Galopp+Insider Sascha Wöhler: „Ich wünsche mir ein harmonisches, regenfreies, sportliches und erfolgreiches Meeting“


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Das Derby-Meeting vom 29. Juni bis 8. Juli 2018 mit dem IDEE 149. Deutschen Derby als absolutem Höhepunkt der deutschen Rennsaison in Hamburg steht unmittelbar vor der Tür. Hinter Sascha Wöhler liegen einige der intensivsten Arbeitswochen des Jahres, denn er arbeitet im Auftrag von Susanne Putensen vom Hamburger Renn-Club daran, dass bei allen Wetterunbilden der vergangenen Jahre aus dem Horner Moor ein Top-Geläuf wird. Der Bruder von Trainer Andreas Wöhler ist zuständig für die Geläufspflege in der Hansestadt, der „Greenkeeper“ von Hamburg.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet er über sein spannendes Leben im Galopprennsport und nennt seine Wünsche für das Derby-Meeting.

Sascha Wöhler auf seinem Turf am 03.07.2013 Renntag in Hamburg.

Zum Langzeitmarkt
149. Deutsches Derby

Zum ersten Renntag der Derbywoche
Fr, 29.06.
Zum zweiten Renntag der Derbywoche
Sa, 30.06.

„Ich bin 1967 im Schlussbogen der Galopprennbahn Dortmund-Wambel geboren. An derselben Stelle wie 5 ½ Jahre zuvor mein Bruder Andreas. Der Vater Adolf war zu der Zeit erfolgreicher Rennreiter und die Mutter Krankenschwester.

Anfang der 70er zog es meinen Vater als Trainer nach Bremen. Wir Kinder sind mit den Eltern jedes Wochenende auf den deutschen Rennveranstaltungen dabei gewesen. Dort waren Andreas Schütz, Thomas Horwart und ich ein unzertrennliches Team. Rennkommentator Manfred Chapman musste immer am Ende der Rennveranstaltung über Lautsprecher die Herren Schütz, Horwart und Wöhler ausrufen, weil die Eltern nach Hause wollten. Auch heute besteht diese Freundschaft noch.

In der Jugend war bei mir –  im Gegensatz zu meinem Bruder – nie das große Interesse an den Vollblütern vorhanden, in den Ferien jedoch wurde am Stall gearbeitet, um das Taschengeld aufzubessern.

Als ich 18 Jahre alt war und gerade den Führerschein in der Tasche hatte, verstarb unser Vater viel zu früh und plötzlich. Dies veranlasste die Familie, noch näher zusammenzurücken und den Betrieb neu aufzustellen. Andreas als Trainer, unsere Mutter für das Kaufmännische und ich als Springer für alles andere. Eine neue Entwicklungsphase begann für mich, und das Interesse an der Materie Pferd stieg enorm, dabei übernahm ich später die kaufmännische Abwicklung sowie die Position als Assistenztrainer im Betrieb.

Montags bis samstags täglich vier bis fünf Pferde reiten war Alltag, auch die administrativen Aufgaben im Büro waren selbstverständlich. Die komplette Buchhaltung sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen habe ich alle in eigener Regie bewältigt. Hinzu kamen dann im Sommer bzw. in der Rennsaison die Wochenenden, an denen ich quer durch Deutschland oder sogar Europa reiste. Unvergesslich waren die Reisen mit Paolini, der weltweit seine Rennen bestritt. Kanada, Hongkong, Tokio, Dubai, das war schon etwas Besonderes.

Diamante siegt unter Eduardo Pedroza am 29.08.03 in Baden-Baden.

Aber einen Trip habe ich nie vergessen, der mir in besonderer Erinnerung geblieben ist. Das war mit Diamante, einem Fährhofer, der sollte in Bordeaux laufen, stand zu dieser Zeit aber in Pisa. So bin ich mit unserem Reisefuttermeister Jean-Marie Provost im Kleintransporter von Bremen nach Pisa gefahren. Von dort nach Marseille und weiter nach Bordeaux und dieser wunderschöne schwarze Hengst hat auch noch gewonnen. Diese Tour hatte fast eine Woche gedauert und war von vielen tollen Ereignissen geprägt.

2004 war das Jahr der Trennung vom Rennstall Wöhler, dieser zog nach Gütersloh und mich zog es nach Köln, wo ich leider nur ein kurzes, aber intensives Jahr auf dem Gestüt Schlenderhan hatte. Dort war ich hauptsächlich bei den Rekonvaleszenten, der Jährlingsaufzucht und im Büro während der Decksaison tätig.

2005 kehrte ich nach Bremen zurück, um mit Pavel Vovcenko die Rennstall Vovcenko GmbH zu gründen. Mit den gleichen Aufgaben und Funktionen im Betrieb wie im Rennstall Wöhler, nur diesmal als Gesellschafter und gleichberechtigter Geschäftsführer. Nach drei Jahren war mir aber bewusst, dass es in Bremen keine Stabilität mehr gab und der Sport sehr in wirtschaftliche Probleme geriet.

Somit stellte ich mich durch einen guten Freund in Hamburg in der handwerklichen Branche neu auf und lernte viel über Sanierung und Renovierung. Ebenso interessierte mich die Grünflächenpflege diverser Anlagen. Hinzu kam dann die Arbeit auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn bei Susanne Putensen. Da war ich natürlich in meinem Element. Es ist nicht nur Rasen mähen oder Rails aufstellen, sondern das ganze Gesamtbild muss stimmen. Es ist am allerwichtigsten, dass Pferd und Reiter ein optimales und sicheres Gesamtgeschehen vorfinden. Innerhalb eines fleißigen und routinierten Teams ist es jedes Jahr eine neue Herausforderung. Leider hat uns das Wetter, pünktlich zum Meeting, in den letzten Jahren immer wieder Streiche gespielt. Das ist natürlich sehr traurig.

Aufstellung der Rails auf der Hamburger Rennbahn.

Meine Kenntnisse und Fertigkeiten in Bezug auf Rasenpflege und deren Nutzung habe ich ständig in Seminaren erweitert und möchte mich dort gerne weiterentwickeln. Zurzeit bin ich beruflich in der professionellen automatischen Bewässerung tätig, das lässt sich auch gut mit dem Pferdesport, Fußball, Tennis oder Golf kombinieren, und alles ist mit Rasen verbunden.

Ich wünsche mir für dieses Jahr in Hamburg ein besonders harmonisches, regenfreies, sportliches und erfolgreiches Meeting für alle Aktiven und dem HRC einen umsatzreichen Toto.

Was das Derby anbetrifft, so steht Royal Youmzain nach seinen bisher gezeigten Leistungen und dem GAG schon ein gutes Stück heraus. Ich würde es meinem Bruder und auch Besitzer Jaber Abdullah sehr gönnen, wenn sie das Derby gewinnen, denn ich kenne Jaber noch von früher. Meine Sympathien gelten der gesamten Mannschaft von Royal Youmzain, natürlich auch Eddie, der sein erstes Derby in Deutschland gewinnen könnte.“

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