Insider-Talk mit Udo Simianer: „Haar-Analyse von Pferden“

Udo Simianer
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Road to Cheltenham

Nur wenige Kilometer liegt der kleine Ort Bretten vom badischen Renndorf Iffezheim entfernt. Hier ist Udo Simianer zu Hause, der mit den Vierbeinern seit einigen Jahren intensiv zu tun hat. Auf einem bisher für viele Turf-Fans weitgehend unbekannte Gebiet – der Haar-Analyse. Dabei arbeitete er schon mit etlichen Top-Adressen der deutschen Turf-Szene zusammen. Exklusiv im Inside-Interview auf dem RaceBets-Blog berichtet er über diese spannende Aufgabe.

Klaus Wilhelm war der „Geburtshelfer“

Wie kamen Sie darauf, Haar-Analysen von Pferden zu machen?

Udo Simianer: Vor ungefähr anderthalb Jahren ist die Idee entstanden, dabei spielte eine Rolle, nach welchen Kriterien Pferdebesitzer ihre Pferde aussuchen. Über einen Freund von mir aus dem Saarland, Klaus Wilhelm, den ich schon seit 15 Jahren kenne, entwickelte sich dieser Gedanke. Im Rahmen einer Unternehmensberatung, die ich früher praktizierte, haben wir uns mal wieder über Pferde unterhalten. Ich habe ihn damals gefragt, wie er den Kauf von Pferden absichert. Seine Antwort war, dass er ein, zwei Parameter habe, nach denen er entscheiden würde, aber letzten Endes würde die Entscheidung bei seiner Frau liegen. Da ich die Heilpraktiker-Akademie absolviert habe und eigentlich die Haar-Analyse im Humanbereich einsetzte, kam mir die Idee, dass man vielleicht mit der Haar-Analyse bei Pferden wichtige Dinge feststellen könnte.  So ist das ganze Projekt entstanden.

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10 Pferdehaare sind ausreichend

Wie erfolgt eine Haarprobe?

Udo Simianer: Für eine Pferdehaarprobe sind am besten die Haare von Mähne oder Schweif geeignet. Sollen sowohl Haare von Mähne und Schweif, wie auch des Fells untersucht werden, sind diese getrennt zu verpacken. Für die Analyse reichen meistens Haare einer Länge von 2 bis 3 cm aus. Sicherheitshalber wird eine Länge von ca. 5 cm empfohlen. Die Entnahme der Pferdehaare sollte wie folgt ablaufen: Nach Möglichkeit keine verchromten oder rostige Scheren verwenden. Gut geeignet ist eine Schere aus rostfreiem Stahl. Die Pferdehaare müssen keine Haarwurzeln enthalten. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollten die Pferdehaare nah am Körper abgeschnitten werden. Für die Haarprobe sind ca. 10 Pferdehaare ausreichend.

Große Unterstützung für Tierärzte, Ostepathen, Therapeuten

Wer sind denn Ihre Kunden? Was erkennen Sie bei der Analyse?

Udo Simianer: Ich habe zwischenzeitlich 160 bis 170 Pferde analysiert und tatsächlich etliche Dinge herausgelesen. Es ist das Ziel der Haar-Analyse, herauszufinden, ob ein Pferd talentiert ist oder nicht. Andererseits ist die Analyse eine großartige Unterstützung für Tierärzte, Osteopathen, Therapeuten, quasi für alle Fachkräfte, die mit Pferden zu tun haben.

Man sieht in den Haar-Analysen eigentlich alles, vor allem psychische Zustände. Unser großer Vorteil ist, dass wir damit verschiedene Zustände abfragen können. Sie werden durch einen von mir konfigurierten Test automatisch ermittelt. Wir haben zum einen den aktuellen Gesundheitszustand. Da kann ich definitiv angeben, was bei dem Pferd aktuell los ist bzw. wo es Probleme hat. Es gibt klare Hinweise dafür.

„Wir sehen auch einen rückwärtigen Verlauf“

Aber das ist sicher nicht alles?

Udo Simianer: Wir sehen außerdem einen rückwärtigen Verlauf. Wenn ein Pferd beispielsweise früher einen Krankheitsverlauf hatte und seither durch diese Krankheit oder diesen Erreger nicht mehr so belastbar ist, wird das angezeigt. Man kann also sehen, ob eine Krankheit wirklich überstanden ist. Dadurch verändern sich die Werte. Und, das ist das Geniale bei der Haar-Analyse, man kann auch ein Stück weit in die Zukunft schauen, zum Beispiel ob der Organismus eines Pferdes mit einer bestimmten Sache behaftet ist, das kann eine angeborene Krankheit oder ein Herzfehler sein oder ein Problem beim Bewegungsapparat. Die unterschiedlichsten Dinge, alles, was man sich vorstellen kann, werden durch die Haar-Analyse sichtbar, zum Beispiel auch Vergiftungen.

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Aber es ist auch eine Art „Frühwarn-System“?

Udo Simianer: Ja, man hat hier die tolle Möglichkeit, recht früh auf eine Gefahr einzuwirken. Wenn sich beispielsweise herausstellt, wie das Pferd einen Virus hat, aber das Pferd aktuell noch nicht darunter leidet, oder dass sich eine Infektionskrankheit anbahnt, kann ich ein Medikament oder Heilmittel, wie ich es lieber umschreibe, weil es einfach allgemeiner ist, mit relativ wenig Aufwand im Labor zusammenmischen lassen. Und dann wird die Krankheit wahrscheinlich nicht ausbrechen.

Ich habe mit der Haar-Analyse wirklich ganz große Erfolge erzielt. Zu diesem Thema habe ich bereits mehrere Videos erstellt und werde weitere produzieren. Man kann einfach alles feststellen. Sie möchten beispielsweise vor dem Kauf eines Pferdes sehen, ob es bestimmte Probleme hat, zum Beispiel psychischer Art, die man sonst zum Teil erst sieht, wenn das Pferd auf dem Hof steht.

Können Sie konkrete Beispiele geben?

Udo Simianer: Dank der Haar-Analyse erkennt man, ob ein Sattel richtig sitzt. Ist das nicht der Fall, hat das Auswirkungen auf den Bewegungsapparat. Das wird eindeutig angezeigt. Das ist ein wichtiges Kriterium, was durch eine solche Untersuchung festgestellt werden kann. Aber das ist noch längst nicht alles. Man ist überrascht, was man alles entdeckt. Wenn Fehlstellungen beim Gebiss sind, wird das angezeigt, oder das Cushing-Syndrom (eine Hormonstörung), das PPID, das sehr gefürchtet ist. Man kann den Bewegungsapparat sehr gut darstellen. Ich habe auch schon Pferde untersucht, bei denen das Skelett komplett verzogen war. Der Osteopath hat das auch gesehen, wusste aber vorher nicht genau, wo der Ansatz ist. Bei der Haar-Analyse sehen sie wirklich jeden einzelnen Wirbel, ob das ein Hals-, Brust- oder Lendenwirbel ist, ist vollkommen egal. Es zeigt, ob der fünfte Wirbel links oder rechts gekippt ist oder sonst etwas nicht stimmt.

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„Hatte noch keinen einzigen Fehlschlag“

Wie lautet Ihre bisherige Erfolgsbilanz?

Udo Simianer: Das Schöne bei der ganzen Sache ist, wenn das Ergebnis von den Tierärzten verifiziert wird. Und ich hatte bis jetzt nicht einen einzigen Fehlschlag. Wenn etwas aus der Haar-Analyse herausgekommen ist, dann war das immer ein Volltreffer. Oder es ist zu sehen, ob sich das Pferd in der Box wohlfühlt, ob es geeignet ist, in der Herde aufgezogen zu werden, die Stallhaltung. Das sind Hinweise, die ein Tierarzt nicht liefern kann, weil er die Psyche des Pferdes nicht kennt. Doch auf diese kann man entsprechend einwirken.

Wie sieht es mit Doping- oder Drogen-Nachweisen aus?

Udo Simianer: Krankheiten werden in den Haaren abgespeichert. Haar-Analysen werden ja nicht nur im Tier-, sondern auch im Humanbereich eingesetzt, zum Beispiel als Drogentest. Es gibt ja die Geschichte mit Christoph Daum aus dem Jahr 2000. Er ist damals durch eine Haar-Analyse überführt worden. Auch in der Forensik nutzt man diese Technik. Es gibt hier unheimlich viele Entwicklungen. Wir haben einen Status, bei dem wir zuverlässig von Dingen sprechen können. Wir haben übrigens auch die Möglichkeit, Futtermittel zu testen. Oder Drogen- bzw. Doping-Tests.

Beim Doping-Test kann ich allerdings nur feststellen, ob ein bestimmtes Mittel im Körper vorhanden ist. Natürlich können bei einer Analyse verschiedene Mittel angezeigt werden. Das ist aber eine große Sucherei. Besser ist es, man hat eine Liste mit Stoffen oder Medikamenten, die häufig verwendet werden. Außerdem gibt es die sogenannten „ADMR-Listen“ (Anti-Doping und Medikamentenkontroll-Regeln), die verbotene Substanzen aufführen. Es lässt sich definitiv nachweisen, ob solch ein Mittel im Blut oder im Organismus vorhanden ist.

Vergiftung genau erkannt

Haben sie da noch ein aktuelles Beispiel?

Udo Simianer: Vor kurzem hatte ich das Thema Vergiftung. Ein Pferdebesitzer beklagte, dass sein Pferd in einem Rennen total abgeschlagen war und vermutete eine Vergiftung. Daraufhin habe ich einen „Vergiftungstest“ gemacht und konnte sogar die Stoffe benennen, die die Vergiftung verursacht haben.

Website: https://www.pferdehaaranalyse.com/

Videos: https://www.youtube.com/results?search_query=pferdehaaranalyse

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