Insider-Talk mit Patrick Gibson: „Ich habe mich deutlich verbessert“

Patrick Gibson
Patrick Gibson, 29.07.2018, München
Podcast Quizz

Schon sein Vater Tim war erfolgreicher Trainer in Dortmund, doch Patrick Gibson wurde ein erfolgreicher Jockey, dessen Lebensmittelpunkt inzwischen in München liegt. Außerdem initiierte er eine Spendenaktion für Filip Minarik. Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet er darüber und über seine Laufbahn.

„Filip hat mich irgendwie adoptiert“

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Spendenaktion für Filip Minarik einzurichten. Was verbindet Sie und Ihren Kollegen?

Patrick Gibson: Die Idee kam durch Gregor Axler. Er rief mich an und sagte, wir müssen irgendwas machen. Da kamen wir auf die Idee mit der Gofundme-Seite, die ja damals bei Freddy Tylicki schon sehr geholfen hat.

Wikileaks und Filip Minarik
Wikileaks und Filip Minarik, 14.06.2020, Köln

Filip Minarik ist für mich mehr als ein Freund, ich würde ihn wirklich schon als Familie bezeichnen. Er mochte meinen Papa, und als ich mit 18 Jahren angefangen habe, Rennen zu reiten und viel unterwegs war, hat er mich irgendwie adoptiert. Als ich in Köln wohnte und mich von meiner damaligen Freundin getrennt habe, habe ich auch ein knappes Jahr bei ihm gewohnt. Außerdem bin ich Patenonkel von seiner Tochter Finja, und jetzt wird er Patenonkel von meiner Tochter.

Überwältigende Resonanz

Aktion am Sonntag in Longchamp und Hannover

Wie war der Endstand? Hatten Sie mit solch einer Resonanz gerechnet? Was ermöglicht das Geld Filip Minarik?

Patrick Gibson: Der Stand der Gofundme-Seite ist zur Zeit bei € 119.220. Ich hätte nicht gedacht, dass so viel gespendet wird und vor allem nicht, dass es so schnell geht. Wir wussten, dass Filip viele Fans in Japan hat, aber dass so viele Spenden und Nachrichten kamen, hat uns überwältigt.

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„Schwer, an Ritte zu kommen“

Welche Rolle spielte Verletzungspech in Ihrer bisherigen Laufbahn? Weshalb steigen Sie eher selten in den Sattel?

Patrick Gibson: Toi toi toi muss ich sagen, dass ich bis jetzt mit Verletzungen sehr glimpflich davon gekommen bin, außer Prellungen und zwei kleineren Brüchen hatte ich nie Verletzungspech.
Dass ich so selten reite, ist ganz einfach zu erklären, ich bekomme keine Ritte. Für mich ist es sehr schwer an Ritte zu kommen, da ich als niedrigstes Gewicht nur 58 Kilo reiten kann, und zweitens habe ich das Gefühl, dass mein Gesicht schon zu alt ist. Hier in Deutschland werden immer sehr gerne neue Leute ausprobiert, und ich bin jetzt schon seit 10 Jahren dabei. Ich denke, dass ich mich in den letzten zwei Jahren auch deutlich verbessert habe, kann das aber durch die wenigen Ritte nicht unter Beweis stellen.

„Super-Trainingsbedingungen in München“

Sie haben Ihren Lebensmittelpunkt nach München verlegt. Für welche Ställe arbeiten Sie dort? Wie sind die Bedingungen?

Patrick Gibson: Seitdem ich aus den USA zurück bin, lebe ich mit meiner Freundin in München. Ihre Mama Jutta ist hier Trainerin, und ich helfe morgens aus. Außerdem arbeite ich seit Oktober zwei Tage die Woche bei Marian Weißmeier in Mülheim an der Ruhr. Das bedeutet natürlich viel Fahrerei, aber es lässt sich meistens gut mit den Renntagen im Westen kombinieren.

Marian-Falk Weißmeier
Marian Falk Weißmeier, 26.08.2018, Baden-Baden

Die Trainingsbedingungen in München sind super, hier gibt es eine Klasse-Trainierbahn und eine Grasbahn, die nur für Galopps zur Verfügung steht. Außerdem ist es hier relativ ruhig, und man kommt den anderen Trainern hier selten in die Quere. Als negativen Aspekt muss man aber natürlich anmerken, dass man schon von allem sehr weit weg ist, zu den Rennbahnen im Westen Deutschlands oder in Frankreich sind es sehr lange Fahrten von hier, und in München selber gibt es leider nicht so viele Renntage.

Mit den amerikanischen Topjockey geritten

Sie waren eine Zeitlang in den USA. Was war der Hintergrund? Welche Erfahrungen haben Sie dort gesammelt?

Patrick Gibson: Ich war ein Jahr in den USA, was für mich eine tolle Erfahrung war. Ich bin in die USA gegangen, weil ich eine Pause vom Rennreiten brauchte, ich war einfach müde vom ewigen Schwitzen und den wenigen Erfolgen. Ich war dort bei Trainer Christophe Clement in Saratoga und Florida angestellt. Für die Arbeiten nach Zeit habe ich schon sehr schnell ein Gefühl bekommen, so war ich das ganze Jahr über für die Galopps zuständig, die ich auch mit amerikanischen Topjockeys wie Joel Rosario, Irad Ortiz oder John Velazquez reiten durfte. Das war wirklich eine Super-Erfahrung, dann habe ich aber schnell auch gemerkt, wie sehr mir das Rennreiten fehlte.

Nur Siege zählen

Wie haben Sie das Corona-Jahr 2020 erlebt?

Patrick Gibson: 2020 war glaube ich für die Meisten ein schweres Jahr, für mich persönlich war es sehr schwer, da es so gut wie nie Doppelveranstaltungen auf den Rennbahnen gab, so dass es für die dritte oder vierte Garde an Jockeys unglaublich schwer war, an Ritte zu kommen. Auch bei 12 Rennen am Tage waren z.B. Jockeys wie Andrasch Starke oder Baurzhan Murzabayev in fast allen Rennen aktiv. Ab September habe ich dann regelmäßig mehr Ritte bekommen, und obwohl ich nur ein Rennen dieses Jahr gewinnen konnte, muss ich wohl sagen, dass das Jahr für mich okay war. Ich war sehr oft platziert und sowieso erstmal glücklich wieder zurück im Rennsattel zu sein. Natürlich hoffe ich, dass ich nächstes Jahr wieder mehr Sieger reiten kann, denn das ist letztlich das Einzige was zählt.

Alwin mit Patrick Gibson
Alwin mit Patrick Gibson, 19.07.2015, Hoppegarten

„Louis ist wirklich ein Superstar für uns“

Louis, das Pferd Ihrer Lebensgefährtin Andrea Mayer, gewann mehrere große Handicaps in Frankreich. Was trauen Sie ihm 2021 zu? Wer sind die anderen Hoffnungsträger?

Patrick Gibson: Louis ist wirklich ein Superstar für uns. Er hat nun schon über € 100.000 verdient. Die großen Handicaps in Frankreich sind sehr schwer und wirklich immer sehr ausgeglichen. Mit seiner Marke hat er es aber nicht mehr so leicht, aber ich bin mir sicher, dass er sich nächstes Jahr zumindest noch ein paar Mal platzieren kann. Wir wollen mit ihm Ende Januar nach Cagnes-sur-mer gehen und ihn da zwei- bis dreimal laufen lassen. Ein Hoffnungsträger ist für uns ein noch nicht gelaufener Dreijähriger mit Namen Mazdak. Er brauchte einfach viel Zeit, auch mit ihm wollen wir nach Cagnes gehen, damit er da debütiert. Sein zweijähriger Bruder steht bei William Haggas in England und war beim Debut Zweiter, er gilt dort als ein Pferd für das Epsom Derby.

„Ich wollte immer Fußballer werden“

Tim Gibson
Tim Gibson,14.03.2004, Köln

Ihr Vater war früher Trainer. Was haben Sie von ihm gelernt? Wie hat bei Ihnen im Rennsport alles angefangen?

Patrick Gibson: Leider hatte ich gerade erst angefangen, Reiten zu lernen, als mein Vater starb. Mir kommt oft der Gedanke, was mein Papa jetzt denken würde oder welchen Tipp er mir geben könnte. Natürlich war ich als kleiner Junge schon oft bei meinem Papa im Stall, allerdings wollte ich immer Fusßballer werden. Nachdem ich mir mit 13 Jahren aber mein Sprunggelenk zertrümmert habe, war der Traum schnell ausgeträumt. Mit 14 und 15 kam dann mehr und mehr das Interesse für das Reiten, und mir wurde schnell klar, dass ich Jockey werden wollte.

Wo sehen Sie beruflich Ihre Zukunft?

Patrick Gibson: Noch möchte ich Rennen reiten, aber ich bin mir sicher, dass ich das nicht mehr allzu lange machen kann. Meine Freundin möchte im nächsten Jahr die Meisterprüfung machen und ich kann mir durchaus vorstellen, sie dabei dann später beim Trainieren zu unterstützen.

Begeisterung für fast alle Sportarten

Patrick Gibson beim Joggen
Patrick Gibson beim Joggen, 27.05.2017, Baden-Baden

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Patrick Gibson: In meiner Freizeit mache ich viel Sport, einfach auch um fit zu bleiben und mein Gewicht im Griff zu halten. Außerdem liebe ich es Sport anzugucken, egal ob Fußball, Basketball, American Football oder Tennis, ich kann mich für fast alle Sportarten begeistern. Gerade im Winter spiele ich auch oft mit meinen Freunden Playstation, das geht dann auch manchmal schon bis spät in die Nacht.

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