Das Peitschenproblem

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Der Rennsport hat ein Problem: Die Peitsche. Sie ist problematisch, weil a) niemand versteht, was er sieht, wenn er nicht erklärt bekommt, was geschieht und b) weil der Rennsport ein schlechtes Image hat. Derzeit wird das Geplärre nach der Abschaffung immer größer. Man möchte sich den “Tierschützern” anbiedern, versteht aber nicht so ganz, dass die auch nicht ohne Peitsche “Hurrah” schreien, sondern den Rennsport immer schlimm finden werden, auch wenn man ohne Peitsche herumfuchtelt. Die klatschen nicht, nur weil es in Norwegen ohne Peitsche geht (ja, da ist die wirklich verboten).

Wenn ich euch jetzt frage: Wie oft darf ein Dressurreiter die Gerte benutzen – dann habt ihr darauf keine Antwort. Weil es keine gibt. Oder die Sporen. Wenn ihr mich fragt, wie oft ein Jockey seine Peitsche benutzen darf, muss ich sagen: Fünf Mal. Die Regelung ist unumstößlich – zählen können die Jockeys aber trotzdem nicht immer. Besonders dann nicht, wenn sie etwas unbedingt gewinnen wollen und der Sieg zum Greifen nahe ist. Da wird auch mal kurz Blitzamnesie im Hirn gemacht und halt sehr großzügig bis fünf gezählt, die daraus resultierende Sperre wird in Kauf genommen.

Für das norwegische System spricht es, dass die Pferde mit der Peitsche nicht wirklich schneller werden. Dazu gibt es Studien (wow, sogar die namhaften Reitsportzeitschriften sind mittlerweile mal dahinter gekommen) und das stimmt. Spricht also dafür, dass man die Peitsche gar nicht braucht. Nur – es ist ja nicht so einfach. Wenn man jetzt dem Dressurreiter das Bein wegnimmt (natürlich hypothetisch, wir sägen jetzt nicht ein paar Dressurreitern zum Testen die Beine ab), dann fehlt ihm eine Hilfe. Die fehlt auch dem Jockey, wenn man ihm den Peitschenarm wegnimmt. Ihm fehlt generell eine mehr als den anderen Reitern. Dann noch eine mehr. 

Das Pferd kennt die Peitsche und die damit verbundene Hilfe. Wie soll sich das nun gestalten? Ab Jahrgang X ohne Peitsche? Wäre überhaupt die einzige Lösung, denn die älteren Pferde kennen die Peitsche (und sie fürchten sie nicht) und werden vermutlich auf ein Signal warten, das nicht mehr kommen kann. Schließlich sind Pferde konditioniert. Also müsste man einen Schnitt machen, der nicht alle Pferde betrifft. Zudem sollte ein Mitführen dennoch erlaubt sein, zur Unfallverhütung, damit das Pferd nicht wild die Spuren kreuzt, gerade bei unausbalancierten Pferden.

Wäre es aber nicht viel einfacher, wenn man die Peitschenregel anderweitig verschärft? Der Jockey also nicht billigend die Strafe in Kauf nimmt, Hauptsache er gewinnt? Vielleicht wäre eine Disqualifikation sinnvoll. Oder eine Sperre des Pferdes, nicht des Jockeys, dann vergeht auch dem Besitzer vielleicht die Lust, dem Jockey die Sperre und das Strafgeld zu zahlen. 

Ich glaube nicht, dass der Rennsport mehr Zuschauer erhält, wenn er die Peitsche abschafft. Man hat sich in so vielen Dingen schon an die Sehgewohnheiten der Zuschauer angepasst (auch mit der Peitschenregel), während andere Reitsportarten es nie mussten. Und es hat nichts mit Whataboutism zu tun, wenn in der Dressur weiter Rollkur geritten werden darf (laut Reglement 10 Minuten beim abreiten überhaupt erlaubt) und im Rennsport die Peitsche weg soll. Denn es liegt nur daran, dass der Laie nicht sehen kann, wo der Unterschied zwischen Rollkur und Anlehnung ist, er aber sehen kann, wenn ein Pferd “geschlagen” wird. Ein Laie sollte aber nicht entscheiden dürfen, was in einem Sport zulässig ist und was nicht. Daher muss der Sport das für sich selbst entscheiden. Nicht durch das Gebrüll von außen.

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