Galopp+Insider Marie Riesenkampff: Vom Sparbuch mit Züchterprämien zum Vorstandsmitglied in Hannover

Mit meinem Blüter Mr Bollow auf Norderney beim Jagdreiten

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Ihr Großvater züchtete mit Lustige eine Derbysiegerin, da war die Leidenschaft für den Galopprennsport vorprogrammiert: Marie Riesenkampff (40) ist längst auch beruflich stark in den Turf involviert – als Vorstandsmitglied des Hannoverschen Rennvereins.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet sie von ihrem Leben mit den Pferden.

„Mit dem Rennsport bin ich in Kontakt, seit ich denken kann, er wurde mir sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Am Tag meiner Geburt erhielt mein Vater, Jobst Buhmann, zwei Züchterprämien von Cocotte und Lustiger Vogel aus Baden-Baden gutgeschrieben. Aus Freude über meine Geburt legte er ein Sparbuch mit diesen Züchterprämien für mich an. In meinen gesamten Kinderjahren strahlte dieses Sparbuch einen unglaublichen Zauber für mich aus, malte ich mir doch immer aus, was ich mir alles mit dem Geld kaufen könnte. Seitdem bin ich quasi ununterbrochen in irgendeiner Form im Rennsport aktiv und er hat mir viele tolle und interessante Erlebnisse beschert.

Mit meiner Großtante Dr. Erika Buhmann

Meine Kindheit verbrachte ich auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Benrode meines Großvaters Friedrich Buhmann im Osten von Hannover. Er und sein Bruder Karl–Heinz Plinke-Buhmann aus Evershorst haben den Virus Vollblutsport in die Familie gebracht. Und spätestens seitdem die von ihnen gezogene Stute Lustige im Juli 1955 unter Albert Klimscha auf den letzten Metern des Deutschen Derbys an Steinadler vorbeizog, war der Rennsport aus der Familie nicht mehr wegzudenken. Mein Vater Jobst hat den Betrieb von seinem Vater übernommen und neben einigen Reitpferden hatten wir während meiner Kinder- und Jugendjahre im Schnitt immer 2-3 Mutterstuten. So war ich von Kindesbeinen an die praktische Arbeit mit den Pferden gewöhnt. Die Höhepunkte des Jahres waren neben den Auktionen in Baden Baden die Fohlengeburten, die ich zusammen mit meinem Vater in unserem Stall begleitete.

Reiten war immer schon eine große Leidenschaft von mir, meist englisch aber zwischendurch, wenn es sich ergab, auch gerne Vollblüter im Training. So bin ich z.B. einen Sommer lang in Chantilly/Lamorlaye bei Tony Clout geritten.

In Berlin studierte ich Landwirtschaft, meine Praktika habe ich fast alle in verschiedenen Bereichen des Rennsports gemacht, so z.B. auf der Flag Is Up Farms von Monty Roberts in Kalifornien, im Haras du Quesnay und auf einem Gestüt in Südafrika. Überall auf dem Globus teilen die Menschen diese Begeisterung für den Reit- und Rennsport. Man bekommt länder-, sprach- und grenzübergreifend schnell Zugang zu Menschen, was ein großes Geschenk ist.

Dass sich aus dieser Leidenschaft auch berufliche Möglichkeiten ergeben würden, hat mich überrascht. Mehr zufällig fing ich nach dem Studium der Landwirtschaft ein Praktikum bei Equidia an. Daraus ergab sich eine zweijährige Tätigkeit in der internationalen Abteilung. Wöchentlich strahlten wir eine 13-minütige Sendung „Course internationale“ aus, in der wir die größten internationalen Rennen zeigten und darüber berichteten. Unvergesslich ist die Live-Übertragung vom Breeders’ Cup Turf, als Shirocco meine Senderkollegen in Verzückung versetzte. Ich hatte ihn für die Dreierwette für unverzichtbar erklärt, was dem gesamten Team einen schönen Gewinn bescherte.

Im September standen die Vorbereitungen zum Prix de l’Arc de Triomphe an. Zuständig für die deutschen Pferde nahm ich mich einem bayerischen Zögling an. Ein anfangs etwas zugeknöpfter Dietrich von Boetticher empfing mich zum Interview in Ammerland und stapelte naturgemäß tief, hinsichtlich der Chancen seines Schützlings. Als Hurricane Run dann als Erster über die Ziellinie in diesem „größten Rennen der Welt“ spurtete, kannten die Emotionen seines Besitzers keine Grenzen und jegliche Scheu vor den Kameras war verflogen.

Zurück in Deutschland landete ich aus privaten Gründen (Hochzeit) in der damals eher als Rennsportdiaspora zu bezeichnenden Region Berlin-Brandenburg. Aber selbst die in Auflösung begriffene Rennbahn Hoppegarten bot ein Betätigungsfeld für mich. Denn Artur Boehlke, der ehemalige Direktor des VEB Hoppegarten, hatte die Bahn nach der Pleite des Union Club mit ein paar unverwüstlichen Getreuen aus DDR–Zeiten für die Treuhand übernommen und hielt mit seiner Truppe, zu der ich mich nach kurzer Anlaufzeit zählen durfte, den Rennsport in der Region am Laufen. Ob Ostler oder Wessi, an oberster Stelle stand das Überleben von Hoppegarten, aus reiner Begeisterung für Rennsport, Pferde und Turf. Kommunismus, Mangelwirtschaft und Teilung hatten es nicht vermocht, 150 Jahre Rennsporttradition aus den Herzen dieser Menschen zu verbannen.

Kurz nachdem Hoppegarten von Gerhard Schöningh übernommen wurde, zog es mich von Berlin über München zurück auf den elterlichen Betrieb Benrode. In München konnte ich rennsporttechnisch die Rennleitungsprüfung unter Anleitung von Jutta Pick und Axel von Gültlingen für mich verbuchen.

Mit meinen Vorstandskollegen Dr. Michael Schwalba und Gregor Baum

Zurück in der Heimat kam ich schnell mit dem hiesigen Rennbahnpräsidenten Gregor Baum und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich von Lenthe ins Gespräch. Seit 2014 bin ich Mitglied des Vorstands des Hannoverschen Rennvereins. Mit unserem kleinen engagierten Team organisieren wir ca. zehn Renntage pro Jahr. Die Neue Bult ist eine echte Attraktion in der Region und lastet mich derzeit als Mutter von zwei Mädchen (2 und 4 Jahre) und den Arbeiten auf dem Hof voll aus.

Es ist für mich ein großes Glück, meine Töchter auf dem Land inmitten von Pferden aufwachsen zu sehen. Der Vollblutsport erfüllt mich bis heute mit stetiger Freude, Passion und Faszination, und ich wünsche mir, diese nicht nur an meine Töchter weitergeben zu dürfen.“

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