Insider-Talk mit Kira Kaschek: „Unvergleichlich ist das Adrenalin“

Kira Kaschek
Kira Kaschek
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Der Rennverein Hannover hat eine neue Pressechefin: Kira Kaschek (31) ist für die Medien-Geschicke auf der Neuen Bult verantwortlich.

Exklusiv im Inside-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet sie über Ihren Werdegang und künftigen Aufgaben.

Sie haben am 1. Januar die Nachfolge von Susanne Born als Pressesprecherin des Rennvereins Hannover angetreten. Wie kam es zu Ihrer Berufung?

Kira Kaschek:  Das Leben geht manchmal sonderbare Wege: Über meine Artikel in der Sport-Welt und im Weser-Report, das ist eine Werbezeitung hier in Bremen, in der ich über die Erfolge der Trainer in Mahndorf berichtet habe, ist Matthias Seeber,  der neue Geschäftsführer des Hannoverschen Rennvereins, auf mich aufmerksam geworden.  So kam der Stein ins Rollen. Die Pressearbeit passt natürlich gut zu meinem fast abgeschlossenen Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie der Kulturwissenschaften.

Alex my boy
Alex my boy

Was haben Sie von Ihrer Vorgängerin mit auf den Weg bekommen für diesen Job?

Kaschek: Das Team des Hannoverschen Rennvereins mit Unterstützung durch  Frau Born hat mir eine ausführliche Einweisung gegeben und sämtliche Kontakte überstellt, die ich in Zukunft pflegen und organisieren werde. Ich hoffe, dass ich alles bestmöglich umsetzten kann. Denn es sind ja schon sehr große Fußstapfen, in die ich treten werde. Als den wichtigsten Aspekt meiner neuen Tätigkeit betrachte ich die Vernetzungsarbeit. Ich werde dabei ihre Ratschläge beherzigen, möchte aber auch eigene Akzente setzen und meinen Teil dazu beitragen, das ganze Projekt voranzubringen.

Was reizt Sie an dieser Tätigkeit? Was werden Ihre Hauptaufgaben sein?

Kaschek: Meine Hauptaufgaben werden die Betreuung der Pressekontakte und das Verfassen der Pressemitteilungen sein, um den Rennverein Hannover in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Natürlich werde ich auch an den Renntagen vor Ort zur Verfügung stehen und mich überall einbringen, wo ich gebraucht werde, zum Beispiel auch in der internen Kommunikation oder um den reibungslosen Ablauf unserer Events zu garantieren.

Die Hannoversche Presse berichtet sehr umfangreich über den Rennsport auf der Neuen Bult. Wo sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Kaschek: Neben den bekannten Printmedien, bei denen es gut läuft und die Kommunikation bereits etabliert ist, wäre es vielleicht schön, noch den ein oder anderen Influencer auf anderen Kanälen wie YouTube, Facebook und Instagram zu erreichen, damit man vor allem junges Publikum auf die Rennbahn bekommt. So könnte man auch über das Thema Tierwohl  angemessen aufklären, was eine unserer Hauptaufgaben für die Zukunft sein wird. Der Tierschutz nimmt vor allem für die jüngeren Generationen einen immer wichtigeren Platz ein, und ich sehe noch großen Bedarf an Aufklärungsarbeit, damit der Rennsport auch weiterhin gesellschaftlich nicht in Verruf gerät.

Kira Kaschek mit ihrem Sohn und Kinetic Cross bei Pavel Vovcenko im Stall
Kira Kaschek mit ihrem Sohn und Kinetic Cross bei Pavel Vovcenko im Stall

Was macht für Sie die Faszination des Turfs aus?

Kaschek: Die Faszination liegt für mich in der Individualität der Pferde. Jedes Pferd ist einzigartig, und manche sind richtige Persönlichkeiten. Ich hatte das Glück, eins der wohl besten Pferde unserer Zeit zu treffen, nämlich Protectionist. Für mich sind er und seine Geschichte außergewöhnlich. Wer darf schon einen Melbourne Cup-Sieger reiten? Als Protectionist aus Australien zurückkam, war das für mich, nach der Geburt meines Sohnes, der schönste Moment meines Lebens. Als er danach auf die Siegerstraße zurückkehrte, konnte ich es kaum glauben. Ich bin Andreas Wöhler unglaublich dankbar, dass ich dieses Pferd betreuen durfte. Das ist eine Erfahrung, die ich nie wieder vergessen werde. Mit Protectionist war ich sogar in Kanada, und das gehört für mich auch zur Faszination Rennsport. Egal, in welches Land man kommt und auf welcher Rennbahn man ist, die Liebe und die Leidenschaft zu den Pferden sind überall gleich. Neben Protectionist durfte ich noch andere einzigartige Pferdepersönlichkeiten kennenlernen, darunter Wasir, Alex my Boy und Guinnevre. Über alle könnte ich Bücher schreiben. Es ist auch ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man sich jeden Tag um ein Pferd kümmert und es von Anfang an begleiten kann. Bei Andreas Wöhler war es oft so, dass man manche Pferde vom Jährlingsalter an betreut hat. Wenn diese Pferde dann an den Start kommen und gewinnen, ist das unbeschreiblich. Sie geben einem auch so viel Liebe zurück. Protectionist hat mich sogar nach einem Jahr in Australien erkannt und diese Intelligenz zeichnet besonders englische Vollblüter aus.

Unvergleichlich ist auch das Adrenalin vor jedem Rennen. Bei einem Fußballspiel wartet man 90 Minuten, dass etwas passiert, aber hier ist man hautnah dabei, wenn die Pferde in die Zielgerade kommen. Außerdem ist Rennsport nicht so abhängig von äußeren Einflüssen. Das schnellste Pferd gewinnt, das ist schon immer so gewesen und wird auch immer so bleiben. Der Rennsport bringt zudem überall auf der Welt unglaubliche Persönlichkeiten hervor, und man wird auch eine kleine Gemeinschaft, fast wie Familie auf jeder Rennbahn. Man knüpft tiefe Freundschaften, auch das finde ich sehr besonders an unserem Sport. Meine beste Freundin, Jennifer Müller, habe ich bei Andreas Wöhler kennen gelernt, und mittlerweile ist sie die Patentante meines Sohnes.

Wie ist Ihre Leidenschaft für den Rennsport entstanden?

Kaschek: Ich wollte schon immer nur mit Pferden zu tun haben. Als ich klein war, war ich immer nur im Stall und schon glücklich, wenn ich nur ein Pferd putzen konnte. Ich habe irgendwann angefangen, zu voltigieren und war auch auf Voltigierturnieren unterwegs. Später habe ich Voltigierunterricht für Kinder gegeben. Da wir uns kein eigenes Pferd leisten konnten, bin ich erst in einer Reitschule einmal die Woche im Unterricht mitgeritten. Später hatte ich das Glück, eine Reitbeteiligung zu bekommen, die fast wie ein eigenes Pferd war. Von da an war für mich klar, dass ich mit Pferden arbeiten will und auf den Umgang mit ihnen nicht verzichten kann. Zum Rennsport gekommen bin ich, weil mich englische Vollblüter von allen Pferden am meisten fasziniert haben. Als ich nach dem Abitur eine Anzeige von Dr. Andreas Bolte gesehen habe, der Auszubildende suchte, habe ich lange überlegt, da ich mich zuerst nicht getraut habe. Kurze Zeit später bin ich nach Lengerich gezogen. Ich hatte leider aber doch großes Heimweh nach Bremen, deshalb habe ich die Ausbildung bei Pavel Vovcenko beendet.

Kira Kaschek mit Fußball-Star Max Kruse
Kira Kaschek mit Fußball-Star Max Kruse

Haben Sie eigene Rennpferde?

Kaschek: Ich habe leider noch kein eigenes Rennpferd. Dafür aber einen Anteil an der Stute des Galopp Clubs Bremen, Lovely Dream. Sie konnte im letzten Jahr zwei Rennen gewinnen und war mehrfach platziert. Sie ist im Training bei Pavel Vovcenko. Ich wohne nur ungefähr 15 Minuten zu Fuß von der Trainingszentrale in Mahndorf entfernt, so kann ich die Stute auch immer besuchen. Manchmal reite ich sie selbst im Training, und das macht mir natürlich immer sehr viel Spaß. Das liegt auch daran, dass sie besonders schön zu reiten ist. Wir hoffen für die kommende Saison, dass sie sich noch weiter steigern kann und natürlich, dass sie fit bleibt. Bei einer Besitzergemeinschaft steht ja oftmals der Spaß im Vordergrund. Für mich ist es natürlich schön, so nah dran zu sein. Wenn man im Rennstall arbeitet, hat man ja immer seine Lieblingspferde. Der Anteil an Lovely Dream ersetzt das zwar nicht ganz, ist aber immerhin etwas. Ein großer Traum wäre es, einmal einen Sohn von Protectionist zu besitzen und auf die Bahn begleiten zu können. Wer weiß, was die Zukunft bringt?

Sie sind auch für die Sport-Welt tätig. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Kaschek: Im Rahmen meines Studiums mache ich bei der Sport-Welt ein Praktikum. Ich schreibe dort über Menschen und ihre Pferde. Meistens mache ich das als Telefoninterview. Ich bin Patrick Bücheler sehr dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat, denn vieles andere hätte sich sicherlich ansonsten nicht ergeben. Nach einem Reitunfall und der Geburt meines Sohnes dachte ich, ich müsste den Rennsport an den Nagel hängen. Dank Patrick Bücheler, und jetzt auch Matthias Seeber und Gregor Baum, musste ich das nicht. Es kam nämlich sogar noch viel besser, weil mich das Schreiben sehr glücklich macht. Über die Interviews bei der Sport-Welt habe ich so beeindruckende Menschen kennengelernt und Geschichten gehört, die mich emotional berührt haben, wie zum Beispiel die Geschichte von Mockingjay. Hollywood hätte es nicht besser schreiben können. Das ist genau das, was auch den Rennsport ausmacht: Echte Menschen und ihre Hingabe zu ihren Pferden. Ich bin sehr froh, dass ich mein Praktikum bei der Sport Welt auch in Kombination mit den Aufgaben in Hannover fortsetzen kann. Ich glaube, dass ich dadurch gefunden habe, was mich wirklich erfüllt.

Was haben Sie früher gemacht?  

Kaschek: Nach dem Abitur habe ich eine Lehre als Pferdewirtin mit Schwerpunkt Rennreiten bei Pavel Vovcenko gemacht. Danach kam ich durch Empfehlung meiner Freundin Michelle Page an den Stall von Andreas Wöhler in Gütersloh. Ich hatte eigentlich immer den Plan, noch zu studieren, um mir ein zweites Standbein aufzubauen. Als Protectionist dann in die Zucht gewechselt ist, war mir klar, dass dies der richtige Zeitpunkt ist. Daher habe ich 2017 an der Universität Bremen angefangen, Medien- und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Ich hoffe, dass alles planmäßig läuft und ich im kommenden Jahr meine Bachelorarbeit abgeben kann. Dadurch, dass ich zwischendrin Mutter geworden bin, habe ich für das Studium etwas länger gebraucht. Das Ganze lässt sich auch durch die Unterstützung meiner Mutter realisieren, die mir mit meinem Sohn hilft. Ohne ihre Hilfe wäre es nicht möglich. Mittlerweile ist sie auch fasziniert vom Rennsport, obwohl sie eigentlich Angst vor Pferden hatte. Sie besitzt nun auch einen Anteil an Lovely Dream.

Kira Kaschek
Kira Kaschek

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Kaschek: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welche Richtung genau es gehen wird, momentan bin ich sehr glücklich mit der Kombination aus der Arbeit bei der Sport-Welt und den neuen Aufgaben in Hannover. Hier sehe ich meine Zukunft. Prinzipiell bin ich interessiert an allen Themen rund um Public Relations und Marketing, am liebsten schreibe ich aber. Für den Weser-Report verfasse ich auch Artikel, die nichts mit Pferden zu tun haben und das ist eine vielseitige und spannende Aufgabe. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, jemals ganz ohne Pferde zu sein, deshalb sehe ich meine Zukunft im Rennsport.

Wie lässt der Turf wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken?

Kaschek: Der deutsche Rennsport ist zurzeit in einer sehr schwierigen Lage. Ich denke, es ist wichtig Nachwuchs zu begeistern, sowohl als Aktive als auch als Zuschauer. Dabei wäre es unabdingbar, auch Blogger, YouTuber, allgemein Influencer zu erreichen. Auf jeden Fall hat der Rennsport, wie schon angemerkt, auch ein Imageproblem. Wir müssen also in dieser Hinsicht ebenfalls aktiv werden und dafür sorgen, dass sich das Bild der Öffentlichkeit verändern kann. Ein Besuch auf der Rennbahn ist ein Erlebnis für die ganze Familie, eben sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Weit über das eigentliche Renngeschehen hinaus. Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen.

Was sind Ihre Hobbies? Kaschek: Alle Dinge, die mit Pferden zu tun haben sind Hobby, Job und Leidenschaft in einem. Das Schreiben ist neben der Arbeit ein großes Hobby von mir. Ich habe auch einen Roman geschrieben, der auf der wahren Geschichte der Rennkarriere von Protectionist basiert. Ich hoffe, das Buch mit dem Titel „Herzschlagfinfish“ im Laufe dieses Jahres veröffentlichen zu können. Ich verbringe sehr viel Zeit mit meinem kleinen Sohn Lionel, der jetzt eineinhalb Jahre alt ist. Außerdem bin ich ein großer Fußballfan, ganz besonders von Werder Bremen, und wer weiß, vielleicht springt demnächst ja auch der Funke bei Hannover 96 über.

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