Galopp+Insider Tamara Hofer: Von Deutschland über Chile bald Richtung USA?

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Wer einmal bei den Rennpferden angefangen hat, den lässt dieses Metier nicht mehr los. Das gilt auch für Tamara Hofer (25), die Rennreiterin aus München, die weder verwandt noch verschwägert ist mit dem Trainer Mario Hofer, und ihre Chancen zu nutzen weiß.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet Tamara Hofer von ihrem spannenden Leben im Rennsport.

Notaio siegt unter Tamara Hofer am 03.08.2014 Renntag in Frankfurt.

„Oft werde ich gefragt, ob ich mit Mario Hofer verwandt bin. Nein, das bin ich nicht. Wir haben nur denselben Namen. Meine Familie hat nichts mit Pferden zutun. Ich bin auch die Einzige aus meiner ganzen Familie, die überhaupt reiten kann. Natürlich ist durch meinen Beruf bei den Eltern das Interesse ein bisschen größer an den Pferden. Jetzt wissen sie zumindest schon, wo die Karotten rein kommen und wieder raus (lacht). Ich habe noch zwei Brüder und eine Schwester, die ist so langsam allerdings auch eine große Pferdeliebhaberin, aber reiten traut sie sich noch nicht so ganz. Viele wundern sich wie ich dann überhaupt auf diesen Beruf gekommen bin, das war reiner Zufall.

Ich wollte ja eigentlich etwas „Gescheites“ lernen und mein Hobby als Hobby belassen. Aber es kam zum Glück doch alles anders. Geritten habe ich schon immer, mit drei Jahren habe ich angefangen zu voltigieren und bin dann zum Ponyreiten gewechselt. Nach einigen Jahren hatte ich meine Reitbeteiligungen und durfte am Hof mithelfen. Eines Tages kamen Einsteller und haben mir und meiner besten Freundin Eintrittskarten für die Münchner Galopprennbahn geschenkt. Und somit war es um mich und meine Freundin geschehen. Einmal die Rennen gesehen, Praktikum dort gemacht und nie wieder weggekommen. Und somit hatte ich letzten Endes doch mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, genau wie meine beste Freundin.

Montabaary siegt unter Tamara Hofer am 15.08.2015 Renntag in Saarbruecken.

Ich habe meine Ausbildung zur Pferdewirtin im September 2009 bei Gerald Geisler in München angefangen, der dann leider nach einem halben Jahr nach Baden-Baden umgezogen ist, weshalb ich zu Wolfgang Figge gegangen bin. Dort absolvierte ich meine ersten Ritte im Jahr 2010. Im April 2012 wechselte ich meinen Ausbildungsplatz zu Werner Glanz und beendete dort meine Lehre im selben Jahr im Sommer. Dort blieb dort bis Ende 2015 und feierte meinen entscheidenden 50. Sieg in Dresden am 2.8.2014. Damit erhielt ich meinen Titel als Jockey mit der Stute Sotogrande in Dresden. Soviel zu meiner Lehrzeit.  Momentan arbeite ich als Freelancer in München und reite hauptsächlich für Jutta Mayer und Karoly Kerekes aus.

Meine größten Erfolge waren unter anderem mit Dime Dancer am 5.10.2014 in den Austrian Oaks in Ebreichsdorf, oder der zweite Platz mit Paris Rose im Listenrennen in München und auch das große Altersgewichtsrennen am 28.6.2015 mit Rosetti. Auch viele Ausgleiche II, wie mit New Fighter oder Motabaary bedeuteten mir viel. Allerdings nicht nur wegen ihrer Leistungen, denn anfangs waren beide auf keinen Fall einfache Ritte und haben sehr viel Mühe, Zeit und vor allem Ruhe gebraucht. Ich glaube, meinen besten Jahre hier in Deutschland waren 2014 und 2015. Wobei das ein guter Zeitpunkt wäre um über meine Auslandserfahrungen zu erzählen. In der Zeit bei Werner Glanz hatte ich einige Gastspiele in Italien, Meran und Mailand, wobei ich sogar in Meran im Listenrennen reiten durfte und mit der Stute Lady´s Day ihren Blacktype-Titel holte. Außerdem hatte ich auch Chancen in Frankreich und Österreich. Ganz zu schweigen von fast allen Rennbahnen hier in Deutschland. Gerade die Meetingsbahnen liegen mir irgendwie besonders, warum genau weiß ich auch nicht, ich glaube, es ist einfach dieses besondere Flair und die gute Stimmung. Zudem hatte ich die Möglichkeit für den Sheikha Fatima-Wettbewerb zu reiten in Stockholm, Schweden und in Casablanca, Marokko, wo ich Zweite wurde. Was vielleicht auch ganz interessant ist, ist dass ich 2013 im Januar und Februar in Newmarket bei Marco Botti verbringen durfte. Dort konnte ich einiges dazu lernen und vieles Neue sehen. Aber noch aufregender war mein Jahr in Chile 2016.

Chile, warum Chile? Es sollte einfach so sein, genauso wie mein Beruf als Jockey, warum genau, weiß ich nicht. Aber es war super. Ich kann diese Erfahrung nur empfehlen, auch wenn es absurd klingen mag. Reich wird man dort vielleicht nur an Erfahrungen, aber die kann einem auch keiner mehr nehmen. Neben der spanischen Sprache war es mir möglich, etwas zu lernen, was man sonst nirgendwo auf der Welt lernen kann, nämlich Rennpferde ohne Sattel zu reiten. Denn in Chile bzw. in Südamerika werden die Rennpferde ohne Sattel trainiert, gearbeitet und eingeritten. Im Rennen geht es allerdings genauso „hart“ zu. Aber das hat mich persönlich auch nicht wirklich gestört, und ich hatte viele und tolle Erfolge in Chile. Sogar in klassischen Rennen durfte ich reiten und habe diese auch gewonnen (Dona Flo). Einmal allerdings bin ich in Chile im Rennen schwer gestürzt, aber für mich, war das nur einer von vielen Stürzen, die ich hatte, bis ich dann das Video gesehen hatte. Aber das war ja nur ein Video, und wer, reitet der fällt auch, ich hatte einige schwere Stürze, auf die ich aber gar nicht eingehen will, weil dss das Gesamtbild von jemandem immer ändert, aber meine Leidenschaft und das Vertrauen zu den sanften Riesen ist einfach größer wie die Gefahr. In Chile werden Frauen auch herzlich empfangen und sind wie eine Showattraktion. Viele Zuschauer auf der kleinen Bahn in Concepcion sind nur gekommen, um eine Frau reiten und gewinnen zu sehen. Natürlich ist in Chile auch zuerst das Talent gefragt, aber wenn dann eine Frau die Männer besiegen kann, ist das ein Highlight und wird gerne gesehen, von allen. Das war schon ziemlich besonders in Chile, nach seiner Leistung bewertet zu werden und dann noch einen minimalen Vorteil zu haben, weil man Frau ist. Von Chile bin ich dann mit meinem jetzigen Ehemann zurück nach Deutschland, eigentlich um Urlaub zu machen, und dann weiter in die USA zu ziehen. Aber das wollte das Leben nicht ganz so. Warum, weiß ich bis jetzt noch nicht, aber irgendeinen Grund wird es da auch geben. Mein Ehemann Roberto Almonacid ist ebenfalls Jockey und war auch recht erfolgreich in Chile. Zusammen wollen wir, wenn die Zeit soweit ist, gerne in die USA, aber wann genau das ist, wird uns unser Weg dann zeigen.

Mein Wunsch hier in Deutschland wäre, dass die eigenen Leute, die in Deutschland fest arbeiten, mehr unterstützt werden würden. Leider ist es heutzutage extrem schwer, Ritte zu bekommen, weil die Jockeys aus Frankreich und England oder auch Italien bevorzugt werden. Ganz abgesehen von der Sicht einer Frau, weil die Besitzer wollen ja „richtige“ Jockeys und keine Frau. Das ist schon extrem hart geworden und eigentlich auch traurig, weil wenn jeder einmal in seinen eigenen Stall reinschauen würde, würde man auch sehen, wer eigentlich die ganze Arbeit macht. Ich würde mich freuen, wenn die eigenen Leute wieder mehr unterstützt werden würden. Und vor allem die Akzeptanz für Frauen endlich einmal da wäre. Deutschland ist offenes Land, sollte man meinen, aber irgendwie hinkt der Rennsport dort etwas hinterher. Warum ist ein Mann besser als eine Frau? Klar haben beide ihre Vor- und Nachteile, aber letztendlich bin ich davon überzeugt, dass das Entscheidende das Pferd ist. Ohne ein Pferd mit auch nur ein bisschen Chance gewinnt keiner. Es ist schade, dass Deutschland das nicht sehen möchte. Für dieses Jahr allerdings bin ich etwas optimistischer als für das letzte Jahr, ich habe zwar erst recht spät in dieser Saison angefangen, mit dem ersten Start in München, aber für irgendetwas wird das auch wieder gut sein. Ich freue mich aber schon richtig auf die nächsten Renntage hier in München und hoffe auch, dass es gut läuft.“

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