Insider-Talk mit Antonia von der Recke: „Man ist nur so schnell wie seine Pferde“


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Ihr Vater Christian ist einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland mit einer Vielzahl an Championaten auf der Flach- und Hindernisbahn. Doch auch Antonia von der Recke macht Karriere im hiesigen Rennsport. Auch nach einer langen Verletzungspause war sie bereits wieder im Rennsattel als Amateurrennreiterin erfolgreich. Bei letzter Gelegenheit am 27. Dezember in Dortmund schaffte sie das Championat der Amateurreiterinnen. Exklusiv im Inside-Interview auf dem Blog, das wir kurz vor Ihrem Titelgewinn führten, berichtet die 21-jährige über ihre Pläne.

Wann haben Sie das erste Mal auf einem Pferd gesessen? Welchen Anteil hat Ihr Vater an Ihrem Interesse für den Turf?

Antonia von der Recke: An das erste Mal, dass ich auf einem Pferd gesessen habe, daran kann ich mich gar nicht so genau erinnern. Wahrscheinlich war das noch, bevor ich wirklich laufen konnte. Das Interesse an dem Sport und die Liebe zu Pferden wurden mir quasi in die Wiege gelegt. Meine Eltern haben beide einen sehr großen Anteil an meinem Interesse für den Turf. Schon als Kleinkind war ich tagtäglich mit dem Rennsport konfrontiert und damit ganz automatisch ein Teil des Rennstalls.

Mein Vater ist mein Mentor und Lehrer, zeigt und erklärt mir viel und begleitet meine Rennkarriere sehr intensiv. Die Amateurprüfung zu machen war übrigens auch nicht meine Idee, sondern eher seine. Zu Beginn dachte ich, es sei eine gute Möglichkeit, um Erfahrung zu sammeln und den Rennsport aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Dass ich tatsächlich mal so aktiv in den Sport einsteige, habe ich damals selbst nicht gedacht.

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Antonia von der Recke als Kind
Antonia von der Recke als Kind

„Der Rennsport war immer präsent“

Ist auch bei Ihnen der Funke gleich übergesprungen? Was begeistert Sie an der Arbeit mit den Vollblütern?

Antonia von der Recke: Zu Beginn war mein Interesse zugegebenermaßen gar nicht so groß. Durch den Stall direkt am Haus, war der Rennsport zwar immer präsent, jedoch war der Kontakt mal mehr aber auch mal weniger ausgeprägt.

Klar durfte das obligatorische Ponyreiten nicht fehlen. Früher hatte ich ein eigenes, Ledi, und nahm zusammen mit meiner Schwester Alexa Reitstunden, wir  waren als Kinder jedes Jahr in den Reiterferien in der Eifel und sind auf Dorfturniere gegangen, was mir auch alles sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Das war’s dann aber auch erstmal für mehrere Jahre mit dem engen Pferdekontakt.

Meinen ersten Canter auf unserer Bahn habe ich mit Kegawa absolviert, einem Polopony was für kurze Zeit bei uns im Stall stand, da war ich wahrscheinlich so 10 Jahre alt. Sie war, glaube ich, auch das erste Pferd, das ich im Rennen geführt habe. Das war in Bad Harzburg mit Vinzenz Schiergen im Sattel, und die beiden haben sogar gewonnen.

So wirklich übergesprungen ist der Funke erst spät als ich nach meinem Abitur 2018 für ein Jahr in Paris als Au-Pair gearbeitet habe, um mein Französisch zu verbessern. Eigentlich wollte ich anschließend nämlich BWL in Köln studieren, das war mir dann aber doch etwas zu theoretisch. Bis zum Start meiner Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte hatte ich dann noch sechs Monate zu überbrücken. Diese Zeit nutze mein Vater dann, um mich in der täglichen Morgenarbeit einzubinden, damit ich mich ja nicht langweilen würde. In dieser Zeit habe ich dann auch meine Amateurprüfung absolviert.

Die Arbeit mit den Vollblütern fasziniert mich, sie sind sportlich, schnell, sehr schlau und einfühlsam. Sie geben einem viel zurück. Besonders die verschiedenen Charaktere näher kennenzulernen, herauszufinden was sie mögen, bringt mir viel Freude.

Antonia von der Recke mit ihren Pony
Antonia mit ihren Pony

Welche Erinnerungen haben Sie an den 1. April 2021?

Antonia von der Recke: Dieses Datum werde ich sicher nie vergessen. Es war erst mein zweiter Ritt und gleich der erste Sieg, das war alles wahnsinnig aufregend für mich. Ich mochte den Wallach bereits in der Arbeit sehr und war super glücklich darüber, dass die Besitzer (Familie von Hodenberg) mir das Vertrauen geschenkt haben. Sir Chancealot war davor bereits mehrmals Zweiter, aber mit mir im Sattel hat er sich dann richtig ins Zeug gelegt, so dass wir gemeinsam unseren jeweils ersten Sieg feiern konnten. Ich war dann sehr erleichtert, diesen Meilenstein so früh gesetzt zu haben.

Große Vorfreude auf Newmarket

Es folgten Erfolge in Zweibrücken und Magdeburg. Was verbinden Sie mit den Siegen auf On y va und Nablirka?

Antonia von der Recke: Man ist immer nur so schnell wie seine Pferde. Ich bin sehr dankbar dafür, so tatkräftig unterstützt zu werden und viele Chancen in Form von Ritten zu bekommen. Da sind Siege natürlich toll, aber auch gute Platzierungen wie mit Glory Dab in Baden Baden für Eugen-Andreas Wahler freuen mich sehr. Außerdem haben mich die Ritte für ihn für den Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung qualifiziert, und damit darf ich 2022 nach Newmarket auf den Workshop fahren, den ich kaum abwarten kann.

Ein Super-Erlebnis mit On y va, da hat einfach alles gestimmt an dem Tag, und er war wieder mal super vorbereitet von Andrea Friebel. Die gesamte Familie Friebel war da und hat uns anschließend als Sieger vom Geläuf geholt. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man den Forderungen gerecht werden kann.

Antonia von der Recke im Rennen
Im Rennen

„Herr Türk wollte mich adoptieren“

Beim ersten Start von Nablika und mir waren wir direkt Zweiter in Köln und da bot Herr Türk mir an, sie in Magdeburg direkt wieder zu reiten, wo wir dann zusammen gewinnen konnten. Herrn Türk hat mein Sieg mit seiner Stute Nablirka so begeistert, dass er mich gefragt hat, ob er mich adoptieren könne. Sehr schmeichelhaft, aber ich hoffe, dass mein Vater mich nicht so schnell hergibt, schließlich braucht er mich ja noch.

Sie mussten später eine lange Auszeit verkraften. Was war passiert? Wie verlief Ihre Genesung?

Antonia von der Recke: Ein herber Rückschlag, der anfangs nur schwer zu verkraften war. Es war mein drittes und letztes Rennen an dem Renntag in Mannheim. Ich kam als Zweite durchs Ziel und war gerade dabei, mit Perviy auszucantern, da rutschte er im Bogen weg und wir stürzten. Der Wallach war glücklicherweise direkt wieder auf den Beinen und wohl auf, ich merkte aber ziemlich schnell, dass mein Arm etwas zu sehr weh tat. Nach ein paar Untersuchungen im Krankenhaus kam schnell das ernüchternde Ergebnis: das Schulterblatt war gebrochen. Das Ganze war sehr frustrierend für mich, da ich gerade das Gefühl hatte, dass alles so gut läuft.

Die Genesung verlief dann glücklicherweise relativ schnell und frei von Komplikationen. Ende November kam die erleichternde Nachricht meines Arztes Dr. Brach (der Ehemann der ehemaligen Rennreiterin Caroline Lippert): Der Arm ist wieder voll belastbar und ich darf endlich wieder reiten.

Mit Camarov gab es auf der Dortmunder Sandbahn den ersten Treffer nach dem Comeback. Was muss man beachten, um auf dieser Bahn erfolgreich zu sein?

Antonia von der Recke: Sandbahnen sind immer etwas Besonderes. Es ist wichtig, denke ich, sich eine gute Position zu sichern, um möglichst wenig Sand abzubekommen.

Was machen Sie im Hauptberuf? Und wieviel Zeit verbringen Sie im Rennstall? Was schätzen Sie besonders an Ihrem Vater?

Antonia von der Recke: Zur Zeit befinde ich mich im zweiten Jahr meiner Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte in einer sehr guten Tierarztpraxis in Pulheim. Ich bin froh, dort zu sein, und meine Chefs haben viel Verständnis dafür, wenn ich mal wieder spontan einen Urlaubstag nehme, um ein Rennen zu reiten. Als Entschädigung bringe ich meiner Praxis dann Kuchen mit, wenn ich gewonnen habe. Ich versuche so viel Zeit wie möglich im Stall zu verbringen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Unter der Woche kann ich, je nach Dienst, 2-5 Lots vor der Arbeit reiten.

Besonders die Samstage genieße ich sehr, da ich dann auch mal mehr Zeit habe für den engeren Kontakt mit den Pferden und mit den Amateuren am Stall gibt es immer viel zu lachen. Außerdem fahre ich auf die Rennen mit und führe, wenn ich nicht gerade auch selber reite.

„Großen Respekt vor meinem Vater“

Vor meinem Vater habe ich sehr großen Respekt. Es gibt nur wenige im deutschen Rennsport, die das erreicht haben, was er erreicht hat. Ich schätze besonders an ihm, dass er mich so sehr unterstützt in allen Bereichen. Vor jedem meiner Rennen schauen wir uns alte Rennvideos, die Formen der Konkurrenten und meine Chancen an. Nach den Rennen sagt er mir, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Das hilft mir sehr und bringt mich enorm weiter. Hinzu kommt seine ehrliche und direkte Art.

Meine Mutter ist auch ein großes Vorbild für mich, ich habe viel von ihr und mit ihr reite ich super gerne, sie kommt ein- bis zweimal die Woche zum Training. Sie ist sehr ordentlich und gewissenhaft mit den Pferden und hat ein gutes Gefühl für sie. Das versuche ich zu übernehmen.

Was sind Ihre Pläne für die Saison 2022? Werden Sie in der Fegentri dabei sein?

Antonia von der Recke: Zunächst einmal möchte ich meine Ausbildung erfolgreich abschließen und gesund bleiben. Nebenbei versuche ich natürlich so viel wie möglich zu reiten. In der Fegentri dabei zu sein wäre der Wahnsinn. Geplant ist aber noch nichts, und Ausbildung, Berufsschule, das Reiten und meine Freunde unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach manchmal.

Antonia von der Recke mit ihrem Vater
Antonia mit ihrem Vater

Kommt auch eine Profi-Karriere in Frage? Wo sehen Sie sich in einigen Jahren?

Antonia von der Recke: Aktuell ist das kein Thema für mich. Das Reiten ist mein Hobby – und das soll es zunächst einmal auch bleiben. Ich möchte mich auf meine berufliche Laufbahn fokussieren und mich weiterentwickeln.

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Michael Hähn
Unser Autor Michael Hähn arbeitet als freier Journalist in Baden-Baden. Der Galopprennsport ist seit vielen Jahren sein Metier, und seine Leidenschaft sind Rennveranstaltungen in Deutschland und auf der ganzen Welt.