Vor der Dämmerung ist es am Dunkelsten …

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Seit Jahren muss man es sich anhören – der Rennsport stirbt. Wie könnte man das auch nicht annehmen, wenn sich mal wieder über die Neusser Bahn die Horrorgeschichten mehren und in Dortmund plötzlich üble Neuigkeiten auftauchen. Die Rennbahn soll aber bleiben. Sinnvoll gedacht ist was anderes. Pflegen muss man sein Geläuf nämlich trotzdem, wenn man da ein Rennen der deutschen Triple Crown drauf laufen lassen will. Ergo kostet es trotzdem.

Rennsport in Deutschland wird weniger. Weil es hip ist, Rennsport nicht zu mögen. Und weil der Rennsport versäumt hat, sich attraktiv auch dem jungen Publikum zu präsentieren. 

Wie viele Branchen aus der alten Zeit (schlimmer sind wohl nur die Handwerker), haben die Rennbahnen es versäumt, das Internet einzubeziehen. Günstige Werbung, einfache Werbung – nicht vorhanden. Hannover stand ewig alleine da. 

Sie haben es versäumt ein attraktives Umfeld gleichsam für Alteingesessene und Neulinge zu schaffen. Und damit ist nicht gemeint, dass man mal zehn Hüpfburgen hin baut und das dann Kinderrenntag nennt. Die Kinder bleiben nicht beim Pferderennen, ihnen wird doch spätestens in der nächsten Wendy beigebracht, dass Rennsport böse ist.

Auch und vor allem im Internet, da, wo man neues Publikum erreichen könnte, ist oft tote Hose. Langsam erwachen sie jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf – viel zu spät. Der Schaden ist bereits angerichtet. Indem man zu lange arrogant war und negative Presse ignoriert hat, statt mal sinnvoll zu dementieren: Mit Fachwissen und Fakten. Blogger wurden jahrelang ignoriert, obwohl die nun mal neudeutsch „Influencer“ (manchmal sind sie sicher auch grippeähnlich und eher Influenza) sind. Sie beeinflussen die Meinung der breiten Reiterlichkeit. Und derzeit, so muss man es einfach sagen: Ist es Trend, Rennsport zu verteufeln.

Rennsportler sind ständig unter sich. Tag der offenen Tür ist toll! Keine Frage. Aber was sind denn da für Leute? Auch nur Rennsportler. Mutige Rennsportler bringen dann Freunde mit, die überzeugt werden sollen. Das ist löblich. Aber warum müssen das immer Privatpersonen machen? Eine Anzeige in einer Zeitschrift würde schon was helfen. Reiter Revue, Cavallo … irgendetwas. Wir haben schließlich einen Dachverband. Die könnten das ganz offiziell tun. 

Schon mal Blogger auf die Bahn eingeladen? Mit Führung, sodass sie sich das angucken können? Nein, der Rennsport ist so versnobt, dass er sagt: Sollen die doch zu uns kommen, wenn die wollen. Doch: Warum sollten sie? Sie haben doch schon eine Meinung. Und die ist nicht gut. Dafür haben Organisationen wie PeTA und Co. gesorgt. Die kann man so albern finden, wie man möchte. Die Menschen glauben den Unsinn nämlich trotzdem. Ist doch auch so unstrittig: Guck mal, das arme Pferd hat sich ein Bein gebrochen. Was für Tierquäler.

Hatten wir jemals irgendeine coole Werbekampagne? Und jetzt kommt nicht wieder mit den Familienrenntagen. Die sind voll, ja. Weil Erwachsene da ihre Kinder abgeben können, damit sie selbst eine Bratwurst essen können und drei Euro verzocken.

Familienrenntage sind eine nette Idee, ein I-Tüpfelchen, aber nur Wasser auf einem heißen Stein. Das muss mehr werden. Und zwar gesamt, nicht mehr Familienrenntage.

Gab es je eine Vorführung auf der Equitana Open Air? Da sind genug Trainer ansässig. Und da laufen permanent Rennpferde um die Bahn. Man könnte sich ja einfach mal fünf Minuten dahinsetzen und erklären, was da passiert. Die Leute sind doch schon auf der Rennbahn! So schwer ist das doch nicht. 

Die Lokation wird ausgeblendet, die Rennpferde sind nur ein störendes Element für die anderen Reiter, weil sie nicht quer über die Sandbahn latschen können und den Rennsport kratzt es nicht. Den Neusser Rennverein schon mal gar nicht.

Ich selbst bin überhaupt nur einmal von einer Bahn eingeladen worden. Und das war nicht mal meine „Heimat“ … nein. Die Traber haben mich hochoffiziell nach Mönchengladbach eingeladen. Mit Mitfahrmöglichkeit im Fohlenwagen und allem Pipapo. 

Prinzipiell MUSS mich auch keiner einladen, denn ich bin groß und kann mir meine Karte selbst kaufen und werde das auch weiterhin tun, denn jede gekaufte Karte ist ja nun mal auch Geld für den entsprechenden Rennverein. 

Aber so eine Anfrage, die wäre ja Gratis Werbung: „Hey, nimm deine Fotografin mit und schreib uns einen schönen Bericht. Bei dir lesen ja so viele Reiter mit.“ 

Nööö, nix ist. Lieber für selbstverständlich nehmen, dass andere Leute die Arbeit machen. Hobbyfotografen, die sich die Finger wundtippen, wenn man ihre Rennbahnfotos zerfetzt. Ehemalige Aktive, die PeTA Artikel mit dem kleinen Finger widerlegen können und gegen Windmühlen kämpfen. 

Blogger, die plötzlich die Welt erklären sollen, weil die Zeitung von einem Unfall Wind bekommen hat, der selbst in der Galopper“fach“presse totgeschwiegen wird. 

Traurig. Irgendwann ist nämlich nicht mehr Dämmerung. Sondern Nacht. Mitternacht.

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Vor der Dämmerung ist es am Dunkelsten …
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