Scalo – Pech im Spiel, Glück in der Liebe

Scalo Pech im Spiel, Glück in der Liebe
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Vaterfreuden und Derby-Erbe. Eine Karriere

Er ist ein Frauenversteher. Die drei, die ihm in seiner Karriere am nächsten waren, sind inzwischen allesamt glückliche Mütter und aus ihm ist ein zufriedener Vater geworden. Für seinen talentierten Sohn geht es bald im Derby sogar um alles. Ganz richtig, die Rede ist von Scalo, einer Größe im Rennsport.

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Der jetzt zwölfjährige Scalo (GB) stellt in diesem Jahr mit Laccario (GER) seinen ersten Starter im Deutschen Derby. Der dreijährige Hengst, aus der Laccata (GB) – einer Lomitas-Tochter -, gewann sein Debüt, das Düsseldorfer Derby-Trial, und das Kölner Union Rennen in so beeindruckender Manier wie schon lange kein Pferd mehr, das auf einer deutschen Galopprennbahn zu sehen war.

Laccario siegt unter Eduardo Pedroza im Sparkasse KölnBonn Union-Rennen, Gr.2
Laccario siegt unter Eduardo Pedroza im Sparkasse KölnBonn Union-Rennen, Gr.2 am 10.06.2019 in Köln.

Dass Laccario zum diesjährigen Derbyfavoriten avanciert ist, war reine Formsache. Wie auch 2010, bei Scalos‘ Start im Derby, wird Eduardo Predoza im Sattel sitzen. Genauso wie vor neun Jahren heißt der verantwortliche Trainer erneut Andreas Wöhler. Ein Derbysieg Laccarios würde Scalo endlich unsterblich machen. Nicht nur als aktives Rennpferd, sondern auch sein Erbe. Grund genug, auf eine beeindruckende Karriere und einen noch außergewöhnlicheren Charakter zurückzublicken.

2007 wird Scalo im Gestüt Ittlingen der Familie Ostermann geboren. Seine Mutter ist die Exit to Nowhere (USA) Tochter Sky Dancing (IRE), sein Vater der Spitzenvererber Lando (GER), der selbst internationale Lorbeeren verdiente. 1995 gewann er den Japancup mit einer Gewinnsumme von 2,7 Millionen DM. Scalo wird in die Obhut von Andreas Wöhler übergeben und beginnt seine bemerkenswerte Karriere auf Ravensberg.

Scalo
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Der kompakte, schwarzbraune Hengst debütiert reichlich spektakulär und erregt von Anfang an Aufsehen. Ende der Saison des Jahres 2009 in Dresden ist es so weit. Sein erster Start? Ein Sieg mit vierzehn Längen Abstand zum Zweitplatzierten. In diesem Jahr beginnt auch ein Trend: Seine erste Pflegerin wird schwanger. Scalo wird Marketa Talar anvertraut, die ihn für die längste Zeit im täglichen Training reitet und zu seinen Erfolgen begleitet, um sie mit ihm zu feiern.

Als Dreijähriger macht er sich schließlich endgültig seinen Namen in der deutschen Turfszene. Ein überzeugender Sieg im Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler (Gr. 3) überzeugt die Galoppwelt von seinem Können. Aber er hat noch nicht genug: Noch deutlicher ist sein darauffolgender Sieg im Bavarian Classic in München. Sein Name ist mit einer Quote von 1,6:1 für das Deutsche Derby bald in aller Munde.

Scalo siegt unter Eduardo Pedroza im Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler
Scalo siegt unter Eduardo Pedroza im Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler – Stadtrat Albert von Metzler-Rennen Gruppe III am 02.05.2010 in Frankfurt.

Doch dann scheint ihn in der Kölner Union (Gr. 2) sein Glück zu verlassen. Als fünfter von lediglich sieben Startern kommt er ins Ziel, obwohl er als Favorit gestartet ist. Nach dem Rennen wird seitens seiner Betreuer sofort Protest eingelegt. Scalo ist behindert worden, so ihre Meinung. Doch nach Einschätzung der Rennleitung hätte er auch ohne die vorliegende Berührung keine bessere Platzierung erreichen können. Es bleibt beim Gewinnausgleich und somit auch beim ursprünglichen Einlauf. Und damit auf wackeligen Beinen auf Derbykurs.

Ins Deutsche Derby begleitet den Lando-Sohn bei einer Quote von 5,3:1 sein Jockey Eduardo Pedroza. Abermals scheitert Scalo an einem unglücklichen Rennverlauf. Als Mitfavorit gestartet, kommt er nur als enttäuschender Neunter ins Ziel. Der Sieger ist ein anderer: Buzzword legt mit 2:29,5min eine der schnellsten zehn Zeiten vor, die jemals im Derby gelaufen worden sind. Von Scalos Können jedoch sind noch immer alle überzeugt.

Scalo mit Maxime Guyon
Scalo mit Maxime Guyon, Prix Guillaume D’Ornano, Deauville, 15.08.2010, Foto: Edward Whitaker

Im anschließenden Prix Guillaume d’Ornano in Deauville dankt Scalo es ihnen mit einem Sieg über 2000m, im Sattel sitzt Maxime Guyon. Im Preis von Europa (Gr. 1) brilliert er mit Olivier Peslier und gewinnt dabei kinderleicht gegen die älteren Pferde. Mit von der Partie auch die Ausnahmegalopper Night Magic, Quijano und Tres Rock Danon. Seine Darbietung bringt ihn als bestes deutsches Rennpferd in die Weltrangliste. Pläne, ihn in China an den Start zu bringen, werden kurzfristig aufgrund einer Erkrankung wieder aufgegeben und nie umgesetzt.

Der nun vierjährige Scalo gewinnt sein Jahresdebüt im Gerling Preis (Gr. 2) unter Jockeylegende Lanfranco Dettori. Das Team holt einen umkämpften zweiten Platz im Gran Premio di Milano (Gr. 1) in Italien. Zum Saisonabschluss wird Scalo erneut zweiter, dieses Mal im Großen Preis von Berlin (Gr. 1) in Berlin Hoppegarten.

Scalo siegt unter Lanfranco Dettori im 76. Gerling-Preis (Gr. 2)
Scalo siegt unter Lanfranco Dettori im 76. Gerling-Preis (Gr. 2) am 08.05.2011 in Koeln.

Geschlagen geben musste er sich nur der späteren Arc de Triomphe-Siegerin Danedream, bis heute eines der wenigen deutschen Pferde, das große internationale Erfolge vorweisen kann. Aufgrund einer Verletzung kann Scalo jedoch 2011 nicht mehr an den Ablauf gebracht werden. Dafür gibt es eine andere gute Nachricht: Seine treue Begleiterin Marketa Talar erwartet ein Kind. Clarissa Werning, heute Gately, wird zu Scalos ständiger Arbeitsreiterin und nimmt ihn in ihre Obhut.

Das Jahr 2012 beginnt für Scalo in Dortmund im großen Preis der Wirtschaft (Gr. 3). Trotz des Starts als Favorit beendet er das Rennen mit einem vierten Platz. Anschließend verbringt er mehrere Monate in Toronto. In Woodbine folgt die Wiedervereinigung: Seine Bezugsperson, Freundin, Reiterin und Pflegerin Marketa Talar findet zurück an seine Seite. Auch Clarissa Gately wird das Mutterglück zuteil.

Im Sky Classic Stakes (Gr. 2) erläuft Scalo einen zweiten Platz, einen vierten in den Northern Dancer Turf Stakes (Gr. 1) und zum Ende seiner aktiven Rennkarriere einen siebten im Pattison Canadian International (Gr. 1). Auch der anschließende Wechsel ins Quartier von Paul Harley bringt ihn nicht mehr zurück an den Start. Die Diagnose einer Gleichbeinverletzung markiert den Schlusspunkt einer großen Karriere auf dem Turf. Besitzer Manfred Ostermann und das Gestützt Ittlingen planen seine weitere Laufbahn als Beschäler.

Scalo
Deckhengst Scalo am 07.10.2013 im Haras du Logis Saint Germain.

Seit 2013 deckt Scalo in Frankreich, im Haras du Logis Saint-German in Deauville, dem Zentrum für Pferderennsport und Vollblutzucht in der Normandie.

Publikumsliebling Scalo ist von der Rennbahn verschwunden, von nun an übernehmen seine Kinder. 2010 wurde Scalo nach seiner beeindruckenden Saison zum Galopper des Jahres gewählt, ebenso wie Vater Lando und auch Großvater Acatenango zuvor. Sein höchstes GAG lag bei 100 kg.

Kaum ein Pferd hat jedoch solche mitreißenden Endkämpfe geliefert wie er. Sein Siegeswille, seine Intelligenz und sein Humor bleiben all denen im Gedächtnis, die ihn laufen haben sehen. Scalo ist und bleibt eine Persönlichkeit, auch jenseits des Turfs. Etwas Besonderes:

Im Training oft phlegmatisch, im Rennen wählerisch. Alles musste haargenau passend nach seinem Geschmack sein, was sowohl für die Höhe- als auch für die Tiefpunkte seiner Karriere verantwortlich ist. Ganz sicher verfügt Scalo aber auch über das „Frauenversteher-Gen“, das ihm immer nachgesagt worden ist. Die Schwangerschaften seiner drei Pflegerinnen sorgten für einiges Schmunzeln und Gelächter im Stall von Andreas Wöhler. Vor allem dann, wenn es darum ging, wer Scalo reiten sollte. Wer konnte schon wissen, wen es als nächstes treffen würde?

Scalo
Deckhengst Scalo am 07.10.2013 im Haras du Logis Saint Germain.

Noch ist offen, inwiefern sich dieses Gen auf seine neue Laufbahn als Beschäler auswirkt. Ob Laccario an die Erfolge seines Vaters oder Großvaters anknüpfen kann, wissen wir erst am Derbysonntag, wenn sich in Hamburg-Horn die Boxentüren zum 150. Deutschen Derby öffnen.

Eduardo Pedroza, der einstige Reiter von Scalo, stellt dessen Sohn sogar auf eine Stufe mit Ausnahmerennpferd Novellist. Schon jetzt ist Laccaro aber ein würdiger Nachfolger seines Vaters und ein Hoffnungsträger im Stall von Andreas Wöhler, so wie einst Scalo selbst. Sollte der Erfolg gelingen, wäre das exzellente Werbung für die deutsche Vollblutzucht und speziell das Gestüt Ittlingen, die außerdem auch Scalo als Deckhengst internationale Beachtung einbringen könnte.

Nach Hamburg

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