Insider-Talk mit Tommaso Scardino: „Ich möchte irgendwann zu den besten Jockeys Deutschlands gehören“

Insider-Talk mit Tommaso Scardino
Tommaso Scardino im Portrait am 03.02.2019 n Dortmund.
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Er stammt wie einige der in Deutschland tätigen Jockeys aus Italien, war 2015 hierzulande Nachwuchschampion: Tommaso Scardino (24) nutzt seine Chancen. Mit Exclusive Potion schaffte er am 1. Mai in Leipzig seinen 100. Karrieretreffer (der Erfolg mit Korfu 2018 in Straßburg fehlt in der offiziellen Statistik). Leider ist er aktuell wegen eines Unterarmbruchs außer Gefecht.

Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet er über seine bisherige Laufbahn.

Exclusive Potion siegt unter Tommaso Scardino
Exclusive Potion siegt unter Tommaso Scardino am 13.03.2018 in Neuss.

Wie hat Ihre Laufbahn im Rennsport begonnen? War Jockey schon immer Ihr Traumberuf?

Tommaso Scardino: Mein Vater war früher in Italien ein erfolgreicher Jockey. Seine Karriere musste er aufgrund eines Unfalls beenden, allerdings reitet er weiterhin in der Arbeit mit und mittlerweile auch bei uns in Mannheim. Meine Mutter ist ebenfalls im Rennsport tätig, so dass mir der Rennsport sozusagen in die Wiege gelegt wurde, auch wenn ich mit 17 Jahren erst spät begonnen habe zu reiten.

Und wie kam es zum Wechsel nach Deutschland?

Scardino: Da der italienische Rennsport mehr und mehr in die finanzielle Krise gerutscht ist, habe ich mich entschieden, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen. Auch wenn mir mein Heimatland manchmal fehlt, bereue ich diese Entscheidung bislang nicht.

Bergpfad siegt unter Tommaso Scardino
Bergpfad siegt unter Tommaso Scardino am 31.03.2019 in Mannheim.

Sie waren 2015 Champion der Nachwuchsreiter, von wem haben Sie bisher das meiste gelernt? Haben Sie Vorbilder?

Scardino: Ich habe sehr viel von meinem Vater gelernt. Als reiterliches Vorbild würde ich Alexander Pietsch nennen. Er hat sich mit harter Arbeit und viel Engagement nach oben gearbeitet, das bewundere ich. Ebenso kann ich ihn als Vorbild bezüglich des Gewichtes nennen, er ist sehr zielstrebig.

Während Ihrer Lehrzeit haben Sie öfter die Ställe gewechselt. Es gab Kritik an Ihrer Einstellung. Wie gingen Sie damit um, und wie hat sich das geändert?

Scardino: Manche Kritiken sind teils gerechtfertigt, allerdings denke ich, dass ich mittlerweile bewiesen habe, dass ich im richtigen Umfeld eine gute Entwicklung durchlebt habe, gereift und auch erwachsen geworden bin.

Team des Tages mit 4 gemeinsamen Siegen - Marco Klein und Tommaso Scardino
Team des Tages mit 4 gemeinsamen Siegen – Marco Klein und Tommaso Scardino am 26.03.2017 in Mannheim.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Marco Klein? Was sind Ihre Ziele?

Scardino: Die Zusammenarbeit läuft sehr gut, wir sprechen viel und arbeiten eng miteinander zusammen. Mittlerweile bin ich 3 Jahre und 4 Monate bei Marco tätig. Meine Ziele an sich sind, mich weiterhin zu verbessern, Erfolg zu haben, Rennen zu gewinnen und irgendwann zu den besten Jockeys Deutschlands zu gehören.

Wie gefällt Ihnen das Leben in Mannheim?

Scardino: Das Leben in Mannheim ist schön. Die Stadt an sich ist eine der schönsten in Deutschland. Auch das Flair der Rennbahn in Mannheim-Seckenheim gefällt mir besonders, es ist außergewöhnlich. Ich habe mir hier ein gutes Leben aufgebaut, worauf ich stolz bin.

Tommaso Scardino
Tommaso Scardino im Portrait am 05.07.2018 in Hamburg.

Kommt für Sie auch ein Wechsel ins Rheinland in Frage?

Scardino: Ich war ja bekanntlich schon im Rheinland tätig, da stellt sich derzeit keine Frage zu einem Wechsel.

Wie steht es um Ihr Gewicht?

Scardino: Ich kann mit ein bisschen Sauna und Laufen 55 Kilo reiten. In Ausnahmefällen (nur im Sommer) auch mal 54,5 Kilo, aber das ist bei meiner Größe recht schwer. Trotz allem habe ich mein Gewicht gut im Griff. Wenn es die Zeit zulässt, halte ich mich mit Laufen und Fitness-Studio fit.

Dark Fighter siegt unter Tommaso Scardino
Dark Fighter siegt unter Tommaso Scardino am 05.07.2018 in Hamburg.

2017 sind Sie schwer gestürzt. Haben Sie da mal ans Aufhören gedacht?

Scardino: Zu Beginn war es für mich schwer zu realisieren, was und wie unglücklich ich gestürzt bin. Gelegentlich war ich auch ungenießbar (lacht). Als es mir körperlich wieder besser ging, habe ich schnell gemerkt, dass ich ohne Rennen reiten und alles, was dazu gehört, nicht leben kann. Ans Aufhören habe ich daher nie wirklich gedacht. Aktuell habe ich mir leider den Unterarm gebrochen und muss derzeit pausieren.

Was ist Ihr Lieblingspferd? Welches Rennen würden Sie gerne einmal gewinnen?

Scardino: Mit Dark Fighter habe ich einige schöne Erfolge feiern können, er stand bis zu dem Ende seiner Karriere auch in Mannheim. Er hat nun einen schönen Platz als Freizeitpferd. Derzeit kann ich Bergpfad und Exclusive Potion als meine Lieblinge bezeichnen. Die beiden reite ich täglich in der Arbeit. Gerne gewinnen würde ich den Premio Pisa. Es ist zwar „nur“ ein Listenrennen, aber wenn man dort geboren wurde, möchte man dieses Rennen gerne gewinnen. Klar, ist das Derby ebenfalls zu nennen.

Tommaso und Giulia Scardino
Tommaso und Giulia Scardino in Baden-Baden.

Ihre Hobbys?  

Scardino: Zu meinen Hobbys zählen Fußball und mittlerweile Autos. Mein Vater und meine Schwester Giulia sind mittlerweile auch in Deutschland und bei uns in Mannheim tätig. Giulia wird bald ihre Ausbildung bei uns am Stall beginnen. Meine Mutter ist währenddessen weiterhin in Italien. Mit meiner Freundin Katrin, des Trainers Schwester, bin ich schon über 3 Jahre zusammen. Wir sind ein gutes Team.

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