Königsstuhl vs. Nebos

Königsstuhl vs. Nebos
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Ende der 70er Jahre war der deutsche Galopprennsport gesund und munter. Zwei Pferde dominierten damals die Schlagzeilen. An sie wollen wir in diesem Artikel erinnern. Es geht um Königsstuhl, Deutschlands letztem und einzigen Triple Crown Gewinner, und um Nebos.

Königsstuhl: Sieger der dreifachen Krone

Königsstuhl wurde im Gestüt Zoppenbroich gezüchtet. Er absolvierte im Alter von zwei bis fünf Jahren 20 Starts, in elf Rennen siegte er und in sieben Rennen belegte er den zweiten Platz. Der Hengst war der letzte deutsche Triple Crown Sieger – im Jahr 1979. Lange ist es her… Und wie erwähnt: er war auch der einzige. Wie allen seinen Talenten verordnete ihm Trainer Sven von Mitzlaff eine unspektakuläre Zweijährigensaison mit nur zwei Rennen, von denen er das zweite in der Sieglosen-Klasse über 1.200 Meter für sich entschied. Dreijährig sorgte Königsstuhl für viel Jubel. Einzig bei seinem Start im Prix Prince Rose in Ostende kam er ohne Geld nach Hause. Doch er siegte im klassischen Henckel-Rennen (heutiger Titel Mehl-Mülhens-Rennen – German 2000 Guineas), dem Deutschen Derby und dem St. Leger. Das war die Triple Crown, die heutzutage nicht mehr möglich ist, weil im St. Leger seit einigen Jahre ältere Pferde antreten dürfen. Darüber hinaus triumphierte er gegen ältere Konkurrenz im Aral-Pokal in Gelsenkirchen, im Großen Preis von Düsseldorf und international im Gran Premio di Milano in Mailand. Das war zu einer Zeit, als Pferde nicht so viel gereist sind wie heute. Es handelte sich jeweils um Rennen der Gruppe 1.

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Nebos – Der Kontrahent

Der Kontrahent Nebos wurde gezogen von Margit von Batthyány, einer leibhaftigen Gräfin. Er entstammte dem gleichen Jahrgang wie Königsstuhl – und das war die Tragik seiner Geschichte. In den Jahren 1979, 1980 und 1981 siegte er unter seinem ständigen Jockey Lutz Mäder unter anderem im Großen Preis von Baden, im Preis von Europa und im Aral-Pokal und somit auf höchstem Level. Im Jahr 1980 wurde er zum Galopper des Jahres gewählt. Wie Königsstuhl wurde Nebos zum Millionär, was in der damaligen Zeit außergewöhnlich war. 18 Starts mit 12 Siegen und vier Plätzen stehen in der Statistik. Eine Spur stand er dennoch immer im Schatten von Königsstuhl. Warum dies so war, folgt nun…

Das Namensschild von Nebos
Das Namensschild von Nebos

Das Duell – und ein seltener Vorfall

Im Union Rennen in Köln, der damals wie heute wichtigsten Derby-Vorprüfung, wurde erstmals in der Geschichte des deutschen Rennsports ein Richterspruch nach seiner offiziellen Bestätigung noch einmal korrigiert. Bei der ersten Auswertung der Zielfotografie hatte der Zielrichter nämlich Königsstuhl vor Nebos gesehen. Wegen des zuvor gelaufenem Jagdrennens musste der Spiegel für das Zielfoto jedoch neu montiert werden und bei der Ausrichtung wurde ein Fehler gemacht, wie sich später heraus stellte. Bei nochmaliger Überprüfung des Zielfotos korrigierte der Zielrichter seine Entscheidung und erklärte Nebos als Sieger vor Königsstuhl. Dies war damals eine höchst umstrittene Entscheidung. Nun ja, das Derby gewann dann wie erwähnt Königsstuhl. Nebos wurde einen Kopf zurück Zweiter.

Weitere knappe Entscheidungen

Peter Alafi, 13.01.2007
Peter Alafi, 13.01.2007

Königsstuhls Rennlaufbahn und vor allem die Dreijährigensaison war geprägt durch die Auseinandersetzung mit seinem gleich starken Widersacher Nebos, mit dem er dreimal in Zielfotoentscheidungen involviert war. Der Leistungsunterschied zwischen diesen beiden Pferden war kaum zu objektivieren. Nach Einschätzung vieler Fachleute wurden ihre Rennen gegeneinander vor allem auch durch den im Vergleich jungen Lutz Mäder (auf Nebos) mit dem erfahreneren Reiter Peter Alafi entschieden. Die Routine des Letztgenannten soll den Ausschlag gegeben haben. Aber darüber gibt es mehrere Meinungen. Also: auch wenn Königsstuhl die dreifache Krone gewann, war Nebos nicht schlechter. Er hätte sie sich ebenso holen können. Oder er hätte dafür sorgen können, dass Königsstuhl die Triple Crown nicht gewinnt. Es waren Nuancen, die hier entschieden haben.

Die beiden Hengste nach der Karriere

Nach der Rennkarriere wurde Königsstuhl im Jahr 1982 in seinem Heimatgestüt Zoppenbroich aufgestellt. Die Zuchtlaufbahn dieses vierbeinigen Stars war ähnlich erfolgreich wie seine Rennkarriere. Er wurde dreimal Champion-Vaterpferd in Deutschland. Besonders erfolgreich war Königsstuhl, wenn er mit Töchtern des deutschen Spitzenvererbers Surumu gepaart wurde.

Surumu-Denkmal im Abendlicht im Gestüt Fährhof
Surumu-Denkmal im Abendlicht im Gestüt Fährhof

Die Derby-Sieger Lavirco und Pik König sind aus einer solchen Verbindung hervorgegangen und vor allem der ungeheuer einflussreiche Monsun. Noch heute gehen viele Spitzenpferde auf diese Verbindung zurück. Königsstuhl verstarb im August 1995 an den Folgen einer Kolik. Nebos gewann 1987 das Championat der Vaterpferde in Deutschland. Auch er war also ein sehr erfolgreicher Deckhengst – und stand doch wieder ein wenig im Schatten. Er starb im Jahr 1999.

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