Insider-Talk mit Miguel Lopez: „Habe in Deutschland tolle Leute kennengelernt“

Miguel Lopez
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Aus der Schweiz stammt er, hat aber schon in den verschiedensten Ländern geritten, doch längst ist Deutschland die Heimat von Miguel Lopez geworden. Der Jockey, der auch leichte Gewichte in den Sattel bringen kann, steht kurz vor dem 200. Erfolg seiner Karriere.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet der 36-jährige über seine Laufbahn, in der er auch schon Hindernisrennen ritt, oft mit Außenseitern erfolgreich war, speziell im Winter immer wieder auf der Sandbahn für Furore sorgt und sich auch von vielen Verletzungen nicht unterkriegen lässt.

Ihre Familie ist ein Beispiel für die Internationalität des Rennsports. Können Sie das genauer umschreiben?

Miguel Lopez: Ich wohne seit einigen Jahren in Düsseldorf, geboren und aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Meine Mutter ist Holländerin, mein Vater Spanier, und ich habe noch eine jüngere Schwester.

Miguel Lopez am 04.10.2020 in Düsseldorf
Miguel Lopez am 04.10.2020 in Düsseldorf

Wo haben Sie mit dem Rennsport angefangen? Gab es einen reibungslosen Start?

Miguel Lopez: Reibungslos war der Start nicht. Begonnen habe ich meine Lehre in der Schweiz als Rennreiter bei Rita Seeholzer und Josef Stadelmann in Dielsdorf in Zürich und diese auch erfolgreich abgeschlossen. Doch bald stellte sich einiges Pech ein. Denn verletzungsbedingt konnte ich lange meinen Beruf nicht ausüben und musste somit immer mal wieder pausieren, bis meine Brüche und Verschraubungen verheilten und ich wieder im Training reiten konnte. Das war schon eine harte Zeit.

In Ihrer Heimat waren Sie sogar schon Champion? Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Miguel Lopez: Eine sehr wichtige Station war für mich der Stall von Miro Weiss in Urdorf. Zwei Jahre haben wir beide in Folge gemeinsam das Championat gewonnen, er als Trainer, ich als Jockey. Meine letzte Station in der Schweiz war bei Andreas Schärer. Bei ihm habe ich viel mit Hindernis-Pferden gearbeitet und hatte auch schöne Siege über die Sprünge.

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Was waren die schönsten Erfolge?

Miguel Lopez: Einige meiner schönsten Erfolge waren unter anderem der Sieg im Großen Preis von St. Moritz mit Song of Victory, der Prix du Jockey Club in Zürich mit Lumisson, und All in, mit dem ich in einem Jahr sieben Rennen gewinnen konnte. Aber jeder Sieg ist natürlich schön und etwas ganz Besonderes für mich.

Wie sind Sie in Deutschland durchgestartet?

Miguel Lopez: Als ich nach Deutschland wollte, bekam ich eine Chance bei Sascha Smrczek in Düsseldorf, wofür ich sehr dankbar bin. Mitte 2017 bin ich zu Jens Hirschberger nach Mülheim für das Gestüt Auenquelle gewechselt. Am Diana-Stall bin ich unverändert tätig, inzwischen für den neuen Trainer Marcel Weiß, mit dem ich mich ebenfalls sehr gut verstehe. Hier ist auch Lijian, das Pferd meiner Schwester Celina in Training. Mit ihm habe ich schon einige schöne Treffer erzielen können.

Voice of Kings
Voice of Kings

Was schätzen Sie an Ihrer neuen Heimat? Was waren bislang die Meilensteine hier für Sie?

Miguel Lopez: Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl und habe hier viele neue, tolle Leute kennengelernt. Schon jetzt freue ich mich auf die nächsten Wochen und Monate. Mein 150. Sieg mit Voices of Kings am Neujahrstag 2018 in Neuss war natürlich eine tolle Sache. Das war schon ein ganz besonderer Moment, aber auch die Treffer mit Lijian, unserem Familienpferd, sind immer etwas Einzigartiges. Oder der Listensieg mit Box Office und Shrubland 2019 in Hindernisrennen in Mannheim bzw. Bad Harzburg für Christian von der Recke.  Mit Axana habe ich 2018 für Jens Hirschberger in Hannover auf Listen-Parkett gewonnen.

Was waren oder sind Ihre Lieblingspferde?

Miguel Lopez: Es gibt viele Pferde, die einen faszinieren können, deshalb arbeiten wir alle im Rennsport, einer meiner Lieblinge war Pleasant Princess. Mit ihr konnte ich viele Rennen gewonnen habe. Sie war eine ganz treue Kämpferin. Oder Charlie’s Dreamer für Philipp Berg. Drei Treffer haben wir 2020 schon gemeinsam feiern dürfen. Und natürlich auch Lijian, zu dem eine ganz besondere Bindung besteht.

Pleasant Princess siegt unter Miguel Lopez am 13.03.2018 in Neuss
Pleasant Princess siegt unter Miguel Lopez am 13.03.2018 in Neuss

Kommen wir noch einmal auf das Thema Verletzungen zurück. Was haben Sie sich schon gebrochen?

Miguel Lopez: Natürlich bin ich auch von Verletzungen in meiner Laufbahn nicht verschont geblieben. Ich habe meinen kompletten linken Oberarm verschraubt, und ein großer Teil meines Gesichtes war einmal durch einen Motorradunfall sehr in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem fahre ich nicht mehr Motorrad, was wahrscheinlich auch besser so ist. Es gibt auch genügend andere Wege, wie man sich fortbewegen kann.

Aber das war längst nicht alles, richtig?

Miguel Lopez:  Das stimmt, mein Fuß ist auch fünffach gebrochen, weil mich im wahrsten Sinne des Wortes eine Autofahrerin im Kreisverkehr nicht gesehen hat mit meinem Motorrad und mich über den Haufen gefahren hat, so dass mein rechtes Bein unter ihr Auto kam. Bei diversen Stürzen mit Pferden beim Springen im Training habe ich mir schon zweimal das Schlüsselbein gebrochen, das mittlerweile auch schon gut verschraubt ist, aber auch den rechten Unterarm und das rechte Handgelenk, das auch schon komplett verschraubt ist.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Miguel Lopez: Zu meinen Hobbies gehören Essen und Schlafen, nein, das ist Spaß, ich laufe viel nachmittags mit meinem Hund im Wald. Ich habe eine französische Bulldogge, die meistens auf den Name Stitch hört, wenn nicht gerade etwas anderes interessanter ist. In den kälteren Monaten joggt er auch gerne mit mir mit, im Gegensatz zu den Sommermonaten, da zeigt er mir den Vogel, wenn ich mit ihm Joggen gehen möchte. Dann gehe ich halt an den See, mit ihm oder ohne ihn. Wer mag nicht gerne Sonne, Wasser und sehr konzentriertes Nichtstun und Erholung.“

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