Insider-Talk mit Marco Klein: „Wir haben hier etwas Tolles aufgebaut“

Road to Cheltenham

Mannheim hat er im Sturm erobert, aber auch in Deutschland ist Marco Klein innerhalb kürzester Zeit zu einer Erfolgsadresse unter den Galopp-Trainern geworden. Allein 22 Rennen gewannen seine Pferde im Jahr 2020. Und die Anzahl seiner Schützlinge wird immer größer. Unser RaceBets-Botschafter gibt hier in einem Insider-Talk Auskunft zu seinem Werdegang und den Ambitionen für diese Saison.

„Als Quereinsteiger ist es doppelt so schwer“

Sie haben im Vorjahr Platz sieben der Trainer-Statistik belegt und 22 Rennen für sich entschieden. Vor einigen Jahren kannte sie noch kaum jemand. Wie haben Sie es geschafft, schon so weit nach oben zu kommen.

Marco Klein: Ich denke, dass es sich ausgezahlt hat, fest daran zu glauben, dass es richtig ist, was man tut. Natürlich ist es als Quereinsteiger doppelt so schwer, sich einen entsprechenden „Namen“ zu machen, aber viel Arbeit, Fleiß und vor allem, dass ich mir selbst treu geblieben bin, hat sich, denke ich, ausgezahlt, ich finde, es ist wichtig, dass man ehrlich ist und gerade auch die Besitzer viel über den Stand ihrer Pferde wissen, das ist nachhaltig. Vor allem aber auch die Familie und guten Freunde sowie das Team, die mir stets den Rücken gestärkt haben, sind ein wichtiger Bestandteil. Wir haben uns von Anfang an mit den uns zu Verfügung stehenden Pferden viel Mühe gegeben und ich denke, das Beste mit dem Pferd für die Besitzer dabei rausgeholt. So sind nach und nach auch mehr und bessere Pferde dazu gekommen.

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Die Gesundheit des Pferdes steht an erster Stelle

Was sind Ihre Prinzipien für ein erfolgreiches Training?

Marco Klein: Gesundheit, physisch wie psychisch, der Pferde steht an oberster Stelle, wir arbeiten mit dem Pferd als Partner, nutzen seine Resourcen und versuchen diese auszubauen. Wir arbeiten zunächst viel an der Grundkondition und dann an der Spritzigkeit. Nur „Gas“ von Anfang an überfordert die Pferde ja schnell mal, das will ich vermeiden, das wissen auch unsere Besitzer, damit sind sie  sehr zufrieden, denn auch sie wollen wie wir zwar erfolgreiche Pferde aber auch LANGE Zeit an ihrem Pferd haben, hier spielt auch bei unseren Besitzern Treue zum eigenen Pferd  noch eine wichtige Rolle.

„Wollen unser erstes Black Type holen“

Über 40 Pferde stehen inzwischen auf Ihrer Trainingsliste.  Wer sind die größten Hoffnungen für dieses Jahr? Was ist Ihr Ziel?

Marco Klein: Das große Ziel in diesem Jahr sind natürlich wieder glückliche Besitzer und Pferde, aber das ist ja das Minimum. Ansonsten möchten wir auch mit den jungen Pferden dieses Jahr einiges erreichen und auch unser erstes Black Type für das Team und mich holen. Ich habe einige interessante und hoffnungsvolle Kandidaten im Stall, sicher wird Indian Soldier wieder eine große Rolle spielen, auf ihm liegen große Hoffnungen, genau wie auf Amiga Juanita, aber auch einige andere Ältere, bei den Jungen habe ich auch einige, bei denen ich mich riesig auf die Saison freue. Wenn er im Rennen umsetzt, was er in der Arbeit zeigt, sollte Hohenstaufen ein richtig gutes Pferd werden, zwar ist er etwas speziell, aber er hat eine ganz tolle Aktion und den nötigen Biss. KaZwei und Osiris, arbeiten auch richtig gut, genau wie Adamo Adventure und Elle Aigle. Ich freue mich sehr auf diese Saison!

Indian Soldier siegt unter Tomaso Scardino
Indian Soldier siegt unter Tomaso Scardino am 23.05.2020 in Baden-Baden

In der Ruhe liegt die Kraft

Was macht für Sie den Standort Mannheim aus?

Marco Klein: Es ist ruhig hier, ich habe die Bahn vormittags für mich alleine, wir haben keinen Zeitdruck, pünktlich auf der Bahn zu sein, das überträgt sich natürlich auf die Arbeit im Stall und somit auf die Pferde, wir haben viele Möglichkeiten, den Pferden entsprechenden Ausgleich und Abwechslung zu bieten. Wir liegen von der Verkehrsanlage recht günstig sowohl auf die Bahnen in Deutschland, als auch nach Frankreich.

„Kann mir aktuell keinen Wechsel vorstellen“

Könnten Sie sich auch einen Wechsel an einen anderen Ort, zum Beispiel nach Baden-Baden, vorstellen? Sie haben einmal gesagt, dass sie sehr heimatverbunden seien. Oder hat Mannheim mehr Vorteile?

Marco Klein: Nein, aktuell kann ich mir keinen Wechsel vorstellen, zum einen fühle ich mich hier sehr wohl. Wir haben uns hier etwas Tolles aufgebaut und gezeigt, dass es funktionieren kann. Zum anderen habe ich auch sehr viel hier Investiert, einen Teil der Stallungen, Führanlage, etc. habe ich bauen lassen, und auch die Sandbahn tragen wir zu einem Teil mit, sonst wäre sie nicht erneuert worden. Und dann ist es tatsächlich so, dass ich sehr heimatverbunden bin, ich habe auch zu meiner Zeit bei der Bundeswehr stets gependelt und bin meiner Heimat treu geblieben. Ich habe ein tolles Umfeld einen wirklich tollen Freundeskreis, dann bietet Mannheim als Sportstadt so viel hochkarätige Abwechslung zur Arbeit mit den Mannheimer Adlern im Eishockey, den Rhein Neckar Löwen im Handball und dem TC Grün Weiß in der Tennis-Bundesliga, um nur einige zu nennen, wo ich auch sehr gerne zu Gast bin, wenn es die Zeit hergibt. Und dann natürlich ganz, ganz wichtig die Familie.

„München ist eine wichtige Bahn für uns geworden“

Die Heimatbahn Mannheim, sowie München und die Sandbahn in Dortmund sind ihre erfolgreichsten Bahnen. Wo setzen Sie die Schwerpunkte 2021? Und wie wichtig sind für Sie Winterrennen und eventuelle Starts in Frankreich?

Marco Klein im Interview am 11.09.2020 in Baden-Baden
Marco Klein im Interview am 11.09.2020 in Baden-Baden

Marco Klein: Nun, das ist natürlich abhängig davon, wie sich das mit den Renntagen entwickelt im Laufe diesen Jahres. Neben der Heimatbahn ist vor allem München eine wichtige Bahn für uns geworden, das für mich beste Geläuf in Deutschland, man ist immer sehr herzlich willkommen und, die Rennen erstrecken sich über alle Klassen, hier werden wir wieder viele Starter schicken. Dortmund und die Winterrennen sind schon sehr wichtig, leider muss man jedoch sehen, dass eine zweite Allwetterbahn wichtig wäre, da eine Art Monopol schnell mal zu Bequemlichkeit führt. In Dortmund gehört vor allem am Geläuf doch einiges gemacht, um den Aktiven wieder Freude zu bereiten, damit sind in der Hauptsache die Pferde gemeint. Ansonsten werden wir dieses Jahr auch gerade mit einigen jungen Pferden den Weg nach Frankreich nehmen. Ohne jedoch die anderen deutschen Rennbahnen aus dem Fokus zu verlieren, denn wir alle haben nichts davon, wenn wir nur nach Frankreich flüchten und in Deutschland machen die Vereine wegen kleiner Felder keinen Umsatz und das ganze System wackelt dann.

Viermal im Monat Arbeit im Krankenhaus

Arbeiten Sie nebenbei noch im Krankenhaus wie früher, und was ist genau Ihre Arbeit dort? Wie hat sich das in Corona-Zeiten verändert?

Marco Klein: Ja, das ist noch so, wenn auch sehr viel weniger als in den letzten Jahren, im Schnitt arbeite ich viermal im Monat am Nachmittag oder in der Nacht auf einer Chirurgischen Station mit Orthopädie und Neurochirurgie. Die Arbeitsabläufe sind etwas anders geworden, was den Eigen- und Fremdschutz angeht, ansonsten ist der pflegerische Aspekt ja gleich geblieben, das werde ich so auch weiter machen. Die Arbeit mit den Patienten macht mir Freude und erdet oft auch ein wenig.

„Die Impfungen sind eine große Hilfe“

Welchen Einfluss hat die Pandemie auf Ihre Arbeit als Trainer?

Marco Klein: In der täglichen Arbeit hat sie kaum Einfluss. Was die Planbarkeit von Rennen und Ähnliches angeht natürlich schon, das geht uns ja allen gleich, wir liegen da in der Hand der Politik, wie weit wir planen können, das ist ja stets sehr vage, hoffen wir alle, dass wir Corona langsam in den Griff bekommen. Ich glaube daran, dass die Impfungen eine große Hilfe sind.

„Was wäre ein Trainer ohne Team?“

Welchen Anteil hat Stalljockey Tommaso Scardino und Ihr Team an den Erfolgen?

Team des Tages mit 4 gemeinsamen Siegen - marco klein und Tommaso Scardino am 26.03.2017 in Mannheim
Team des Tages mit 4 gemeinsamen Siegen – marco klein und Tommaso Scardino am 26.03.2017 in Mannheim

Marco Klein: Beides einen sehr großen, was wäre ein Trainer ohne Team, auf das er sich verlassen kann? Nicht viel… Das Team sind ja nicht nur die Angestellten, sondern auch Tierärzte, Hufschmied Physiotherapeuten, Ostheopatin, etc. Das Team muss Hand in Hand arbeiten, und das tut es mittlerweile super bei uns. Da bin ich sehr stolz drauf. Unsere Reiter und auch das Bodenpersonal haben einen tollen Umgang mit unseren Schützlingen und hängen an ihnen,  das zeichnet sie aus. Das Team ist voll motiviert, irgendwie ist es für jeden einzelnen der eigene Stall, und das ist wichtig. Gerade die Rolle von Tommi hat sich in den letzten Jahren richtig toll entwickelt. Er arbeitet viel und hart, hat viel Gefühl für die Pferde, er kann viele Aussagen machen und lebt den Sport, den Stall und unsere Philosophie, ich bin stolz auf Ihn und seine Entwicklung reiterlich wie menschlich. Ich bin froh, ihn damals ins Team geholt zu habe als Auszubildenden trotz vieler, die schlecht über ihn gesprochen haben und es mir ausreden wollten.

„Kämpfen für unseren Sport“

Was würden Sie im deutschen Rennsport gerne verändern oder verbessern?

Marco Klein: Oje, da gäbe es einiges (lacht). Wichtig ist dass wir alle für unseren Sport kämpfen, aber mal auch bitte, dass nicht nur jeder sich selbst sieht! Es sind in den vergangenen Jahren schon viele Dinge angeschoben worden glaube ich, aber dass nichts von jetzt auf nachher anders wird, ist klar. Vieles ist leider an zu großen Blockadehaltungen gescheitert, denke ich, das ist sehr schade. Meiner persönlichen Meinung nach hat man über Jahrzehnte vergessen oder nicht gewollt, eine gesunde Mischung zwischen Alt und Jung zu schaffen, zwischen wichtiger Erfahrung und Innovation, das ist schade. Aber vielleicht ist es ja nicht zu spät, diesen wunderbaren Sport aufrecht zu erhalten, die Menschen, die mit Herzblut dabei sind, und auch das tolle Vollblut haben es verdient, dass wir alle unseren Beitrag leisten…

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