Aintree – Home of the Grand National

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Turfteufel Grand National
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Wo fängt man an, nach so einem Overkill an Rennsport? Wenn man wieder im langweiligen Deutschland sitzt, wo es maximal beim deutschen Publikum im Hintern kribbelt, wenn Diana oder Derby gelaufen werden. Wo beim Hauptrennen der steife Deutsche sich mal kurz vergisst und in ungezügelten Jubel, Wettkampffieber, whatever ausbricht. Einen kurzen Moment der Liebe für den Rennsport.

In Aintree … da ist es der ganze lange Renntag, das ganze Meeting. Aus jeder Pore dieser Rennbahn trieft Faszination, Leidenschaft und ein bisschen Größenwahn. Wir feiern Hindernisrennen – scheißegal, was die Welt davon hält – aber wir laden jeden ein mit uns zu feiern.

Wenn man also in Aintree aussteigt und mit der Masse an Menschen zur Rennbahn rübergeht, dann wird dieser Kontrast für einen winzigen Moment klar, denn man geht an einer kleinen Gruppe Tierschützer vorbei. Die sind scheinbar arm und haben alle nur ein Schild (und wenn man ein bisschen häufiger mit Tierschützern aneinander rasselt, dann kennt man sogar das Bild).

Aintree Grand National

Kein Besucher würdigt diese Protester eines Blickes. Sie buhen sie nicht aus, pöbeln sie nicht an, sie gehen vorbei. Egal was die rufen. Jeder weiß, dass diese Menschen keinen Dialog wollen, sich nichts ansehen möchten – sie haben ihre Meinung. Und die Rennsportler haben ihre. Zwei unversöhnliche Seiten. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich mit denen unterhalte. Aber dann dachte ich: Wie geht das hier in Deutschland immer aus? Ach, lassen wir das, ist nur dasselbe … auf Englisch.

Und dann betritt man diese wunderbare Bahn mit den drei Kursen, dieses weitläufige Areal, das Mekka des Hindernissports. Geht man seinen Weg um die Bahn kann man sie alle sehen: Becher’s, Foinavon, Canal Turn, Valentine’s. Nur zum Water Jump kommt man nicht. Trügerische Dinger, alle ungefähr so hoch wie ich (nur wenn ich auf der Landestelle vom Becher’s stehe, dann ist der natürlich höher). Und weil man ja weiß, das Pferd springt mehr durch als drüber, dann kommt einem das doch ganz moderat vor.

Spätestens am Canal Turn versteht man aber, was die Schwierigkeit an diesen Sprüngen ist (und dazu gehört erst mal gar nicht, dass das Rennen besonders lang ist und 40 Pferde starten). Dennoch, was im Fernsehen imposant wirkt (jedenfalls wirkten die Sprünge auf mich Imposant), wirkt von Angesicht zu Angesicht harmlos. Es ist vermutlich ein Zwischending aus beidem.

Aintree

Um das Geläuf für das National zu schonen, findet am Samstag kein einziges Rennen auf der Bahn statt, die Hurdles werden außen oder innen gelaufen. Das Geläuf wird bewacht und geschützt, obwohl man den Leuten erlaubt, Erinnerungsfotos zu schießen. Nur eben nicht überall.

Schon im ersten Rennen ist der feine Unterschied merkbar. Es ist laut in Aintree. Wirklich laut. Und zwar positiv laut, denn die Leute feuern die Pferde an, wo man hinhört sprechen Leute wirklich über die Leistungen der Pferde, nicht über irgendwelche anderen Themen. Übrigens auch stockbesoffen, zu einem guten Grand National gehört sehr viel Alkohol (und wow, das ist teuer, mit reinbringen darf man nämlich nichts).

Aintree RennBahn

Und als es so an die 17 Uhr ging, veränderte sich die Stimmung auf der Bahn noch einmal. God save the queen, von einer Meute von 70.000 gegrölt – hat was. Eine Parade von 40 Pferden, die Irish Guards, die die Trophäe bringen – wow. Bis zum National gab es einfach nur wunderbaren Sport. Kein einziges gestürztes Pferd, kein Jockey fiel – nichts. Trügerisch harmlos.

Und am Ende sah man ein riesiges Feld, das sehr fair mit seinen Pferden umging und massenweise aufpullte, sobald das Pferd müde wurde. Sehr wenig Stürze. Viele, die zu Ende geritten sind. Und dann der triumphale Sieg von Tiger Roll, der mit Red Rum gleichzog. Red Rum, auf der Zielgeraden begraben, heute noch verehrt. Die Hütte stand Kopf.

Und ja, ich muss natürlich auch ansprechen, was im Grand National am ersten Sprung geschah. Up for Review starb dort. Das Grand National versucht schon seit Jahren sein Image zu verbessern und es für Pferde und Reitern eine sicherere Angelegenheit zu werden. Das ist richtig und wichtig, nur der Tod von Up for Review hatte leider gar nichts mit all diesen Verbesserungen und künftigen Verbesserungsmöglichkeiten zu tun.

Zunächst sei gesagt: Auf der Bahn hat man davon gar nichts mitbekommen. Vintage Clouds und Up for Review sind am ersten Sprung gestürzt. Und nein, das ist auch nicht so ganz richtig. Sie sind hinter dem ersten Sprung gestürzt. Weil Vintage Clouds gestolpert ist. Da nützt es gar nichts, dass der erste Sprung ein total harmloses Dingen ist, dass so viel Verbesserungen passiert sind, Vintage Clouds hat beim Aufstehen Up for Review berührt, der daraufhin fiel.

Grand National 2019

Die Kamera war so schnell beim nächsten Sprung, dass man gar nichts groß wahrgenommen hat. Vintage Clouds trabte munter umher (nur ihn hat man überhaupt als Faller wahrgenommen) und wurde von seinem Jockey eingesammelt. Erst als die Plane geholt wurde, konnte man erahnen: Da stimmt etwas nicht. Vermeidbar war das jedoch nicht. Das hatte nichts mit den Sprüngen oder der Distanz zu tun – sondern schlichtweg damit, dass Pferderennen immer ein gewisses Risiko haben und Reiten ganz allgemein.

Und es vor allem dann prominent wird, wenn man es mitbekommt. Es wird eben mit einem Mal persönlich, wenn das Pferd gerade noch mit Namen an dir vorbei geführt wurde. Es hat ein Gesicht, es ist keine Nummer. Sondern ein Stern, der gerade zu Fall gebracht wurde. Und vor allem deswegen stürzen sich die Tierschützer auf Pferderennen – Flach wie Besen. Auf dem Dorfturnier das Pony Pucki lahm bestreitet und anschließend seinen Weg zum Metzger antritt – da sieht man sie nicht. Da war schließlich keine Kamera. Und wer kennt schon Pucki?

Um das aber mal mit Schwarzeneggers Worten zu sagen: „I’ll be back.“ Man MUSS einfach wiederkommen. Einmal Aintree, immer Aintree.

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