Winter im Rennstall – Winter in der Reiterseele


Adventskalendar

Winter im Rennstall ist nicht schön. Ist ja auch kein Wunder, das ist so ein fieser Draußen-Job mit Draußen-Arbeit und eventuell einer warmen Sattelkammer. Aber eben auch nicht mehr. Das heißt: Wir dürfen die reitenden Zwiebeln in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Und was man da alles für sexy Sachen sieht: Skianzüge aus den 80ern (das Highlight eines jeden Winters bei uns im Stall, aber der Kollege hat es lässig getragen und meinte: Ihm sei wenigstens nicht kalt), kugelige Arbeitsreiter die aus mehr Stoff als Körper bestehen … und natürlich knackige Pferde.

Denn Rennpferde, wie der Name schon sagt, wollen rennen. Die kennen ihren Job, die wurden darauf trainiert und dann kommt der Winter und der sagt: Ich weiß, dass ihr rennen wollt, aber das geht leider nicht, wenn die Sandbahn eingefroren ist. Geht doch mal in die Halle. Das lassen sich Rennpferde dann maximal drei Tage gefallen, dann wird aber schon gefragt, wann man mal wieder Stoff geben darf (obwohl es immer ein Pferd im Lot gibt, das einfach spontan Winterschlaf hält und kein bisschen zappelig wird). Dafür gibt es natürlich Ausweichmöglichkeiten. Nur verlangen die meistens dass man manierlichen Schulpferdeschluff geht, nicht aber einen zünftigen Trainingscanter. So was Kompliziertes. Das mag das Rennpferd nicht so gern. Aber es rastet jetzt erst mal auch nicht völlig aus, die sind ja nicht unerzogen und auch nicht doof.

Morgenarbeit im Rennstall in Düsseldorf.

Nur … rastet einer aus, dann nehmen die anderen das dann als Anlass, es nachzumachen. Einer turnt auf zwei Beinen durchs Lot? Besser mitmachen, man will ja nicht unangenehm bei den Pferdekumpels auffallen. Dagegen hilft kein Weidegang – Rennpferde sind Gewohnheitstiere und sie wissen ganz genau, dass sie eigentlich einen Reiter auf dem Rücken tragen, um mit dem schnell zu laufen. Nicht, um mit dem ne Kaffeefahrt durch die langweilige Reithalle zu machen.
Im schlimmsten Fall sieht man anschließend Arbeitsreiter, die vor lauter Stoff wie Schildkröten auf dem Rücken liegen und nicht mehr hochkommen. Das passiert übrigens dann in Sekundenbruchteilen. Steht man dann ab Trabring oder in einer Halle und blinzelt nur mal kurz, dann wird aus dem harmonisch trabenden Lot plötzlich ein Harlem Shake mit ein paar Protagonisten auf dem Boden.

Ist die Bahn dann endlich wieder aufgetaut, kann man aber auch nicht einfach wieder Gas geben. Das irritiert die Pferde am Allermeisten. Denn wenn man vier Wochen nicht richtig Centern war, will man die Muckis ja nicht überanstrengen. Hat nur keiner den Pferden gesagt. Da werden aus den nettesten Kerlchen plötzlich Puller und wenn man einmal nicht aufpasst, zischt so ein possierliches Tierchen am Lot vorbei und lässt sich auch nicht mehr bremsen. Beim Pferd herrscht zudem noch völlige Unverständnis. Wie, du willst nicht schnell? Wofür sind wir dann auf der Bahn? Du musst dich schon entscheiden – schnell oder langsam. Langsam gibt’s drinnen. Draußen nur Kännchen und schnell. 

Da sitzt er dann, der Arbeitsreiter. Mit verkniffenem Gesicht (das ist nämlich taub), abgefrorenen Füßen (die werden einfach immer kalt) und Eisfingern. Während er zudem noch mit 500 Kilo Unverständnis kämpft. Um ihn herum tanzen ein paar Schneeflocken, die Nasskälte testet, ob die Jacke wirklich wasserfest ist (ist sie meistens nicht, so ab Eisregen in waagerechter Form hört das mit dem „wasserfest“ irgendwann auf). Unterdessen winkt der Trainer lustig vom Bahnrand, wo er schön mollig eingepackt steht und mit den Arbeitsreitern schimpft, weil die doch bitte nicht so schnell machen sollen. Pferde sind doch noch nicht wieder voll im Training.

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