Insider-Talk mit Helen Böhler: „Ohne Pferd geht gar nichts mehr!“

Helen Böhler

Die Vincennes Winter Challenge

Der erste Sieg im Rennsattel ist ein einschneidendes Erlebnis. Helen Böhler (20), junge Reiterin aus München, schaffte den Premieren-Treffer im Juni auf ihrer Heimatbahn mit Winnifried. Doch wer ist die junge Dame, die das Herz von Amateur-Champion Vinzenz Schiergen erobert hat?

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog gibt Helen Böhler einen Einblick in Ihr Leben.

Helen Böhler – Feierliche Ehrung der Champions 2017 am 02.06.2018 in Baden-Baden.

Wie haben Sie Ihren ersten Sieg im Rennsattel erlebt?

Helen Böhler: Bereits bei meinem zweiten Start in diesem Jahr durfte ich am 23.Juni auf der Heimatbahn für Trainer Michael Figge mit Winnifried meinen ersten Sieger in einem Amateurrennen reiten. Das war natürlich ein großartiges Gefühl und ich bin Trainer und Besitzer sehr dankbar für diese Chance und die Unterstützung. Der erste Sieg bleibt sicher unvergessen!

Apropos München – sie sind in dieser Galopper-Stadt aufgewachsen. Wie entstand die Verbindung zum Turf?

Böhler: Ich bin ein echtes „Münchner Kindl“ und hatte das Glück, in einer Stadt mit Pferde-Rennbahn aufzuwachsen. Obwohl ich nicht von Geburt an durch meine Familie eine Verbindung zum Rennsport hatte, so waren es doch meine Eltern, die bereits früh meine Begeisterung für Pferde geweckt haben. Um aufs Pferd zu kommen, verbrachte ich deshalb meine Freizeit in Reitcamps, nahm Reitstunden und besuchte von Kindheit an natürlich regelmäßig mit meinen Eltern die Riemer Rennbahn. Schnell merkte ich: Ohne Pferd geht gar nichts mehr!

Aber was war die Initialzündung?

Böhler: Aktiv zum Rennsport kam ich dann auf eigene Initiative, als ich damals mit 12 Jahren, Trainer John David Hillis in Riem anrief, weil ich mir so unbedingt gewünscht habe, einen Rennstall von innen zu sehen. So hat sich ein kleiner Traum erfüllt, und ich durfte dort helfen, die schnellen Pferde, die mich von allen am meisten interessierten, zu pflegen und auch bald zumindest zu traben.

Taifuna siegt unter Helen Böhler am 14.07.2012 in Leipzig.

Was waren die nächsten Stationen?

Böhler: Im Oktober 2011 wechselte ich dann in den Stall von Trainer Wolfgang Figge, wo ich viel dazu gelernt habe, meine ersten Trainingsgalopps geritten bin und überhaupt jeden möglichen Tag zum Reiten nutzte, sofern es die Schule zuließ. Parallel dazu habe ich am 06. September 2013 im Stall von Peter Schiergen meine Amateurprüfung erfolgreich bestanden.

Welche Erinnerungen haben Sie an die ersten Ritte?

Böhler: Bevor ich im darauffolgenden Frühjahr mein erstes Amateurrennen in Zweibrücken geritten habe, konnte ich bereits Erfahrungen in Pony- und Junior-Cup-Rennen auf den Pferden von Josef Seidl sammeln, der mich dabei stets tatkräftig unterstützt hat. Trotz diverser Stürze und Verletzungen möchte ich diese Erfahrungen auf den kleinen Bahnen mit entsprechend schwierigem Kurs nicht missen, und ich konnte so auch etliche kleine Rennen gewinnen.

Ließ sich der Rennsport mit der Schule vereinbaren?

Böhler: Wegen der Vorbereitung auf mein Abitur und wegen einer anschließenden Australien-Work and Travel-Reise habe ich meine Pläne Rennen zu reiten vorübergehend zurückgestellt, nutzte allerdings weiterhin jeden freien Tag um im Training zu reiten. In Australien zählten der Besuch der wunderschönen Rennbahn „Royal Randwick“ in Sydney und des Trainingsstandorts an der Goldcoast auf alle Fälle zu den Highlights für mich. Der Rennsport hat in der dortigen Bevölkerung einen viel höheren Stellenwert und es war schön, das live mitzuerleben.

Laredo siegt unter Helen Böhler am 14.07.2012 in Leipzig.

Wie ging es nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland weiter?

Böhler: Sarah Steinberg hatte den Trainerposten bei RTC GmbH übernommen und nach meiner Rückkehr aus Australien habe ich im Frühjahr 2017 begonnen, dort „nebenberuflich“ zu arbeiten. Ich habe großen Respekt vor Sarah Steinbergs Leistung und davor, was sie bereits in jungen Jahren erreicht hat, und ich lerne sehr viel von ihr. Mein Hauptjob ist jedoch eigentlich mein Sportmanagement-Studium; derzeit bin ich im dritten Semester.

Wie viel Zeit haben Sie nebenbei für die Pferde?

Böhler: Da mein Studium einen semi-virtuellen Aufbau beinhaltet und ich deshalb viel von Zuhause aus lerne, kann ich unverändert die meiste Zeit im Rennstall verbringen. Ich reite dort so gut wie jeden Tag mit aus und begleite „unsere“ Pferde auf Reisen, hauptsächlich zu Rennen nach Frankreich und Italien. Natürlich bleibt neben dem Studium und dem Reiten nicht viel Zeit für den Rest, zumal ich nach dem Stall oft noch unser Pferd „Bambolina“ versorge, übrigens natürlich ein Ex-Galopper. Ich ernte des Öfteren Verwunderung über meine Hingabe zu diesem Sport, doch mit Pferden zu arbeiten, das Renngeschehen zu verfolgen und so viel wie möglich über den Rennsport zu lernen ist einfach meine Leidenschaft.

Wie stark unterstützt Sie Ihr Freund Vinzenz Schiergen?

Böhler: Vinzenz ist für mich tatsächlich meine größte mentale Stütze. Ich kann mich mit ihm immer austauschen und er steht mir mit Rat und Tat und seiner Erfahrung immer zur Seite. Auch er ist für mich ein großes Vorbild. Wenn ich bei Vinzenz in Köln bin, reite ich sehr gerne bei seinem Vater im Training im Stall Asterblüte mit. Doch auch meine Eltern möchte ich an dieser Stelle erwähnen, da sie mich in all meinen Vorhaben unterstützen und begleiten. Es ist einfach schön, wenn die gleichen Interessen geteilt werden!

Helen Böhler und Vinzenz Schiergen im Portrait am 22.04.2018 in Krefeld.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Böhler: Erstmal habe ich mir für mich vorgenommen, beim Rennreiten präsenter zu sein und voranzukommen. Mit meinem leichten Gewicht von knapp unter 50 Kilo und den 3 Kilo Erlaubnis, die ich in Anspruch nehmen kann, hoffe ich auf einige Chancen, auch um mich reiterlich zu verbessern und Routine zu bekommen, zumal ich mich durch das kontinuierliche Training weiterentwickeln konnte und mich entsprechend fit fühle. Mein langfristiges Ziel ist es, nach Abschluss meines Studiums eine Aufgabe, am liebsten im Bereich des Pferderennsports zu finden. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, den Rennsport in Deutschland wieder attraktiver für die breite Masse zu gestalten, sodass er auch langfristig am Leben zu gehalten werden kann und vielleicht sogar wieder zu ehemaliger Strahlkraft zurückfindet. Einmal mit dem „Virus Vollblut“ infiziert, gibt es für mich im Pferdesport keine Alternative zum Rennsport.

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