Skurriles rund um die Große Woche

Skurriles rund um die Große Woche
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Die Aufgabenstellung für diesen Artikel war über skurrile und witzige Geschichten rund um die Rennen in Baden-Baden zu schreiben. Natürlich kann bei einem solchen Thema kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen. Wir haben recherchiert und zusätzlich diverse Leute aus dem Sport befragt – und alles zusammengetragen. Aber da es den Rennplatz Iffezheim seit dem Jahr 1858 gibt, hätten wir fraglos noch viele weitere Stories aufschreiben können.

Die unvergessene Wette

Beginnen soll dieser Text mit einem persönlichen Erlebnis des Autors. Der hat sich als Belohnung zum Abitur in den neunziger Jahren eine Zugfahrt nach Baden-Baden zur Großen Woche geschenkt. Und zwar nach dem Motto: Morgens hin und am Abend zurück. Die Reise begann im hohen Norden, genauer gesagt in Bremen. In Erinnerung geblieben von diesem Tag ist neben dem Flammkuchen auf der Bahn die letzte Wette. Die führte nämlich zu einem hohen Gewinn. Eigentlich handelte es sich nur um eine Wette nach dem Motto: dabei sein, weil das Rennen dann spannender wird. Der Wettschein wurde ausgefüllt und abgegeben, an der Kasse war der verlangte Betrag (damals noch in DM) höher als gedacht. Vielleicht aus Schüchternheit, möglicherweise auch einfach aus Gründen eines gewissen Bauchgefühls, wurde die verlangte Summe gezahlt. Es handelte sich um eine Dreierwette, die eigentlich nicht geplant war. Allem Anschein nach hatte jemand zuvor seinen Wettschein mit einem stark gedrückten Kugelschreiber ausgefüllt, so dass auf dem folgenden Wettschein, der nun abgegeben wurde, die getippten Pferde mit vermerkt worden waren. Nun ja, die Wette wurde getroffen. Welcher Betrag zur Auszahlung kam, ist nicht mehr in Erinnerung. Aber die Reise war in jeder Hinsicht mehr als bezahlt.

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Wettscheine
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Von Gummibärchen und ihren Folgen

Der Galopprennsport gilt durchaus als gesellig, um es einmal so zu formulieren. Bei den Meetings werden in Iffezheim gerne die Etablissements Derby und Bärle aufgesucht. Und in diesen gibt es die Tradition der Gummibärle. Das ist ein Kurzer, in dem ein Gummibärchen schwimmt. Alle trinken gleichzeitig und von demjenigen, bei dem das Gummibärchen im Glas bleibt, muss die nächste Runde gezahlt werden. Das kann dann schon einmal zu Problemen führen, denn der Rückweg aus dem Derby führt an einem Graben entlang. Und in diesem soll schon so mancher Derby Gast gelandet sein. Es ist auch der eine oder andere Fall eines Aktiven bekannt, der Obstler in der Kantine (Treffpunkt der Aktiven auf der Bahn) getrunken hat und dann dort übernachten musste.

Die Übernachtungen

Im Boxendorf passten die Schlüssel früher zu jedem Zimmer. Da hatte man dann schon mal einen Gast, dem man nicht wollte. Heute ist alles renoviert, aber vor nicht langer Zeit waren 50 Jahre alte Betten und ein Waschbecken in den einzelnen Zimmern. Und man kann sich vorstellen, was diese über die Jahrzehnte alles gesehen haben.

Entlaufen und eingesprungen

Vorfälle rund um die Rennen gab es natürlich einige. Pferde, die entlaufen sind zum Beispiel. Eines mit dem Namen Sprite Rock drehte im Jahr 2011 mehrere Runden und konnte erst nach sehr langer Zeit eingefangen werden. Für Amüsement sorgte der Trainer. Denn der gab trocken zu Protokoll, dass das Pferd ja nun eingesprungen sei. Angeblich konnte die Pflegerin kaum noch an sich halten wegen dieses Satzes. Der Start wurde um eine Woche verschoben, das Pferd Zweiter – ohne zu springen.

Sprite Rock
Sprite Rock

Wunderstute gewinnt

Blicken wir auf den 3. September des Jahres 1978. Der Große Preis von Baden wird gelaufen. Haushause Favoritin ist die bis heute in Erinnerung gebliebene, in 54 Rennen immer siegreiche Stute Kincsem. Ergebnis war damals aber ein totes Rennen. Fast wäre der Nimbus der Wunderstute also beendet gewesen. In der damaligen Zeit war es üblich, einen Entscheidungslauf zu veranstalten. Und der wurde dann von Kincsem gewonnen. Die eigentliche Prüfung ist im Grunde in Vergessenheit geraten. Kincsem war ein spezielles Pferd. Sie konnte nur mit Pfleger Frankie und mit einer Katze auf Reisen gehen. Sie war nur bereit, Hafer und Wasser aus ihrem heimatlichen Gestüt in Ungarn zu sich zu nehmen. Diese Naturalien mussten ständig mit auf die Fahrt genommen werden. Bei einer Reise nach Baden-Baden gab es jedoch einen Unfall und das Wasser lief aus. Vor Ort wollte die Stute nichts trinken. Rein zufällig fand man zu dieser Zeit eine Quelle auf der Bahn. Dieses Wasser nahm Kincsem zu sich.

Erinnerungen an unvergessene Rennen: Der Große Preis von Baden

Der Große Preis von Baden wurde das erste Mal im Jahr 1873 gestartet. Erst 1921 gewann zum ersten Mal ein deutscher Reiter. Zwei Sieger können ein ungewöhnliches Doppel vorweisen. Sie gewannen nämlich zuvor die Goldene Peitsche. Die führt über die halbe Strecke. Heutzutage ist so etwas nicht mehr vorstellbar, das war 1944, als Ticino triumphierte ebenso anders, wie 1954 mit Baal. Im Jahr 1963 wurde ein Zielfoto falsch ausgewertet. 1974 gab es zwei Abteilungen und somit zwei Sieger. Im Grunde unfassbar nach heutigen Maßstäben ist die Tatsache, dass der erste Ritt einer Frau im großen Highlight für Diskussionsstoff sorgte. Sogar ein Verbot des Rittes von Francesca Pflüger soll 1980 diskutiert worden sein.

Hindernisrennen – spezielle Vorfälle

Hindernisrennen gibt es derzeit bedauerlicherweise nicht mehr in Iffezheim, was dringend überdacht werden sollte. Über diese, zum Beispiel über das Alte Badener Jagdrennen, könnten viele Geschichten erzählt werden. Im Jahr 1861 war der Reiter Graf Josef Westfalen mit einem gebrochenen Schlüsselbein erfolgreich. Er war unterwegs gestürzt und wieder in den Sattel gestiegen. Im September 1873 ist angeblich ein Pferd vertauscht worden. Jedenfalls gab es einen Protest, dem nachgegangen wurde. Die Ergebnisse sind nicht erhalten geblieben. Ein Jahr später wurde in einem Rennen mit dem Preis vom Alten Schloss über die Sprünge nur ein Starter genannt. Die Prüfung fand statt. Der lakonische Kommentar im Rennbericht lautete: der Sieger wurde nicht gefordert. 1956 nahm das Favorite-Jagdrennen einen ungewöhnlichen Ausgang. Sieben Starter gab es, Blaubart kam als einziger ins Ziel. Das lag daran, dass alle anderen Pferde an den falschen Kurs gegangen waren.

Jockeyerlebnisse

Bei der Großen Woche im Jahr 1926 wurde Jockey Everett Haynes zu einer Strafe von 300 DM verurteilt, weil er einen Konkurrenten mit seiner Peitsche geschlagen hatte. Jockey Polgar ritt 1933 Varro. Seltsam war nur, dass das Pferd von seinem Trainer eigentlich gestrichen worden war. Mit 69 Jahren war im September 2000 der Ungar Pal Kallai der älteste Reiter, der angeblich auf dieser Bahn ein Rennen bestritten.

Bahnrekord vom verkannten Bäckerpferd

Eine Peitsche
Eine Peitsche, Foto: Edward Whitaker

Im Jahr 1974 stellte der Hengst Garzer einen Bahnrekord auf. Der war von seinem ersten Trainer von der Distanz her falsch eingeschätzt worden, was später vor allem aus dem Grund für Schlagzeilen sorgte, weil er lange vor Ort trainiert wurde für einen bekannten Bäcker aus der Region. Der wechselte den Trainer, welcher mit dem Hengst zurück nach Baden-Baden kam und sogar die Goldene Peitsche gewann. Ein Jahr später war Garzer das schnellste Pferd, welches jemals in Iffezheim über 1400 Meter gewinnen konnte.

Vorfälle abseits des Geläufs

Einem kleinen Jungen gelang im Jahr 1985 ein bemerkenswerter Fund auf der Rennbahn. Er fand einen verschlossenen Briefumschlag mit dem Inhalt von 14.500 DM! Der sollte für einen Anteil an einem Deckhengst genutzt werden, doch Albert Steigenberger verlor den Umschlag. Der Junge brachte den Scheck samt dem Schreiben zurück und erhielt angeblich 20 DM Finderlohn.

Jahrzehnte zuvor, in den fünfziger Jahren, gab es eine Verzögerung, weil die Rennleitung nicht mehr aufzufinden war. Die hatte sich in ein Beratungszimmer in der Waage zurückgezogen, aber jemand hatte das Zimmer von außen abgeschlossen und man saß fest. In einer Zeit ohne Handys fiel dies nicht direkt auf. In den späten siebziger Jahren war es bereits üblich, Dopingproben zu nehmen. Eine sorgte beim zuständigen Institut in Köln jedoch für Aufsehen. Die Inhalte waren unerklärlich. Es gab jedoch eine einfache Erklärung. Für einen Bericht im Fernsehen wurde eine Dopingprobe inklusive der Abnahme nachgestellt. Anstatt Urin des Pferdes kam Tee in den Behälter. Dumm war nur, dass ausgerechnet die nicht echte Probe mit dem Tee auf Doping getestet wurde.

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