Marco Klein: „Pferde können sich keinen Ventilator suchen“

Marco Klein: „Pferde können sich keinen Ventilator suchen“
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An einem Renntagsmorgen ab 9 Uhr gilt der erste Blick eines Trainers von Galopprennpferden der Website des Dachverbandes Deutscher Galopp. Hier werden nicht nur die Nichtstarter einer Veranstaltung, sondern auch der Zustand des Bodens oder Geläufs angezeigt. Grundsätzlich wird zwischen Grasbahn (Turf) und Sandbahn (Dirt Track) unterschieden.

Der Vorteil der Sandbahn ist, dass sie auch bei Bodenfrost durch geeignete Geräte gelockert werden kann und so darauf Rennen gelaufen werden können. Eine hart gefrorene Grasbahn ist als Untergrund nicht geeignet, weil die Pferde wegrutschen und sich durch die Unebenheiten verletzen könnten. Ein Sonderfall sind die Schneerennen auf dem zugefrorenen See von St.  Moritz in der Schweiz.

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Schneerennen in St. Moritz
Schneerennen in St. Moritz

Europa-Schwerpunkt Grasbahn

In Europa werden alle wichtigen Rennen auf einer Grasbahn gelaufen, Sandbahnrennen werden überwiegend im Winter abgehalten. In Deutschland existieren zwei „größere“ Sandbahnen, eine in Neuss, deren Zukunft allerdings in den Sternen liegt, und eine in Dortmund. Ferner werden Sandbahnrennen auf sogenannten „ländlichen“ Bahnen wie beispielsweise in Karlsruhe, Honzrath oder Sonsbeck veranstaltet. In Amerika werden fast alle Rennen auf Sandbahnen gelaufen, Grasbahn-Rennen gibt es dort nur in Ausnahmefällen.

Grasbahn
Grasbahn

So wird der Bodenzustand gemessen

Der Zustand eines Geläufs ist von vielen Faktoren abhängig, einmal die grundsätzliche Bodenbeschaffenheit (eher sandiger oder eher lehmiger Boden) und von der Trockenheit bzw. der Feuchtigkeit des Bodens. Für den Rennsport ist es wichtig, welcher Zustand das Geläuf beim Abhalten des Rennens hat. Der Boden wird mittels eines Messgerätes, Penetrometer genannt, ermittelt. Das Penetrometer misst die Einschlagtiefe eines Gewichtes in den Boden in Zentimetern, dabei wird das Gewicht aus 1,5 Meter Höhe fallen gelassen. Es gelten folgende Einteilungen:

  • Boden hart, Penetrometerwert: 0,0–1,4 cm
  • Boden fest, Penetrometerwert: 1,5–2,9 cm
  • Boden gut, Penetrometerwert: 3,0–4,4 cm (= normales Geläuf)
  • Boden weich, Penetrometerwert: 4,5–5,9 cm
  • Boden schwer, Penetrometerwert: 6,0–7,4 cm
  • Boden tief, Penetrometerwert: 7,5 und mehr cm

Pferde haben Vorlieben

Harter oder fester Boden ist für die Abhaltung von Galopprennen nicht erwünscht. Deswegen wird bei extremer Trockenheit das Geläuf mit Beregnungsanlagen bewässert um optimale Bedingungen für Pferd und Reiter ermöglichen zu können.

Bewüsserung auf der Galopprennbahn
Bewüsserung auf der Galopprennbahn

Pferde haben teilweise besondere Vorlieben für ein bestimmtes Geläuf. Diese Vorlieben werden häufig vererbt. Deswegen braucht man für die Einschätzung der Chancen eines Pferdes in einem Rennen Informationen über den Boden. Ist der Boden für ein Pferd wahrscheinlich unpassend, kann aus einem Favoriten eines Rennens ein Außenseiter werden. Pferde, die ein tiefes Geläuf bevorzugen, nennt man „Sumpfhühner“. Seit der Sandbahn-Saison im Winter 2007/2008 wird in Deutschland auch der Geläufzustand der Sandbahn angegeben. Meist beschränkt sich diese Angabe jedoch auf die Werte ‚nass‘ und ‚normal‘.

Modernes Messverfahren: GoingStick powered by RaceBets

Seit wenigen Wochen gibt es eine noch moderneres Messverfahren via GoingStick, powered by RaceBets. Vom Einsatz des GoingSticks verspricht sich Deutscher Galopp eine genauere Messung der Bodenbeschaffenheit und damit mehr Transparenz bei den Bodenangaben. Dies ist für alle Rennsportbeteiligten eine sehr wichtige Information. Auch für die Rennvereine ist der GoingStick ein hilfreiches Instrument bei der Bahnpflege.

Da es sich bei der Messung mit dem GoingStick um ein gänzlich anderes Messverfahren als beim Penetrometer handelt, gibt es derzeit noch unterschiedliche Werte bzw. Bodenangaben. Während das Penetrometer lediglich die Eindringtiefe in den Boden auf einer Fläche von 1 cm² ermittelt, berücksichtigt der GoingStick in einem technisch aufwändigen Verfahren sowohl den Widerstand beim Eindringen ins Geläuf als auch den Scherwiderstand. Diese Werte werden in einem digitalen Speicher am GoingStick vermerkt und können nach dem Messvorgang elektronisch ausgelesen und zur Verfügung gestellt werden.

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Aufgrund der unterschiedlichen Verfahrensweisen betrachtet Deutscher Galopp die kommenden Wochen als Erprobungsphase. Man will Erfahrungen in der konkreten Nutzung vor Ort sammeln und ggf. Anpassungen vornehmen, damit künftig korrespondierende Werte erzielt werden.

Man sieht also, das Wetter hat einen erheblichen Einfluss auf Pferderennen. Wir haben RaceBets-Ambassador Marco Klein, Erfolgstrainer aus Mannheim, zu seiner Meinung gefragt: Wie beeinflusst das Wetter die Rennen? Hier seine Meinung:

„Ich denke, dass das Wetter eine relativ große Rolle spielt. Wir sind beim Bio-Rhythmus der Pferde an die Temperatur und die Jahreszeiten gebunden. Man sieht bei manchen Pferden deutlich, dass sie unterschiedliche Vorlieben haben.

Temperatur-Unterschied zwischen Training und Rennen

Pferde bei der Morgenarbeit
Pferde bei der Morgenarbeit

Interessant ist sicherlich, dass fast alle Public-Trainer ihre Pferde morgens vorbereiten. Man schont die Pferde damit, sie schwitzen nicht so viel, da es morgens ja kühler ist. Auf der anderen Seite finden die Rennen meistens am Nachmittag statt. Da herrscht teilweise ein Temperatur-Unterschied von zehn Grad gegenüber dem Training. Das kann etwas ausmachen.

Anhängig von den Bodenverhältnissen

Sonst sind wir natürlich vom Wetter abhängig, wenn es um die Bodenverhältnisse geht. Wir trainieren auf der Sandbahn. Nach einer Regenperiode ist der Untergrund da ein ganz anderer. Wenn 100 oder 10 Liter Regen fallen, ändern sich die Verhältnisse gravierend. Eine gute Arbeitsbahn ist daher sehr wichtig, um die Pferde nicht zu gefährden.

Sandbahnrennen
Sandbahnrennen

Wir hatten in diesem Sommer schon Temperaturen von bis zu 38 Grad, dann muss man mit den Pferden einfach schonender umgehen und sie gemäßigt arbeiten, da sie sich ja nicht einfach einen Ventilator suchen können. Sie stehen in ihrer Box. In unserem Stall können sie die Köpfe heraushängen lassen und sich damit schon etwas runterkühlen. Die Arbeit muss auf sie und das Wetter Rücksicht nehmen, damit sie nicht so sehr schwitzen.

Kitaneso braucht die Kälte

Das beste Beispiel, welchen Einfluss das Wetter hat, ist Kitaneso. Wenn es mehr als 25 Grad hat, geht gar nichts mit ihm. Aber bei kalten Temperaturen kann er eine Marke von 75 Kilo. Daher läuft er sehr viel im Winter. Wir packen ihn im Sommer immer und warten auf eine kühlere Jahreszeit.

Es gibt aber auch das genaue Gegenteil, Pferde, die mit Kälte ihre Probleme haben und sich im Sommer wohler fühlen, gerade auch, was ihre Muskulatur anbetrifft. Oder manches Pferd mag es nicht, wenn es im Rennen regnet und es Wasser auf den Kopf bekommt. Es läuft also nicht jeder bei jedem Wetter gleich. Das ist mindestens genauso von Bedeutung wie ob der Boden gut oder weich ist.

Kitaneso siegt unter Maike Riehl
Kitaneso siegt unter Maike Riehl

Ähnlichkeiten zum Menschen

Das Wetter ist also bei Pferden genauso wichtig wie beim Menschen. Wir sind davon alle abhängig. Ich habe keine Probleme mit 35 Grad, aber liebsten sind mir niedrige Temperaturen bis 20 oder 25 Grad. Und so geht es den Pferden auch.

Ich glaube, dass unser Indian Soldier weiche Bahn besonders gerne hat und sich auf gutem Boden nicht zu entfaltet. Bei Thunder Light ist es genau umgekehrt. Obwohl sie die Sandbahn mag, kommt sie auf weicher Grasbahn nicht zurecht. Hier braucht sie guten Boden. Auf Sand macht es ihr die Nässe nichts aus, das ist schon etwas abstrakt. Und Lessing werde ich bei weicher Bahn wohl nicht mehr laufen lassen, da er eher guten Boden braucht. Er ist ein leichter Typ, der schwerem Geläuf nicht so viel entgegenzusetzen hat.“

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