Insider-Talk mit Sarah Scholl: „Das war pure Euphorie“

Sarah Scholl
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Es war ein ganz besonderes Erfolgserlebnis: Sarah Scholl feierte vor wenigen Wochen den ersten Erfolg im Rennsattel.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet Sie über ihre Ambitionen im Turf.

Am 1. März 2020 haben Sie mit Soryu Ihr erstes Rennen gewonnen – auf der Sandbahn in Dortmund. Hatten Sie sich das so vorgestellt? Wie hat sich das Rennen damals für Sie entwickelt? Welche Gefühle schossen Ihren da durch den Kopf?

Sarah Scholl: Nein, vorgestellt hatte ich mir das so nicht. Ich war sehr dankbar für dieses Angebot, habe mich gewissenhaft auf das Rennen vorbereitet und wollte natürlich alles geben, aber einen Sieg hatte ich nicht erwartet.

Soryu blieb trotz des starken Windes ruhig und legte einen guten Start hin. Er sprang schnell ab, und wir konnten dadurch schon früh relativ weit vorne mitmischen. Ich versuchte anfangs, ihn etwas zurückzuhalten, aber als ich merkte, wie sicher er sich seiner Sache war, ließ ich ihn sein Tempo gehen. Er wurde nicht behindert und konnte ungestört sein eigenes Rennen laufen. Als es in die Zielgerade ging, merkte ich, dass meine Verfolger näher kamen, allerdings hatte ich die Anweisung, Soryu nicht zu früh ranzunehmen. Er ließ sich von seinen Gegnern nicht beeindrucken und als ich schließlich begann, ihn vorwärts zu reiten, konnte er auf den letzten 200 Metern nochmal einiges an Tempo aus sich rausholen. So gewannen wir leicht mit zwei Längen vor Ohne Tadel und Avorio.

Sarah Scholl
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Das Gefühl während des Rennens war unbeschreiblich, das war pure Euphorie. Allerdings sehe ich mich rückblickend auch in einem Zustand der höchsten Konzentration, ich war fokussiert und habe alles andere ausgeblendet. Insgesamt ist es unglaublich schwer in Worte zu fassen, in welchem Rausch man sich währenddessen befindet.

Wie waren die Reaktionen Ihres Umfeldes?

Scholl: Meine Familie, meine Freunde und die ganze Hofgemeinschaft haben sich riesig für mich gefreut. Das war ein sehr schönes Gefühl. Viele waren stolz auf mich und ich habe von vielen Seiten Zuspruch bekommen.

Wo haben Sie das Reiten gelernt? Was waren Ihre Stationen?

Scholl: Ich begann mit 5 Jahren zu reiten und nahm 7 Jahre lang mehrmals wöchentlich Reitstunden, bis ich mir von meinem hart ersparten Geld mein eigenes Pony leisten konnte. Dies war, auf meine Reitkarriere bezogen, wohl die schwerste Prüfung überhaupt, da ab diesem Tag ein jahrelanger Kampf begann. Das Pony war nicht eingeritten und zeigte sich auch sonst nicht besonders kooperativ. Nach einigen Jahren der harten Arbeit kann ich sagen, dass es sich definitiv gelohnt hat: Er ist mittlerweile fast zu einem Vorzeigepony geworden. Allerdings konzentrierte ich mich während dieser Zeit hauptsächlich auf die Ausbildung meines Ponys und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Reitunterricht. Für viele Jahre ritt ich eher in der Freizeit und widmete mich wettkampfmäßig der Kampfsportart Thaiboxen, bis mich das Fieber vor einiger Zeit wieder gepackt hat.

Wie sind Sie in dieses Metier gekommen?

Scholl: Mit Familie und Freunden waren wir immer einmal im Jahr auf dem Pferderennen in Honzrath. Durch meine Mama, die uns einige Geschichten aus ihrer Zeit im Rennstall erzählen konnte, und Freunden der Familie, die auch im Rennsport aktiv waren, und mich dazu ermutigten, war relativ schnell klar, dass es, wenn ich wettkampfmäßig anfange zu reiten, nicht auf dem Dressur- oder Springplatz stattfinden würde, sondern auf der Bahn.

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Soryu siegt unter sarah scholl
Soryu siegt unter sarah scholl

An welchem Stall sind Sie aktiv? Wie ist der Kontakt zu Selina Ehl, der Besitzerin und Trainerin von Soryu?

Scholl: Wieder angefangen zu reiten habe ich dann vor anderthalb Jahren am Stall von Matthias Schwinn in Honzrath, der mir als allererstes die Chance gegeben hat, seine Pferde zu trainieren und mich zu verbessern. Bei ihm reite ich auch heute noch vornehmlich im Training. Ich habe das Glück, dass auf demselben Hof mehrere Besitzertrainer ihre Pferde untergebracht haben, zum Beispiel Markus Falk, Annick und Nadine Gratz, Lisa Sonntag, Susanne Schwinn und Fabienne Gratz, für die ich mittlerweile auch nach Bedarf im Training reite. Auch die Pferde von Trainerin Selina Ehl stehen in diesem Stall und dadurch ist der Kontakt zu der Familie Ehl entstanden. Ich kenne sie nun schon länger und war sehr erfreut darüber, als ich gefragt wurde, ob ich Soryu in Dortmund reiten wolle.

Hat auch Ihre Familie Verbindungen in den Rennsport? Welche Unterstützung erhalten Sie von Familie und Freunden?

Scholl: Meine Mama absolvierte ihre Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Galopprennreiten im Trainingsstall von Manfred Weber. Sie ritt später unter anderem im Stall von Guido Speiser und Guido Hammes und legte ihre Meisterprüfung als Berufstrainer ab.

Ich bin eher ein Einzelkämpfer und versuche, immer alles alleine zu schaffen. Ich lasse mir nicht gerne helfen, aber ganz ohne Unterstützung klappt das natürlich nicht. Vor allem mental sind meine Familie und meine Freunde immer für mich da und sind mir eine große Hilfe, wenn alles mal nicht so klappt, wie ich es gerne hätte. Aber auch unsere Hofgemeinschaft unterstützt mich ungemein, indem sie mir immer wieder neue Chancen gibt und in mich vertraut. Dafür bin ich allen sehr dankbar.

Der Reiz der Geschwindigkeit

Was macht für Sie den Reiz am Turf aus?

Scholl: Vor allem reizt mich die Geschwindigkeit und die Dynamik im Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter. Es ist Adrenalin pur und das ist es, was es für mich so besonders macht. Aber auch gemeinsam für den Erfolg zu arbeiten, ist für mich ein entscheidender Punkt. Wenn man gegeneinander oder jeder für sich kämpft, macht es in meinen Augen keinen Sinn.

Sarah Scholl
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Was machen Sie im Hauptberuf?

Scholl: Zurzeit studiere ich Förderschullehramt im 8. Semester, arbeite nebenher in einer sozialen Einrichtung im Bereich Bildung und soziale Teilhabe und kümmere mich um einen Jungen mit einer geistigen Behinderung.

Was sind Ihre Ziele in diesem Jahr? Was sind Ihre Lieblingspferde?

Scholl: Ich würde gerne dranbleiben und so viele Rennen wie möglich mitnehmen, vielleicht das ein oder andere Platzgeld ergattern und eventuell noch einen Sieg nach Hause bringen. Darüber würde ich mich sehr freuen. Mein größtes Ziel bleibt aber jedes Jahr, an mir selbst zu arbeiten und mich zu verbessern.

Die Antwort auf die Frage nach meinen Lieblingspferden fällt mir nicht leicht, da ich alle Pferde sehr schätze, mit denen ich arbeiten darf. Sehr gerne mag ich Princess Peaches und She´zanarab, die ich hauptsächlich im Training reite. Auch Glos reite ich in letzter Zeit öfter, sie ist eine liebe Stute, die mir schnell ans Herz gewachsen ist. Bin Manduro ist trotz seines Alters topfit und macht im Training Spaß. Ein außergewöhnliches Pferd ist auch Winema, die es hoffentlich noch weit bringen wird. Soryu ist ein tolles Pferd, er bescherte mir den ersten Sieg und das bleibt natürlich unvergessen!

Welches Rennen möchten Sie eines Tages einmal gewinnen?

Scholl: Diese Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu beantworten, ich möchte mich erst mal im Rennsport etablieren und so viele Erfahrungen wie möglich sammeln. Ich werde versuchen, aus jeder Situation das Beste herauszuholen und dann wird sich zeigen, wohin die Reise geht.

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