Die Geschichte vom „toten“ Jockey

Die Geschichte vom „toten“ Jockey
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Ralph Neves war ein Jockey, der in den 1930er Jahren in Kalifornien in den Sattel gestiegen ist. Hauptsächlich ritt er auf der Bahn von Bay Meadows. Dort kam es an einem Tag zu einem schlimmen Vorfall. Der Reiter wurde von seinem Pferd in die Rails geschleudert. Es soll direkt so ausgesehen haben, als wenn er fürchterliche Verletzungen erlitten hat. Doch da wir in diesen Texten auf mysteriöse oder ungewöhnliche oder witzige Geschehnisse aus der Vergangenheit hinweisen wollen, können wir direkt die Sorge verringern, dass hier der Tod das Thema ist. Ralph Neves überlebte. Und ging sogar dank dieses Vorfalls in die Geschichtsbücher ein. Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass er ein erfolgreicher Rennreiter war. Er hat sogar eine eigene Seite bei Wikipedia. Doch am wichtigsten ist: er wurde 79 Jahre alt.

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Die Diagnose

Der Bahnarzt, sein Name war Dr. J. A. Warburton, hatte es mit einem toten Körper zu tun, als er am Ort des Unfalls einkam – seiner Meinung nach. Die Bahnbegrenzung war damals aus Holz. Außerdem soll der Reiter von anderen Pferden zertrampelt worden sein. So hatte es jedenfalls den Eindruck. In diesem Zusammenhang muss man allerdings wissen, dass die Rennen damals natürlich noch nicht so wie heute gefilmt wurden. Im Bruchteil einer Sekunde kam es zu diesem Vorfall und dass die menschlichen Augen sich täuschen können, wird bekannt sein. Besagter Arzt und zwei seiner Kollegen, welche zufällig als Besucher vor Ort waren, erklärten den Reiter also für tot und ließen ihn in die örtliche Leichenhalle bringen. Das scheint alles bemerkenswert schnell gegangen zu sein aus heutiger Sicht. Es waren halt andere Zeiten.

Ein Gebet

Besucher stehen in stillem Gebet
Besucher stehen in stillem Gebet, Foto: TT

Der Bay Meadows Kommentator teilte den Zuschauern während der Veranstaltung mit, dass Ralph Neves verstorben war. In einem stillen Gebet sollten alle aufstehen und im Gedenken. Heutzutage würde man die Veranstaltung direkt abbrechen, daran besteht kein Zweifel. Auch daran lässt sich erkennen, dass in Zeiten sich geändert haben. Damals ging es einfach weiter und ließ die Pferde wieder laufen.

Das Erwachen

Kommen wir nun zur Wende in dieser Geschichte. Am gleichen Tag noch, im Grunde wohl kaum wenige Stunden später, wachte Ralph Neves im Leichenschauhaus auf. Er hatte sich nicht einmal etwas gebrochen, war einfach nur ohnmächtig gewesen. Die Ärzte hatten also nicht gut gearbeitet, um es einmal so zu formulieren. Er verließ besagtes „Etablissement“ (keine Ahnung, ob die Mitarbeiter verwundert waren oder ob ihn niemand sah), nahm sich ein Taxi zurück zur Bahn von Bay Meadows und in einem Rennen, in dem er zuvor als Reiter angegeben war, stieg er tatsächlich in den Sattel.

Damals war es mit der Verbreitung von Informationen noch nicht wie in unserer Zeit, das muss man sich bewusst machen. Viele Besucher hatten vielleicht mitbekommen, dass einige Stunden zuvor jemand gestorben war. Aber von der Rückkehr wussten die wenigsten. Sicherlich wird es auch schon bei den Kollegen in der Jockeystube Überraschung, Erstaunen und Freude gegeben haben, als ein Totgeglaubter in der Türe stand. War es tatsächlich Ralph Neves? Ja, er war es. Jedenfalls absolvierte die vermeintliche Leiche tatsächlich noch einen Ritt vor 20.000 Menschen. So steht in den Annalen. Und nein, es war kein Horrorfilm. Neves hatte nicht nur nicht das Leben verloren. Er war nicht einmal verletzt. Kein Wunder, dass dieser Vorfall für Schlagzeilen sorgte.

Galopp in Bay Meadows
Galopp in Bay Meadows, Foto: TT

Ein „Toter“ wird bester Jockey

Am folgenden Tag war eine weitere Veranstaltung auf der Bahn von Bay Meadows. Ralph Neves bestritt sein volles Programm. Es ging ihm schließlich gut. Es heißt, er kam fünfmal ins Geld. Und als Folge wurde er zum besten Jockey des Meetings gekrönt, das natürlich bereits Tage wenn nicht Wochen vorher begonnen hatte. Wie auch immer: Das ist fraglos nicht schlecht für einen Toten. Darauf hätte man direkt nach dem Vorfall mal bei einem Buchmacher setzen sollen.

Ralph Neves im Überblick

Kurz einige allgemeine Informationen zum Jockey Ralph Neves. Geboren wurde der in diesem Artikel beschriebene Reiter im August 1916. Und gestorben ist er erst im Juni 1995. Er wurde nicht nur wegen des hier beschriebenen Vorfalls in die American Hall of Fame aufgenommen. Er gewann laut offizieller Zählung 3772 Rennen, 173 davon gehörten zu den so genannten Stakes Rennen. Grupperennen würde man heute sagen. Es wären wohl mehr Erfolge gewesen, wäre er nicht mehrfach schwer verletzt gewesen und hätte er sich nicht im Zweiten Weltkrieg bei der US Armee verdingt. Damals zog er sich eine Verletzung zu, die ihn in seiner restlichen Karriere stark behindert haben soll. In den letzten Jahren seines Lebens hat er in Kalifornien gelebt. Die Karriere beendete er im Jahr 1963 und war damals einer von erst acht Reitern, die deutlich über 3000 Sieger geritten haben. Er hatte eine Frau und drei Kinder. Und über all die Jahre hat ihn die Geschichte verfolgt, die wir in diesem Artikel erzählt haben.

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