Schrecktraining? Brauchen wir nicht


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Hören wir das nicht ständig? Galopper sind ja so nervös und so sensibel, sodass alle Wendymäuse erst mal ganz viel doll Schrecktraining machen müssen, wenn sie einen Galopper von der Bahn „retten“. Die Intention dahinter verstehe ich irgendwie nicht. Was meinen die denn, wie so Rennpferde gehalten werden? In einer Wattebox ohne Geräusche? Kommen nur im sterilen Ganzkörperkondom zum Training raus in einen luftleeren Bereich, wo es nur Pferd und Rennbahn gibt, die natürlich keine optischen Reize bietet?
Okay… ja, doch, vielleicht nehmen die das wirklich an. Alle Traumtänzer bitte das kleine X drücken, denn SO sieht kein Rennstall dieser Welt aus.

Eigentlich ist so ein Rennstall nämlich in erster Linie ein Stall. Das heißt, das Pferd kennt schon mal Leute, die sich nicht mit ihm beschäftigen, sondern mit irgendwas anderem. Das kann auch laut sein. Umfallene Mistgabeln, umfallende Schubkarren, laut klappernde Futterkarren – kein Problem. Dann hat eigentlich auch jeder Stall einen Stallhund. Sei es, dass der Trainer einen hat, oder einer der Reiter, oder die Besitzer, die mal vorbeikommen. So ein Hund kläfft auch mal, oder wuselt umher. Auch das ist dem Rennpferd jetzt nicht neu. Ja, es wird nicht an einem Putzplatz angebunden. Aber das war dann auch schon alles, was sich beim Reitpferd unterscheidet. Ja, mehr noch. Das Rennpferd kennt eigentlich viel mehr. Denn es wird permanent draußen gearbeitet. Es ist kein reizarmes Hallenpflänzchen, das nur eine braune Bande sieht, sondern eine lebhafte Rennbahn, wo nicht jeder auf seine Befindlichkeiten guckt. Wenn da also in der Ferne mal ein Lot heranbraust: Deal with it.

Dann gibt es da Vögel. Oder Blumen. Oder Leute, die laut palavernd an den Rails stehen. Idioten, die gegen Zäune von außen hauen (ja, ich meine euch, ihr netten Flohmarkthirnis auf der Neusser Rennbahn!), Leute, die blöde auf der Bahn herumstehen, Traktoren, die das Geläuf aufhübschen (muss man halt dran vorbei), aber auch Schatten, Regen, Wind in Pappeln (raschelt gut) und ungefähr dreitausend andere Dinge, allen voran andere Pferde, Autos und in manchen Fällen sogar Golfer oder eine Straßenbahn. All das kennt so ein Rennpferd. Und es braucht ungefähr zwei Tage um sich daran zu gewöhnen, weil es ja sieht, dass die anderen Pferde sich auch nicht daran stören.

Sicher, man hat immer einen Spezialisten, der irgendetwas der genanten Sachen schlimm findet. Aber das ist bei Reitpferden ja nun auch nichts anderes. Der eine ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen, doch wehe es kommt ein Traktor vorbei. Der andere geht nicht gerne durchs Wasser, ist aber sonst lieb. Das gilt natürlich für Rennpferde genauso. Haben ja auch einen eigenen Kopf, auch wenn manche den nur mit sich führen und nicht benutzen.
Weswegen brauchen die jetzt Schrecktraining? Die müssen das nicht zur „Vertrauensbildung“ machen, denn sie kennen es doch. Fragen sich wahrscheinlich: Was macht die neue Frau da mit mir? Naja, ich mach mal mit, will ja nicht unangenehm auffallen. Einen tieferen Sinn sehen sie aber nicht darin, mit Alltäglichkeiten konfrontiert zu werden.

Auch mit Hallen haben viele Rennpferde keine Probleme. Da muss man nicht erst drei Wochen drin rumlatschen, damit sich das Rennpferd ein paar Sachen aussuchen kann, vor denen es künftig scheut. Generell fährt man ganz gut mit: Mach ich jetzt einfach mal, wird schon passen. Da hat das Pferd nämlich keine Zeit sich aufzuregen und auch keinen Grund. Denn auf der Rennbahn trägt ihm ja auch nicht jeder den Hintern hinterher und sagt: „Hör mal eben auf die Hecke zu schneiden, das Pupsepony hat Angst“. Ein unaufgeregter Umgang mit dem Rennpferd führt eben auch zum unaufgeregten Rennpferd. Jedes Mal, wenn ich bei meinem irgendwelches Geschisse angefangen habe, hat er auch Geschisse gemacht. Sowohl beim anbinden, als auch beim Hänger fahren – was so ein Rennpferd übrigens auch kennt, selbst wenn die Schlauberger unter ihnen euch verklickern wollen, dass sie das ganz gruselig finden. Ein aktives Pferd fährt schließlich durchaus acht Mal im Jahr Hänger. Manchmal mehr. Das ist doch nun wirklich nichts Spannendes.
Deswegen: Statt Schrecktraining einfach Reitunterricht. Da gibt es doch mehr als genug Probleme an denen man arbeiten kann.

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