Galopp+Insider Sibylle Vogt: „Ich möchte eine der erfolgreichsten Rennreiterinnen Europas werden“

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2017 sorgte Sibylle Vogt für besondere Schlagzeilen. Sie gehörte zu den wenigen Reiterinnen in der Geschichte, die einen Ritt im Deutschen Derby bekamen. Auf Sternkranz spielte sie zwar nur eine untergeordnete Rolle, aber das olympische Motto stand im Vordergrund. Genau wie bei ihrem Auftritt am vergangenen Sonntag als erste Reiterin im Oppenheim-Union-Rennen in Köln auf Klüngel. Die 23-jährige Schweizerin, die bei Champion Markus Klug beschäftigt ist, macht mit sehr durchdachten Ritten immer mehr auf sich aufmerksam.

Exklusiv im Galopp+Insider auf dem RaceBets-Blog berichtet Sibylle Vogt über ihre bisherige Laufbahn im Rennsport und ihr großes Ziel.

„Zum Rennsport kam ich durch mein Pony, man hat mich in meiner früheren Heimat Schweiz angesprochen, ob ich nicht in einem Ponyrennen mitmachen wollte. Ich habe das gemacht und wurde schnell zweimal Schweizer Meisterin.

Zuerst hatte ich aber keine Idee, was ich beruflich machen wollte. Allerdings habe ich mich für nichts anderes interessiert als das Reiten. Da kam mir der Gedanke, warum sollte ich nicht die dreijährige Ausbildung machen? Falls ich nicht gut genug bin, könnte ich ja immer noch anschließend eine andere Lehre antreten. 2010 habe ich meine Ausbildung bei Carmen Bocskai begonnen und auch bei ihr beendet. Mein Riesenglück war, dass ich von beiden, vor allem von Georg als Klassejockey, sehr viel lernen konnte. Er war einer der Besten. Sie haben mich auch wirklich unterstützt.

Ich bin eigentlich nur nach der Lehre weggegangen, weil ich eigentlich nie nach Deutschland wollte. Als beide nach Iffezheim gewechselt sind, bin ich in der Schweiz geblieben. Da der Rennsport in meiner Heimat aber leider nicht mehr die Bedeutung von früher hat, habe ich bald gemerkt, dass das doch nicht mehr meine Welt ist und mich dafür entschieden, nach Deutschland zu gehen.

Bei Facebook habe ich eine Annonce gesehen, das Markus Klug Leute sucht. Ich habe mich dort beworben und gesagt, dass ich gerne Rennen reiten würde, mir aber auch klar sei, dass ich nicht für den Stall reiten kann. Ich wurde am 1. April 2016 eingestellt, seither bin ich an diesem tollen Stall. Großes Glück war sicher, dass ich bald mit Dragoslav in Köln ein Rennen gewonnen habe. Dadurch kam ich mehr ins Gespräch und wurde auch mehr gebucht. Der Anfang war schon sehr schwer. Wenn Dich keiner kennt, dann ist das alles andere als leicht.

Rinky Dink Dawn siegt unter Sibylle Vogt am 29.04.2018 Renntag in Mannheim.

Ich bin bei Markus Klug aber super happy, da ich auch die Möglichkeit habe, an den Rennen teilzunehmen. Eine Riesenehre war für mich, im vergangenen Jahr am Derby teilzunehmen. Auch wenn die Platzierung schlecht war, handelte es sich um einen meiner größten Erfolge. Denn als Frau in einem Gruppe I-Rennen, und dann noch im Derby, sowie auch gerade in der Union in Köln als erste Frau überhaupt zu reiten, war unbeschreiblich und zeigt, dass ich mich damals richtig entschieden habe, diese Ausbildung zu machen. Da ich mit meinem Gewicht nicht allzu viele Probleme habe und kaum ackern muss für 52 Kilo, ist das auch sehr angenehm.

Ich habe bis jetzt Glück, in der ganzen Zeit, in der ich reite, habe ich nur wenige schlimme Verletzungen gehabt. Einmal habe ich mir das Schienbein gebrochen, das ist im Training bei Carmen passiert mit einer zweijährigen Stute, die gestiegen ist und sich überschlagen hat, worauf sie mir aufs Bein gefallen ist. Aber das war auch das Schlimmste, was ich je hatte. Zweimal habe ich mir die Nase gebrochen, davon sieht man aber wirklich nicht mehr viel. Ich kann wirklich sagen, dass bis jetzt alles ziemlich unfallfrei lief.

Einer meiner schönsten Siege war der Treffer mit Marcilly in Maisons-Laffitte, für mich war ein Sieg in Paris eine ganz besondere Aura. Meine Lieblingsbahn in der Schweiz ist Frauenfeld, hier in Deutschland ist es noch zu früh, das zu beurteilen.

Ich hoffe natürlich, dass alles so weiterläuft wie bisher. Mein Ziel ist es, eine der erfolgreichsten Rennreiterinnen Europas zu werden. Mir ist bewusst, dass ich da noch einen sehr weiten Weg vor mir habe. Dafür werde ich wahrscheinlich auch einige Zeit brauchen. Aber immerhin habe ich mir dieses Ziel einmal gesteckt. Im Moment kann ich mich echt nicht beklagen. Jetzt, wo ich meine 50 Siege endlich voll habe und keine Erlaubnis mehr besitze, ist es als Frau sowieso schwer, Ritte zu bekommen, weil man etwas schwächer als ein Mann ist. Das ist einfach Fakt, da kann man noch so viel trainieren.

Dream Team siegt unter Sibylle Vogt am 29.04.2018 Renntag in Mannheim.

Ich tue einiges dafür, dass man das nicht unbedingt so merkt. Beispielsweise auf dem elektrischen Pferd, durch Fahrrad fahren, Joggen, Training im Fitness-Center und stabilisierende Übungen und natürlich das Reiten am Morgen. Ich habe das Riesenglück, dass Maxim Pecheur, Rene Piechulek, Martin Seidl, Adrie de Vries und Andreas Helfenbein mir mit Rat und Tat zur Seite stehen, im Training und nach den Rennen, wenn ich eine Frage habe oder den Rennfilm noch einmal anschauen möchte mit ihnen. Ich bin da wirklich in super guten Händen und freue mich auf die weitere Zukunft.“

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