Insider-Talk mit Michael Figge: „Kombination von Tradition und Innovation“

Michael Figge
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Er stammt aus einer großen Dynastie: Michael Figge (47), Erfolgstrainer aus München ist der Sohn des früheren Betreuers Wolfgang Figge, der über 700 Treffer auf sein Konto brachte. Bruder Florian leitet die Agentur Figge & Schuster, deren Mitinhaber er auch ist. Exklusiv im Insider-Talk auf dem Blog berichtet Michael Figge über seine Karriere.

Berufswunsch Trainer oder Tierarzt

Sie haben Ihre Laufbahn im Turf einst als Amateurrennreiter gestartet. Aber wie hat sich das Interesse entwickelt? Und was waren die Highlights als Amateur?

Michael Figge: Ich wollte schon als Kind Trainer oder Tierarzt werden. Heute bin ich nicht traurig, dass meine schulischen Leistungen nicht für den Numerus Clausus ausgereicht haben, denn als Tierarzt muss man gerade im Reitsport zu jeder Zeit bereit sein für eine Notfall-Behandlung. Als Jockey habe ich mich nicht gesehen, da ich mit 18 schon zu schwer geworden bin. Als Amateur bin ich viel in der Welt herumgekommen und habe in 13 verschiedenen Ländern geritten, in Deutschland, Österreich, Schweiz, Holland, Tschechien, Slowakei, USA, Kanada, Malaysia, England, Italien, Frankreich und Belgien.

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Viele Erfahrungen in England gesammelt

Wo haben Sie den Grundstein für Ihre Trainer-Karriere gelegt?

Michael Figge: Ich war oft beim Training dabei und habe mir viel abgucken können, vor allem in England bei William Haggas, dem Schwiegersohn von Lester Piggott. Ich denke, dass Amateure oft gute Trainer werden, da sie sich nicht nur auf das Rennenreiten konzentrieren, sondern das Pferd mehr betrachten als die Jockeys. Man ist einfach näher dran. Ich war der erste Amateur aus München, der deutscher Meister wurde. 35 Rennen habe ich bei rund 300 Ritten gewonnen. 2005 habe ich dann meine Meister-Lehrgänge als Trainer gemacht und Ende 2006 mit zwei Pferden in Rechtmehring, 60 Kilometer von München entfernt, bei Michael Geitner, angefangen. Viel habe ich von meinem Vater gelernt, der ähnlich wie Sven von Mitzlaff trainiert hat, wo er auch Azubi war.

Leomar siegt unter Robert Havlin im Hapag-Lloyd-Rennen, BBAG-Auktionsrennen am 10.07.2016 in Hamburg

Schnell hochgearbeitet

Wo setzen Sie die Schwerpunkte? Was ist Ihr Credo?

Michael Figge: Das traditionelle Training in Verbindung mit den Eindrücken von meinen Reisen hat mein Motto geprägt, das heißt: Erfolgreich durch die Kombination von Tradition und Innovation. Am 1. Januar 2007 bin ich nach München gewechselt und habe mich dann in puncto Qualität und Quantität hochgearbeitet.

Jede Menge Black Type-Pferde

2006 wurden Sie Trainer und landeten schon etliche Black Type-Treffer. Welche Erinnerungen haben Sie an die Top-Treffer mit Feuerblitz, unter anderem im Derby Italiano 2012, und die anderen Cracks?

Michael Figge: Einen besonderen Schub hat mir die Zusammenarbeit mit Besitzer Patrick Bertermann gegeben. Er hat viel investiert und auch profitiert. Wir hatten großen Erfolg und er einen sehr guten Return of Investment. Fast alle zwei Wochen haben wir zusammen ein neues Pferd gekauft. In der Spitze waren es bis zu 17 Pferde in seinen Farben. Feuerblitz, Wildheart, Superplex, Amazing Beauty, Chica Loca, Mister Big Shuffle für ihn sowie Shutterbug und Olorda für andere Besitzer waren meine erfolgreichsten Pferde. Seit 2010 haben wir mit einem überschaubaren Material und zu überschaubaren Einkaufspreisen sehr viel erreicht – mit 15 Black Type-Pferden bei rund 200 von mir trainierten Pferden.

Wie fällt Ihre Saisonbilanz 2020 aus?

Michael Figge: Mit der diesjährigen Saison bin ich keineswegs zufrieden. Das einzig Gute ist, dass wir acht Jährlinge kaufen konnten. Danke an dieser Stelle an meine treuen Kunden.

Über 100.000 Kilometer im Jahr

Welche Rolle spielen Frankreich-Starts?

Michael Figge: Natürlich werden wir 2021 wieder oft nach Frankreich gehen. Leider kann man nur so als Trainer  wirtschaftlich arbeiten. In Deutschland macht man nur ein Plus, wenn man ein Gruppe-Pferd hat. Jeder mittlere oder kleinere Trainer ist auf die Prozente angewiesen. Von Italien habe ich bisher alle Gelder bekommen und werde auch weiter dort hinfahren. Insgesamt lege ich locker über 100.000 Kilometer im Jahr zurück, oft mit dem eigenen Transporter.  

11.09.2020 in Baden-Baden

Gute Situation in München

Wie sind die Bedingungen und wie ist die Situation in München?

Michael Figge: Die Situation in München ist in meinen Augen gut. Dass die Trainierbahn in den nächsten Jahren verkauft wird, ist sehr unwahrscheinlich. In einem Verkaufsfall gäbe es viel Geld für das Gelände, und es würde sicherlich eine neue Sandbahn gebaut, innen oder außen von der Rennbahn sowie neue Stallungen. Daher ist meine Prognose keineswegs negativ. Leider kommen trotz der guten Trainingsbedingungen nur wenige große Züchter mit ihren Pferden hierher. Daher müssen wir Münchner mit Unterstützung des Münchener Rennvereins und der Bayerischen Besitzervereinigung jetzt versuchen, auch ganz neue Leute für den Sport zu gewinnen. Bestes Beispiel: Jochen und Simone Stargardt (El Sur Racing), sie sind durch den Tag der Rennställe zu mir und zum Galopprennsport gekommen.

Große Unterstützung durch Ehefrau Marion

Welche Rolle nimmt Ihre Frau im Stall ein?

Michael Figge: Meine Frau Marion ist Tierheilpraktikerin, und ich selbst habe auch eine Ausbildung als Heilpraktiker gemacht. Natürlich haben wir gute Tierärzte, aber wir behandeln gerade auch Kleinigkeiten homöopathisch und pflanzlich. Mit der Naturmedizin kann man die Pferde toll unterstützen. Mit dem Blick für die Gesundheit und der Physiotherapie lassen sich Probleme früh erkennen und im Keim ersticken. Meine Philosophie ist, durch individuelles Training das Limit eines jeden Pferdes zu erreichen, aber nicht zu überschreiten.

Michael Figge mit Frau und Tochter auf der Jährlingsauktion am 02.09.2016

Haben Ihre Kinder bereits Interesse am Turf?

Michael Figge: Ja, sehr sogar. Sie streicheln gerne die Pferde, sehen regelmäßig beim Training zu und helfen, reiten und fiebern gern bei den Rennen mit.

Traum von Derby und Diana

Welche Rennen möchten Sie besonders gerne gewinnen?

Michael Figge: Das Deutsche Derby und den Preis der Diana.

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