Eine Maxios-Tochter in der Vielseitigkeits-Zucht

Mabou v. Maxios
Mabou v. Maxios
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Vor einigen Wochen kam ein neues Verkaufspferd für den Vollblutmarktplatz: Die 5-jährige, große (knapp 170 cm) und auffallend hübsche Maxios-Tochter Mabou aus einer Acatenango Mutter. Ein Traum für jeden Vielseitigkeits-Reiter. Sie hatte im Herbst 2020 die Rennbahn Richtung Reitsport verlassen und suchte nun einen neuen Platz als Freizeitpferd oder bevorzugt in der Zucht. Da ich eh mit dem Thema Zucht geliebäugelt hatte, kaufte ich die Stute ehrlicherweise recht spontan und holte in Berlin bei sehr netten Menschen ein sehr schönes Pferd ab. Mabou hat den klassischen Acatenango-Kopf und ist – wie viele Pferde aus der Linie – sehr sensibel in dieser Region. Wenn die Trense nicht perfekt sitzt, wird sie ziemlich schnell ziemlich garstig. Ferner reagiert die dominante, großformatige Lady (knapp 170 cm) sensibel auf Druck und Stress. Beim Tierarzt-Check fielen aber keine Probleme auf, die gegen ein Leben als Reitpferd und/ oder Zuchtstute sprechen.

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Frischsamen oder TG-Sperma?

Somit beginnt für Mabou nun – sehr stressfrei – die Ausbildung zum Freizeitpferd, während ich parallel nach einem geeigneten Hengst für sie suche. Bei Reitpferden wird nicht – wie bei Rennpferden – im Natursprung gedeckt, sondern man lässt die Stute vom Tierarzt besamen. Frischsamen wird bequem an die Stalltür geliefert und “lebt” circa 48 Stunden. Sehr praktisch. Allerdings muss der entsprechende Hengst für diesen Service regelmäßig aufs Phantom steigen und ist für sportliche Aktivitäten weitestgehend blockiert. Sperma von aktiven Sportpferden wird hingegen gerne tiefgefroren, weil es dadurch lange hält und parallel zum Turnier-Einsatz verkauft werden kann. Das sogenannte TG-Sperma lebt jedoch deutlich kürzer; darum sollte die Stute zum idealen Zeitpunkt besamt werden. Für dieses “Monitoring” fährt man die Stute am besten auf eine Deckstation. Mabou werde ich dieses Jahr definitiv nicht durchs Land fahren; entsprechend fallen alle Deckhengste mit TG-Sperma raus. Da es ihr erstes Fohlen wird, möchte ich einen älteren und etablierten Hengst mit vielen Nachkommen – damit ich die “Vererbungsleistung” der Stute besser einschätzen kann.

Ein Blick auf Mabous Familie

Mabous Vater Maxios

Mabous Vater Maxios (v. Monsun) hat leider nur wenige Jahre auf dem Gestüt Fährhof gewirkt, inzwischen ist er auf dem irischen Elite-Gestüt Coolmore Stud als Hindernis-Vererber im Einsatz. Alle Nachkommen, die ich bisher von ihm gesehen habe, sind eher groß, mit gutem Fundament und soliden Grundgangarten. Neben vielen Reitpferde-Points sind sie meist auch ehrlich und schnell und damit auf dem Reitpferde-Markt kaum zu ergattern. Seine Nachkommen sind im Hindernisrennsport bis in die Spitzen-Klassen (Gruppe 1) erfolgreich. Ihr Muttervater Acatenango ist sowohl in der deutschen Renn- als auch in der Reitpferdezucht bestens bekannt. Er stellte Sieger des deutschen Derby, des Kentucky Derby und des Dubai World Cup. 19 seiner Söhne wurden gekört, z.B. Desirao xx (Pferdewelt Mailham). Seine Nachkommen sind im Top-Sport ebenso zuhause (z.B. Michael Jungs FST fischerRocana), wie in den Hengst-Listen der Verbände und Landgestüte (z.B. Fragonard xx vom Holsteiner Verband). Damit bringt Mabou 100% blütenreines Hochleitungsblut, Größe, Fundament, Springvermögen und solide Grundgangarten.

Die Hengst-Auswahl

Um einen passenden Partner für sie zu finden, habe ich mir kompetente Hilfe von der Vollblutzucht-Expertin Iris Wenzel geholt. Sie hat mir freundlicherweise Portraits meiner Finalisten erstellt und auch bei der finalen Entscheidung (s.u.) geholfen:

Vollblut-Expertin Iris Wenzel berät und schreibt rund um die Zucht von Vollblütern im Reitsport.
Vollblut-Expertin Iris Wenzel berät und schreibt rund um die Zucht von Vollblütern im Reitsport (www.iriswenzel.com)

Diarado *2005

Diamant de Semilly/ Corrado I/ Contender/ Lord/ Ramiro – Holsteiner Heroen gespickt mit bestem französischen Blut in der fallenden Hengstlinie.

Selten hat es ein Siegerhengst bei seiner Körung in Holstein so eindeutig an die Spitze des Jahrganges geschafft und dann als Deckhengst so weit gebracht. Der Hengst war schon in jungen Jahren eine echte Erscheinung und hat jeden, der ihn gesehen hat, mit seiner unglaublichen Übersicht und Typschönheit in den Bann gezogen. Diarado wurde danach HLP-Sieger und konnte nach Seriensiegen in Springpferdeprüfungen auch beim Bundeschampionat die Bronzemedaille bei den 5-jährigen unter Bastian Freese gewinnen. Seine Sporterfolge wurden noch bis S*** Springen ausgeweitet.

Seine Nachkommen sind oft typschön, mittelrahmig und gut geschlossen bei hoher Rittigkeit, Elastizität und Leistungsbereitschaft. In der Größe streut er enorm und kann daher auch schon mal kleine Nachkommen machen. In Sachen Leistung bringt er viele begabte Spring- und Vielseitigkeitspferde hervor. Im Jahr 2020 war er erstmals nicht nur bei den weltweiten WBFSH Ranking bei den Springpferden in den Top 10, sondern auch für die Vielseitigkeitspferde auf Platz 2.

Aus zahlreichen Anpaarungen hat er eine ganze Armada von erfolgreichen dunklen Sportpferden gestellt, die sich damit auszeichnen, dass sie unter Amateuren gut funktionieren. Er ist ein Vererber, der optisch gefällige Nachkommen macht, die in der Breite eine wirklich gute Rittigkeit mitbringen. Er wurde von seinen Kritikern lange für sein begrenztes Vermögen gerügt, mittlerweile zeigen diese „Amateurpferde“ über höheren Abmessungen aber doch, wie viel Leistung im Springsport in ihnen steckt.

Nachkommen 1.154: S-Springen 179 (16%), 1 S-Dressur. Der gekörte Hengst Dynamite Jack (MV: Grundy man xx) war beim Bundeschampionat der 6-jährigen Vielseitigkeitspferde auf dem 4. Platz im Finale. Da bin ich/ Kaya Thomsen Platzierungen in internationalen 2-Sterne Prüfungen und Deutsche Meisterschaft der Junioren

Der Spitzen-Hengst Diarado hat einen Blut-Anteil von 50 %

Contendro I *1997

Contender/ Reichsgraf/ Rasputin

Vater Contender ist ein zeitloser Stempelhengst, der schon zu Lebzeiten zu einer Legende avancierte und den eine besondere Doppelbegabung prägte. Dazu doppelt Ramiro-Blut, das seit jeher für Doppelveranlagung stand. Es ist kein Wunder, dass daraus Pferde für die Vielseitigkeit rekrutiert werden können.

Die Stutenfamilie von Contendro I entspringt dem berühmten Holsteiner Stamm 104a. Die Mutter Bravo ist eine absolut bewährte Zuchtstute mit vier S-erfolgreichen Springpferden als Nachkommen sowie ebenfalls vier gekörten Söhnen, also neben Contendro I und II, noch Cassito und Caretano Z.

Bei der Betrachtung der Nachzucht von Contendro I fällt eine große Bandbreite in der Größe, aber durchaus ein einheitlicher Typ auf. Sportlich fällt bei den Nachkommen eine gute Einstellung zum Sport auf, die manchmal zu etwas übermotivierten Pferden führen kann. In der Vielseitigkeit ist es einer der wenigen Hengste, die hier einen echten Widererkennungswert erzeugen. Sportliche Aushängeschilder im Springen sind Codex One, Conthendrix, Queen Mary oder in der Vielseitigkeit sind es Chipmunk/ Michael Jung und Corrida/ Andreas Dibowski. Im Jahr 2020 war er bei den weltweiten WBFSH Ranking bei den Vielseitigkeitspferden auf Platz 6.

Die fehlende Eigenleistung von Contendro I im Sport kann bemängelt werden, aber der Hengst kommt aus einer Zeit, wo das noch nicht die Regel war. Dieser Umstand mag auch seiner starken Frequentation im Deckgeschäft geschuldet sein. Dagegen kann ein Contendro II mit Eigenleistung bis zur Klasse S* punkten.

Contendro I FN: 2054 Nachkommen, davon 21 S-Dressur, S-Springen 331 (16%), 7 S-VS

Contendro II: 130 Nachkommen 36 S-Springen (27%)

Contendro 1 brachte mit einer Halbblutstute das Top-VS-Pferd Chipmunk

Diacontinus *2010

Diarado/ Contendro/ Argentinus – Dieser fallende Hengststamm lässt jedes BuschreiterHerz höherschlagen, weil sich hier Springgenetik mit Doppelvererber-Qualitäten zusammenfinden.

Diacontinus ist zahlenmäßig stark als Vererber in Erscheinung getreten und auch sportlich ordentlich vorgestellt worden. Obwohl er immer nur im Landgestüt aufgestellt war und unter dortigen Beritt auskommen musste, hat er sich sportlich enorm entwickelt. Auf dem Bundeschampionat zeigte er sich mit beeindruckend souveränen Runden 6- und 7-jährig. Weiterhin konnte er mit Erfolgen im Springen bis S** auf gute Resultate im Sport verweisen.

Der Hengst ist optisch von Argentinus geprägt und verkörpert nicht die Attribute von Elastizität und Geschmeidigkeit in dem Maße, wie man sie mit seinem Vater Diarado in Verbindung bringt. Ihm mangelte es gerade in jungen Jahren an Saft in der Eigendarstellung.

Diacontinus von Diarado aus Contendro
Diacontinus von Diarado aus Contendro (Foto Iris Wenzel)

Über seine Nachzucht hat sich Diacontinus dennoch einen guten Ruf erarbeitet. In der Zuchtwertschätzung wurde er schon lange als Topvererber ausgewiesen für das Merkmal Turniersport. Der Hengst braucht Blut auf der Mutterseite, deswegen gibt es auch ein paar Nachkommen, die dann mit einer solchen Abstammung in den Busch finden. In seiner Vererbung finden sich Größe, gutes Fundament, top Rittigkeit bei guten Grundgangarten und ordentlichem Springvermögen. Seine Fohlen wecken beim Verkauf bislang keine großen Begehrlichkeiten, aber als Reitpferd scheinen seine Nachkommen durchaus brauchbar. Das Risiko mit der Größe ist hier deutlich geringer als wenn man Diarado oder Contendro I direkt einsetzt.

Der Hengst hat 386 FN-registrierte Nachkommen, davon mehrere in der Klasse M im Springen angekommen.

Askari *1997

Entfällt leider, weil sein Frischsamen nicht verschickt wird

Ingrid Klimke mit der Askari-Tochter SAP Asha

Araldik *2007

Askari/ Heraldik xx/ Amethyst

Araldik punktet mit ganz viel Einstellung, bei tollem Typ und Interieur. Ein ausdrucksvoller Hengst, der Freude im Umgang macht und in dessen Sattel man als Reiter sicher gerne Platz nehmen möchte.

Trotz der schwachen Förderung der Springpferde im Turniersport durch das Gestüt Bonhomme ist der Hengst siegreich bis Springen der Klasse M*. Auf den Hengstpräsentation zeigt er seinen unbedingten Leistungswillen am Sprung eindrücklich.

Nicht erst seit Alice/ Simone Blum ist der Vater Askari in aller Munde, denn wer genau hingesehen hat, konnte schon bei Asca Z erkennen, dass hier aus wenigen Nachkommen durch Askari viel Leistung vererbt wurde. FN: 430 82 Springen (19%) 1 Vielseitigkeit

Der Mutterstamm des Hengstes Araldik konnte bisher nicht überzeugen und hat sportlich noch nicht so viel im Springsport hervorgebracht, so dass es der einzelne Erfolg des Hengste als Zufall hätte gewertet werden können.

So richtig interessant wurde der dann Hengst erst, als seine kleine Schwester in den Profiberitt von Ingrid Klimke wechselte. Denn Asha P kannte ab da nur Siege in der Vielseitigkeit: Es fing mit den Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferden 7-jährig an und ging schnell weiter bis zu 4-Sterne Prüfungen und Nationenpreisen. Die große Zuverlässigkeit, mit der diese Stute ihre Leistung immer wieder abruft, ist beeindruckend.

Araldik vom Elite-Hengst Askari aus einer Heraldik xx-Mutter
Araldik vom Elite-Hengst Askari aus einer Heraldik xx-Mutter (Foto Iris Wenzel)

Neben Asha P ist mittlerweile auch Van Hera P von Verdi in Beritt von Ingrid Klimke und bereits bis 2-Sterne siegreich. Weiterhin ist aus der Großmutter von Araldik die Stute Quantana P von Quarterback bis 3-Sterne Vielseitigkeit erfolgreich und deren Vollbruder Quaid in der Dressur bis Prix St Georg platziert.

Als Deckhengst wurde Araldik nur mäßig genutzt, so dass sich nur wenige sattelreife Pferde im Turniersport beurteilen lassen. Seine Nachkommen lassen jedenfalls den Typ des Vaters deutlich erkennen und scheinen gute Reitpferde abzugeben, sind mit Bewegung und Elastizität ausgestattet.

FN registriert sind 58 Nachkommen, davon 1 S-Springen.

And the Winner is …

Aktueller Stand ist, dass ich Mabous Fohlen gerne behalten, selber aufziehen, ausbilden und fördern möchte. Doch Lebensumstände können sich ja bekanntlich sehr schnell ändern – darum sollte das “Produkt” im Fall der Fälle auch gut verkäuflich sein. Letztendlich ist meine Entscheidung wenig kreativ: Es wird Diarado. Der 170 cm große, schwarze Mädchentraum, der derzeit auf Rang 2 der erfolgreichsten Vielseitigkeitsvererber liegt. Züchten ist ja bekanntlich ein Glücksspiel, doch bei dieser Kombination kann ich wenigsten träumen, dass Mabou mir nächstes Jahr einen langbeinigen, schwarzen, sprunggewaltigen ¾-Blüter schenkt. Schritt 1 ist getan. Nun warte ich auf die Rosse.

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