Der Traber, den es nicht gab

Fohlen
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Der Pferdrennsport schreibt viele einzigartige Geschichten. Einige sind kurios, manche überraschend und wenige haben zugegeben einen kriminellen Hintergrund. Einen Fall, der vor einigen Jahren vor allem in Australien für Schlagzeilen sorgte und der auch zu einem Gerichtsurteil führte, ist der vom dem Traber, den es nicht gab. In Deutschland war die fiktive Stute Miriyan niemals wirklich Thema. Vielleicht gab es eine kleine Schlagzeile in den Fachmedien. In einem Buch mit dem Titel „111 Gründe, den Galopprennsport zu lieben“ findet man einen Absatz über diesen Fall. Der Grund war nachvollziehbarerweise, dass es sich um eine kuriose Geschichte handelt. Und für diese lieben wir alle diesen Sport. Ausnahmsweise können hier Galopp- und Trabrennen „über einen Kamm geschert“ werden.

Rechnungen für ein Pferd, das es nicht gab

Über Jahre stellte ein Trabtrainer namens Michael John Day aus Australien Rechnungen für ein nicht existierendes Pferd aus. Das ist der Hintergrund zu der kuriosen Geschichte, die in dieser Woche im RaceBets Blog erzählt werden soll. Diese Rechnungen sind von der vermeintlichen Besitzerin auch tatsächlich beglichen worden! Es handelte sich um eine Summe von über 25.000 Australischen Dollar, die sich über die Jahre angesammelt hatten. Während der Gerichtsverhandlung, die das Finale für diesen Kriminalfall bildet, wurden weitere Details bekannt, die wir in diesem Artikel näher unter die Lupe nehmen wollen.

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Sechs Jahre Betrug

Über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren schrieb Trainer Michael John Day also Rechnungen für ein Pferd, von dem seine Kundin glaubte, dass sie es persönlich mit einer Stute namens Jag One gezüchtet hatte. Deren angebliches Fohlen wurde laut Day in seinem Stall aufgezogen, ausgebildet und drei Jahre lang auf Rennen vorbereitet. Der Name des Phantompferdes lautete Miriyan. Die Paarung der Stute mit einem Deckhengst hatte nie stattgefunden, bzw. war nicht von Erfolg gekrönt. Es wurde kein Fohlen geboren. Vermittelt wurde dies der vermeintlichen Züchterin natürlich anders. Wollte diese ihr Pferd einmal besuchen, wurde ihr einfach ein anderes präsentiert. Und immer, wenn angeblich ein Start angedacht war, litt Miriyan entweder an einer Krankheit oder sie hatte sich zufällig verletzt.

Tierklinik
Tierklinik

Der Schwindel flog erst auf, als die Stute angeblich in eine Tierklinik geschickt wurde. Diese wurde von der betrogenen Besitzerin wegen der hohen Rechnung kontaktiert – ein Pferd mit dem Namen Miriyan war aber natürlich dort nie behandelt worden. Erst jetzt kam der Dame ein Verdacht auf und sie forschte nach. Als Folge wurde der Trab-Dachverband von New South Wales informiert, der eine offizielle Untersuchung einleitete. Merke: Michael John Day hat die Schraube einfach überdreht. Denn natürlich kam bei der Untersuchung heraus, dass es dieses Pferde nie gegeben hat. Und der Fall wurde öffentlich.

Lange Sperre für den Trainer – und eine putzige Ausrede

Der Dachverband sperrte den Trainer für zehn Jahre. Die Besitzerin verklagte ihn. Michael John Day gestand vor Gericht seine Schuld ein und stand dennoch vor einer mehrjährigen Gefängnisstrafe, weil er Geld veruntreut und ganz einfach betrogen hatte. Interessant und verwunderlich ist in diesem Falle das Zitat seines Anwalts: „Er weiß jetzt, dass er sein Kundin hätte informieren müssen, als der Tierarzt ihm vor Jahren sagte, dass die Stute Jag One nicht trächtig ist.“ – So kann man es auch sehen.

Wie konnte es so weit kommen?

Dass hier ein kriminelles Verhalten vorliegt, darüber muss man nicht diskutieren. Dass Michael John Day alles nicht von vorne herein so geplant hatte, kann man sich durchaus vorstellen. Aber er hat es über Jahre immer weiter getrieben. Man fragt sich natürlich, weshalb die vermeintliche Besitzerin nicht früher skeptisch geworden ist. Alleine die Tatsache, dass sie ein Pferd züchtete, das sie sich allem Anschein nach so gut wie nie angesehen hat, zeugt von einer gewissen Naivität. Selbst wenn Australien ein sehr großes Land ist und sie (wir wissen es nicht) vielleicht tausende Kilometer entfernt lebte, hätte ihr etwas auffallen müssen.

Das Fazit

Fazit: Vertraue deinem Trainer, aber schau dir zumindest dein Pferd mal an, wenn du schon hohe Rechnungen hast und diese begleichst. Bist du als Besitzer skeptisch, fahre in den Stall und lass dich nicht von Ausreden davon abhalten. Fotos und Videos reichen nicht.

Pferdestall
Pferdestall

Wer immer wieder vertröstet wird, muss einfach mal objektiv nachdenken oder sich Ratschläge von Experten holen. Geld investieren ohne eine gewisse Expertise ist wie zuvor erwähnt im Grunde naiv. – Wobei man ausdrücklich betonen muss, dass solch ein Fall eine absolute Ausnahme ist. Es ist nie ein ähnlicher Vorgang öffentlich geworden, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass es in all den Jahren der Pferdezucht und der Pferderennen nicht vielleicht das eine oder andere Mal etwas ähnliches gegeben hat. Falls ja, scheint es nicht aufgefallen zu sein. Vielleicht war das Phantompferd plötzlich tot… Der eine oder andere Trainer mag durchaus Tricks anwenden, um seinen Kontostand zu verbessern. Aber das muss ja nicht direkt im eigentlichen Sinne des Worte kriminell sein und einen Prozess nach einer Klage als Folge haben. Rechnungen für nicht existierende Pferde auszustellen und dies über Jahre und in einer Höher von 25.000 Australischen Dollar, das ist ein Betrug.

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