Durch zehn Hände – Werdegang eines Rennpferdes

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Manche Pferde brauchen lange, bis sie bei einem Menschen ankommen, der etwas damit anfangen kann. Ich will nicht behaupten, dass Traber und Galopper es da besonders schwer haben, aber … ich weiß jetzt auch nicht wie der Satz weitergehen soll. Weil die Leute diese Sportarten nicht kennen (wollen) und einfach nicht wissen, was sie von dem Pferd verlangen können und was nicht. Das macht es ihnen natürlich richtig schwer, denn sie sind im Endeffekt missverstanden und wollen niemandem was Böses. Und die heutige Mentalität macht es ihnen nicht eben einfacher.

Denn im Gegensatz zu dem: Ich behalte mein Pferd bei mir, bis es geht, ist das hier leider heutzutage der normale Werdegang eines Pferdes. Es ist günstig inseriert. Juchhu! Das schlagen Reiterherzen schneller, denn neben Sonderlack und Abstammung macht vor allem eins zum Seelenperd: Wenn der Zosse günstig ist. Was Traber und Galopper eben gerne mal sind.

Die ersten Käufer trudeln ein und eine der anwesenden Damen verliebt sich. Der Galopper wird mitgenommen, geht in eine kleine Herde und prompt wird Bodenarbeit, Stöckchenwedeln und Longieren angefangen. Doch da, das erste Problem: Der Galopper denkt gar nicht daran mitzuarbeiten. Das möchte lieber bei seiner Herde sein und versteht auch den Sinn seiner neuen Arbeit nicht. Nachdem er dann, in seiner Verzweiflung, mal die neue Besitzerin ansteigt, heißt es einmündig: Weg damit. Schwanger ist sie auch noch, da hat man keine Zeit für ein Pferd.

Beim nächsten Käufer ist alles anders. Der hat das Potenzial für den Busch gesehen, bildet den Galopper aus und hat auch erst Mal nicht so viel Probleme mit ihm. Schon deswegen nicht, weil er ihm regelmäßige Arbeit gönnt. Nun möchte der aber auch nicht ewig einen Galopper und weil der nett ist, wird er als Damenpferd abgegeben, die sind ja immer so klein. Super für Damen. Die nächste Dame möchte also Sport machen. Nur ist sie nicht mit dem spritzigen Temperament des Vollbluts kompatibel. Zu schwer ist sie auch, der Galopper bekommt Rückenschmerzen. Die ignoriert er (denn er hat grundsätzlich erst Mal ein nettes Wesen), bis er explodiert.

Weg mit dem Hengst, entscheidet der Göttergatte, der ist böse. Anzeige rein: “Schönes Pferd, muss sofort weg, sonst Schlachter.” Und der Mann meint das auch so. Wer seine Gattin tritt, hat nichts besseres verdient.

Weil man mit Schlachterdrohungen ja Muttis mit Rettungsfimmel anzieht, bekommt ihn genau so eine in die Finger. Mutti kauft diesen süßen Galopper und parkt ihn auf der Weide, ganz allein, bis er sieben ist. Erst dann soll man ja anreiten. Aber sie kann ihn immerhin schon mal führen. Leider ist er grässlich unsozial, denn als Hengst durfte er ja nicht mit den anderen nach draußen.

Anreiten gestaltet sich aber als schwierig, wenn man selbst gar nicht so toll reiten kann und sich immer nur mal wieder draufsetzt, inklusive Bändele und das dann reiten nennt. Aber sie ist ganz zufrieden damit. Bis sie drei andere Schlachtfohlen retten und zwei Traber, die sonst ganz bestimmt ganz doll geschlachtet werden und feststellt, dass der Galopper zu viel Platz in ihrem privaten Offenstall verbraucht. Außerdem stört der auch die anderen. Also geht er weg. Als Seelenpferd natürlich.

Aber da kauft ihn natürlich jemand. Er ist günstig. Ein günstiges Pferd ist immer irgendwann weg. Ganz egal, ob der nur drei Beine hat. Im Worst Case ist der Galopper jetzt bei einem Gurumenschen, der gerne mit Halsring und Wallakleid reitet und sich fragt, warum zum Teufel der Zosse so im Gelände abfetzt. Irgendwo auf diesem Weg sind nämlich schon längst die Papiere verlorengegangen, denn Galopper klingt immer so schrecklich unattraktiv. Wollen wir mal hoffen, dass er beim nächsten Mal zu einem stinknormalen Reiter kommt. Der das Pferd um seiner selbst wollte, nicht weil der Preis so günstig war.

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