Insider-Talk mit Klaus Eulenberger: „Die berühmten 3G’s sind unabdingbar“

Klaus Eulenberger
RaceBets Million

Klaus Eulenberger (40) ist Geschäftsführer der BBAG (Baden-Badener Auktionsgesellschaft) und damit in leitender Funktion bei Deutschlands Top-Galopp-Versteigerungen aktiv.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog erzählt er von seinem Werdegang, den wichtigsten Prinzipien beim Pferdekauf und seiner Wahl-Heimat Iffezheim.

Am 22. Mai ist in Iffezheim die Frühjahrs-Auktion der BBAG terminiert. Wie optimistisch sind Sie, dass die Versteigerung stattfinden kann? Gibt es auch Szenerien, wie man die Versteigerung via Internet durchführen könnte?

Klaus Eulenberger: Aktuell (1.4.2020) planen wir, die Frühjahrs-Auktion am 22. Mai durchzuführen. Sollte dies nicht möglich sein, wollen wir die Auktion verschieben. Ein Ausfall der Auktion kommt aktuell nicht in Frage. Online-Auktionen werden in Deutschland bereits teilweise von den Warmblutzuchtverbänden abgehalten. Die Jährlings-Auktion von Inglis in Australien soll Anfang April online stattfinden. Wir werden diese Auktionen natürlich genau beobachten, man lernt nie aus. Zu beachten ist hier, dass diese Online-Auktionen bisher fast alle nach dem bekannten „Ebay-Model“ durchgeführt werden und nicht per Livestream.

Klaus Eulenberger
Klaus Eulenberger auf der BBAG-Frühjahrsauktion am 2018 in Iffezheim.

Wie sieht die Vorbereitung solch einer Auktion aus? Wie und wo suchen Sie die Pferde aus, die in den Katalog aufgenommen werden?

Eulenberger: Die ersten Gespräche werden mit den Züchtern teilweise bereits nach den Fohlengeburten geführt, um Elitepferde im Land zu halten. Auch der europäische Markt wird im Auge behalten um möglichst viele gute Pferde für unsere Auktionen zu gewinnen. Die Qualität des Angebotes ist in der Vorbereitung das Wichtigste. Nur mit Qualität können wir dauerhaft international konkurrenzfähig bleiben.

Welche Kriterien spielen dabei eine Rolle?

Eulenberger: Abstammung, Geburtsdatum und das Aufzuchtgestüt sind die einzigen Kriterien, die wir vor der Besichtigung der Pferde haben. Während der Jährlings-Besichtigung kommen dann natürlich der jeweilige Entwicklungsstand und die physischen Komponenten hinzu. Für die Jährlings-Auktion besichtigen und selektieren wir alle angemeldeten Jährlinge.

Was zeichnet für Sie persönlich einen vielversprechenden Jährling aus? Welche Rolle spielen Papiere und Aussehen?

Eulenberger: Das Erste, was wir und auch Kaufinteressenten sehen, sind die Papiere (Abstammung) des Pferdes. Also gilt es, damit schon Kaufinteresse zu wecken. Dieses Kriterium ist auch die erste „Preisbestimmung“. Entwicklungsstand, Erscheinungsbild und die gesundheitlichen Komponenten beeinflussen diese dann positiv oder negativ.

Was würden Sie Neueinsteigern im Metier raten, die sich ein Pferd zulegen möchten?

Eulenberger: Die berühmten 3G’s (Geduld, Glück und Geld) sind unabdingbar. Eine seriöse Beratung ist für Neueinsteiger sehr wichtig, um diese möglichst langfristig an den Sport zu binden. Außerdem ist eine persönliche Sympathie zum Trainer sehr wichtig, dieser ist schließlich die wichtigste Kontaktperson, mit der man zusammen arbeitet. Wir brauchen dringend neue Leute im Rennsport, der für Neueinsteiger auch nicht immer einfach zu verstehen ist, deshalb ist eine gute Betreuung besonders wichtig, und da sind wir alle gefordert.

Wie sind Sie persönlich zum Rennsport gekommen?

Eulenberger: Ich habe 1996 meine Ausbildung im Gestüt Graditz begonnen und hatte dort meinen ersten Kontakt zum Englischen Vollblut. Damals hat Markus Buchner noch die private Vollblutzucht als Pächter betrieben, der so unterschätzte Zinaad oder auch Chief Singer waren damals Deckhengste in Graditz. Die Ausbildung war sehr umfangreich und anspruchsvoll, da wir bereits während der Lehrzeit intensiv mit mehreren Pferderassen gearbeitet haben. Vollblutzucht und Rennen haben mich dauerhaft gefesselt.

Gestüt Graditz
Gestüt Graditz.

Was waren Ihre früheren beruflichen Stationen?

Eulenberger: Nach meiner Zeit in Graditz bin ich im Jahr 2000 für zwei Jahre nach Irland ins Ballylinch Stud gegangen und habe dort die „Industrie“ kennengelernt. Damals deckten in Ballylinch nur zwei Deckhengste: Soviet Star und King’s Theatre, Bob Back als führender National Hunt-Deckhengst stand außerhalb des Gestüts bei Victor Connolly. Diese Zeit war unheimlich wichtig und prägend für mich. Seit 2004 arbeite ich für die Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG) e.V. in Iffezheim.

Die Vollblutzucht ist die „Königsdisziplin“

Was macht für Sie den Reiz am Turf aus?

Eulenberger: Die Vollblutzucht ist sicher die „Königsdisziplin“ der Pferdezucht, wahnsinnig interessant und vielseitig, obwohl „nur ein Stück Holz“, der Zielpfosten, die Leistungsprüfung bestimmt. Einen eigenen Sieger vom Geläuf abzuholen, ist für jeden Besitzer, immer wieder, ein ganz besonderes Erlebnis und ein unbezahlbares Glücksgefühl. Auch das Wetten macht beim Pferderennen einen besonderen Reiz aus.

Ganz rational betrachtet spielen Glücksgefühle in unserem Sport einfach eine große Rolle, da auch das Verhältnis zwischen Sieg und Niederlage ganz anders ist als bei vielen anderen Sportarten. Ein Pferderennen zu gewinnen ist eben nicht so einfach.

Daniel Krüger, Eva-Maria Geisler und Klaus Eulenberger
Daniel Krüger, Eva-Maria Geisler und Klaus Eulenberger im Portrait am 01.11.2016 in München.

Einen Aspekt darf man aber auch nicht außer Acht lassen. Mit dem „Hobby“ Rennsport hat man auch die Möglichkeit einer gewissen Refinanzierung. Diese Möglichkeit hat man bei anderen Hobbies einfach nicht.

Auch als Mitbesitzer erfolgreich

Haben Sie derzeit auch eigene Rennpferde?

Eulenberger: Aktuell verschiedene Beteiligungen. 2013 haben wir den Galoppclub „Turffreunde Baden e.V.“ gegründet. Mit Mojo Boy, der im letzten Jahr zweimal gewinnen konnte, haben wir aktuell ein recht erfolgreiches Pferd bei Trainer Gerald Geisler. Der Verein hat aktuell 23 Mitglieder und das Ziel neue Leute an den Galopprennsport heranzuführen. Dies ist uns bisher sehr erfolgreich gelungen, mehrere Mitglieder haben inzwischen eigene Pferde in Training oder haben ihre Beteiligungen erweitert.

2017 haben wir mit der Stute – Be A Wave (Bated Breath) den Stall Goldbrücke gegründet. Die Stute konnte zwei- und dreijährig für uns gewinnen, wobei der Sieg zweijährig in der Wiener Freudenau ein unvergessliches Erlebnis bleibt. Dieses Jahr wird Be A Wave im Gestüt Ohlerweiherhof von Tai Chi gedeckt.

Was waren in Ihrer bisherigen Zeit bei der BBAG Ihre Höhepunkte?

Eulenberger: Da gibt es einige. Ganz aktuell natürlich die letztjährige Jährlings-Auktion mit dem Rekordverkauf von 820.000 Euro und der Steigerung des Durchschnittspreises auf 56.300 Euro. Sportliche Höhepunkte waren die zahlreichen klassischen Sieger, die bei uns im Auktionsring waren und natürlich die Rennlaufbahn von Danedream mit Ihren Erfolgen im Arc und den King George.

BBAG-Herbstauktion in Iffezheim
BBAG-Herbstauktion in Iffezheim.

Welche Bedeutung haben aus Ihrer Sicht die Auktionsrennen?

Eulenberger: Eine sehr große! Die Auktionsrennen machen aktuell ca. 10% des Gesamtrennpreisvolumens in Deutschland aus. Bezogen auf die Zwei- und Dreijährigen-Rennen natürlich noch einmal wesentlich mehr. Somit ist die Startberechtigung in den Auktionsrennen natürlich ein bedeutender Kaufanreiz. Inzwischen gibt es 18 BBAG Auktionsrennen, 7 für zweijährige und 11 für dreijährige Pferde. Insgesamt werden jährlich in den Auktionsrennen mehr als 1,1 Mio. Euro an Rennpreisen ausgeschüttet.

Übrigens besteht dieses Auktionsrennen-System in Deutschland erfolgreich seit über 20 Jahren. Andere Systeme im europäischen Ausland konnten sich nie lange halten, wurden jährlich verändert und letztendlich meist „eingestampft“. In Frankreich wird das „deutsche“ System aktuell mit einem Rennen kopiert.

Wie viele Kilometer legen Sie pro Jahr zurück? Was waren Ihre bisher schönsten Reisen im Beruf?

Eulenberger: Mit dem Auto, beruflich und privat ca. 40.000 km im Jahr. Ich reise sehr gern, deshalb sind auch die Berufsreisen, ob In- oder Ausland, meist schön, wenn auch oft anstrengend. Besonders abenteuerlich und abwechslungsreich sind aber die Reisen in „Rennsportentwicklungsländer“. Wir sind ständig bemüht, neue Absatzmärkte zu finden und zu „erschließen“.

Welches Ereignis wollen Sie nicht verpassen?

Eulenberger: Natürlich in erster Linie die Meetings in Iffezheim, Hamburg und Bad Harzburg. Auf internationaler Ebene ist Royal Ascot für mich ganz oben. Leider kann ich daran nicht jedes Jahr teilnehmen.

Klaus Eulenberger
Klaus Eulenberger

Haben Sie Hobbys außerhalb des Rennsports?

Eulenberger: Rennsport ist Beruf und Hobby. Da bleibt nicht so viel Zeit für intensive andere Hobbies.

Wie gefällt es Ihnen im Badischen?

Eulenberger: Ich fühle mich in „Iffze“ zuhause und bin gut integriert. Mein Sohn ist hier geboren und aufgewachsen. Die Region ist sicher eine der lebenswertesten in Deutschland. Mit 12 Jahren habe ich mit meinen Eltern einen Urlaub im Badischen gemacht und meiner Mutter damals schon gesagt: „Hier möchte ich später leben!“ So ist es dann auch gekommen…

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