Insider-Talk mit Karin Schwarz: „Erfolg ist ein Weg – nicht nur ein Ziel“

Karin Schwarz
Karin Schwarz
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Vor zwei Jahren gründete Karin Schwarz das Trainings- und RehaZentrum „Horse Racing & Care““, das sich auf die Rehabilitation sowie das Pretraining von Rennpferden fokussiert.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet sie über ihre spannende Aufgabe.

Karin Shwarz, Mannheim
Karin Shwarz, Mannheim

„Erfolg ist ein Weg – nicht nur ein Ziel“, lautet das Motto Ihrer Einrichtung. Was ist damit gemeint?

Karin Schwarz: Das Hauptziel der Arbeit mit Rennpferden ist es, Siege zu erringen. Aus diesem Ergebnis definiert sich in der Regel der Erfolg. Zwar hat man den Sieg im Visier, dennoch kann der Weg dorthin mitunter schwierig sein. Sich dieser Herausforderung zu stellen und diesen Weg zu meistern, ist für mich schon ein großer Erfolg. Es bedeutet, sich kleine realistische Schritte zu setzen und glücklich zu sein über das, was man schon erreicht hat. Dazu braucht man Geduld, Einfühlungsvermögen, Disziplin und eine gewisse Kontinuität.

Daher messe ich Erfolg nicht nur über Siegzahlen, sondern auch daran, den richtigen Weg dorthin zu finden. Das heißt, dass die Pferde zum Beispiel gesund sind und bleiben, ihr Leistungspotenzial mit Freude abrufen und so ihren Besitzern den Erfolg und Spaß bringen.

Karin Schwarz
Karin Schwarz

Was fasziniert Sie besonders an Rennpferden? Und was waren Ihre bisherigen Stationen?

Schwarz: Schon im Kindesalter hat es mich immer zu den Pferden gezogen. Mein Herz gehörte dabei den Rennpferden. Besonders die schwierigeren Kandidaten hatten es mir angetan. Die Eleganz und Sensibilität, ihre Stärke und Härte, die Schnelligkeit, das Temperament und der Kampfgeist der Vollblüter haben mich von Anfang an fasziniert. Schnell stand fest, dass ich mit dieser Rasse arbeiten wollte.

Erste Erfahrungen mit Vollblütern konnte ich im benachbarten Rennstall von Manfred Weber auf dem Triebscheiderhof in St. Ingbert sammeln. Ich lernte den Umgang mit Rennpferden, durfte später auch im Training mitreiten und die Pferde zu ihren Rennen begleiten. Für meine heutige Arbeit wurde in dieser Zeit der Grundstein gelegt. Nach seinem Umzug nach Iffezheim bin ich bis heute in der glücklichen Lage, selber Rennpferde zu halten und gemeinsam mit meinem Mann Steffen zu trainieren.

Karin und Steffen Schwarz
Karin und Steffen Schwarz

Was ist Ihnen beim Pretraining besonders wichtig?

Schwarz: Beim Pretraining ist für mich besonders wichtig, dass die jungen Pferde eine art- und fachgerechte Grundausbildung erhalten, um möglichst langfristig gute Leistungen erbringen zu können. Das erleichtert nicht nur den Pferden, sondern auch den Trainern im Rennstall ihre Arbeit deutlich. Bei der Grundausbildung lege ich Wert auf die Kombination von klassischer Reitlehre und klassischem Renntraining. Die Pferde bekommen die notwendige Zeit und persönliche individuelle Betreuung beim Aufbau. Nicht jeder Vollblüter ist zweiährig schon körperlich und mental so reif, um Rennen zu laufen. Natürlich kostet ein behutsamer Aufbau etwas mehr Zeit, aber auf lange Sicht zahlt es sich aus, ein Pferd gut vorbereitet in seine Aufgabe als Rennpferd starten zu lassen.

Pferde
Pferde

Welche Möglichkeiten gibt es für Rennpferde nach der Rennlaufbahn? Was können Sie hier an Hilfestellung beisteuern?

Schwarz: Es gibt ja schon die eine oder andere Einrichtung, die sich mit dem Thema Umschulung und Vermittlung befasst. Wenn ein Rennpferd seine Laufbahn beendet, wäre es schön, wenn den Besitzern ein gutes neues Zuhause zu finden wichtig wäre, und dass ihr Pferd als zuverlässiges Reitpferd im Freizeit- oder bei gegebener Veranlagung auch als Sportpferd abgegeben wird und nicht als Wanderpokal durch viele Hände geht. Hier biete ich Besitzern entweder die Umschulung vom Renn- zum Reitpferd an oder leiste Hilfestellung, wenn sich Probleme im Umgang, beim Reiten bzw. der Ausbildung ergeben. Mein Fokus liegt allerdings mehr im Bereich Pretraining und Rehabilitation.

Beschreiben Sie die Struktur und die Größe Ihrer Anlage (plus Standort)?

Schwarz: Nahe Zweibrücken und der Grenze zu Frankreich liegt, eingebettet in ein malerisches Wiesental, abseits und doch zentral der Ort Rimschweiler. Hier herrschen optimale klimatische Bedingungen für eine artgerechte Pferdehaltung. Auf einem privaten Gehöft habe ich hier einen ruhigen Stalltrakt mit insgesamt neun hellen und luftigen Innenboxen (3,5 x 4 m) angemietet. In Eigenregie wurde für meine Arbeit ein eingezäunter 20×40 m großer Reitplatz angelegt. Weiter werden eine 1.100 m lange Trainingssandbahn mit einer Geraden von 400 m und integrierter Hangbahn mit Geländestrecke sowie weitläufiges Ausreitgelände für das tägliche Training genutzt. Für eine artgerechte Haltung und Erholung der Pferde sorgen auf sechs Hektar Fläche große und sicher eingezäunte Sommerkoppeln und große Winterpaddocks. Somit ist ein ganzjähriger Weidegang gewährleistet.

Foto von Anlage
Foto von Anlage

Im Bereich der Rehabilitation gehören neben einer mobilen Sole-/Inhalationskammer, physio- und osteopathischen Behandlungen auch manuelle Massage, Kinesiotaping, Akupressur, Magnetfeldtherapie und Behandlung mit Ice Vibes sowie Hydro- und Wärmetherapie zum Angebot. Weiter biete ich die Betreuung von Pferden an Renntagen vorwiegend im benachbarten Frankreich an.

Der Pferdebestand aktuell besteht aus aktiven Rennpferden im Wiederaufbau, Ausbildung von Vielseitigkeitspferden sowie der Haltung von Zuchtstuten und einem Oldie, der seinen Lebensabend bei uns verbringen darf.

Mit welchen anderen Personen aus dem Umfeld eines Pferdes arbeiten Sie zusammen?

Schwarz: Wichtig für optimale Ergebnisse meiner Arbeit ist der Austausch mit den Besitzern und Trainern, die ihre Pferde zu mir schicken. Genaue Infos über das, was bisher gemacht wurde, gibt Aufschluss und erleichtert das Erstellen eines Trainings- bzw. Rehaplans. Weiter arbeite ich mit unserem hiesigen und immer erreichbaren Tierarzt, der Tierklinik Altforweiler, mit den Therapeutinnen von Osteo-Equipe Saar sowie KM Vet Vital, die mir eine mobile Solekammer zur Verfügung stellen. Natürlich hat unser Hufschmied durch eventuell nötige Spezialbeschläge oder orthopädische Hufbearbeitung auch einen wesentlichen Anteil beim Erfolg des Rehaprogramms und beim Training. Selbstverständlich werden auch schöne Momente fotografisch festgehalten. Hier hatte die Rennbahnfotografin Sibylle Maus aus Mannheim mit ihrer Kamera schon oft den Finger im richtigen Moment auf dem Auslöser und schöne Erinnerungen festgehalten.

Anna Rosa siegt unter Andre Best
Anna Rosa siegt unter Andre Best am 08.05.2013 in Baden-Baden.

Was sind die bekanntesten Pferde, die Sie bislang in Ihrer Obhut hatten?

Schwarz: Zu den bekanntesten Pferden, die bei mir stationiert waren und noch sind, gehören einmal die Stute Anna Rosa, die im Boxendorf in Iffezheim zuerst ausgebüxt war und in Rastatt eingesammelt werden musste, danach am gleichen Tag als größte Außenseiterin in einem Ausgleich IV von André Best zum Sieg gesteuert wurde. Ein sehr spektakuläres Erlebnis. Zuvor war sie in Mannheim in einem Altersgewichtsrennen siegreich.

Die größte Freude allerdings hat mir unsere Stute Manisa bereitet. Sie hat eine Fesselträgerverletzung auskuriert und kam danach ebenfalls in Iffezheim in einem harten Endkampf im Hauptrennen des Tages einem Ausgleich II zum Sieg. Ein sehr emotionaler Moment, den ich und mein Mann nicht missen wollen.

Manisa siegt unter Andreas Helfenbein
Manisa siegt unter Andreas Helfenbein am 09.06.2015 in Baden-Baden.

Aus dem Quartier von Marion Rotering durfte sich der Wallach Lord of Kama bei mir über Winter erholen. Er belegte beim ersten Start nach der Pause gleich den dritten Platz in Straßburg in einem Hindernisrennen und kam dann wieder über Hindernisse dort zum Sieg.

Der Wallach Frederico hatte mit Muskelproblemen zu kämpfen, die wir aber durch unsere Osteopathen und eine Trainingsumstellung sehr gut im Griff haben. Er befindet sich aktuell im Aufbautraining und soll Mitte des Jahres nochmal den Weg auf die Rennbahn finden.

Wadim, ein Wallach aus der Zucht von Fr. Dr. Dr. Chr. Otto, hatte mit innerlicher Unruhe und dadurch bedingten Magengeschwüren zu kämpfen, die zu einer lebensgefährlichen Darmverlagerung geführt haben. Nach ausgiebiger Pause hat er wieder den Spaß am Training gefunden und befindet sich im Wiederaufbau. Seine Aufgabe als Führpferd für die Youngsters meistert der unerschrockene Wallach mehr als vorbildlich.

Karin Schwarz und Pferde
Karin Schwarz und Pferde

Was unterscheidet Sie von anderen derartigen Einrichtungen?

Schwarz: Es ist mir ein großes Anliegen, jedes Pferd individuell zu betreuen und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Eine auf die Leistung angepasste Fütterung, artgerechte Haltung auf großflächigen und gepflegten Weiden, fachgerechtes Training und intensive Reha Maßnahmen sind durch die überschaubare Stallgröße sehr gut umzusetzen. Beim Training zum Beispiel sind alle Beteiligten mit einem Funksystem vernetzt und können während des Trainings miteinander kommunizieren. Damit die Besitzer immer über die Fortschritte ihrer Pferde im Bilde sind, kann alles, was gemacht wird, per Video dokumentiert werden – egal ob Trainingseinheit, Behandlung oder Weidegang. Dazu ist ein zuverlässiges Team unabdingbar.

Eine weitere Besonderheit stellt die mobile Sole-/Inhalationskammer dar. Eine sehr sinnvolle Therapie für Patienten mit Atemwegserkrankungen. Sie hat den großen Vorteil, dass die Anwendungen dopingfrei und angenehm für die Pferde sind. Die Pferde können gleich wieder eingesetzt werden.

Pferde
Pferde

Wie sieht Ihr eigener Rennstall derzeit aus?

Schwarz: Mit zwei im Wiederaufbau befindlichen Pferden sind wir optimistisch und erweitern dennoch gerne unseren Rennstall um das eine oder andere Pferd – am liebsten mit Prämienberechtigung im Nachbarland. Die Nähe zu den französischen Rennbahnen in der Provinz gibt hierzu einen schönen Anreiz.

Ihr persönliches Ziel für 2019?

Schwarz: Ein persönliches Ziel wäre, dass die mir anvertrauten Pferde nach ihrem Aufenthalt bei mir den Stall gesund und mental fit verlassen und wieder erfolgreich auf der Rennbahn erscheinen.

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Michael Hähn
Unser Autor Michael Hähn arbeitet als freier Journalist in Baden-Baden. Der Galopprennsport ist seit vielen Jahren sein Metier, und seine Leidenschaft sind Rennveranstaltungen in Deutschland und auf der ganzen Welt.