Lieblingspferde: Wenn Rennreiter zu Tüddeltanten werden

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Alle Arbeitsreiter haben Lieblingspferde. Aber so wie Eltern, die Lieblingskinder haben, geben sie das nicht zu. Sollen sie auch gar nicht, sonst verärgert man ja die Besitzer, die natürlich sagen: Mein Pferd ist ja wohl das Liebste. So unterscheidet sich das Lieblingspferd nämlich je nachdem, wer gerade im Stall ist.

Aber es bringt gar nichts, auch der Trainer hat Lieblinge. Und für so einen Liebling macht man eben die ganz besonderen Sachen. So sieht man dann auch gestandene Galoppertrainer Pferden was vorlesen, weil es gerade spontan zu stressig für die kleine Stute auf dem ersten Renntag ist. Und so eine Trainerstimme beruhigt.

Zurück zu den Arbeitsreitern. Das mit ihren Lieblingspferden geht so lange gut, wie genug Lieblingspferde da sind. Zwei mit demselben Pferd … huiii … also da kann es auch mal Knatsch geben.

„Nein, ich möchte den heute reiten, du warst gestern dran!“

Bisschen, wie im Kindergarten.

„Trainer, Trainer, ich will aber auch mal!“

Fiese Trainer sagen dann: Schön, ich reite selbst. Oder: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Schließlich ist so ein Rennstall manchmal auch nur ein Kindergarten für Erwachsene.

Beide halten aber eisern zusammen, wenn es dem Lieblingspferd nicht gut geht. Da wird sich beim Schrittgehen bei Kolik abgewechselt und beide Streithähne schieben Nachtwache. Und ist es in der Klinik … hui, dann hat der Trainer zwei Jammernasen im Stall, die dauernd fragen: „Geht es ihm gut?“

Streiten sich beide gerade nicht und sitzt einer von ihnen auf dem Pferd, wird der andere trotzdem versuchen, die Aufmerksamkeit des Lieblings zu bekommen. Mit unfairen Mitteln, wenn es sein muss: Leckerlies, Schnalzen und vom anderen Pferd aus streicheln. Dazu noch ein bisschen gurrend den Namen sagen. Arbeitsreiter können zu wahren Schmachtfetzen mutieren, wenn sie ein Pferd zum Lieblingspferd deklariert haben.

Natürlich überwachen sie ihren Schützling auch. Bisweilen eifersüchtig. Nein, nein, raus mit dir, du machst das gar nicht richtig.

Dabei erwischt man Arbeitsreiter und Jockeys dann plötzlich auch sehr oft beim Tätscheln und tüddeln, obwohl sie sonst doch abgebrühte Profis sind. Das Pferd geht nicht in die Maschine? Jetzt aber!

Das Lieblingspferd geht nicht in die Maschine? Ach, meine arme Prinzessin, ohhhhhhhhhhhhhhhhhhh!

Besitzer sind da? Super, ein Grund mehr übers Lieblingspferd zu sprechen. Renntag? Natürlich fahr ich mit! Ist mir egal, ob ich frei habe, das Lieblingspferd läuft.

Mit stolz geschwellter Brust wird dann das Rennen angesehen – und gleich tausend Ausreden geschickt eingebaut: „Na, ja … war ja das erste Rennen.“

Während das Nichtlieblingspferd mit: „Ja, Mensch, der könnte aber doch auch mal was machen, der ist so faul“, abgetan wird.

Gewinnt es, wird huldvoll, wie die Queen selbst, gewinkt und man lässt sich ein bisschen Lobhuddeln. Ist ja schließlich das eigene Lieblingspferd. Der Augapfel, der dafür sorgt, dass man noch ein bisschen lieber zur Arbeit geht.

Wird das Lieblingspferd allerdings irgendwann verkauft, ist das Gejammer groß. Man kann nicht alle seine Lieblingspferde mit aufs Sofa nehmen. Das wissen schließlich alle Arbeitsreiter. Aber rechnen tun sie schon. Könnte ich nicht doch …?

Nein, geht nicht. Hoffentlich kriegt es einen guten Platz. Hoffentlich. Nein, bloß nicht zur Wendytrulla. Die kommt nie mit dem klar. Ach, was mach ich nur?

Stutenliebhaber sind hier übrigens eindeutig im Vorteil, denn die gehen viel häufiger in die Zucht und sind damit nicht aus der Welt. Nette Besitzer darf man nämlich auch im Gestüt besuchen, um noch einmal die Lieblingsnase zu streicheln.

Ist das Pferd dann wirklich weg, sieht man tagelang lange Gesichter. Zum Glück besteht so ein Rennstall aus genügend Pferden. Da kann der gemeine Arbeitsreiter sein Herz bald wieder verschenken und das Spiel geht von vorne los.

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