meiner Frau Gabi außerdem Sabine Schweitzer, Maximilian Koch und Andreas Gora. Ein wirklich tolles Team, auf das ich mich zu 100% verlassen kann und die mit viel Herzblut bei der Sache sind.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Marc Rühl: In meiner Freizeit sitze ich auf dem Traktor oder auf dem Pferd. Es dreht sich in meinem Leben wirklich alles nur um die Pferde. Das brauche ich wie die Luft zum Atmen.

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