Arbeitsreiter-Alzheimer

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Turfteufel Arbeitsreiter-Alzheimer
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Viele Sachen laden auch dazu ein, viel zu vergessen. Willkommen bei einer Runde: Der Stall vergisst nichts, die Arbeitsreiter aber sehr wohl. Dabei haben die per se einen sehr einfachen Job. Wo Dressurpferde noch ein Reithalfter, einen Hilfszügel, vielleicht Gamaschen oder Bandagen dabeihaben, wenn man sie reiten soll, so hat das Rennpferd nicht sonderlich viel Ausstattung. Das handelsübliche Rennpferd trägt eine Trense, einen Sattel und seine Nierendecke. Vielleicht ist das auch das Hauptproblem, denn sobald es von dieser Norm abweicht, sieht man Arbeitsreiter plötzlich verwirrt dreimal für ein Pferd Richtung Sattelkammer latschen.

Plötzlich Scheuklappen. Oder ein Reithalfter. Oder das Pferd bekommt was an die Beine. Damit ist der gemeine Arbeitsreiter dann überfordert, wenn er voll in seinem Trott hängt und dann vor diesem einen Pferd steht. Wir hatten zum Beispiel eine zeitlang zwei Scheuklappen im Betrieb, ein Sondergebiss an einer anderen Trense, einmal gebisslos, zwei Halsverlängerer und zwei Reithalfter. Das ist nicht viel bei 50 Pferden. Aber genug für uns, diese Dinge regelmäßig in der Sattelkammer liegenzulassen. Da steht man dann an der Box und denkt sich: Irgendwas fehlt. Eventuell kommt man nicht mal drauf. Oder der Kollege vorher hat es auch nicht zurückgelegt und deswegen bekommt man nicht mal den Hinweis in der Sattelkammer, wenn man mal einen Schluck trinkt.

Ist man dann besonders weich in der Birne, reitet man ganz normal raus. Trainer räuspert sich: „Chrmchrm.“ Hä? Hustenbonbon?
„Hast du was vergessen?“
Äh … Ne. Pferd ist da.
„Hannoversches Reithalfter?“
ACHSOOOOO! Dä. Halt ma‘.

Andersherum wird es noch schlimmer. Wenn man Dinge vor die Box legt. Ein Wischtuch hier, eine Trense da und dann ist letztes Lot und die anderen machen schon den Stall. Das verleitet automatisch dazu, schnell noch beim Füttern zu helfen, nicht aber sein Zeug wegzuräumen. Merkt man dann erst hinterher, respektive am nächsten Tag, wenn die Trense nicht mehr am eigenen Haken hängt.

WO IST DIE HIN? ZAUBEREI! Und die Jacke? Weiß man nicht. Hat sich das Pferd bereits in die Box gezogen und kaut drauf rum. Ob da ein Handy drin war? Egal! Selber Schuld. Vergiss deinen Krempel nicht! Passiert übrigens auch Trainern mit nagelneuen Handys. Da stehen dann drei Arbeitsreiter und ein Trainer und versuchen dem Pferd ein nagelneues Samsung-Handy aus dem Maul zu ziehen (jaja, damals waren das noch Handys, keine Smartphones!).

Der Stall verliert natürlich nichts. Irgendwo ist das Zeug immer. Nur halt nicht zwingend dort, wo man sich dran erinnert. Entweder, weil Arbeitsreiter ein sehr schlechtes Erinnerungsvermögen haben, oder weil irgendwer nett sein wollte und die Sachen zumindest aus Pferdereichweite oder Regen gezogen hat. Dann liegen sie ganz woanders. Ich weiß bis heute nicht, wo meine Jacke hin ist. Schade. Wird ein Mysterium bleiben. Vielleicht hat die auch ein Pferd gefressen.

Nächstes Problem: Das Stallequipment. Namentlich Mistgabeln und Schubkarren, Kratzer und Schaufeln. Hat jeder. Oder zumindest: Jeder hat sein Lieblingswerkzeug (nur Reiter können sich um eine Mistgabel schlagen, die mit fünf anderen identisch ist – aber die sind eben alle nicht so griffig, oder ausbalanciert, oder sonst was). Das heißt: Ist es morgens nicht da, muss man bei den Kollegen nachfragen. Ja, da hat einer MEINE Mistgabel. Weil seine weg ist. Wo ist die hin? Zum Mond? Wer soll die genommen haben? Weiß man nicht.

Ganz schlimm wird es auf dem Renntag. Da verstreuen auch diverse Leute ihre Sachen und am Ende fährst du gefühlt statt mit einem Pferd mit drei Pferden, sieben Trensen und gar keinem Hufkratzer nach Hause. Spaß. Ist dann doch nur ein Pferd. Aber wer nicht auf sein Zeug aufpasst, dessen Reisekiste wird schnell zum All You Can Eat Buffet, wenn die Pauschaltouristen auf Malle eingefallen sind: Alles geplündert und scheiße aussehen tut’s auch. Schlösser sind das Zauberwort.

Ist aber auch umständlich, wenn man alles einzeln rausnehmen und jedesmal abschließen muss. Was dazu führt, dass geschludert wird. Und dann hast du halt plötzlich keinen Eisenstriegel mehr. Oder kein Klebeband. Oder dein Getränk ist weg.
Na, ja … wenigstens meint das keiner böse. Die haben nur kollektiv Arbeitsreiter-Alzheimer.

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