Insider-Talk mit Mandy Kriegsheim: „Ich erfülle mir einen Kindheitstraum“

Mandy Kriegsheim
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Von der Ostsee in die Welt des Galopprennsports – Mandy Kriegsheim hat sich den Traum vom Galopprennsport erfüllt. Belohnt wurde die Besitzertrainerin dafür 2019 reichlich, mit Erfolgen ihrer Killerbiene bei zwei großen Meetings.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet Sie über ihr spannendes Leben.

Killerbiene siegt unter Martin Seidl
Killerbiene siegt unter Martin Seidl am 24.08.2019 in Baden-Baden.

Mit Ihrer Stute Killerbiene haben Sie in Bad Harzburg und Baden-Baden ihre ersten Rennen als Besitzertrainerin gewonnen. Wie waren Ihre Gefühle nach diesen Siegen?

Mandy Kriegsheim: Gefühle kann man oft gar nicht in Worte fassen, aber das Meeting in Bad Harzburg war schon etwas ganz Besonderes. Aus vielerlei Hinsicht. Hier bin ich Killerbiene im Jahr 2017 das erste Mal begegnet, 2018 lief sie dann genau dort ihr vorerst letztes Rennen und kam weit abgeschlagen als letztes Pferd ins Ziel, kurz darauf kam sie dann vom Gestüt Schleusner zu uns nach Dierhagen.

Der Start in Bad Harzburg war mit vielen Erinnerungen verbunden und die Sorgen, ob sie mit der anspruchsvollen Bahn klar kommt waren groß, doch dann ein zweiter Platz am ersten Wochenende und ein Sieg zum zweiten Wochenende, diese Erleichterung und Freude waren um so größer, als sie die Prüfungen nach einem Jahr Arbeit so gut gemeistert hat. Ja und dann standen wir vor der Aufgabe Baden-Baden, wir waren noch nie dort, die Anreise 970 Kilometer und elfStunden weit von zu Hause weg, wieder viele Gedanken ,wie wir das alles optimal organisiert bekommen.

Killerbiene siegt unter Martin Seidl
Killerbiene siegt unter Martin Seidl am 24.08.2019 in Baden-Baden.

Ich war noch nie so aufgeregt wie vor diesem Start, ich konnte kaum hinsehen, sie kam schlecht aus der Startmaschine, dann ist sie nach wenigen Metern gestolpert und 100 Meter vor dem Ziel flog sie in Führung liegend an mir vorbei, es war kaum zu glauben, dass unsere Biene Sieger in Baden-Baden geworden ist. Auch wenn es nur die kleinste Kategorie, Ausgleich 4, ist, ich bin so glücklich, dass Killerbiene nach zwei Saisons, in denen sie fast immer Letzte war, endlich zeigen kann, dass sie doch ein Rennpferd ist und diese Saison immer gute Ergebnisse erreichen konnte.

Was zeichnet Killerbiene aus?  

Kriegsheim: Killerbiene ist ein wundervolles Pferd, sie ist immer fleißig und möchte gefallen. Wenn man zu ihr kommt, begrüßt Sie uns immer mit einem freundlichen Brummeln. Sie ist immer ruhig und entspannt, was ich unter anderem im Führring sehr schätze, und selbst meine achtjährige Tochter kann auf ihr im Gelände reiten. Oft werde ich belächelt, dass ein Rennpferd kein Reitpferd ist, aber das ist genau das was ich an meinen Pferden und besonders an Killerbiene sehr mag. Sie erledigt jede Aufgabe um die man sie bittet, sie sagt einfach nie nein. Was ich mir sogar manchmal wünschen würde. Von Oktober bis April heißt es für sie wieder Reiten am Meer. Was die nächste Saison für uns bringt, das lassen wir auf uns zukommen, ich denke „Biene“ hat noch ein paar Reserven nach oben. Alles kann – nichts muss!

Kriegsheim
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Seit wann sind Sie im Besitz einer Lizenz, und wie kam es zu Ihrem Engagement im Sport?

Kriegsheim: Meine Besitzertrainer-Lizenz habe ich im Mai 2018 gemacht. Der Weg dahin war lang, aber etwas, das dich im Herzen dein ganzes Leben begleitet, muss man einfach irgendwann anpacken. Mein Leben wird seit frühester Kindheit von Ponys begleitet, im Galopp über Wiesen und Felder war immer das Schönste, ich hatte das große Glück, dass wir eigene Ponys auf dem Bauernhof hatten und ich als Kind jeden Tag reiten konnte und immer das Vertrauen meiner Eltern hatte, mit den Ponys alleine auszureiten, und wir waren vielleicht gerade Mal zehn Jahre alt und die wussten, dass wir mit meinen Freunden Ponyrennen machen.

Ich erinnere mich noch heute ganz genau, dass mal jemand zu meinen Eltern sagte, wenn die Mandy bisschen älter ist, müsst ihr die nach Hoppegarten bringen. Ich hatte damals keine Vorstellung, wo das ist oder was das ist, aber ich habe verstanden, in Hoppegarten kann man Rennpferde reiten. Nur irgendwie hat mich da niemand hingebracht. Schade, aber unsere Ponys waren Nutztiere, Acker pflügen, Wagen mit der Kartoffelernte heim ziehen, der Sport stand nicht im Fokus meiner Eltern.

Viele Jahre vergingen, und ich fuhr jedes Jahr als Besucher zum Ostsee-Meeting, begeistert von diesen wunderschönen Pferden, aber man bekam so gar keinen direkten Kontakt zu den Vollblütern oder Aktiven im Sport. Ich fuhr jedes Jahr traurig nach Hause, da man nur hinter dem Zaun stand und das Geschehen von weitem beobachten musste. Ich war als Buschreiter weiter mit Freuden im Wald und am Strand unterwegs, meine Ponys wurden älter, 2008 verstarb das Letzte der drei Ponys, die mich mein gesamtes Leben begleitet hatten, und ein paar Monate ohne Pferde gingen vorbei. Aber dann musste einfach wieder ein Pferd auf unseren Bauernhof.

Kriegsheim
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Ohne geht es halt nicht. Erst kam ein Pony mit Fohlen bei Fuß, und kurz darauf fand völlig ungeplant eine Vollblutstute den Weg zu mir, es hieß, die kann laufen, die hat jedes Jahr das Strandrennen gewonnen, da kam der Wunsch nach dem eigenen Rennpferd wieder hoch, ich hatte mir erhofft, ein bisschen in den Bauernrennen zu lernen, aber das stellte sich schnell als unmöglich heraus, das Nervenkostüm dieser Stute war absolut ungeeignet, und der erste Versuch war alles andere als schön, ich wollte dem Pferd das nicht wieder zumuten. Sie lebt noch heute bei uns als Stallälteste und ist auf dem Reitplatz für Kinder ein liebes Pferd.

Weiterhin fuhr ich jedes Jahr zum Ostsee-Meeting und schaute hinter dem Zaun zu, und wünschte mir, selbst auch an diesem Sport teilhaben zu dürfen. Es vergingen wieder ein paar Jahre, in denen Facebook unser Leben immer mehr bestimmte, und dort war der Rennsport plötzlich so nah, Menschen die man ansprechen oder besser gesagt anschreiben kann, viele Gruppen in denen man Infos über den Sport finden konnte.

Dort begab ich mich auf die Suche nach einem weiteren Pferd, diesmal sollte es ein Rennpferd werden, und so kam Frieda My Love zu mir. Ein Jahr verbrachten wir mit dem Reha-Training, natürlich am Strand, spazieren reiten war ihr nie genug, sie wollte laufen, und ich habe einen Juniorcup ausgesucht, um mal etwas Rennbahnluft zu schnuppern. Das war für mich völliges Neuland, und etwas ganz anderes als am Strand alleine geradeaus, ich muss noch viel lernen, und erinnerte mich an einen Satz den Dirk Petersen, den ich seit vielen Jahren kenne, einst zu mir sagt: „Geh nach Köln, mache deinen BT und eine Amateurlizenz, dann kannst du mit einem eigenen Pferd kleine Rennen selbst reiten, da hast du mehr Freude als im Juniorcup.“ Okay, wenn nicht jetzt, dann nie, Google also befragt, wie das geht, was man können muss, und eine E-Mail nach Köln geschickt, BT- Lehrgang gemacht und bestanden. 

Kriegsheim
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Wo sind Sie zu Hause, und wie ist Ihre Verbindung zu Bad Doberan? Sind Sie auch beim Rennverein aktiv? 

Kriegsheim: Ich bin in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause, genauer gesagt im Ostseebad Dierhagen, ein Dorf am Fuß der Halbinsel Fischland-Darss Zingst. Die Region ist heutzutage sehr durch den Tourismus geprägt, früher waren Tierzucht und Landwirtschaft hier sehr wichtig, im Jahr 1324 ist hier eines der ersten deutschen Gestüte nachgewiesen, das Gut Dierhagen. Davon ist heute leider nichts mehr vorhanden. Nach Doberan fahre ich knapp eine Stunde in westliche Richtung, es ist das einzige, was vom Galopprennsport in meiner Heimat noch geblieben ist, ein Bundesland mit so viel Platz, ich bedauere es, dass der Galopprennsport in diesem Teil der Republik so stiefmütterlich behandelt wird.

Ich bin seit 2017 aktives Mitglied im Doberaner Rennverein und habe die Renntage an der Seite von Herrn Schleusner aktiv mitgestaltet, die Absage im Jahr 2018 haben wir alle sehr bedauert, die älteste Rennbahn auf dem europäischen Kontinent und die Renntage müssen als historisches Kulturgut einfach halten bleiben. Jeder, der sich dafür einsetzt ist, für den Verein wertvoll, und sollte nicht durch wirtschaftliche Interessenkonflikte vergrault werden. Leider war von unserem neuen Vorstand, die Mitwirkung der wenigen Aktiven im Verein im Jahr 2019 nicht erwünscht, die Mitglieder, die viel Erfahrungen im Rennsport, der Organisation und dem Aufbau haben, mussten mit Bedauern hinnehmen, sich am Ostsee-Meeting 2019 nicht beteiligen zu dürfen. Somit war ich in diesem Jahr nicht aktiv im Verein beteiligt.

Rennbahn Bad Doberan
Rennbahn Bad Doberan

Seit 2017 wünsche ich mir, auf dem Gelände der Galopprennbahn die Nachwuchsförderung aktiv gestalten zu dürfen, viele Freizeitreiter in unserem Land sind interessiert an unserem Sport, dazu habe ich einst Recherchen angestellt und sehr positives Feedback erhalten. Ich bin mir sicher, dass der Verein langfristig davon profitieren kann, wenn er sich mehr für die Pferdebegeisterten in unserem Land öffnet und zum Mitmachen einlädt. Bisher konnten Herr Rohde und ich jedoch noch keine Einigung zur regelmäßigen Nutzung des Rennbahngeländes finden. Doch so lange wie mein Weg zum eigenen Rennpferd gedauert hat, habe ich Hoffnung, dass ich auch die Nachwuchsförderung irgendwann aktiv umsetzen darf.

Was bedeutet „Reiten am Meer“ für Sie?

Kriegsheim: Reiten am Meer – Ja das ist mein Leben! Es ist mee(h)r als Reiten, es ist ein Lebensgefühl und ich kann Beruf und Leidenschaft verbinden. Wenn unsere Gäste sich ihren Traum vom Reiten am Meer erfüllen und mich fragen, wann ich eigentlich mal Urlaub habe, antworte ich: HEUTE! Am Strand ist das Reiten ein Gefühl von Freiheit, diese unendliche Weite, alle Sorgen sind vergessen, es ist Erholung , eine ganz besondere Ruhe, das Rauschen der Wellen, das Schnauben der Pferde, diese ganz besondere Luft, an jedem neuen Tag ist der Strand anders. 

Die klassische Vorstellung ist natürlich, dass die Sonne scheint, kein Wind weht, das Wasser glitzert, einfach ein schöner Sommertag mit traumhaften Sonnenuntergängen.

Aber es muss nicht immer 20 Grad und Sonne sein, ich liebe am meisten die Tage nach Sturmfluten, oft haben wir das im Januar, wenn der ganze Strand überschwemmt war, die Wellen im Sturm noch Meter hoch sind und die Sonne durch die Wolken bricht, das ist eine ganz besondere Energie, und dann ist man einfach in einer ganz anderen Welt, wenn die Galopper Flügel bekommen. Soviel Energie um einen herum, ich weiß gar nicht, ob diese Worte im Ansatz widerspiegeln können wie sich Reiten am Meer anfühlt – für unsere Gäste werden Träume wahr – ich lebe meinen Traum!

Kriegsheim
Kriegsheim

Hätten Sie sich auch vorstellen können, Reiterin zu werden?

Kriegsheim: Nein, ich hätte es mir nicht nur vorstellen können, ich KANN es mir immer noch vorstellen, aber ein Schritt nach dem anderen, ich arbeite an meinen rennreiterlichen Fähigkeiten im Rahmen des Möglichen. Leider gibt es keine Lehrgänge für diese spezielle Reitweise. Möchte ich Springreiter werden, bestelle ich mir einen Reitlehrer in den Stall und nehme regelmäßig Unterricht, möchte ich Rennreiter werden, sieht das schlecht aus. Das muss man sich einfach alleine beibringen.

Die Jockeyschule habe ich mal als Gast besucht, sehr nett hat Herr Schirrmann mir alles gezeigt, vorrangig ist diese allerdings für die Azubis und Amateurlehrgänge gedacht. Fortbildungen für Arbeitsreiter wären eine tolle Sache, man kann ja schließlich nur besser werden, und besser reiten heißt die Pferde besser auf die Rennen vorbereiten zu können. Bereits 2014 hatte ich den ersten Kontakt zum Amateurverband aufgenommen, in der Hoffnung ein Lehrgang ist zum Lernen gedacht, aber um an diesem Lehrgang teilnehmen zu können, benötigt es einige Nachweise über die vorhandenen Erfahrungen im Galopprennsport, ja das ist ungünstig, wenn man dort wohnt, wo es keine professionellen Trainingsquartiere gibt, aber die Informationen waren der erste Schritt, die Hausaufgaben wurden erledigt, und nun soll es soweit sein, im Oktober darf ich am Amateurlehrgang teilnehmen, ich hoffe dort einiges lernen zu können, wovon meine Pferde am Ende profitieren.

Kriegsheim
Kriegsheim

Was bedeutet der Galopprennsport für Sie persönlich?

Kriegsheim: Der Galopprennsport bedeutet für mich, dass ich mir ein Kindheitstraum erfülle. Dieses Gefühl, mit meinen Pferden gemeinsam zu trainieren, Leistung zu erbringen und Erfolge zu erzielen, das ist schon etwas Schönes. Ganz besonders für mich ist es, junge Pferde vom ersten Tag an begleiten zu dürfen, das erste Aufsitzen, die Hilfengebung erlernen, die Grundkondition herstellen bis hin zu dem Tag, an dem es in die ersten Rennen an den Start geht, und wenn ich dann die Babys von einst sehe, wie sie als Sieger durch Ziel laufen, sind das für mich wunderschöne Momente, Momente die das Herz berühren.

Ich habe auf den Renntagen so viele liebe Menschen kennen lernen dürfen, mit denen ich die selbe Leidenschaft teilen kann, die sich mit uns freuen und uns unterstützen, was gibt es Schöneres als unter Gleichgesinnten sein zu dürfen? Aber das Schönste am Ende eines jeden Renntages ist es immer, wenn ich mit meinen Pferden gesund nach Hause fahren kann.

Killerbiene siegt unter Martin Seidl
Killerbiene siegt unter Martin Seidl am 24.08.2019 in Baden-Baden.

Wie stark Ihre Familie im Turf verwurzelt?

Kriegsheim: Oh, meine Familie ist so ganz und gar nicht mit dem Turf verwurzelt. Oder ich weiß es nicht, weil es weit vor meiner Generation war, wer weiß das schon so genau, immerhin war meine Heimat Mecklenburg-Vorpommern vor 200Jahren eine Region wo es viele Rennpferde und Rennbahnen gab. Bis jetzt hält sich die Begeisterung meiner Familie zum Thema Rennsport jedenfalls noch in Grenzen, weil ich viel Zeit mit meinen Pferden und auf Reisen verbringe und das für meinen Papa und mein Bruder bedeutet, dann die Pferde zu Hause versorgen müssen, was ich sonst selbst mache.

Aber die Siege von Killerbiene haben bei meinem Papa mittlerweile schon ein klein wenig Interesse an unseren Ausflügen geweckt, da wird jetzt sogar schon mal nach den Rennen angerufen und gefragt, ob Killerbiene wieder gewonnen hat oder mit der Sport-Welt durchs Dorf gefahren. Einzig meine Tochter ist genauso begeistert vom Galopprennsport und ist auch fast immer mit vor Ort an den Renntagen. Sie beginnt gerade mit den ersten Shetty-Rennen Erfahrungen zu sammeln und trainiert jeden Tag fleißig um Jockey zu werden.

Welche Ziele haben Sie für 2020?

Kriegsheim: Ziel für 2019 waren drei Siege und glückliche Pferde, ich denke, ich freue mich, wenn wir an diese Saison anknüpfen können, neben Killerbiene noch ein oder zwei aktive Starter dazu bekommen, die ihre Aufgaben genauso gut meistern und mit viel Freude laufen. Besonders liegt mir die Jungpferdeausbildung am Herzen, und wie viele Freunde bereits über Facebook mitbekommen haben, hat eine Stute der BBAG-Jährlingsauktion den Weg zu uns ans Meer gefunden, das wird eine spannende Aufgabe, auf die ich mich freue. Ein neues Pferdkind, das den Weg beginnt und zu einem stolzen und mutigen Pferd heranwachsen wird. 

Wie gestalten Sie vorzugsweise Ihre Freizeit?

Kriegsheim: Das ist die Frage, bei der ich am längsten über die Antwort nachdenken muss, dass liegt wahrscheinlich da ran, dass ich überlegen muss, wann ich Freizeit habe, mein Leben ist ein Full Time Job, aber wenn ich mal kein Pferd neben oder unter mir habe und auch die Kinder nicht bei mir sind, was sehr selten der Fall ist, trinke ich mit Freunden Kaffee und mache gerne mal gar nichts. 

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