Die gruseligen Zeiten

Road to Cheltenham

Die frühen Rennpferde würden vermutlich ihre verwöhnten Kollegen beneiden. Ein Rennen alle paar Wochen, viel gelaufen ist, wer zehn Rennen im Jahr absolviert (wir erinnern uns mal, wie viele Tage so ein Jahr hat), ansonsten bisschen Training, Auslauf, Führmaschine, Koppel, Gestüt zum Auftanken und wenn eins schief guckt, kommt der Tierarzt. Dazu kann mit Röntgen verifiziert werden, ob alles okay ist beim Anreiten und dazu hat man wissenschaftliche Erkenntnisse, die es damals natürlich nicht gab. Regeln, wie man ein Rennpferd zu trainieren hatte, allerdings schon. 1360 v. Chr. fand man bereits bei den Hethitern Anweisungen dazu, wie man Pferde am Wagen trainiert. 

Richtiges Pferderennen war das natürlich noch nicht. Das kam erst mit dem Vollblut selbst auf – allerdings erscheinen einige Methoden dafür merkwürdig, gruselig oder auch tierquälerisch. Damals wusste man es wohl nur nicht besser. 1599 schrieb ein englischer Offizier ein Werk darüber, wie man Hunter und Rennpferde trainiert. Allerdings war er auch der Meinung, dass man dem Pferd vor dem Rennen einen Laib Brot zu fressen geben sollte, der dazu noch in Wein getunkt war. Und ein bisschen Essig in die Nüstern sollte vor dem Rennen ebenfalls helfen. Klingt mehr nach Vorspeisenteller als nach Rennpferdevorbereitung. Ob jetzt Brot und Essig so gesund waren für das Pferd, sei mal dahingestellt, allerdings sind das noch die harmloseren Mittel, mit denen man Pferde für ein Rennen vorbereitete.

Dazu muss man das Rennsystem von Damals verstehen. Die Rennen wurden häufig mit mehreren Entscheidungsläufen bestritten, was bedeutet, die Pferde mussten mehrfach ran. Daher wurden die Pferde auf Ausdauer gedrillt und nur die ganz Harten hielten dem Stand. Schwitzen war wichtig, also wurden die Pferde in dicke Decken gehüllt und über kilometerlange Strecken geschickt – im Galopp. Allerdings wurde auch darauf geachtet, Schritt zu gehen und zu traben. So weit – so gut. Im Buch von Ch. J. Apperley wird dann allerdings von einem Wundermittel gesprochen, das damals gerne bei Mensch und Tier eingesetzt wurde: Abführmittel. Die Pferde bekamen stark abführende Substanzen. Angeblich zur “Erleichterung”. Man glaubte, die Pferde würden dadurch ihre Muskeln entspannen. Absurder Gedanke – damals jedoch völlig normal.

Dazu mussten die Pferde Trials absolvieren, ob sie denn auch für die Rennen taugten. Die Trials waren stets gut besucht, damit die Zuschauer einen Eindruck von diesem oder jenem Starter bekamen. Manch ein Besitzer verweigerte jedoch die Trials, um keine Formen preiszugeben. Im Endeffekt waren es zusätzliche Rennen, die den Pferden auch noch aufgebürdet wurden.

Jährlingsrennen waren dazu keine Seltenheit. So kam es, dass in Newmarket der Jährling Cash die dreijährige Stute Eliza schlagen konnte und anschließend einen ebenfalls dreijährigen Hengst, nur ein paar Tage später. 1859 verbot der Jockey Club schließlich die Jährlingsrennen. Die älteren Pferde mussten jedoch weiterhin hart ran, waren aufgrund der Abführmittel klapperdürr und die täglichen Galopps waren für sie eine Tortur. Wie viele Pferde keine Rennbahn jemals sahen, weil sie das Training nicht überlebten, ist kaum zu sagen. 

Doch einige Trainer hatten eine völlig andere Auffassung vom Rennpferdetraining und reformierten so den Rennsport heimlich, denn der Erfolg gab ihnen recht. Robert Robson Beispielsweise tat nichts, was damals üblich war. Seine Pferde kamen nie ausgezehrt an den Ablauf, sondern als “Muskelpakete”. Er gewann sieben mal das Derby mit diesen Pferden. Die Schwitzdecken lehnte er ab, seine Pferde wurden nicht mit Abführmitteln traktiert. Andere Trainer sahen genauer hin und kopierten Robsons Art mit den Pferden zu arbeiten. John Scott war einer von ihnen und er holte sich nicht nur die erste Triple Crown im Mutterland des Rennsports, sondern zeichnete sich auch für 41 klassische Siege verantwortlich. 16 Mal gewann er das St. Leger

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