Insider-Talk mit Bohumil Nedorostek: „Es ist meine bislang beste Saison“

Bohumil Nedorostek
Bohumil Nedorostek im Portrait am 18.08.2018 in Mülheim.
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Er ist einer der Aufsteiger unter den Galopper-Trainern in Deutschland der letzten Wochen und Monate: Bohumil Nedorostek (46) sorgt immer mehr für Furore.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet der Ex-Hindernisjockey über seine Laufbahn. 15 Siege bei 90 Starts sind eine sehr beachtliche Ausbeute bisher in 2019.

Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek
Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek am 02.06.2013 in Mannheim.

Sie hatten schon ein starkes Bad Doberan-Meeting mit drei Erfolgen. Hatten Sie darauf besonders hingearbeitet?

Bohumil Nedorostek: Wir haben die Rennen in Bad Doberan gezielt ausgesucht, denn sie haben sehr gut für meine Pferde gepasst. Auch hatte ich mir gedacht, dass sie auf dieser Bahn zurechtkommen. Daher sind wir mit großen Hoffnungen hingefahren. Ich war mir sicher, dass meine Schützlinge dort gut laufen würden.

Wie fällt Ihre bisherige Saisonbilanz aus?

Nedorostek: Bisher ist das meine beste Saison überhaupt. Ich habe auch mehr Pferde als im Vorjahr in Training, damals waren es im Schnitt zehn Pferde, jetzt sind es 22 bis 23. Bisher haben wir 15 Siege und 23 Plätze geschafft, der Schnitt von 16,7 Prozent ist gut. Ich bin wirklich sehr zufrieden, momentan läuft es wirklich sehr gut.

Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek
Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek am 02.06.2013 in Mannheim.

Haben Sie ein besonderes Erfolgsrezept? Wie sind die Bedingungen in Hannover?

Nedorostek: Die Bedingungen in Hannover sind wirklich sehr gut. Wir haben mehrere verschiedene Trainingsbahnen, davon zwei Sandbahnen, eine Grasbahn und sogar noch eine Bahn mit Sprüngen, auf denen wir arbeiten können, das ist optimal. Hier sind nicht soviele Trainer, daher kommen wir uns nicht in die Quere und können in Ruhe die Pferde vorbereiten.

Die Pferde werden bei uns vernünftig geritten, beim Aufwärmen, über Rücken, damit sie schön locker werden. Für mich ist ganz wichtig, dass die Pferde sich wohlfühlen, gesund sind und uns vertrauen. Das ist das Wichtigste. Ich arbeite mit ihnen individuell. Ich habe mehrere Pferde, die physisch oder psychisch angeschlagen waren, da muss man sich auf das Pferd einstellen und mit ihm arbeiten. Man muss sie vernünftig aufbauen. Wenn sie uns vertrauen, kann man aus ihnen das Maximum herausholen. Einmal in der Woche gymnastizieren wir die Pferde, haben auch ganz kleine Sprünge zur Lockerung der Muskulatur. Damit haben sie etwas Abwechslung haben für den Kopf.

Power Jack siegt unter Wladimir Panov
Power Jack siegt unter Wladimir Panov am 18.08.2019 in Hannover.

Wer sind Ihre Hoffnungsträger für das weitere Jahr? Wie ist die Stall- und Besitzer-Struktur?

Nedorostek: Ich habe ein paar interessante Dreijährige, von denen ich viel halte. Zum Beispiel Power Jack, der in Hannover sein  zweites Rennen gewonnen hat und in Hamburg Zweiter war im Ausgleich III, oder einige noch wenig geprüfte Pferde, die in der Arbeit gut gehen, wie zum Beispiel die beim Debüt gleich erfolgreiche Jin Jin von Frau Goldberg, oder Actona. Von diesen beiden Stuten halte ich einiges. Dictator dürfte sich noch weiter steigern.

Interessant ist auch Anpak, der neu bei mir in den Stall kam. Mit ihm kann man Spaß haben, wie man schon in Baden-Baden gesehen hat. Außerdem haben wir einige versprechende Zweijährige. Ich habe freundschaftlichen Kontakt zu vielen Besitzern. Wir sind ständig in Kontakt, sie kennen und verstehen sich untereinander. Mein Team ist super, damit kann man gut arbeiten. Wir verstehen uns blendend mit den Besitzern, ich bin sehr zufrieden.

Anpak siegt unter Marco Casamento
Anpak siegt unter Marco Casamento am 31.08.2019 in Baden-Baden.

Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?

Nedorostek: Ich habe mit acht Jahren mit Springreiten angefangen. Mein Trainer hat selbst die Jockeyschule in Prag absolviert. Als Kind war ich schon sehr leicht und klein, er hat mich zum Rennsport gebracht und ist mit mir nach Prag gefahren zur Jockeyschule und meldete mich an. Mit 15 habe ich die Lehre angefangen. Damals habe ich 46 Kilo gewogen, im Ausbildungsjahr 48 Kilo. Ende 1992 bin ich nach Deutschland gegangen.

Können Sie Ihre Anfänge in Deutschland schildern?

Nedorostek: Das war sehr schwer. Durch den Jockeydiener aus Prag kam ich nach Deutschland. Er hatte einen guten Freund in Frankfurt, man suchte jemanden für die Arbeit im Stall. Ich habe einfach meine Tasche gepackt und bin hingefahren, auch wenn meine Sprachkenntnisse sehr schlecht waren. Ich konnte mich kaum verständigen. An einem Renntag in Frankfurt habe ich die Arbeitsreiter von Hans-Jürgen Gröschel getroffen, dadurch entstand der Kontakt und die Frage, ob ich als Urlaubsvertretung in der Arbeit reiten könnte. Ich bin hingefahren und habe vier Wochen die Vertretung gemacht für einen Kollegen aus Tschechien.

Auf der Rennbahn in Hannover hat mich Trainer Günter Broda angesprochen, ob ich bei ihm arbeiten wollte. Zehn Pferde hatten wir damals, wir beide haben das zusammen gemacht. Das war nicht leicht. Er musste mir die Arbeiten auf den Boden malen und erklären, was ich machen sollte. Ich habe schnell Deutsch gelernt und das schnell verstanden. Mit der Zeit ging das immer besser.

Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek
Rejouissance siegt unter Bohumil Nedorostek am 02.06.2013 in Mannheim.

Sie waren Hindernisjockey, bis es zu dem schweren Unfall in Hamburg kam. Was sind Ihre Erinnerungen daran?

Nedorostek: Es war für mich eine Schicksalssache. Es war sehr bedauerlich, denn ich hatte gerade einen guten Lauf, hatte gute Pferde, hatte mir das Pferd für dieses Rennen selbst vorbereitet, wir hatten eine gute Chance. Leider kam es dazu, dass am ersten Sprung drei Pferde gefallen sind, worauf sie umgedreht haben und in die Gegenrichtung liefen. Ich habe angesetzt zum Überholen, war an zweiter Stelle, habe nie damit gerechnet, dass die Pferde entgegenkommen würden. Auf einmal waren drei Pferde nebeneinander vor mir und konnte kaum reagieren, da ist es schon passiert. Ich komme inzwischen mit der Sache gut klar, reite seither aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Rennen, aber inzwischen wieder in der Arbeit.

Als Trainer setzte ich mich auch mal aufs Pferd, zum Beispiel wenn mir ein Pferd von unten nicht gefällt, um zu sehen, was mit dem Pferd los ist. Das ist ein großer Vorteil, man kann das besser beurteilen. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und merke, wenn die Pferde etwas haben.

Wie schwierig war es anschließend, wieder zurückzukommen? Hatten Sie daran gedacht, das Metier zu wechseln?

Nedorostek: Ich habe lange Zeit gebraucht, bis ich wieder fit war, bestimmt über ein Jahr, aber an einen Wechsel des Metiers habe ich nie gedacht. Ich habe mir immer gewünscht, später mal zu trainieren. Das kam durch den Unfall nun früher. Ich habe mich entschlossen, den Trainer-Lehrgang zu machen und zu trainieren. Es kam nie etwas anderes in Frage, als mit Pferden zu arbeiten.

Bohumil Nedorostek
Bohumil Nedorostek im Portait am 08.07.2018 in Hamburg.

Was sind Ihre Ziele, beruflich und privat?

Nedorostek: Privat bin ich sehr glücklich, bin seit zwei Jahren verheiratet. Mit meiner Frau lebe ich schon über zehn Jahre zusammen. Sie unterstützt mich sehr, ich denke, das ist die Grundlage für gute Arbeit. Vielen Dank an sie für die starke Unterstützung. Sie hat Ökonomie studiert und kümmert sich um die Buchhaltung.

Beruflich möchte ich soviel wie möglich erreichen. Schön wäre es natürlich, in großen Rennen mitzumischen und irgendwann Pferde für die großen Gestüte trainieren darf. Das wäre eine große Bestätigung für mich. Meine Pferde sollen gesund bleiben, ich weiter ein so vernünftiges Team und gute Besitzer habe. Es hängt alles davon ab. Auch das ein oder andere Hindernispferd wäre schön.

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