Insider-Talk mit Melina Ehm: „Meinen Traum lasse ich mir nicht nehmen“

Melina Ehm
Melina Ehm im Portrait am 20.07.2018 in Bad Harzburg.
RaceBets Million

Ihr Talent ist sehr groß, ihre Körpergröße ebenfalls: Mit ihren 1,80 Meter hat Melina Ehm sicher nicht die typische Figur eines Jockeys. Doch die 24-jährige macht ihren Weg. Dabei ist sie eine gebürtige Schwäbin, die aus Arbergen stammt, doch nun ist Bremen-Mahndorf und das Quartier von Pavel Vovcenko ihre Heimat im hohen Norden. Jockey ist ihr Traumberuf.

Melina Ehm
Dorado siegt unter Melina Ehm am 23.10.2016 in Bremen.

Aufgewachsen ist sie in dem 300-Seelen-Dorf Dose in der Gemeinde Friedeburg in der Nähe von Jever. Die ganze Familie hat das Rennsport-Gen, elf Geschwister hat sie. Melina Ehm ist die Viertälteste in diesem Verbund und die erste, die ihrem Hobby nun als Beruf nachgehen möchte. Man darf ihr dazu nur die Daumen drücken und Hals und Bein wünschen.

Schon als Schülerin auf dem Weg in den Turf

Schon als Schülerin ließ sie sich von ihrem Weg in Richtung Turf nicht abbringen. Das begann mit 16 Jahren. Dass dabei auch viel Freizeit draufgeht, stört sie nicht im Geringsten. Nach einer Hospitanz bei Elfi Schnakenberg in Jerusalem bei Blender, wechselte sie zu Annika Rosenbaum nach Großenkneten. In diesem kleinen Ort gewann kein Geringerer als der große Andrasch Starke, mehrfacher Champion und vielleicht die Nummer eins hierzulande, sein ersten Ritte. Schon 2011 legte Melina Ehm ihre Prüfung zur Amateurreiterin ab, ehe sie im Jahr 2014 zu Pavel Vovcenko in die Hansestadt wechselte. Aber auch ein zwölfmonatiger Auslandsaufenthalt in Portugal auf einem Gestüt brachte die junge Amazone weiter.

Längst hat sie ihre Ausbildung zur Rennreiterin erfolgreich abgeschlossen. Da sie schon als Amateur an zahlreichen Rennen teilgenommen hatte, durfte sie auch früh in Profi-Rennen mitmachen. „Für einen Lehrling verfügt Melina bereits über sehr viel Erfahrung“, sagte ihr Chef Pavel Vovcenko in einem Interview.

Lover Boy siegt unter Melina Ehm
Lover Boy siegt unter Melina Ehm am 03.10.2019 in Hoppegarten.

2019 war ihr Jahr, vor allem mit dem großartig verbesserten Lover Boy bildete sie ein Dream Team. Dankbar ist sie ihrem Coach und allen Besitzern, die ihr das Vertrauen schenken. In einer Männerdomäne mischt Melina Ehm längst mit. Und hat dabei ihre Zukunft noch so richtig vor sich.

Exklusiv im Inside-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet Melina Ehm über ihre bisherige Laufbahn, die Top-Saison 2019 und ihre Ambitionen für die Zukunft.

Sie haben 2019 fünf Rennen gewonnen. Wie fällt Ihre Saisonbilanz aus?

Melina Ehm: Ich habe durch meine Operation am Oberarm meine Lizenz erst im Mai 2019 einreichen können. Durch die verkürzte Zeit bin ich natürlich besonders zufrieden mit meinen 5 Siegen und den Platzierungen.

Mit dem Seriensieger Lover Boy waren Sie in Hoppegarten am Tag der Deutschen Einheits-Renntag erfolgreich. Was war das für ein Gefühl? Was trauen Sie dem Pferd noch zu?

Ehm: Lover Boy ist einer meiner Lieblinge im Stall, ich reite ihn täglich in der Morgenarbeit und habe ihn zu jedem seiner Rennen begleitet. Mit Lover Boy in Hoppegarten, dieser schönen Rennbahn, in einem großen Starterfeld zu gewinnen, ist ein tolles Gefühl. Ich denke, Lover Boy ist noch nicht an seinem Limit angekommen, er kann noch einiges mehr und wird dies auch noch mit Sicherheit zeigen.

Lover Boy siegt unter Melina Ehm
Lover Boy siegt unter Melina Ehm am 03.10.2019 in Hoppegarten.

Die meisten Siege kamen für Pavel Vovcenko zustande. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Trainer? Wie wohl fühlen Sie sich in Bremen-Mahndorf?

Ehm: Ich bin schon als Amateurrennreiterin bei Pavel Vovcenko geritten und kenne den Stall daher schon lange. Pavel ist ein ruhiger Trainer, der mir Tipps gibt und mir auch die Möglichkeit, für den Stall Rennen zu reiten. Auch hat er dafür gesorgt, dass ich meine ersten Jagd- und Seejagdrennen bestreiten konnte, die mir sehr viel Spaß gemacht haben und ein unbeschreibliches Erlebnis gewesen sind.

Wie lief Ihre Ausbildung? Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?

Ehm: Meine Ausbildung habe ich ihm Juli 2018 bei Pavel beendet. Für ihn habe ich auch noch weiterhin 5 Kilo Reiterlaubnis. Ich fühle mich sehr wohl am Stall Vovcenko und habe nicht vor, den Stall zu wechseln.

Trainer Pavel Vovcenko bei der Morgenarbeit in Mahndorf
Trainer Pavel Vovcenko bei der Morgenarbeit in Bremen Mahndorf.

Ist Jockey Ihr Traumberuf? Sie sind ja für einen Reiter ziemlich groß?

Ehm: Rennreiterin war schon immer mein Traumberuf, da ich mit Pferderennen und Vollblütern aufgewachsen bin. Wir waren jedes Wochenende auf sämtlichen Rennbahnen in Deutschland zu den Ponyrennen unterwegs. Ja, ich bin 1,80 Meter groß, was natürlich schon viel für einen Jockey ist. Meinen Traum lasse ich mir dadurch aber nicht nehmen. Das steht für mich felsenfest.

Wie halten Sie Ihr Gewicht?  

Ehm: Ich habe das Glück, für meine Größe relativ leicht zu sein und nicht viel dafür tun zu müssen. Fit halte ich mich durch das tägliche Reiten in der Morgenarbeit und mit vielen Spaziergängen mit meinem Hund. Natürlich achte ich auch ein wenig darauf, was ich esse. Denn bewusste Ernährung spielt schon eine wichtige Rolle in diesem Beruf.

Haben Sie Vorbilder?

Ehm: Ein spezielles Vorbild habe ich nicht, jedoch schaue ich mir gerne einiges von erfolgreichen Jockeys ab. Das bringt einen in seiner Karriere weiter.

Was waren Ihre bislang tollsten Erlebnisse?

Ehm: Ich durfte Deutschland schon mehrmals während des HH Sheikh Mansoor Festivals im Ausland vertreten. Das sind natürlich Eindrücke und Erlebnisse, die einer niemand mehr nehmen kann und für die ich sehr dankbar bin. Ich erinnere mich gerne an alle meine Sieger, hervorheben möchte ich aber meinen ersten Erfolg mit Chairlady, den Sieg mit Lover Boy in Hoppegarten und meine ersten Versuche über die Sprünge mit Turfrubin. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Chairlady siegt unter Melina Ehm
Chairlady siegt unter Melina Ehm am 15.05.2013 in Düsseldorf.

Waren Sie auch schon von Verletzungen geplagt? Darf man als Jockey Angst vor Unfällen haben?

Ehm: In Leipzig habe ich mir 2017 den Oberarm gebrochen, wodurch ich einige Rennen leider verpasst habe. Angst vor Unfällen sollte man nicht haben, jedoch Respekt und man sollte sich der Unfallgefahr bewusst sein. Das scheint mir die richtige Einstellung zu sein.

Wie sind Sie in den Rennsport gekommen?  

Ehm: Meine Mutter hatte schon immer Rennponys und Vollblüter. Ich konnte es auch kaum erwarten, mit sechs Jahren mein erstes Ponyrennen auf ‚Pedro‘ zu reiten. Von da an stand mein Berufswunsch fest. Auch meine Geschwister sind ebenfalls Ponyrennen geritten bzw. reiten auch heute immer noch Ponyrennen. Während meine Schwester Melissa eine Ausbildung zur Rennreiterin in Madrid macht, besitzt meine andere Schwester Belinda die deutsche und auch die spanische Amateurrennreiterlizenz. Wir sind also eine große Familie, die den Galopprennsport überaus liebt.

Jetzt zu RaceBets

Insider-Talk mit Melina Ehm: „Meinen Traum lasse ich mir nicht nehmen“
5 (100%) 5 Stimme[n]
50EUR Welcome Offer