Insider-Talk mit Peter Schiergen: „Den Japan Cup würde ich gerne gewinnen“

Peter Schiergen
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Peter Schiergen ist einer der erfolgreichsten deutschen Galopp-Trainer.

Exklusiv im Insider-Talk berichtet sie über seine Karriere.

Sie waren Europarekordler der Jockeys, haben 1.451 Rennen im Sattel gewonnen. An welche Pferde und Momente erinnern Sie sich besonders gerne? Was haben Sie von Heinz Jentzsch gelernt?

Peter Schiergen: Der deutsch-deutsche Renntag nach der Wende ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das war eine sehr emotionale Angelegenheit. Ich habe viele tolle Pferde in meiner Karriere geritten, das beste war sicherlich Lomitas. Er hat mich sehr beeindruckt. Ich habe ihn fünfmal geritten und ebenso oft mit ihm gewonnen. Darunter waren drei Gruppe I-Siege, zum Schluss der Große Preis von baden.

Lomitas siegt unter Peter Schiergen im 121. Grossen Preis von Baden-Baden
Lomitas siegt unter Peter Schiergen am 01.09.1991 in Baden-Baden.

Tolle Lehrmeister

Von Heinz Jentzsch habe ich viel gelernt, aber ich habe auch sonst tolle Lehrmeister. Es ist bestimmt außergewöhnlich, dass ich in 40 Jahren im Rennsport nur mit drei Trainern gearbeitet habe. Zunächst bei Herbert Cohn, bei ihm in Krefeld habe ich auch meine Ausbildung gemacht und war fünf Jahre bei ihm. Zwei Jahre war ich für Andreas Wöhler tätig, und die gesamte restliche Zeit beim Stall Asterblüte in Köln.

Ein Höhepunkt war natürlich auch der neue Europa-Rekord, den bis dahin Sir Gordon Richards inne hatte, den ich mit 273 Siegen im Jahr 1995 überboten habe.

Große Verantwortung als Trainer

Wie kam es 1998 zum Wechsel in den Trainer-Beruf? Wie leicht ist Ihnen das gefallen? Welcher Beruf ist schöner?

Peter Schiergen: Heinz Jentzsch zog sich damals aus Altersgründen zurück. Er hat mich als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Natürlich war es sehr früh für mich, die Jockey-Karriere zu beenden, und es ist mir auch schwer gefallen, zumal ich in Deutschland damals nur wenig Konkurrenz hatte und für fast jeden großen und kleinen Trainer geritten habe, aber das Angebot war einfach zu verlockend.

Als Trainer ist man deutlich mehr gefordert und hat viel mehr Vorarbeit vor den Starts der Pferde. Als Jockey springt man nach dem Rennen vom Pferd und das war es. Man hat als Trainer viel mehr Verantwortung.

Besonderes Erfolgsrezept

Mit fast 1.700 Erfolgen haben Sie als Trainer schon Ihre tollen Jockey-Erfolge übertroffen, waren fünfmal Champion und verantwortlich für zahlreiche Spitzenpferde. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Was sind die Vorzüge Ihres Stalles in Köln?

Peter Schiergen: Es gilt das, was Heinz Jentzsch schon immer gesagt hat: Man muss Pferde beobachten können und die Augen offenhalten. Wichtig ist, das Training richtig zu dosieren. Denn man kann nicht alle Pferde gleich trainieren, sondern muss auch manchmal einen Stop machen, wenn es zuviel wird.

Die Atmosphäre in einem Stall muss stimmen, auch innerhalb des Teams. Das halte ich für eine der wesentlichen Grundlagen, dass es in einem Quartier funktioniert und der Erfolg sich einstellt.

Vom unscheinbaren Pferd zum Rekordgalopper

Mit Danedream trainierten Sie Deutschlands Rekordgalopperin. Wie und wann haben Sie Ihr Potenzial erkannt? Wie waren Ihre Gefühle nach dem Arc-Sieg? Was zeichnete die Stute besonders aus?

Peter Schiergen: Danedream war am Anfang ein sehr unscheinbares Pferd, das seinen Job aber gut gemacht hat. Als die Breeze-up-Auktion in Baden-Baden kam, wollte ich sie ungerne aus meinem Stall gehen lassen. Ich war stets der Ansicht, dass sie schon zweijährig gewinnen würde, aber die Geschwister hatten nicht viel gezeigt. Heiko Volz war auch sehr an ihr interessiert. Ich habe ihn auch mit überredet, sie zu kaufen. Und dann hat Danedrema schon beim ersten Start gewinnen können, holte schnell Black Type und war im Preis der Winterkönigin platziert.

Trainer Peter Schiergen mit der Wunderstute Danedream
Trainer Peter Schiergen mit der Wunderstute Danedream

Nach dem Erfolg im Großen Preis von Baden war ich davon überzeugt, dass sie auch im Arc eine Rolle spielen könnte. Natürlich habe ich nicht mit einem Sieg gerechnet. Die Art und Weise ihres Erfolges in Paris in neuer Rekordzeit war einfach unglaublich.

Ihre besondere Stärke war, dass sie immer im Führring sehr in sich ging, als würde sie Scheuklappen tragen, aber wenn die Startboxen aufgingen, hat sie Lust bekommen und wollte laufen. Sie war immer gesund und gut an der Krippe, das war schon sehr außergewöhnlich.

Viele Spitzenpferde geformt

Auf Ihrer Website sind Boreal, Nightflower, Quijano und Schiaparelli als weitere Top-Pferde erwähnt. Welche Erinnerungen haben Sie an jedes dieser Pferde im einzelnen?

Peter Schiergen: Boreal hat mir im Gestüt sehr gut gefallen. Ich habe Herrn von Boetticher gefragt, ob ich ihn in Training bekommen könnte, sonst wäre er vielleicht nach Frankreich gegangen. Ich war von ihm überzeugt, auch wenn es etwas dauerte, bis er sich anbot. Er war ein richtig hartes Pferd, das für uns das Derby und den Coronation Cup gewonnen hat und Dritter im Dubai Sheema Classic war.

Nightflower war zweimal „Galopper des Jahres“. Als sie in den Rennstall kam, konnte man sofort sehen, dass sie Potenzial besitzt. Es hat etwas gedauert, bis sie das umgesetzt hat, aber dann ist sie in großen Rennen immer stark gelaufen.

Quijano hatte sich früh in seiner Karriere leider weh getan und musste eine Pause einlegen. Er wurde dann aber zum Seriensieger. Es war natürlich toll, drei Rennen in Dubai zu gewinnen.

Schiaparelli hat auch alles richtig gemacht, war Derbysieger und hat für uns viele schöne Rennen gewonnen.

Außerdem waren die Siege mit Nymphea im Großen Preis von Berlin, was der erste Gruppe I-Treffer für Dennis als Amateur war, und von Salomina im Preis der Diana, ein sehr emotionaler Erfolg für die Familie Harzheim, ganz besondere Höhepunkte.

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Boreal unter Peter Schiergen
Boreal unter Peter Schiergen

Das richtige Pferd zum richtigen Zeitpunkt

Sie gelten auch als großer Spezialist für das Deutsche Derby, das Sie fünfmal gewonnen haben. Was muss ein Pferd mitbringen, um das Rennen des Jahres zu gewinnen? Wie bereiten Sie eine solche Hoffnung vor?

Peter Schiergen: Man braucht das richtige Pferd und muss auf den richtigen Zeitpunkt mit ihm hinarbeiten. Und das ist nicht zweijährig. Über Boreal und Schiaparelli haben wir bereits gesprochen. Kamsin war ein würdiger Derbysieger für die Familie von Gaertner. Bei Lucky Speed war die Freude sehr groß, da ich ihn bei der Auktion ausgesucht habe. Bei Nutan habe ich Herrn Imm schon zweijährig gesagt, dass er im kommenden Jahr viel Spaß mit ihm bekommen würde. Das Derby war früh das Ziel. Leider musste er verletzungsbedingt früh seine Laufbahn beenden.

Sie bilden mit Lukas Delozier ein erfolgreiches Team. Was schätzen Sie an Ihrem Stalljockey? Wer sind die anderen Stützen Ihres Teams? Wie stolz sind Sie auf die Entwicklung Ihrer Söhne? Was machen Vinzenz  und Dennis neben der Reiter-Laufbahn?

Peter Schiergen: Lukas ist sehr jung und ehrgeizig. Manchmal muss man ihn noch etwas formen, aber das liegt an seinem Alter. Wir arbeiten sehr gut zusammen, er nimmt meine Ratschläge auch gut an. Aber mein ganzes Team ist wichtig für den Erfolg. Viele meiner Mitarbeiter sind schon seit langem für mich im Einsatz.

Ich bin auch sehr stolz über die Entwicklung unserer Söhne. Wenn Besitzer sie auf ihren Pferden haben wollen, setze ich sie gerne drauf. Nicht alle wollen das, auch das muss man respektieren.

Dennis ist fest in der Schweiz zu Hause. Er hat sein Studium dort beendet und arbeitet im Key Account bei Coca-Cola. Reiten ist für ihn eine Nebensache, doch ist er voll angekommen, wie das Championat 2019 beweist.

Vinzenz studiert Sportmarketing und war mehrfach Champion der Amateurrennreiter. Er hat schon bei einigen großen Trainern in Frankreich oder England reingeschnuppert, wie Francis-Henri Graffard oder Mick Channon. Bis im Januar dauert sein Studium, danach wird er sicher nochmals ins Ausland gehen.

Auch Laurenz hat sehr gut geritten, ist aber zu groß geworden. Er war zweimal Deutscher Meister der Junior-Golfer und will Golfprofi werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Aktuell ist er Berufssoldat und gehört zum Golf Team Germany.

Hohe Qualität im Stall

Mit rund 60 Pferden ist die Anzahl der Pferde etwas zurückgegangen, aber es läuft blendend in 2020. Wie sieht Ihre bisherige Bilanz dieses Jahres aus? Wie sehr hat Corona die Arbeit beeinflusst? Wer sind die Hoffnungsträger für die nächsten Wochen? Welches Rennen möchten Sie besonders gerne einmal gewinnen?

Peter Schiergen: Von der Qualität der Pferde, die ich in Training habe, kann ich sehr zufrieden sein. Durch Corona war es schwierig, neue Besitzer zu bekommen. Einige sind dadurch vorsichtig geworden. Ich hoffe, dass der ein oder andere Zweijährige mit Potenzial nachkommt. Natürlich ist Durance eine große Hoffnung. Auch Notre Ruler und Calico haben noch einiges vor sich. Alles richtig gemacht hat Quian, der im Vorjahr ein Ausfall war, jetzt aber sehr viel nachholt.

Den Japan Cup würde ich sehr gerne einmal gewinnen. Die großen Rennen in England und Frankreich haben wir mit den King George und dem Arc gewonnen, auch in Italien haben wir Erfolge in Top-Prüfungen geholt, doch Japan fehlt noch.

Trainer Peter Schiergen
Trainer Peter Schiergen

Früher Start in den Tag

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus?

Peter Schiergen: Ich stehe vor fünf Uhr auf, dann geht es nonstop bis 12:30 Uhr weiter. Anschließend kümmere ich mich um das Management. Man muss viel telefonieren. Auch abends gehe ich noch eine bis anderthalb Stunden in den Stall. Ich bin eigentlich immer erreichbar, sieben Tage in der Woche.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Wo reisen Sie besonders gerne hin und weshalb?

Peter Schiergen: Gerne spiele ich Golf, aber leider fehlt mir die Zeit, um voll abzuschalten. Alle meine Söhne haben Golf gespielt, aber sie haben das Talent nicht von mir. Denn da liegen Welten dazwischen, sie beherrschen das viel besser als ich. Am liebsten reisen wir in die USA, nach Florida, aber dafür sieht es in diesem Jahr schlecht aus.

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