Sebastian Hahn: „Ich kenne alle aktiven deutschen Rennpferde“

Sebastian Hahn und Michael Cadeddu deutschen Rennpferde
Sebastian Hahn und Michael Cadeddu im Portrait in Köln.
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RaceBets Ambassador Michael Cadeddu hat einen Agenten. Er kümmert sich um Ritte für seinen Schützling und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Mit diesem Post wollen wir Sebastian Hahn einmal näher vorstellen. Das Interview führte Kira Kaschek.

Was kann man sich unter der Arbeit als Jockey-Agent vorstellen?

Sebastian Hahn: Im Prinzip lässt sich das relativ einfach erklären: Ich nehme dem Jockey, in diesem Fall Miki, fast alles ab, was abseits des Renngeschehens passiert. Jeden Morgen gehe ich die Nennungen durch und suche entsprechende Ritte heraus, am besten so viele wie möglich. Wichtig ist nicht nur die Quantität, sondern vor allem auch die Qualität der Pferde. Natürlich möchte jeder Jockey jedes Rennen gewinnen. Das klappt selbstverständlich nicht immer. Deswegen ist es wichtig, dass er an jedem Renntag eine entsprechend volle Karte hat.

Sebastian Hahn
Sebastian Hahn im Portrait in Düsseldorf.

Auf der anderen Seite schaut man, dass die ausgewählten Ritte möglichst aussichtsreich sind. Für mich bedeutet das eben, dass ich die Rennen immer so genau wie möglich verfolge, die einzelnen Pferde in Deutschland kenne und weiß, wie sie beim letzten Start gelaufen sind. Es ist immer einfacher, anzufragen, wenn ein Pferd gerade gewonnen hat. Aber eigentlich ist es mir persönlich wichtiger, in welcher Form das Pferd ist und ob es das nächste Rennen gewinnt. Dann sollte Miki drauf sitzen.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit Miki? Sind Sie bezüglich der Ritte immer einer Meinung?

Hahn: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, in der wir uns immer abstimmen. Letztendlich arbeiten wir nun schon über vier Jahre miteinander und jeder weiß in etwa, wie der andere tickt. Deswegen würde ich sagen, dass er mir da schon zu 95 Prozent vertraut. In der Gruppe tauschen wir uns dahingehend aus, dass ich auch nicht jeden Ritt sofort annehme, sondern ihn vorher nach seiner Meinung frage. In dieser Hinsicht ist es relativ einfach, mit ihm zu arbeiten.

Sebastian Hahn und Michael Cadeddu
Sebastian Hahn und Michael Cadeddu im Portrait in Köln.

Wonach wählen Sie die Pferde für Miki Cadeddu aus?

Hahn: Natürlich ist die Entscheidung nicht immer leicht, vor allem wenn beispielsweise mehrere Renntage an verschiedenen Orten gleichzeitig stattfinden. Dazu kommt, dass Miki ja auch noch einen festen Stall hat. Vier bis fünf Tage arbeitet er für das Gestüt Schlenderhahn, sodass wir darauf achten müssen, ob er gegebenenfalls Verpflichtungen für den Stall wahrzunehmen hat. Aufgrund seiner Selbstständigkeit ist das zum Glück oft offen, sodass wir gucken können, wo sich die aussichtsreichen Ritte finden lassen.

Es muss nicht unbedingt immer das Gruppe-Rennen sein. Wenn wir sehen, dass wir irgendwo mehrere vielversprechende Pferde haben, kann das die Wahl auch mal entscheiden. Sollte einmal der Fall eintreten, dass zwei vielversprechende Pferde in einem Rennen sind, entscheiden wir das gemeinsam. Ich vertraue natürlich auch auf Mikis Erfahrung als Jockey. Bei der Auswahl hat er also das letzte Wort.

Sebastian Hahn und Michael Cadeddu
Sebastian Hahn und Michael Cadeddu in Köln.

Wir achten auch auf Hintergrundinformationen aus den Ställen und entscheiden uns anhand aller bekannten Faktoren dann hoffentlich gemeinsam für das richtige Pferd. Unsere Zusammenarbeit ist da aber wirklich sehr harmonisch. Im Prinzip ist daraus eine sehr gute Freundschaft entstanden, die uns die Arbeit erleichtert, weil wir uns eben auch aufeinander verlassen können. Miki weiß auch, dass ich jeder Zeit und in allen Bereichen für ihn ansprechbar bin.

Was ist das Wichtigste an der Arbeit als Agent?

Hahn: Das Wichtigste ist, möglichst alle Pferde einschätzen zu können. Ich würde behaupten, dass ich, zumindest in Deutschland, alle aktiven Rennpferde kenne. Schwieriger einzuschätzen, sind da natürlich die jungen Pferde. Wenn diese das erste Mal am Ablauf sind, kann ich die Chancen nicht so leicht vorhersagen. Was die Handicaps angeht, also die etablierten Pferde, die kenne ich schon sehr gut. Vielleicht noch wichtiger ist das Verhältnis zu Trainern und Besitzern. Diese Beziehungen muss man sich einfach über Jahre aufbauen, denn der Rennsport ist oftmals doch politisch geprägt. Das erfordert manchmal nicht nur diplomatisches Geschick, wenn man beispielsweise einen Ritt absagen muss.

Sebastian Hahn, Christoph Holschbach, Holger Faust, Artin Heboyan und Henk Grewe
Sebastian Hahn, Christoph Holschbach, Holger Faust, Artin Heboyan und Henk Grewe im Portrait in Iffezheim / Baden-Baden.

Für Trainer und Besitzer ist es wichtig, präsent und vor allem auch schnell zu sein, da wir in Deutschland zu wenig Pferde für zu viele Reiter haben. Deswegen versuche ich, so oft wie möglich in die Nennungen zu schauen und auch mit den Trainern zu kommunizieren, sodass man die Informationen bekommt, wo ein Pferd das nächste Mal laufen soll oder ob Miki auch beim nächsten Start im Sattel sitzen kann.

Wie zeitintensiv und umfassend gestaltet sich die Arbeit und ihre Aufgaben?

Hahn: Natürlich ist das einfach auch ein Hobby von mir, also der Rennsport an sich und die Vollblüter. Man muss für diese Aufgabe schon sehr viel Leidenschaft mitbringen. Ich kann das zum Glück sehr gut mit meinem Hauptberuf verbinden, da ich häufig die Ausschreibungen und Nennungen im Auge behalten oder Rittanfragen stellen kann. Mit einem anderen Job würde sich das sicherlich viel schwieriger gestalten, aber so ist das sehr gut händelbar.

Frage: Wie sieht ein typischer Arbeitstag, ein Tag auf der Rennbahn, für Sie aus?

Hahn: Auf der Rennbahn ist es vor allem wichtig, mit den Trainern zu sprechen und beispielsweise für die nächsten Renntage vorzufühlen. Man fragt dann auch schon mal nach einem speziellen Pferd: Wann soll es wieder laufen? Wurde schon ein Jockey verpflichtet? Ich verfolge selbstverständlich die Rennen und besonders Mikis Ritte, überlege aber gleichzeitig immer, welche Pferde ich beim nächsten Mal für ihn anfragen könnte.

Peter Scheid und Sebastian Hahn
Peter Scheid und Sebastian Hahn bei der Pressekonferenz zum Henkel-Preis der Diana im Portrait in Düsseldorf.

Zum Beispiel die, die platziert sind und die dann beim nächsten Rennen auf Sieg stehen. So habe ich einfach ein Auge dafür entwickelt, welche Pferde beim nächsten Start gewinnen können. Im Zeitalter der Digitalisierung wird einem vieles leichter gemacht, man guckt den einen Rennort live und den anderen über einen Stream auf dem Smartphone. Das ist glücklicherweise heutzutage alles kein Problem mehr, aber es ist natürlich sehr zeitaufwendig. Wenn man allerdings vollkommen dahintersteht und Spaß daran hat, fällt es einem überhaupt nicht schwer.

Was, würden Sie sagen, war bis jetzt der schönste Moment ihrer Zusammenarbeit mit Miki Cadeddu?

Hahn: Das war definitiv 2016, als wir zusammen nach Italien geflogen sind. Miki hat damals Skarino Gold im Gran Criterium in Mailand geritten. Das ist das wichtigste Zweijährigen-Rennen in Italien. Wir – beziehungsweise Miki – haben dort gewonnen. Das war einfach der schönste Moment, da wir gemeinsam hingeflogen sind und gefeiert haben. Außerdem ist Miki selber Italiener und hat viele Freunde in Mailand. Da ist so ein prestigeträchtiges Rennen schon etwas ganz Besonderes. Es war rundum eine tolle Erfahrung, die uns noch weiter zusammengeschweißt hat. Genau für solche Emotionen und Geschichten lebt man diesen Sport, vor allem auch Miki als Reiter.

Skarino Gold
Skarino Gold

… und der schlimmste Moment?

Hahn: Einen richtigen Schockmoment hatte ich, als Miki in Mülheim gestürzt ist. Ich habe den Atem angehalten und gebetet, dass alles gut geht. Es ist dann zum Glück alles glimpflich ausgegangen, er hatte eine Rippenprellung und musste zwei Wochen pausieren. Solche Momente möchte man am liebsten gar nicht erleben. Dazu kommt noch, dass es in unserem Sport einfach auch viele Enttäuschungen gibt. Das bringt das Renngeschäft so mit sich.

Zum Beispiel haben wir 2017 in der Diana ein Pferd absagen müssen, das nachher platziert war. Andreas Wöhler hatte damals angefragt, ob Miki Megera in der Diana reiten könnte. Wir sind aber einem anderen Trainer gegenüber loyal geblieben und haben uns am Ende natürlich trotzdem ein wenig geärgert. Natürlich ist es bitterer, wenn man dann mit einer Nase Zweiter wird und sich fragt, ob man wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. 

Feather Storm siegt unter Michael Cadeddu
Feather Storm siegt unter Michael Cadeddu in Mülheim.

Was macht Miki Cadeddu als Menschen und als Jockey so besonders?

Hahn: Als Menschen macht Miki vor allem aus, dass er eine echte Frohnatur ist. Er wird von der Presse oftmals bezeichnet als „Miki, der immer lacht“ und das ist auch so. Das ist eben einfach sein Naturell. Außerdem ist er auch ein sehr ehrgeiziger Mensch. Wir kennen uns jetzt schon sehr lange und ihn ärgert jeder zweite Platz. Wenn er nicht vorne mit dabei ist, ärgert ihn das umso mehr. Es ist diese Mischung aus seiner Frohnatur und seinem Fokus, die ihn so besonders macht. Er möchte einfach immer jedes Rennen gewinnen und gibt immer 100 Prozent dafür.

Wie stellen Sie sich die Zukunft im deutschen Rennsport, auch bezüglich ihrer Arbeit, vor?

Hahn: Der Rennsport ist meine Passion und unser Ziel ist es schlicht und einfach. Miki in der deutschen Jockeyspitze und in der Statistik zu etablieren, sodass er jedes Jahr unter den Top Drei zu finden ist. Man sieht ja auch, dass jetzt die neue Generation nachkommt, wie Maxim Pecheur oder Bauyrzhan Murzabayev – und da zähle ich Miki auch dazu. Das ist dann unsere langfristige Ausrichtung, sodass man sich oben festsetzen kann und sich das wie Andrasch Starke oder Adrie de Vries einfach erarbeitet.

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