Insider-Talk mit Sascha Smrczek: „Die Heimatbahn ist meine Lieblingsbahn“

Sascha Smrczek
Sascha Smrczek
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Sascha Smrczek ist einer der Erfolgstrainer in Deutschland. Weit über 700 Rennen haben die von ihm in Düsseldorf vorbereiteten Pferde bereits gewonnen. Das ist eine mehr als stolze Zahl. Deutschland und Frankreich sind die bevorzugten Länder, in denen der Coach seine Pferde sattelt.

Der 48-jährige versteht das Management von Rennpferden, sucht gezielt die passenden Rennen, auch im Nachbarland aus, und wurde dafür in all den Jahren seit Aufnahme dieser Tätigkeit auch stark belohnt. Zahlreiche Spitzenpferde wurden von ihm geformt, stellvertretend seien nur das Grand Prix-Ass Prince Flori und der Top-Meiler Wonnemond genannt. Auch etliche junge Jockeys starteten an diesem Quartier so richtig durch. Aktuell ist Bayarsaikhan Ganbat sein Stalljockey, der seine Chancen zu nutzen weiß.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet Sascha Smrczek im Folgenden über seine bisherige Laufbahn, seine aktuellen Hoffnungen und über sein Erfolgsgeheimnis.

Sie haben in Ihrer Laufbahn schon über 700 Rennen gewonnen. Können Sie schildern, wie und wann sie den Weg in den Trainer-Beruf gefunden haben? Und wie sind Sie generell in den Rennsport gekommen? War Ihre Familie auch vorbelastet?

Sascha Smrczek: Generell in den Rennsport bin ich Mitte der 80er Jahre gekommen. Durch den Vollblutzüchter Adolf Rojan aus dem Kreis Gifhorn .Über Rennbahnbesuche in Hannover und eigenständige Zugfahrten zu den NRW-Bahnen. Nach einem zweiwöchigen Praktikum im Stall Steintor habe ich im Oktober 1988 die Lehre bei Uwe Stolfefuß begonnen.  Meine Eltern hatten außer der Sportschau mit Addi Furler nicht viel vom Galopprennsport gehört, mich aber immer in meinen Wünschen und Entscheidungen bestärkt. Nach der Lehre ging ich zur Bundeswehr, war dann fünf Jahre bei Achim Stolberg auf der Alten Bult und bin schließlich wieder zum Stoltefuß-Stall nach Dortmund zurückgekehrt, als Futtermeister und Assistenztrainer. Im Februar 2001 habe ich den Rennstall von Ralf Malinowski in Dortmund übernommen. Im  Jahr 2005 erfolgte dann die endgültige Übersiedlung nach Düsseldorf in den Stall von Peter Lautner.

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Big Points mit etlichen Spitzenpferden

Was waren bislang Ihre besten Pferde und schönsten Erfolge? An welche Rennen erinnern Sie sich besonders gerne?

Sascha Smrczek: Jeder Sieg ist ein toller Erfolg. Besonders natürlich die Big Points, angefangen mit Prince Flori ab dem Jahr 2006, Ryono und  Kalderon, diese waren mein eigentliches Sprungbrett und sorgten für viel Furore, Lucas Cranach, Nausica Times ,Vif Monsieur und natürlich Wonnemond.

Sascha Smrczek freut sich über den Sieg von Prince Flori im Grosser Volkswagen Preis von Baden Gr.1 2006 am 03.09.2006 in Baden-Baden
Sascha Smrczek freut sich über den Sieg von Prince Flori im Grosser Volkswagen Preis von Baden Gr.1 2006 am 03.09.2006 in Baden-Baden

„Die Pandemie war ziemlich gruselig“

Wie schwer war für Sie die Corona-Pause und die fehlenden Rennen? Haben Sie die Pferde in dieser Zeit anders vorbereitet? Was halten Sie von den Geisterrenntagen?

Sascha Smrczek: Die Pandemie war ziemlich gruselig. Keiner wusste, wie und wann es weitergeht. Glücklicherweise haben die meisten Besitzer die Zeit mit uns zusammen durchgehalten. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich musste keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen. Natürlich sind einige Pferde auf die Koppel gegangen, aber diese werden dann für die Herbstzeit vorbereitet.

Das Training war äußerst schwierig, eben weil es keine konkreten Pläne für die Rennen gab. Kurzfristig sind die Renntage dann doch wieder abgesagt worden. Erst trainierte man die Pferde auf das Rennen hin, dann war wieder nichts. So ging es einige Male. Ich habe die Pferde dann versucht, nur noch in Schwung zu halten. Das Ergebnis konnte man sehen. Es lief anfangs nicht wirklich rund.

Ihr Schwerpunkt liegt auch auf den Rennen in Frankreich. Was sind die Gründe? Reisen Sie selbst auch zu den meisten Rennen Ihrer Pferde im Ausland, und suchen Sie die Rennen alle selbst aus? Was sind Ihre Lieblingsbahnen im In- und Ausland?

Sascha Smrczek: Die Gründe sind erstmals natürlich die Rennpreise und die Prämien für inländische Pferde. Des Weiteren ist das Management der Pferde meiner Meinung nach einfallsreicher, weil es mehr Auswahl gibt. Wie zum Beispiel Altersgewichtsrennen, die vernünftig dotiert sind, Verkaufsrennen, offene Handicaps (wo erst nach Nennungseingang gehandicapt wird), flexiblere Handicaps, und so weiter. Viele Rennen suche ich selber aus, es gibt aber unter meinen Besitzern mittlerweile auch genug Frankreich-Profis, so dass wir uns super austauschen können. Außer meiner Heimatbahn Düsseldorf habe ich keine speziellen Lieblingsbahnen.

Sascha Smrczek Renntag in Düsseldorf
Sascha Smrczek Renntag in Düsseldorf

Wie sind die Trainingsmöglichkeiten in Düsseldorf? Wie ist Ihr Lot derzeit strukturiert. Wer sind die größten Hoffnungsträger?

Sascha Smrczek: Die Bedingungen hier sind gut. Wir haben einen schönen Berg und besitzen die Möglichkeit, auch im Gelände die Pferde vorzubereiten. Mein Lot ist überwiegend mit Handicappern strukturiert, aber es gibt natürlich immer ein, zwei oder drei Pferde, die unseren Stall häufig  wieder in den Fokus bringen. Gestüte finden leider nur selten den Weg hier nach Düsseldorf.

„Nachwuchs braucht der Sport“

Sie geben gerne jungen Jockeys eine Chance. Mit wem arbeiten Sie derzeit zusammen? Wie sind Sie auf diese Reiter aufmerksam geworden? Was sind die jeweiligen Stärken/Schwächen?

Sascha Smrczek: Nachwuchs braucht der Sport. Ich arbeite über viele Jahre schon mit Enki Ganbat zusammen, der damals auch als Fünf-Kilo-Reiter zu mir kam.  Nicol Polli für die Leichtgewichte hat sich auch gut eingelebt und nutzt seine Chancen sehr gut. Er ist auch schon im zweiten Jahr bei mir. Seit diesem Jahr ist Niazi Ismail als Rennreiter bei mir. Vor zwei Jahren war er schon mal da. Es war aber schwierig mit einer Lizenz  deshalb hat er den Weg über Serbien, Kroatien und Ungarn gemacht, um Erfahrungen zu sammeln. Dann hatten wir wieder Kontakt, und durch unsere Stallstruktur kann er seine Chance hier gut nutzen.

Sascha Smrczek freut sich über den Sieg mit Prince Flori in Baden-Baden
Sascha Smrczek freut sich über den Sieg mit Prince Flori in Baden-Baden

Wer sind aus Ihrer Sicht die Favoriten für das Derby 2020? Haben Sie für dieses oder nächstes Jahr einen versprechenden Vertreter des Derby-Jahrgangs in Ihren Reihen?

Sascha Smrczek: Aus dem diesjährigen Derby halte ich mich raus. Es sind tolle Pferde noch dabei. Aber ich glaube, es kommen noch einige dunkle Pferde hinterher. Bis zum nächsten Jahr ist es noch ein sehr weiter Weg. Hoffnungen stehen im Stall.

„Versuche, die Pferde individuell zu trainieren“

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Wer sind Ihre Lehrmeister? Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Arbeit?

Sascha Smrczek: Ein Erfolgsgeheimnis gibt es nicht. Ich versuche, auf die Pferde einzugehen und individuell zu trainieren, wie es jedes Pferd braucht. Ich beobachte die Pferde sehr gerne ganz genau, was sagen mir zum Beispiel die Augen? Für Außenstehende sieht es aber natürlich immer gleich aus. Für jedes Pferd das passende Rennen zu finden, ist ebenso wichtig.

Sascha Smrczek betrachtet die Pferde bei der Morgenarbeit in Düsseldorf
Sascha Smrczek betrachtet die Pferde bei der Morgenarbeit in Düsseldorf

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Sascha Smrczek: In der Freizeit gucke ich zum Beispiel Rennen in Frankreich an oder relaxe ganz einfach mal eine Stunde auf dem Sofa.

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