Insider-Talk mit Michael Wrulich: „Hoppegarten hat ein besonderes Flair“

Michael Wrulich
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Michael Wrulich ist Geschäftsführer der Rennbahn Hoppegarten. Hier ein Exklusiv im Insider-Talk .

Seit 2019 sind Sie als Geschäftsführer für die Rennbahn Hoppegarten verantwortlich. Was hat Sie damals ganz besonders an der Aufgabe gereizt? Und was waren bisher die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Michael Wrulich: Ich war bereits vor meinem Einstieg in Hoppegarten leidenschaftlicher Rennbahn-Besucher. Während meiner beruflichen Station als Vermarktungsleiter des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin konnte ich dann erstmals auch das besondere Flair der Rennbahn Hoppegarten erleben. Ich habe zu dieser Zeit jeden Renntag besucht, wenn es der Terminkalender zugelassen hat. Die eigenen positiven Erlebnisse mit dem Rennsport haben mir die Entscheidung für ein berufliches Engagement auf der Rennbahn Hoppegarten sehr leicht gemacht. Ich wollte meine Begeisterung weitertragen und das Potential dieses traditionsreichen Standortes zusammen mit dem Team ausschöpfen.

Mein Aufgabenschwerpunkt liegt in den Bereichen Marketing und Vertrieb. Wir wollen die Rennbahn Hoppegarten in allen Segmenten besser auslasten. Hierzu zählen insbesondere das Ticketing, unser breit aufgestelltes Hospitality-Angebot, der Ausbau der bestehenden und die Entwicklung neuer Partnerschaften und das Portfolio an Gastveranstaltungen. Aufgrund der speziellen Situation war ich in den letzten Monaten dann aber auch als Krisenmanager gefragt.

Bei der Fußball-WM 2006 im Einsatz

Sie waren Management-Assistant bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Was waren dort Ihre Aufgaben? Können Sie Ihre bisherige Vita kurz beleuchten?

Wrulich
Wrulich. Foto: Sorge

Michael Wrulich: Das Leben meint es gut mit mir, und ich durfte mein Geld bisher immer im Sport verdienen – ein Bereich, der mich selbst von frühester Kindheit an geprägt hat und mich immer noch jeden Tag emotionalisiert. Nach meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre habe ich verschiedene Stationen im Fußball durchlaufen, darunter die von Ihnen angesprochene Tätigkeit bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Ich war am WM-Standort Kaiserslautern im Bereich der Organisation des Freiwilligen-Programms im Einsatz, da ich zuvor auch an gleicher Stelle im Nachwuchsleistungszentraum des 1. FC Kaiserslautern meine erste Arbeitsstelle angetreten hatte. Es war eine einmalige Erfahrung, seinen kleinen Teil zu einem solchen Mega-Event in Deutschland beizutragen. Meine Zeit als Vermarktungsleiter der Füchse Berlin hatte ich bereits erwähnt, so kam ich 2011 nach Berlin und auch erstmals auf die Rennbahn Hoppegarten. Bevor ich hier allerdings beruflich heimisch geworden bin, war ich von 2017 bis 2019 als Vermarktungsleiter des Fußball-Bundesligisten Mainz 05 tätig. 

Hoppegarten hat sein sportliches Programm in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Auf welches Level möchten Sie die Bahn in den nächsten Jahren bringen?

Michael Wrulich: Die Entwicklung der Rennbahn Hoppegarten kann man gar nicht genug würdigen. Was Gerhard Schöningh hier seit seinem Antritt bewegt hat, ist herausragend – nicht nur im sportlichen Bereich, sondern insbesondere auch beim Erhalt und der Weiterentwicklung des gesamten Geländes. Sportlich hervorzuheben ist die Rückkehr des Großen Preis von Berlin, unser Gruppe I-Highlight des Jahres.  Wir wollten dieses Jahr mit dem Fürstenberg-Rennen ein weiteres Gruppe-Rennen präsentieren und somit insgesamt sechs Mal auf europäischem Spitzenniveau galoppieren. Leider hat uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Unser Ziel ist es in allen Bereichen weiter zu wachsen. Neben dem Sport sehen wir in der langfristigen Entwicklung der Rennbahn Hoppegarten, der Wiederbelebung der Trainingszentrale und auch bei Gastveranstaltungen Potenziale. Wichtig ist, dass alle Maßnahmen wirtschaftlich Sinn machen und wir mit Augenmaß agieren. 

2020 beeinträchtigt die Corona-Situation die Galopp-Veranstaltungen in ganz Deutschland, da vorerst keine oder kaum Zuschauer zugelassen sind. Was bedeutet das für Hoppegarten? Wie sind Ihre Eindrücke von den ersten Geisterrenntagen?

Michael Wrulich: Grundsätzlich bin ich sehr froh, dass es uns gelungen ist, bereits Anfang Mai wieder Renntage zu veranstalten. Hier war der Rennsport Vorreiter noch vor dem Fußball. Das vom Dachverband ausgearbeitete Sicherheits- und Hygienekonzept funktioniert und die neue Übertragung ist aus meiner Sicht ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.

Unser Geschäftsmodell hat sich durch die Corona-Pandemie komplett verändert. In Hoppegarten brechen uns nicht nur Renntagseinnahmen wie Eintrittsgelder, die Bahn-Wette, Gastronomie-Umsätze und Sponsorengelder weg, sondern insbesondere auch die Einnahmen aus Gastveranstaltungen. Die Kosten, z.B. für die Geläufpflege und Personal, laufen größtenteils weiter.

Ich bin mir sicher, dass Corona die Sport- und Veranstaltungsbranche verändern wird. Wir arbeiten an Geschäftsideen und der Anpassung unserer Prozesse, um auf diese neue Situation bestmöglich reagieren zu können.

Wie sind Ihre Planungen für den Preis der Deutschen Einheit und den Longines – Großer Preis von Berlin?

Michael Wrulich: Wir möchten den Großen Preis von Berlin und auch den Preis der Deutschen Einheit sehr gerne mit Zuschauern durchführen. Wann und ob dies 2020 möglich ist, kann man aktuell nicht vorhersagen.

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Michael Wrulich mit Dr. Günter Paul
Michael Wrulich mit Dr. Günter Paul. Foto: Sorge

Immer neue Verbesserungen und Modernisierungen

Welche Verbesserungen auf der Anlage sind auf absehbare Zeit vorgesehen? Wie ist die Unterstützung durch Land und Staat?

Michael Wrulich: Die Denkmalpflege und die Modernisierung auf der Rennbahn Hoppegarten gehen weiter voran. Aktuell befinden wir uns in der Fertigstellung der komplett sanierten Stehplatztribüne. Auch der große Eingangsbereich wurde in den letzten Monaten einmal von Grund auf überarbeitet. Mit zwei neuen Servicekassen mit insgesamt bis zu sechs Arbeitsplätzen können wir den Besuchern hier demnächst einen erhöhten Komfort bieten und auch im Bereich „Upsale“ deutlich aktiver werden. Mit der Modernisierung der Haupttribüne, des Gestütshofs und des ehemaligen Rechengebäudes im Eingangsbereich mit der geplanten Umnutzung zu einer dauerhaften Gastronomie inklusive großzügigem Biergarten stehen drei weitere Großprojekte für die nächsten Jahre auf unserer Liste.

Seit 2013 ist die Rennbahn Hoppegarten als national wertvolles Kulturdenkmal anerkannt. Auf dieser Grundlage können denkmalpflegerische Maßnahmen zur Substanzerhaltung und Restaurierung von Gebäuden und Anlagen der Rennbahn mit Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert werden. Die Finanzierung erfolgt jeweils zu einem Drittel aus Mitteln des Bundes, des Landes sowie Eigenmitteln. Modernisierungsmaßnahmen und Zukunftsinvestitionen wie z.B. technische Infrastruktur müssen jedoch komplett durch die Rennbahn getragen werden.  

Was macht für Sie persönlich den Reiz des Pferderennsports aus? Haben Sie auch vor, selbst das ein oder andere Pferd zu kaufen?

Michael Wrulich: Ich finde unseren Sport und den Besuch eines Renntages unglaublich facettenreich und es ist für jeden etwas dabei. Die Spannung der Rennen mit dem Raunen und Schreien der Massen beim Zieleinlauf, das faszinierende Zusammenspiel von Mensch und Pferd, der Nervenkitzel einer Wette oder aber auch das gesellige Zusammensein in der Natur. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Und ja, auch der Reiz einmal selbst Pferdebesitzer zu sein ist durchaus da. 

Welche Rolle spielt das Thema Wetten für Sie? Hatten Sie schon den ein oder anderen großen Treffer?

Michael Wrulich: Von großen Treffern kann ich leider noch nicht berichten, aber den ein oder anderen Sieger habe ich schon bejubelt. Ich habe definitiv viel Freude am Wetten und bin dabei mich immer weiter in die Materie einzuarbeiten. Ich finde es auch schön, dass Wetten für jedermann möglich ist. Die Sieg- und Platzwette ist sehr leicht verständlich und der Mindesteinsatz gering. Aber auch für diejenigen, die das Thema deutlich rationeller und fundierter angehen möchten, gibt es so viele Informationsquellen sowie Wett- und Kombinationsmöglichkeiten, dass man sich tagelang auf einen Renntag vorbereiten kann.   

Was halten Sie von der Aktion „Wetten, dass…?!? 2.0“?

Wrulich
Wrulich. Foto: Sorge

Michael Wrulich: Ich finde die „Wette“ herausragend und bin den drei Initiatoren sehr dankbar. Die „Wetten, dass…?!?“-Aktion war ein wesentlicher Pfeiler im Rahmen des Re-Starts der Galopprennen in Deutschland und trägt einen großen Teil zur Refinanzierung der Rennpreise bei. Mit wie viel Herzblut die Macher dabei sind, zeigt „Wetten, dass…?!? 2.0“. Nach dem großen Erfolg der ersten Runde noch einmal nachzulegen verdient allerhöchsten Respekt.

Rund um die Rennbahn Hoppegarten gibt es viele Personen, die sich den Initiativen angeschlossen haben. Auch unser Inhaber Gerhard Schöningh und die Geschäftsstelle der Rennbahn Hoppegarten gehen bei „Wetten, dass…?!? 2.0“ an den Start. Besonders freut mich zudem, dass es uns durch einen Aufruf gelungen ist die „Wettgemeinschaft Hoppegarten & Friends“ ins Leben zu rufen. Hier teilen sich insgesamt 60 Personen einen Startplatz sowie die Wetteinsätze. Möge das Engagement mit großen Gewinnen belohnt werden.  

Welche Rennveranstaltungen/Rennbahnen im In- und Ausland möchten Sie bald besuchen, sofern das wieder möglich ist?

Michael Wrulich: Am meisten freue ich mich auf unsere eigenen Renntage auf der Rennbahn Hoppegarten und das Wiedersehen mit unseren Partnern, Fans und Freunden. Ich hätte nie gedacht, dass einem dieses Flair so sehr fehlen kann. Noch vor meinem beruflichen Einstieg in den Rennsport habe ich sehr viele deutsche Bahnen besucht und in den letzten 18 Monaten sind bereits einige Highlights im Ausland, wie z.B. ParisLongchamp, Goodwood oder auch die Bahn in Warschau, dazugekommen. Die Rennbahn Hoppegarten pflegt Partnerschaften mit der New York Racing Association und dem Victoria Racing Club in Melbourne, Australien. Diese beiden Rennbahnen möchte ich definitiv bald besuchen, wenn es die Zeit zulässt. 

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